O’zopft is!


Wenn man sich seit vielen Jahren durch digitale Tango-Einladungen kämpft, die einem vor allem Facebook täglich dutzendfach und unerwünscht vermeldet, kann einen so leicht nichts mehr erschüttern.

Man muss daher schon weit mehr als den üblichen Käse veröffentlichen, um es auf mein Blog zu schaffen. Dennoch gibt es immer mal wieder herausragende Einzelleistungen, die einfach zu schade sind, um im Orkus der Tangogeschichte unbelacht zu verschwinden. Da es sich bei der FB-Gruppe „Tango München“ um eine fast reine Werbeseite handelt, bietet sie einen reichen Schatz an tatsachenarmen Werbebotschaften, sprachlichen Verhunzungen, peinlichen Übertreibungen, notorischen Wiederholungs-Posts und anderen Kreativitäten.

Gestern fand ich dort zwei besonders hübsche Nachrichten:

„Noch 3 x im September“ gebe es Unterricht nach dem Motto „Technik Intensiv“ zu je 75 Minuten. Und weiter:

„Hier geht es richtig zur Sache:
Im Technik-Intensiv-Kurs beschäftigen wir uns mit allen nur denkbaren Schwächen, die Tänzer und Tänzerinnen mitbringen oder im Laufe ihres Tangolebens entwickeln und die den Tanz mühsam und unerfreulich machen können.

Im Fokus stehen unter vielen weiteren Schwerpunkten:

Verbessertes Gleichgewicht
Körperspannung
Haltung und Rahmen
Geschicklichkeit in der Beinarbeit
Koordination
Verzierungen, Eleganz
Technik und Analyse
Beweglichkeit“

Da sage ich doch: Respekt, wenn man seine Unterweisungen gleich auf mehrere Jahre im Voraus plant!

Eher von der emotionalen Seite packt uns die Ankündigung einer „Milonga genial“:

„Auch diesen Mittwoch wieder im wunderschönen Spiegelsaal mit groooooßen Fenstern zum gscheiden Lüften und Schwingboden zum super tanzen!!!
Und Lichterketten natürlich, die dürfen nicht fehlen!!!“

In der Vorschau wird es noch toller – man lädt zum „Oktoberfest-Special“ ein. Über solche schrecklichen Auswüchse habe ich mich schon vor vier Jahren echauffiert:

Und wem diese grauslige Mixtur von bayerischer Tradition und Denglisch noch nicht reichen sollte:

Es gibt dort auch einen „Tango bavario Workshop”!
  
Nun habe ich meinen Google-Übersetzer heiß laufen lassen, aber leider: „Tango bavario“ gibt es in keiner Sprache!

Spanisch (oder portugiesisch) müsste es „Tango bávaro“ heißen, italienisch dagegen „Tango bavarese“. Am ehesten käme noch Esperanto hin, aber da würde man „Tango Bavaria“ schreiben. Fürwahr genial!

Endgültig an die Tastatur getrieben hat mich jedoch das Motto dieser Dirndlmilonga:

O'donzt is!!!”

Ja, Himmikreizkruzitürkn, jetz hol I glei mein Oxnfiesel raus und schlag di aso her, Haderlump, g’selchter!

„O’danzt“, wenn schon, gell? Der legendäre Münchner OB Thomas Wimmer, der auf dem Oktoberfest 1950 den Brauch des Anzapfens eingeführt hat, sagte ja schließlich auch nicht „O’zopft is“!

Bestenfalls klingt das nach unserem Aiwanger Hubert, der auch „Opfesoft“ sagt, aber der stammt aus Niederbayern, und dort gibt es bestenfalls das Straubinger Gäubodenfest. Host mi?

Echt, ich habe mich nun wahrlich an das Pseudospanisch gewöhnt, mit dem Tangoveranstalter und Lehrer mich seit Jahren sekieren. Aber vom Boarisch’n lasst’s bittschön eire Saugriffi, Kapito?

Zur Einübung schlage ich dieses Volkslied vor:  

Wann I zum Tanz’n geh,
tuat mia koa Fuaß net weh,
wann i dann arbat’n muaß,
aus is‘ mit’m Fuaß!

Nötigenfalls auch die dritte Strophe:

Für d‘ Flöh gibt’s a Pulver,
für d‘  Schuach gibt’s a Wichs,
für’n Durscht gibt’s a Wasser,
für die Dummheit gibt’s nix!

Übrigens: Bayerischen Tango kann man auch in Krakau tanzen:


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