Freitag, 21. März 2014

Die Bilanz nach 15 Jahren: Vom Tango zum Pseudotango



Es dürfte ziemlich genau diese Zahl von Jahren her sein, als meine Frau und ich – nach einer etwa ebenso langen Zeit in den „Gesellschaftstänzen“ – den Tango argentino kennenlernten. Dieser Wechsel fiel uns zunächst nicht allzu schwer: Einerseits vermissten wir technische Unterweisungen überhaupt nicht – mit Themen wie Balance, Belastung, Fußarbeit oder Tanzhaltung hatten uns diverse Trainer, vor allem in der Phase der Breitensportturniere, reichhaltig versorgt. Gut, für die argentinische Version des Tango mussten wir einiges „umbauen“, aber auch ein Standardtanz wie der Langsame Walzer erfordert  ja ein anderes Bewegungsmuster als eine Rumba oder ein Jive in der Latein-Sektion. Dass der Fokus bei den neuen Kursen wiederum vor allem auf dem Einpauken von „Figuren“ lag, konnte uns ebenso wenig schrecken: Jahrelang waren wir auf das Abspulen von Schrittfolgen dressiert worden (im Standardbereich gerne untergliedert in „lange und kurze Seiten“, um zügig und abwechslungsreich die meist rechteckige Tanzfläche zu umrunden). Und auch die Persönlichkeitsstruktur der neuen Tanzlehrer bot eher Gewohntes: Selbstredend war die „Expertenmeinung“ dieser Instrukteure ehernes Gesetz, ein Abweichen in Richtung individueller Tanzstil daher verpönt, eigene Sichtweisen oder gar Kritik grenzten an Gotteslästerung… (Was mich momentan schmunzeln lässt: Wieso bin ich nicht schon damals – angesichts des Vornamens meines Tangolehrers, auf den Begriff „Horstokratie“ gekommen?)

Wäre dies alles so geblieben, würden wir sicherlich heute noch mindestens einmal pro Woche in einem Tanzsportclub herumturnen, spielte für uns der Tango argentino die Rolle eines „11. Standardtanzes“, den wir – mit gelernten Figurenfolgen – sicherlich auch gelegentlich auf Milongas vollführen würden. Zwei Umstände allerdings faszinierten uns derartig, dass wir 2005 Standardtanz und Turnieren den Rücken kehrten und uns fast ausschließlich dem Tango zuwandten:

Da war zunächst und vor allem die Musik – damals noch stark geprägt vom europäischen Siegeszug des Tango in den 80-er Jahren, sprich vom Tango nuevo Piazzollas, von neu auftauchenden Ensembles des „Elektrotango“ und vielem mehr. Sicherlich wurden auch traditionelle Aufnahmen geboten, allerdings wäre niemandem von uns in den Sinn gekommen, hierzu ideologische Schubladen zu beschriften oder daraus gar ein Streitthema zu machen – und hätte jemand behauptet, irgendwelche Stücke seien „nicht tanzbar“, wäre er ausgelacht worden! Getanzt wurde, was aufs Parkett kam, je abwechslungsreicher und verrückter, desto besser. Genau das faszinierte uns nachhaltig!

Wenn früher einer unserer Tanzsporttrainer beispielsweise Samba unterrichten wollte, schob er eine Musikcassette in den Ghetto-Blaster, auf der genau dieses Wort stand, und diese nudelte anschließend 45 Minuten Copacabana-Rhythmik ab – welche Titel oder Ensembles dies zustande brachten, war völlig egal, es war halt „Samba“. Um hier gleich einmal ans Ende der Geschichte zu gehen: Neulich erlebte ich eine Stunde Tangounterricht (keine Angst, nicht als Schüler!), bei dem im Hintergrund eine Endlosschleife getragener Di Sarli-Titel dudelte, gefühlte zwölf Mal „Bahia Blanca“ sowie „Verdemar“ – Hauptsache „Übungstango“. Auf den MCs unserer Lateintrainer wiederholten sich die Aufnahmen wenigstens nicht (lag wohl an der damaligen Wiedergabetechnik…). Und ansonsten, hier wie da, steinzeitliche Methodik: "Ich mach' vor, ihr macht nach..."

Die Vielfalt der Tangoklänge von Gardel über Piazzolla bis Otros Aires tänzerisch interpretieren zu sollen, war für uns alle eine herbe, aber auch höchst anregende Herausforderung. Glücklicherweise bestand die (damals viel kleinere) Szene vorwiegend aus „Freaks“, einem bunten Sammelsurium von Typen aller Art: individuell bis eigenwillig, fantasiebegabt, oft biologisch, auf jeden Fall aber geistig jung. Hätte zu dieser Zeit ein Tangolehrer länger als eine Viertelstunde „Düdeldudel-Schleifen“ abgespielt, wäre wohl die Aufforderung gekommen: „Ey Mann, haste nix anderes?“

Was uns auf dieser Basis schnell klar wurde: Tango ist ein reiner Improvisationstanz, sicherlich mit bestimmten Figurenelementen wie Ochos oder Sacadas, aber stets mit der Anforderung, damit die gerade gespielte Musik auf die Fläche zu „malen“. Daher sind die Signale der Körpersprache – also die technischen Grundlagen – wichtiger als bei jedem anderen Tanz, und die Choreografie entsprechend letztrangig. Man braucht keine komplizierten Schrittmuster (trotzdem schön, wenn man sie hat), dafür aber ein Höchstmaß an musikalischem Einfühlungsvermögen, körperlicher Sensibilität und Bewegungsbegabung. Unsere Überzeugung wuchs, dass man Tango vor allem auf den Milongas lernt – gemäß der Frage „Was geht?“ und nicht „Wie geht das?“.

Leider wuchs in diesen Jahren die Popularität des Tango enorm, hauptsächlich wohl wegen der Umstände, welche Autoren wie Dieter Reichardt und Raimund Allebrand als „geborgte Leidenschaft“ bezeichnen: Die sexuelle Revolution hatte leider nicht zu einer Befreiung der Gefühle geführt. Zunehmend wurde unser Tanz als probates Mittel gesehen, das zu ändern – doch damit war der Tango überfordert, und die Menschen, welche zwar dieses Bedürfnis, jedoch nicht die Fähigkeiten dazu hatten, erst recht.

Als wir 2007 unsere eigene Milonga ins Leben riefen, konnten wir den personellen Wechsel in der Szene hautnah mitverfolgen: Zunehmend marschierten bei uns Leute ein, welche bei einer Eheberatung oder im kirchlichen Seniorenkreis besser aufgehoben gewesen wären. Sie waren wohl einem Zuhause entflohen, in dem es weniger nach Musikzimmer oder Künstleratelier aussah, sondern röhrender Hirsch plus Schrankwand in Eiche rustikal dominierten. Gesucht wurden die Minderung der (oft nicht nur altersbedingten) Einsamkeit sowie der Ausbruch aus einer verkopft-zwanghaften Lebenseinstellung respektive die Neuerwärmung einer längst irreparabel erkalteten Beziehung.

Dass dies der Tango nicht leisten kann, ist jedem Insider klar. Aber immerhin war die Population groß genug, dass es sich lohnte, jene neuen Bedürfnisse durch Schaffung eines „Pseudo-Tango“ zu befriedigen – welcher natürlich auf diese zugeschnitten sein musste: Entscheidend war vor allem, den groben Unfug zu verbreiten, ein jeder könne diesen Tanz lernen (selbst wenn er sintemalen den Standardtanzkurs wegen erwiesener Begabungslosigkeit verlassen hatte), er müsse ja „nur gehen“ können. Und selbstredend gebe es einen „Grundschritt“ (die berühmte Basse) mit daran anschließenden Variationen, alles nur eine Frage des Auswendiglernens (eine Spezialität des zwanghaften Persönlichkeitstypus’). Natürlich müsse man hierzu teure Kurse und „Workshops“ bei anerkannten, also argentinischen Lehrern buchen (ein Exotik-Marketing, welches perfekt mit spießigen Denkstrukturen kompatibel ist – siehe die „Italienwelle“ der Wirtschaftswunderjahre).

Wie beim Radlfahren (heute nur noch möglich mit Karbonrahmen, 36 Gängen, Sturzhelm sowie wurstpellenartiger Papageienkluft) habe man allerdings kräftig in die Hardware zu investieren: Ohne gestreifte Schlaghosen, pseudoerotische Tangofummel, schwarzweiße Zapatos respektive nuttige Stilettos, Festivalbuchungen sowie Tangokreuzfahrten ginge da wenig – so geriet der Pseudotango per Ausstattungsrevue zur wirtschaftlichen Branche. Und genau wie beim Tanzsport kam es ab einer bestimmten Größe der Szene zu einer Spezialisierung: Wer begeistert und gut tanzte, blieb auf dem Parkett – der Rest wechselte in den Vorstand, wurde DJ oder Tanztrainer…

Ein hartnäckiges Problem blieb allerdings die Musik: Die mit einer solchen Marketingstrategie angelockte bzw. bediente Kundschaft, der es eh nicht primär ums Tanzen ging, war natürlich nicht im Ansatz dazu fähig, ein Piazzolla-Stück oder einen sinfonischen Tango von Mariano Mores zu interpretieren (bitte nicht nachfragen, wer Letzterer ist, wird heute kaum noch gespielt). Die geniale Beruhigung für die Schüler neuen Typs: Das könne man auch nicht, da dies mitnichten den „echten“ Tango, sondern „Untanzbares“ darstelle, bestenfalls für Konzerte oder Shows geeignet. Ein Glück, dass eine ganz ähnliche Kommerzialisierung bereits im Argentinien der 20-er bis 50-er Jahre stattgefunden hatte. Deshalb konnte man auf einen Fundus von Stücken mit Rhythmiken und Arrangements zurückgreifen, welche zur Umsetzung auf dem Parkett auch bei bescheidenster tänzerischer Begabung geeignet waren. (Wohlgemerkt: Es gibt aus dieser Zeit auch tolle Titel, aber man kann ja auswählen…)

Fehlte noch der Überbau, sprich die ideologische Absicherung dieser Strategie! Erfreulicherweise fanden sich gerade im Internet die mit dem nötigen Tunnelblick ausgestatteten Gurus, welche kurzerhand schwierigere Musik als „entartet“ klassifizierten und dem Tango generell jegliche musikalische Weiterentwicklung nach 1960 absprachen (wieder perfekt auf Spießer zugeschnitten, siehe die Abwertung des Rock’n Roll als „Negermusik“ in den Wirtschaftswunderjahren). Und das langweilige Herumgehatsche mangels anspruchsvoller Klänge sowie hierzu begabter Tänzer? Dies sei überhaupt kein Defizit, sondern (wenn auch nicht im Wortsinne) ein Fortschritt in Richtung „rücksichtsvolle Bewegung in der Ronda“. Eine wahrhaft geniale Strategie!

Auf diese Weise wurde man mit der Zeit fast alle Tänzer los, welche mehr wollten, es aber beim Tango nicht mehr fanden. Nur noch wenige aus den „Anfangsjahren“ ertragen die heutige Kombination von rachitischer Musik und arthrotischen Bewegungsdefiziten. Wer erst seit ein paar Jahren auf Milongas geht, kennt es kaum noch anders. Das kann durchaus eine Gnade sein…

Meine Frau und ich gehören wohl zu den „lebenden Fossilien“, welche sich in dieser Evolution ein hinreichend dickes Fell zugelegt haben, um hinter alledem noch die Tangofaszination unserer „Vor- und Frühgeschichte“ zu spüren. Und wie alle anderen Quastenflosser kennen wir einige ökologische Nischen, die noch frei vom Pseudotango sind – so wie einst die Straßenecke, unter einer Laterne, zum traurigen Klang eines Bandoneóns… 

Samstag, 8. März 2014

Leseprobe: Aufforderung „per seh“ - mirada und cabeceo



Wie so vieles im Tango wird auch diese Verhaltensnorm von „ehernen argentinischen Traditionen“ abgeleitet. Auf althergebrachten Milongas sitzen Männer und Frauen einander gegenüber, und nach Erklingen der Zwischenmusik (cortina) hebt ein munteres Geblinzel an: Man versucht, den Blick (mirada) des Wunschpartners zu erhaschen, und falls dieser kapiert, dass er gemeint ist, kann er mit einem Kopfnicken (cabeceo) die Aufforderung annehmen oder im negativen Fall weggucken. Der Vorzug dieser Methode besteht einmal in der „Wahrung des Gesichts“, d.h. die versammelte Tangogemeinde bekommt wenig bis gar nichts von einer Abfuhr mit. Zum anderen bleibt der Aufgeforderten ein direktes „Nein“ erspart (bzw. die Erfindung irgendwelcher, meist nicht sehr überzeugender Ausreden).

Derzeit wird (vor allem im Internet) das Auffordern per Blickkontakt heftig propagiert, bis hin zur Forderung, dies sollte via Veranstalter-Order als eine von vielen „Milonga-Regeln“ einfach so festgelegt werden. Neben dem üblichen „Traditionsgetümel“ versteigt man sich in Blogbeiträgen zu Feststellungen wie „Ich halte deshalb die verbale Aufforderung für eine milde Form der Nötigung“ – soll heißen, das direkte Ansprechen einer Frau rücke in die Nähe des Sexismus, da sich die Arme ja nicht zu widersprechen traue und so zu einem ihr unangenehmen Tanz gezwungen werde (Ex-Minister Brüderle lässt grüßen…).

Auf den um sich greifenden Reglementierungs-Wahn kommen wir noch (siehe Kapitel „Die Standardisierung des Tango“). Bleiben wir zunächst ganz pragmatisch: Selbst in Buenos Aires ist der cabeceo wohl nur auf den traditionellen Veranstaltungen Allgemeingut – hierzulande gar führt er ein Schattendasein, schon da Sitzordnung und Lichtverhältnisse darauf meist wenig Rücksicht nehmen. Auf meinen vielen Milongabesuchen erlebe ich diese Aufforderungsart selten – auch deshalb, weil viele Gäste von dieser Möglichkeit schlicht nichts wissen! Bliebe natürlich die Forderung, die Tangolehrer müssten ihre Schüler halt darüber aufklären (und die Veranstalter Räumlichkeiten und Beleuchtung neu gestalten). Aber lohnt der Aufwand?

Hierzu sollte man wissen, dass sich etliche „Tangoriten“ aus Traditionen des beginnenden 20. Jahrhunderts ableiten, die in unserer heutigen, liberalen Gesellschaft als überholt gelten: Männlichkeitswahn mit heftigster Eifersucht, überzogenen „Ehrbegriffen“ sowie Unterdrückung respektive Abwertung der Frauen. Hätte es damals ein Tänzer gewagt, eine Tanguera in Begleitung ihres Ehemanns (oder Zuhälters, vielleicht sogar in Personalunion) direkt aufzufordern, hätte das locker zu einem Messerkampf führen können. Entsprechend rührt die Gewohnheit, einen Tanz erst nach einem „small talk“ zu beginnen, von der früheren Unmöglichkeit her, ledige junge Frauen außerhalb des Parketts anzusprechen, wo sie von den Müttern oder Brüdern strengstens bewacht wurden. Das kurze Gespräch zwischen zwei Tänzen diente also nicht selten zur Vereinbarung eines heimlichen Treffens! Ebenso wäre eine Tänzerin, die einen Mann aufgefordert hätte, als moralisch verkommen betrachtet worden. Und für den Machismo eines Tangokavaliers jener Zeit galt ein Korb als tödliche Kränkung – daher dienten die heißen Blicke vorwiegend dem Schutz des maskulinen Egos.

Tangoblogger (Internet, 2012): „Mitmenschen, die Cabeceo und Mirada für Überbleibsel einer argentinischen Macho-Kultur halten, stehen bei mir in dem leisen Verdacht, dass sie sich einem ehrlichen Wettbewerb um die Gunst der Frauen nicht wirklich stellen wollen.“


Heinrich Heine („Deutschland. Ein Wintermärchen“, 1844):

„Das mahnt an das Mittelalter so schön,

An Edelknechte und Knappen,

Die in dem Herzen getragen die Treu’

Und auf dem Hintern ein Wappen.“

Was reitet uns eigentlich, Rituale wiederzubeleben, die auf repressiven, zwanghaften und verklemmten Gesellschaftsstrukturen von anno dunnemals basieren? Ich jedenfalls bin froh, nicht wie frühere Generationen zum Tangotanzen in zwielichtigen Lokalen des Rotlichtmilieus verkehren zu müssen – und ich glaube, die Frauen sind darüber noch viel glücklicher! Von außen stehenden Gästen auf Milongas höre ich immer wieder, sie seien erstaunt, ja berührt davon, mit welchem Feingefühl die Tangueras behandelt würden. Mag die Wahrheit wegen manchmal unbeholfener und daher ruppiger Tanz- und Verhaltensweisen auch weniger ideal aussehen: In Punkto „sexistische Anmache“ bilden Tangoveranstaltungen – verglichen mit Großraumbüros, Faschingsbällen und Pauschalreisen – geradezu ein „Naturschutzgebiet“! Zudem halte ich heutige Frauen im Schnitt für emanzipiert genug, ein nötiges „Nein“ auch auszusprechen. Und wenn nicht: Es soll, wie weiter oben schon beschrieben, auch Tänzer geben, die unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden – insofern ist Feigheit keine geschlechtsspezifische Eigenschaft…   

Meine Tipps zum Auffordern:
Erstens gucken, zweitens nachdenken, drittens sensibel bleiben!

Bei einem Milongabesuch wende ich die „mirada“ durchaus an, jedoch „flächendeckend“! Soweit ich die Besucherinnen nicht eh kenne, versuche ich, in kurzer Zeit möglichst viel über die anwesenden Frauen herauszubekommen. Welche sind in Begleitung bzw. allein da, wie tanzen sie und vor allem: Nehmen sie irgendeine Notiz von mir? Tangueras verfügen über durchaus subtile Mittel, ihr Interesse an einem Tänzer zu signalisieren: eine freundliche Begrüßung, ein Lächeln beim Vorübertanzen, ein Sitzplatz in der Nähe, gelegentliche Blicke u.v.m. Auf jeden Fall möchte ich ergründen, ob die betreffende Dame momentan mental für mich „frei“ ist oder beispielsweise ein intensives Gespräch führt, gerade zehn Tangos hinter sich hat usw. Wenn allein ein solcher Blickkontakt zu einer gemeinsamen Tanzrunde führt – umso besser! Meist muss man aber doch den langen Marsch zum „Objekt der Begierde“ antreten. Dies sollte tunlichst von vorne geschehen, damit die Dame ihr (Un)glück kommen sieht und sich schon eine Reaktion überlegen kann – also kein plötzlicher Überfall von hinten!

Kommt ein gemeinsamer Tanz zustande, sind meine Überlegungen damit aber nicht beendet: Wie freundlich (oder gar begeistert) wurde die Einladung angenommen, spürte ich beim gemeinsamen Tanz Zuwendung plus Harmonie oder Zurückhaltung bis Feinfrost? Bei eher reserviertem Verhalten bringe ich drei Tänze (das Höflichkeits-Minimum) vorsichtig hinter mich und werde mir gut überlegen, ob ich die Betreffende irgendwann (!) einmal wieder auffordere. Wenn dagegen die „Chemie stimmt“, können es auch doppelt so viele Tangos werden – und es wird sicher nicht die letzte Runde bleiben! (Für Traditionalisten: Tandas sind mir dabei völlig wurst!) Ich glaube, wenn man in einer solchen Weise „auf Empfang“ bleibt, ist es nicht so wichtig, wie sich die Aufforderung konkret gestaltet. Es ist sicher keine gute Idee, eine Tänzerin überfallartig am Arm (oder an den Haaren) aufs Parkett zu ziehen – ebenso wenig wie einem Tanguero stundenlang Löcher in die Figur zu starren (Quelle: eigene, leidvolle Erlebnisse mit dem „Mi-Radar“).

Und wer weiter lesen möchte, kann dies in meinem Buch tun: „Der noch größere Milonga-Führer“