Sonntag, 29. November 2015

Von der Feinsinnigkeit traditioneller Tangovertreter

Als wir das Video unserer „Wohnzimmer-Milonga“ veröffentlichten, war mir schon klar, dass gewisse Naturen dies benutzen würden, heftig über mich abzulästern. Und ich sah voraus, dass die Angriffe – wie bei jedem Hahnenkampf – nicht den beteiligten Damen gelten würden, sondern mir. Selbstredend kam es auch so:

Neben dem Kollegen Cassiel tat sich nun der Leiter einer Wiener Tangoschule hervor, nach eigenen Angaben „Tanzpädagoge, Tanz- und Kunsttherapeut, Psychotherapeut und Supervisor“ – und natürlich Veranstalter von Encuentros.

Bereits vor einiger Zeit erhielt ich von ihm via Facebook eine Nachricht, da er sich wohl über meinen Text zu Tandas und Cortinas geärgert hatte. Er warf mir „Demagogie“ vor, betonte allerdings, er wolle mit mir nicht diskutieren. Na gut, auch recht…

Dennoch setzte er gestern zum Generalangriff an. Zu unserer „encuentro-kompatiblen“ Video-Alberei bemerkte er auf Facebook als „Max Berger“ (gefakter FB-Account): „Als von unfassbarer Primitivität getriebener Riedl, wäre es wohl im höchsten eigenen Interesse gewesen, ebenfalls anonym zu bleiben!“

Zum Video der „Wohnzimmer-Milonga“ entspann sich der folgende Dialog, den ich nicht weiter kommentieren möchte:

28.11.15
Max Berger: .. der Tanz ist ein Albtraum! Der Tänzer hat überhaupt kein Gefühl für seinen Körper und die Musik. Jegliche, für den Tango spezifische Verbindung zur Partnerin fehlt. Es verursacht körperliche Schmerzen das Video zu betrachten. Gewaltmäßig wird versucht tradierte Figuren aneinanderzureihen, was einen erbärmlichen Eindruck macht. Als Autor eines Buches über den Tango Argentino, versucht dieser Antitänzer anscheinend seine Defizite zu kompensieren und gleichzeitig in höchst aggressiver Weise auf die Tangowelt einzuschlagen. Sein Tanz wie sein Buch sind von gleicher Primitivität gezeichnet. Seine Welt hat rein gar nichts mit der Feinsinnigkeit des Tangos zu tun.

Gerhard Riedl: Typischerweise kommt dieser Kommentar von einer völlig anonymisierten Facebook-Seite – ja, ja, der Mut zur persönlichen Identifizierung…
Niemand zwingt Sie allerdings, sich primitive Albtraum-Videos anzusehen, die Ihnen körperliche Schmerzen bereiten – es sei denn, Sie sind entsprechend veranlagt, aber dann ist meine Seite hier erst recht nix für Sie.
Dass Ihre Kinderstube offenbar weit entfernt von "Feinsinnigkeit" stand, wird ja aus der Wortwahl mehr als deutlich.
Nun hatten Sie ja zweimal Gelegenheit, hier Dampf abzulassen. Weitere Beschimpfungen muss ich mir auf meiner Seite aber nicht bieten lassen. Sollten Sie noch einen Beitrag dieser Art posten, werde ich mein Profil für Sie sperren!

Max Berger: Selbstverständlich zwingt mich niemand dazu diesen hilflosen Tango anzuschauen. Im Vorhinein kann man ja nicht wissen was einen erwartet. Außerdem ist es informativ über den Autor etwas zu wissen, dessen Bücher etwas über den Tango sagen wollen. Des Autors Hoffnung, eine gute Kinderstube anderer Menschen könnte ihm vor der Konfrontation mit den Tatsachen schützen, ist ja fast rührend.

Gerhard Riedl: Na schau‘n Sie, das war ja fast schon sachlich! Der Vorteil guter Kinderstube ist es nicht, vor kontroversen Diskussionen zu schützen, sondern persönliche Angriffe zu vermeiden.
Übrigens vermute ich, dass Sie durchaus wussten, was Sie in etwa erwartet, damit Sie sich dann empören konnten, da Ihr erster Kommentar aus ideologisch gefärbten Floskeln besteht. Aber wie dem auch sei – ich habe nicht behauptet, den ultimativen Tango zu tanzen (auch nicht im Buch), sondern lediglich, dass wir bei den Aufnahmen viel Spaß hatten – und darauf leiste ich (und die anderen Mitwirkenden) jeden Eid!
Alsdann, Butter bei die Fische: Schreiben Sie doch mal eine fundierte Rezension zu meinem Buch (gerne auch kritisch) oder zu dem Video – das dürfte schwieriger sein als hier ein paar Sprüche abzulassen!

SaTho Tango: Zum Video wurde alles von meiner Seite gesagt. Klar und präzise in Kurzform. Ebenfalls zum Buch - siehe mein Kommentar. Hätten sie sich genauso kurz gehalten, statt dieses Aggressionsbuch - getarnt als Satire - zu schreiben (vielleicht können sie sich nun selbst die Kurzformel in quasi drei Sätzen geben), hätten sie der Mitwelt und sich selbst wohl einiges erspart. Gerne gebe ich für sie meine Anonymität auf. Mein Austausch mit ihnen ist aber damit beendet.

29.11.15
Gerhard Riedl: Sie haben mir ja schon mal in einer persönlichen Nachricht mitgeteilt, Sie wollten nicht diskutieren. Wollen Sie auch nicht – stattdessen nur eben mal mit ein paar bösen Sprüchen abqualifizieren. Sie arbeiten mit genau den Methoden, die Sie mir vorwerfen (eine Erfahrung, die ich nicht das erste Mal in solchen Fällen mache). 
Man muss sich das schon auf der Zunge zergehen lassen: Da wird extra ein FB-Account gefakt, weil man sich zunächst nicht traut, die wahre Identität mit polternden Ausdrucksweisen zu verknüpfen – wie mutig! Und mein Verdacht war richtig: Sie wussten natürlich schon vorher, dass Sie sich über das Video aufregen wollten. Und klar, dass Ihnen als Encuentro-Veranstalter meine Ansichten nicht passen. Schön, dass all dies einmal öffentlich dokumentiert ist!
Unter diesen Umständen ist mein Austausch mit Ihnen nun auch beendet. Sollten Sie sich daran nicht halten, sperre ich Ihren Zugang und damit fliegen hier alle zugehörigen Beiträge raus. Damit diese unglaubliche Geschichte aber der Nachwelt erhalten bleibt, habe ich natürlich Kopien, die ich bei Gelegenheit auf meinem Blog für einen Beitrag verwenden würde.
Ich hoffe, das war nun kurz und verständlich genug!

SaTho Tango: Da muß ich doch glatt meine Ankündigung, den Austausch zu beenden, revidieren. Halten sie das mit dem Löschen wie sie wollen. Und vor allem: Schalten Sie insbesonders ihren Verstand ein und lesen sie ihren eigenen Text vor allem mit Augenmerk auf die Schlüsse die sie ziehen, die rein phantastischer Art sind. Tatsächlich ist es nämlich ganz anders als von ihnen interpretiert.. Aber vielleicht ist Folgendes eine gut Übung für sie, die sie weiterbringt: Versuchen sie andere Interpretationen und schauen sie welche Haltungen diese anderen Interpretationen zur Voraussetzung haben würden. Das kann sehr lehrreich sein! Denn im Hinblick auf die zu erwartenden zukünftigen "Verkündigungen" ihrerseits den Tango betreffend für eine breitere Öffentlichkeit (z.B. ein Buch), erscheint Selbstreflexion besonders angebracht. Sonst wiederholt sich doch nur immer das Gleiche, wie es leider schon all zu lange der Fall ist.

Um solche Wiederholungen zu vermeiden, habe ich heute meine Facebook-Seite für diesen Teilnahmer gesperrt.

Weitere Infos (natürlich ohne Impressum): http://www.satho-tango.at
Mit Impressum dagegen: http://www.satho.de

P.S. Nein, ich habe nie behauptet, ein Startänzer zu sein! Ja, ich tanze in gebückter Haltung – das steht bereits in der ersten Ausgabe meines „Milonga-Führers“ auf Seite 19. Doch, trotzdem macht es einigen Frauen Spaß, mit mir zu tanzen!


Nachtrag:

Aber Thomas Mayr kann auch anders! In einer Sendung von „Okto TV“ am 5.7.16 äußert er sich zu einem neuen Tangoprojekt:

„Der Tango ist so etwas Antifaschistisches, gegen jegliche Form von Nationalismus, der andere ausgrenzt, dass wir uns gedacht haben, es ist schön, auf dem Antifaschismusplatz …ah… so etwas Völkerverbindendes wie den Tango stattfinden zu lassen, wo wir uns begegnen, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Sprache, ja… kulturellem oder religiösem Hintergrund, ganz einfach, wir umarmen einander, so wie das Zigtausende Menschen in ganz Europa tun.“

Na, dann sind wir ja beruhigt!

Donnerstag, 26. November 2015

Zitate zur Impressumspflicht

„Der wesentliche Unterschied zwischen uns liegt in dem Umstand begründet, dass Gerhard R. sein Buch, den „großen Milongaführer“, begleitend bewirbt und ich mit meinen Blog weder gewerbliche noch geschäftliche Ziele verfolge.“
(Cassiel in „Tangoplauderei, 24.9.15)

Buchbesprechung: Michael Lavocah - Tango Stories: Musical Secrets
„Um es in einem Satz vorweg zu nehmen: Das Buch ist gut und wichtig und ich möchte es jeder Tanguera, jedem Tanguero ans Herz legen (…) Abschließend fasse ich noch einmal zusammen: Ein höchst erfreuliches Buch, das jede / jeder im Tango gelesen haben sollte (…) Das in englischer Sprache verfasste und sehr ordentlich gebundene Buch (…) ist für 15 £ (…) online bei (…) zu bestellen.“
(Cassiel in „Tangoplauderei, 25.9.12)

Cassiel Tangoblogger hat Melina Sedós Foto geteilt
„Ich mache wirklich nur ausgesucht Werbung, weil mir manchmal der gesamte Facebook-Hype ziemlich auf die Nerven geht. Heute eine Ausnahme und eine herzliche Empfehlung: Das Buch von Melina und Detlef. Auch ich kenne den Inhalt nicht, bin aber begeistert von diesem Foto (wer traut sich denn bitte heute noch, beispielsweise Schwarzweissfotos zu veröffentlichen). Ich denke das wird sehr spannend und ich kann es kaum abwarten, es zu lesen (...). Bestellt werden kann das Buch übrigens online: http://www.caminarabrazados.com/order/“
(Cassiel, 30.7.15, https://www.facebook.com/cassiel.tangoblogger?fref=ts)


„Die Formulierung ‚Dienste bereitstellen, die sonst nur gegen Entgelt verfügbar sind‘ zeigt, dass es nicht darauf ankommt, ob ein Websitebetreiber mit seinem Angebot wirklich wirtschaftliche Zwecke verfolgt, sondern nur darauf, dass typischerweise mit solchen Angeboten ein Entgelt erstrebt wird. Ein Anbieter, der aus idealistischen Gründen kostenlos Dienste anbietet, die in der Regel nur entgeltlich erfolgen, fällt unter § 5 TMG.“
(Dr Stephan Ott, http://www.linksandlaw.info/Impressumspflicht-Notwendige-Angaben.html)

Gerade erst gefunden: Ein interessantes Video eines auf Medienrecht spezialisierten Rechtsanwalts (zugleich Lehrbeauftragter für Social Media Recht an der FH Köln):
https://www.youtube.com/watch?v=xJVbr6Nkvn0

Neuester Nachtrag: Seit gestern (22.3.16) macht Cassiel nun ganz unverhohlen Werbung für Buch und DVD von Melina Sedó uns Detlef Engel:
http://tangoplauderei.blogspot.de/2016/03/Caminar-Abrazados-Melina-Sedo-Detlef-Engel.html 

Mittwoch, 25. November 2015

Tango für Cassiel


Der Bloggerkollege Cassiel rüffelte jüngst die Youtube-Fassung unserer „Wohnzimmer-Milonga“ hinsichtlich des Tanzstils vom „Pensionisten, Autor und Blogbefüller“ Gerhard Riedl: „Sein jüngst veröffentlichtes Video hat mir noch einmal deutlich gezeigt: Sein Verständnis von der Musik und vom Tanz (ab: 5'49") im Tango hat mit meinem Tangobegriff keinerlei Berührungspunkte.“

Daher haben wir die inkriminierte Szene encuentrokompatibel nachgedreht!



Dienstag, 24. November 2015

Liebes Tagebuch... 6



Kürzlich auf einer Milonga: Eine Tänzerin, die mir schon längst aufgefallen war, da sie unser Tun auf dem Parkett lächelnd mit Blicken verfolgte. Offenbar gefiel ihr, was sie sah – kein schlechter Grund, sie vor unserer Abfahrt noch aufzufordern.

Das Restrisiko: Ich hatte sie vorher nicht tanzen sehen. Ein Prise Abenteuer also in unserer inzwischen ach so ordentlichen Tangowelt! Und irgendwie ahnte ich schon, dass es ein bemerkenswertes Erlebnis werden sollte…

Um mit dem Negativen anzufangen: Sie konnte nicht wirklich Tango. Umarmung, Achse, Fußtechnik, Körperspannung, Basics – die „Mängelliste“, wenn ich sie denn hätte erstellen wollen, wäre lang geworden.

Dazu hatte ich allerdings weder Lust und noch gar Zeit: Sekunden nach unserem Beginn übernahm sie das Kommando und trieb zur (glücklicherweise dynamischen) Musik vielfältigste Kapriolen. Aus dem Tangorepertoire waren ihre choreografischen Muster nur ansatzweise – eigentlich aus überhaupt keiner mir bekannten Tanzart – eher ihrer Fantasie entsprungen.

Ich bin sicher, die Mehrzahl der Tangueros hätte die Dame spätestens nach einem Tanz wegen „Unführbarkeit“ wieder abserviert. Oder wäre ihr Verhalten bei denen „braver“ ausgefallen? Fest steht, dass sie meine Konzentration in einem Maß beanspruchte, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Natürlich hätte ich diese Frau in bekannter Manier in einen „Schraubstock-Klammergriff“ nehmen und ihr irgendwelche „Grundschritte“ aufdrücken können. Mein Rezept in solchen Fällen lautet jedoch umgekehrt: machen lassen, bei ihr bleiben und dennoch nicht im Weg stehen – also mittanzen statt führen.

Es war ja nicht so, dass sie meine Anregungen völlig ignorierte. Sie nahm sich das, was ihr in den Kram passte, ließ mir sogar manchmal die Zeit für kleine solistische Einwürfe – und irgendwie blieben wir tatsächlich in der Musik. Allerdings war es ein Ritt auf der Rasierklinge!

Als wir uns nach vier Tangos schwer atmend, jedoch ehrlich bedankten und verabschiedeten, hatten wir so ziemlich alle „Reglements“ des Paartanzes gebrochen (außer, dass wir niemanden gerempelt oder gar umgetanzt hatten). Und trotzdem (oder deshalb?) war uns etwas völlig Unwiederholbares gelungen, an das zumindest ich noch lange denken werde.

In der Garderobe lief mir eine Tangobekannte über den Weg. Ich konnte mir den Spruch nicht verkneifen: „Da heißt es immer, der Mann führt. Was für ein Unsinn!“ Da sie (wohl nicht als Einzige) unser Treiben auf dem Parkett verfolgt hatte, war ihr sofort klar, worauf ich anspielte: „Na, soweit ich sehen konnte, hattet ihr doch beide großen Spaß!“

Ja, tatsächlich hatte diese Tänzerin mir etwas geschenkt, was im heutigen Tango ziemlich rar ist: Verrücktheit. „Mit einem Gedicht und einer Posaune dein Herz zu wecken“ – vermutlich hätte sie verstanden, was Horacio Ferrer da in „Balada para un loco“ meint. Was wäre der Tango ohne die Bekloppten?

Loca ella y loco yo!"

Sonntag, 22. November 2015

Playlist der Wohnzimmer-Milonga am 22.11.15



Osvaldo Fresedo: Rendezvous porteño (zum Schuhe wechseln)
Enamorado estoy
Unica
La viruta
Sobre el pucho

El Arranque: Clásicos
Tema otoñal
El choclo
Intimas
Que te importa que te llore

Musik aus Peru
Tango illimani
Mi culpa (Vals criollo)
Estás indiferente (Vals criollo)

Vanina Tagini: Otro cantar
Romance de barrio
Niebla del Riachuelo
Puente de los suspiros
Milonga de mis amores / Bien criolla y bien porteña

Juan Cáceres: Murga argentina
Ladelmono
Así me gusta
Murga argentina

Esteban Morgado Cuarteto: Milongueros
Cinema Paradiso
Oblivion

Lesung: Manuela Bößel
“Instant Tanguero” aus ihrem neuen Buch “So kann man das nicht sehen”

Breakdance-Show: Leon Stallforth

Tango passion: World tour
Calambre
Milonga del angel
Diablo fast

Sexteto Milonguero: „7“
Flor de lino
Paisaje
Bajo un cielo de estrallas

Héctor Pacheco y orquesta Carlos García: Tangos romanticos
El vals de los quince años
Canto de amor
Despues de carnaval
Poema

Luis Bravo: Forever tango
Obertura
El día que me quieras
Comme il faut
Volver

Florindo Sassone
La cumparsita
El escondite de Hernando
La morocha

La vida es una milonga vol. 2
La vida es una milonga (Pedro Laurenz)
Maldonado (Pedro Laurenz)
La milonga de mis perros (Francisco Canaro)

Lidia Borda & Victoria Moran
En un feca
Recuerdo malevo
Arrabal amargo
Danza maligna

Héctor pacheco & orquesta Osvaldo Fresedo
Nostalgias
Lluvia sobre el mar
Muñequita de Paris

Tanda con otros ritmos: Ulrich Tukur und die Rhythm Boys
Am Steinhuder Meer (Calypso)
Schluckauf Mambo
Wienerlied (Langsamer Walzer)
So wird’s nie wieder sein (Foxtrott)

Wir danken unseren zahlreichen Gästen für den wunderschönen Nachmittag!