Donnerstag, 27. Februar 2014

Festiwal mit Würgschubs und Milongaga



Der Verein „Tristeza y Corazón Bisping“
lädt euch herzlich ein zum
Internationalen Festivalito del Tango
am 1. und 2.3.14
im Evangelischen Gemeindehaus, Gewerbegebiet 14, 46769 Bisping


Seminarios del Tango

Zu unserer großen Freude konnten wir dieses Jahr das international bekannte Tangolehrerpaar Cortina Tanda und Gancho Parada verpflichten!

Cortina Tanda ist eine professionelle Tänzerin und Choreografin. Da sie in Buenos Aires geboren wurde, ist ihr der Tango von Geburt an vertraut. (Nach verlässlichen Angaben ihrer Amme zeigte sie bereits im Alter von sechs Wochen die ersten Sacada-Bewegungen!) Nach jahrelangen Auftritten in angesagten südamerikanischen Clubs feierte sie mit ihrem Partner auf ihrer letzten Europatournee, die sie unter anderem nach Tuttlingen, Grafing, Bunzlau und Eisenhüttenstadt führte, mit ihrer Show „El Sonido de mi Teta“  rauschende Erfolge. Ihre leidenschaftlichen Lieben hat sie jüngst in dem Bestseller „Tango tanzen und trotzdem leben“ beschrieben.

Gancho Parada (mit bürgerlichem Namen Alois Guggenbichler) stammt aus Tirol und lernte Cortina Tanda bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Buenos Aires kennen. Als professioneller Schuhplattler tänzerisch hoch begabt, gelang es ihm in Kürze, durch einige Privatstunden bei allen berühmten Tangomeistern, die gerade in der argentinischen Hauptstadt weilten, ein gefragter Tangolehrer zu werden (sog. „Website filling“). Wegen seiner beiden Lieblingsschritte von führenden, authentischen Milongueros so genannt, kehrt er nun unter seinem Künstlernamen Gancho Parada nach Europa zurück.

Die beiden wurden bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet: So sind sie unter anderem Träger der silbernen Kulturmedaille von Antholz und qualifizierten sich im letzten Jahr bei der argentinischen Tangomeisterschaft „Copa del Rincón“ als drittbestes der Paare, welche in der Zwischenrunde ausschieden.

Ihr Ziel ist es, den Tango als Gesamtheit von Bewegung, Umarmung, Emotion, Struktur, Achse, Ausdruck, Musikalität, Technik, Leidenschaft und vor einem immer größeren Schülerkreis zu vermitteln. Sie unterrichten zweisprachig (deutsch und österreichisch).


Workshops mit Cortina Tanda und Gancho Parada

Samstag, 1.3.14

13.00 – 14.30 Uhr: Einfache Gehschritte und spektakuläre Bühnenfiguren (für sehr hohes bis gar kein Niveau)
Da unsere Lehrmeister sowohl in den Salons als auch auf den Showbühnen dieser Welt zu Hause sind, können Sie hier das ganze Spektrum des Tango kennenlernen. (Im Kurspreis ist eine Haftpflichtversicherung eingeschlossen!)

14.30 – 16.00 Uhr: Wir tanzen die Pausen und die Stille
Das ideale Training für das nächste Encuentro: Wir bewegen uns auf einer Gesamtfläche von höchstens 50 Quadratzentimetern und erleben so die Kunst des Weglassens (beschränkt auf Tänzer bis Schuhgröße 42).

16.00 – 17.30 Uhr: Den Milongarhythmus selbst erarbeiten
Nach dem Motto „Milonga, bis der Löffel fliegt“ erlernen die Teilnehmer spielerisch den Groove dieses Tanzes (einschließlich Contratiempo und Traspie) durch Trommeln mit verschiedenen Schlaginstrumenten wie Töpfen, Deckeln, Kochlöffeln etc. welche sie selbst mitbringen. Die rhythmischen Fähigkeiten verteilen sich so gleichmäßig auf Vorder- und Hinterbeine. (Die Haftung für Sachschäden ist ausgeschlossen!)

17.30 – 19.00 Uhr: Figurenkurs für Spezialisten I
Wir erarbeiten eine kleine, aber feine Schrittkombination, die Sie zum Blickfang der abendlichen Milonga machen wird: Die „Entrada dolorida doble en el giro“ – zu deutsch den „gedrehten eingestiegenen Quetschpraller mit doppeltem Aufschrei“.

19.30 – 20.00 Uhr: Schnupperhalbestunde „Nichttänzer in 30 Minuten“
Neulinge können in diesem Tango-Blitzkurs die grundlegenden Bewegungsweisen des heute gemeinhin zu sehenden Tango erwerben und sind somit imstande, bei der anschließenden Milonga nicht schlechter zu tanzen als die Mehrzahl der restlichen Gäste.

Sonntag, 2.3.14

10.00 – 11.30 Uhr: Figurenkurs für Spezialisten II
Wir wiederholen die gestern gelernte Schrittkombination, die wir nun doch nicht auf der Milonga getanzt haben, und analysieren die Gründe hierfür (mit Stuhlkreis).

11.30 – 12.00 Uhr: Paarkontakt, Umarmung und Musikalität
In diesem Schnellkurs erwerben Sie die entscheidenden Fähigkeiten eines Tangotänzers und sind dann in der Lage, zu den gemeinhin auf deutschen Milongas gespielten 200 Stücken aus der „Goldenen Tangozeit“ zu tanzen. (Eine Titelliste wird als Arbeitsblatt mitgegeben!)

13.00 – 14.30 Uhr: Tangoerotik für Silver-Surfer – führe und verführe mich!
Der Anblick einer durchschnittlichen Milonga hierzulande beweist es: Tango ist der leidenschaftlichste aller Tänze – bis ins hohe Alter! In diesem „Würgshop“ erlernen wir die Kunst der engen Umarmung, die heute von allen anspruchsvollen Tänzern bevorzugt wird. (Bei Atmungsinsuffizienz ist vor Kursbeginn ein ärztliches Attest einzureichen; ermäßigte Gebühr bei Vorlage des Rentenversicherungs-Ausweises; Abmeldung nur paarweise!)

14.30 – 16.00 Uhr: „Tango Femmenomenal“ – angstfrei tanzen auf Stilettos
Auch die Frauenbewegung wird heute wieder erotischer, und dies gelingt am besten in hochhackigen, eleganten Schuhen. Nach diesem Workshop wird Ihr Absatz steigen! Parallel dazu findet ein Tanzschuhverkauf der Firma „Glitzi Glänzi Peeptoe“ statt!
(Werbeslogan: „Statt Schwarzer-Schuhe sühüße Highheels“)


Milonga „Una Noche de Pasión“ im Pfarrsaal des evangelischen Gemeindehauses
 
Sie beginnt am Samstag um 20 Uhr mit einem einstündigen Tangokonzert des „Sexteto Tristeza y Corazón“ der Staatlichen Musikschule Bisping, bei dem Werke des Komponisten Astor Piazolla dargeboten werden. Bestuhlung hier in Sitzreihen, da man auf diese Musik nicht tanzen kann!

Bei der anschließenden Milonga legt unser bekannter Musicalizador Alfons ausschließlich bestens tanzbare, traditionelle Stücke auf, welche sicherlich allen unseren Gästen bekannt sind. Niemand muss sich daher vor Überraschungen fürchten, die sein Tanzvermögen überfordern könnten – nach unserem bewährten Motto: „Was der Bauer nicht kennt, das tanzt er nicht.“

Bei der Verlosung gibt es wertvolle Preise zu gewinnen, unter anderem einen Gutschein im Wert von 150 € für die demnächst stattfindende Tango-Kreuzfahrt nach Feuerland, welche von unserem Verein in Zusammenarbeit mit der „Nixcosta-Reisen GmbH“ organisiert wird. 

Höhepunkt unseres Tangofestes sind drei (also mit Zugabe vier) Showtänze unseres Lehrerpaars Cortina Tanda und Gancho Parada. Zu sehr ähnlichen Titeln von Pugliese werden sie uns demonstrieren, wie man dennoch die Eigenart des jeweiligen Stückes mit fast unsichtbaren Variationen betonen kann!

Die schöne Salonstimmung des Vorjahrs könnt Ihr auf folgendem Video noch einmal nachklingen lassen: http://www.youtube.com/watch?v=26ssh2N488M

Hinweis: Auswärtigen Gästen bieten wir eine Übernachtungsmöglichkeit in den beiden Gruppenräumen im Souterrain des Gemeindehauses (Isomatte und Schlafsack nicht vergessen, zum Frühstück gibt es gratis Isomate – haha, Wortspiel…)


P.S. Warnung: Obwohl der Text etwa 20 Anregungen aus diversen Veröffentlichungen enthält, handelt es sich um Satire. Anmeldungen sind also zwecklos!

Freitag, 14. Februar 2014

In eigener Sache: Milonga mit Live-Musik

Liebe Tangofreunde,

Karin und ich laden Euch herzlich ein
zu „La Milonga de Ingolstadt“ mit dem "Duo Tango Varieté"

am Mittwoch, 26.02.14 ab 21.00 Uhr

im Bürgerhaus "Neuburger Kasten"  * Fechtgasse 6 * 85049 Ingolstadt

Bettina Kollmannsberger (Akkordeon) und Karin Law Robinson-Riedl (Violine * Sopran) kredenzen Euch ausgewählte musikalische Schmuckstücke von Gardel bis Piazzolla sowie französische Chansons zum Zuhören und Tanzen.

Zwischen den Sets werde ich Euch als "Plattenreiter" beschallen.
Musikauswahl: 100 Prozent Tango

Wir freuen uns auf Euch!

Gerhard
Duo Tango Varieté
























Anfahrt
Parkplätze findet Ihr im Parkhaus am Münster (Bergbräustr.).

Samstag, 8. Februar 2014

Tango allein reicht nicht



Liebe Tangoveranstalter,

kürzlich war ich auf einer Milonga, welche die meisten von euch wohl als totalen Misserfolg verbucht hätten: irgendwo draußen in der Provinz, nur wenige Gäste, keinerlei Begleitprogramm. Wieso sich dafür ins Auto setzen und 60 Kilometer fahren? Eben! Doch da war ein Tänzer, der euch wohl ebenso wenig aufgefallen wäre: schon älter, ohne die Tangoalpha-Attribute wie Schlaghosen, schwarzweiße Schuhe, Pferdeschwanz und fehlendes Sozialverhalten – und sein Dialekt war meilenweit vom Spanischen entfernt. Mit Feuereifer betanzte er alle anwesenden Damen, und was ich da an Originalität, Einklang mit der Musik und raffinierten Bewegungsideen sah, reichte vollauf, um mich für den Rest des Abends wach zu halten.

Einen Tag zuvor hatte ich – auf einer ebenfalls ziemlich glamourfreien Milonga – das Glück, gleich zwei solcher Beispiele studieren zu dürfen: Ein junges Paar (schon mal bemerkenswert) das vor allem zu moderner Musik mit atemberaubender Körperbeherrschung tanzte – noch dazu in Bewegungen, die augenscheinlich aus deren Fantasie und nicht aus diversen „Workshops“ stammten. Gott sei Dank hatten sie wohl noch nichts davon gehört, dass inzwischen ausschließlich enges Tanzen angesagt ist…

Dazu noch ein anderer Tanguero, den ich schon länger kenne, dessen Tanzweise meinen Blick aber immer wieder anzieht: Er fordert so gut wie alle anwesenden Frauen auf, und obwohl er ziemlich schwierige Aktionen liebt, klappt es mit jeder auf Anhieb. Wie er das schafft, werde ich noch herausbekommen – und bis dahin bleibt es für mich spannend. In einer Gesprächspause vertraute er mir an, in seiner Heimat würden zwar viele Menschen Tango hören, aber kaum tanzen. „Also, für mich wäre das nichts!“ Ich glaubte ihm aufs Wort…

Noch ein letztes Beispiel, liebe Veranstalter: Zirka eine Woche vorher besuchten wir, auch in der Vorstadt, einen Tangoabend, den ihr wohl ebenfalls nicht mit dem Hintern angeguckt hättet: Als wir 15 Minuten nach Beginn erschienen, übte der Gastgeber gerade mit dem einzigen anwesenden Paar, und unser Anblick motivierte ihn dann zum Einschalten der Musik. Im weiteren Verlauf erschien noch eine überschaubare Zahl eher älterer Gäste, es wurde – zu abwechslungsreicher Beschallung – viel gewechselt, und man hatte großen Spaß. Nach dem sehr pünktlichen Schluss trafen sich alle in der Garderobe, und wir wurden herzlich verabschiedet. „Ihr kommt doch wieder?“ Na klar, und zwar nicht obwohl, sondern weil „nichts los war“. Nichts – außer Tango.

Liebe Organisatoren, Tanzschulbesitzer und Vorstände von Tangovereinen! Ich weiß, dass ihr mit Kunden wie mir keinen Gewinn macht. Wer sich in dieser Szene mit Musik und Tanz begnügt, programmiert die Pleite vor. Der anspruchsvolle Gast aus der heutigen bildungsbürgerlichen Mittelschicht erwartet Festivals mit Workshops, Schuhverkauf, argentinischen Showtanzpaaren und Tangobilder-Vernissagen (vielleicht begleitet von indischem Tempeltanz) in schlossähnlichen Festsälen – das reichlich gedeckte Büffet für den „kleinen Hunger zwischendurch“ natürlich inklusive. (Oder sind es eher schon die kleinen Tanzrunden zwischen dem Essen?) Beinahe hätte ich es vergessen: Live-Konzerte, bei denen man zu sitzen hat, da die gebotene Musik selbstverständlich „untanzbar“ ist – bei der anschließenden Milonga plempert’s dann wieder vorschriftsmäßig. Und es macht selbstredend mehr her, auf dem Kreuzfahrtschiff oder dem Strand von Kreta aus der Achse zu fallen als in der neonbeleuchteten Turnhalle! Manche Reiseveranstalter halten sich ja schon eigene Tangovereine…

Besonders lustig finde ich es (nicht nur im Fasching), dass ich mir offenbar heute einen Kostümfundus zulegen müsste, um den Ansprüchen diverser Einladungen genügen zu können: Da soll ich mich abwechselnd im Look der 20-er Jahre, saturday-night-befiebert im 70-er Stil oder gar in venezianischem Karnevals-Outfit auf der Fläche bewegen – nicht zu vergessen Trachtenanzug und Dirndl zur Oktoberfestzeit! Versucht man, die zunehmende Öde, Langeweile und Tristesse, die sich in den Lautsprechern und auf dem Parkett immer mehr ausbreitet, durch neue Bühnenbilder, Kostüme und Showeinlagen erträglicher zu gestalten? Tango allein – so viel steht fest – reicht nicht!

In seinem Buch „Tango in München“ schrieb der Tangolehrer (!) Ralf Sartori schon vor Jahren: „Un-Worte wie ‚Event’ und ‚Lifestyle’ setzen der Unverdaulichkeit dieser Sauce die Krone auf. Das Ganze entwickelt sich dadurch immer mehr in die Breite; die Flammen eines brodelnden Wahnsinns, die zum Blut des Tango gehören, tauchen ein in die lauwarmen Wasser des Massengeschmacks und nähern sich dabei den üblichen Durchschnittstemperaturen leidenschaftslosen Mittelmaßes: Bis das Phänomen schließlich immer mehr zur Branche verkommt.“

Bleibt nur noch eine Frage, liebe Veranstalter und Tangolehrer: Muss man mit dem schönsten aller Tänze überhaupt ein Geschäft machen? Braucht man Kulturförderung für eine Subkultur? Eine Milonga entsteht dort, wo sich mindestens drei Menschen zusammenfinden: Der erste bringt eine Musikanlage mit, der zweite die Getränke, und der dritte steht Schmiere, um beim Auftauchen der GEMA rechtzeitig Alarm zu schlagen. Wenn dann noch von kreativer, vielseitiger Musik gute Tänzer angelockt würden…

Und, werte Traditionalisten, ihr kennt doch sicher das Zitat von Carmencita Calderón, der Partnerin des legendären Tänzers El Cachafaz: „Der Tango kommt aus den Slums, nicht vom Parkett. Und wenn man das nicht mehr sieht oder spürt, dann ist er tot.“

Gell?