Samstag, 28. Februar 2015

Einladung zur Wohnzimmer-Milonga am 7.3.15



Liebe Tangofreunde,

nach der überaus gelungenen „Premiere“ unserer häuslichen Tangoveranstaltung am Faschingsdienstag wollen wir diese in zirka monatlichen Abständen weiterführen. Diesmal sollten wegen des Wochenendtermins nicht nur Pensionisten und Lehrer teilnehmen können!
Daher ergeht herzliche Einladung zur

„Wohnzimmer-Milonga Riedlscher Prägung“
am Samstag, den 7. März 2015
von 15.30 bis 19.00 Uhr

DJ Gerhard wird auch dieses Mal Tangomusik aus seiner „Schatztruhe“ auflegen. Dazu schrieb bereits am 28.9.10 der führende Schweizer Tangomusikexperte Christian Tobler: „Ich habe schon viel Inkompetentes zur Musik des Tango Argentino lesen müssen. Aber Riedls Erguss dazu toppt alles. So eine verquere Selektion von weitgehend Untanzbarem bis musikalisch Mediokrem ist mir noch nie untergekommen.“

Wer sich das auf 20 Quadratmetern Parkett dennoch einmal (oder wieder) geben möchte, ist uns sehr willkommen! Wegen der Begrenzung auf ein Dutzend Gäste bitten wir um vorherige Anmeldung (per Mail oder telefonisch: 08446-732).

Der Eintritt ist frei, Getränke sowie vom Hausherrn gebackenen Napfkuchen gibt es zum Selbstkostenpreis.

Ort ist das Riedlsche Wohnzimmer: Am Gaißberg 8, 85309 Pörnbach

Weitere Infos:


Mit lieben Grüßen
Karin und Gerhard

Dienstag, 24. Februar 2015

Kröterdämmerung



„Ihr freien Söhne, frohe Gesellen, segelt nur lustig dahin! Dünkt er euch niedrig, ihr dient ihm doch, des Nibelungen Sohn.“
(Richard Wagner: „Götterdämmerung“)

Seit längerer Zeit kann sich der Berliner Journalist und Tanguero Thomas Kröter nicht entscheiden, ob er nun meinen verehrten Mitblogger Cassiel oder mich lieber hat oder uns beide zum Abgewöhnen findet. Während er beispielsweise Anfang Februar meinen Beitrag zur risikoarmen Benutzung des Tangoparketts noch „1 grundvernünftige alternative zu den encuentriven oberlehrerereien in sachen codigos“ fand, sieht er nun in der deutschen Tangoszene „zwei ausufernde blogs (jeder auf seine weise doktrinär), deren betreiberbeiträge auch auf die diskutanten (wenn es denn welche gibt) abfärben.“

Abgesehen von der seit Stefan George (gest. 1933) etwas aus der Zeit gefallenen Kleinschreibung hat der Autor zunächst einmal recht: Ausweislich ausufernder Zugriffzahlen und Ergebnisse bei den Suchmaschinen gibt es hierzulande nur zwei ernsthaft als „Tangoblogs“ zu bezeichnende Seiten. Und wie die jeweils auf „Diskutanten“ abfärben, kann er ja als Kommentator beim Tanz auf beiden Hochzeiten selber beurteilen. Ansonsten allerdings ist halt links nicht gleich rechts, unten anders als oben, hinten nicht dasselbe wie vorne – nicht einmal bei ihm.

Weiterhin konstatiert der Beobachter aus der fernen Bundeshauptstadt: „ihr beide habt die angewohnheit eure wertungen, na ja, ziemlich ex cathedra zu formulieren“ – allerdings mit dem Unterschied: „da ist der bayer ehrlicher und besteht darauf, dass er recht hat“. Dieses Kompliment überzeugt mich schon deshalb nicht, weil meiner Vermutung nach beide Blogger in Bayern leben. Und ist es doktrinär oder gar dogmatisch, eine eigene Meinung zu haben und diese sogar öffentlich zu äußern – so wie die Mehrzahl der Journalisten?

Um nur ein Beispiel zu nennen, das ich neulich bearbeitet habe: Es gibt Tangoleute, welche meinen, expressive Tanzfiguren wie Boleos sollten auf Milongas verboten werden. Solches kann man wahrhaft „doktrinär“ nennen, weil man für seine Einstellung Allgemeingültigkeit beansprucht – ebenso wie bei der (bezeichnenderweise nie geäußerten) Ansicht, alle hätten Boleos zu tanzen. Aber wie steht es mit meinem Wunsch, solche Bewegungen tanzen zu dürfen, falls man es mag (und kann)? Der Unterschied müsste doch sogar einem Kröter dämmern!

Nun steht es ja jedem frei, in meinen bislang 74 Blogbeiträgen nachzuforschen und mir per Kommentar mitzuteilen, welche Äußerungen darin er für doktrinär oder gar päpstlich unfehlbar hält. Ich fürchte halt, die insgesamt relativ mäßige Zahl von Wortmeldungen (bei derzeit über 30000 Zugriffen) liegt an der Scheu, sich mit wahrem Namen öffentlich zu äußern – noch dazu gegen führende „Doktrinen“. Da hält der Konkurrenzblog die Hürden niedriger, da dort jeder Hans seinen Dampf anonym ablassen kann – und die meisten Kommentare sind auch nicht namentlich rückverfolgbar. Na und? Soll ich jetzt Workshops in Zivilcourage anbieten? Da ist mir unser Wohnzimmertango lieber!

Es verstört mich schon fast, dass auf dem mehrfach zitierten Facebook-Dialog mein verehrter Kollege Cassiel Argumente anführt, die von mir sein könnten: „Du bist flott dabei, anderen das Etikett „doktrinär“ aufzukleben. (…) Wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann geht es Dir doch um Dein Verständnis vom Tango. Kann es nicht sein, dass es anderen Menschen ebenso ergeht? Was ist daran ‚doktrinär‘?“
Apropos „aus dem Zusammenhang gerissene Zitate“: Der gesamte Dialog der Herren auf FB findet sich unter https://www.facebook.com/thomas.kroter.5?fref=ts

Zum Schluss des Wortwechsels liefert uns der Berliner Autor noch eine tränentreibende „Fantasie“: talkshow im tangodanza tv. ich als günther jauch oder besser frank plasberg des tango. links: du mit maske a la sido, die stimme wird anonymisierungshalber verzerrt wie bei kronzeugen gegen die maffia, neben dir eine tissuebox, aus der ich dir reiche, wenn dich das gefühl ob der bösen außerencuentrischen welt übermannt. rechts der pfaffenhofener im 'leichten stoiber' (ein modischer grauer trachtenjanker). ab und zu kommt eine stimme aus der technik, er soll mit seinen schweren tangohaferlschuhen nicht so auf den studioboden stampfen, wenn er sich x wieder so erregt... hohe einschaltquoten in der community diesseits und jenseits der goldenen grenze wären garantiert.“

Mein Lieber, da muss ich nun schon einige Korrekturen anbringen: Nicht nur, dass Günther Jauch und Frank Plasberg in einer ganz anderen Medienliga spielen und Sie da höchstens in der Halbzeitpause die Zitronenschnitzel reichen dürften – als abstammungsmäßiger Sudetendeutscher, durch die Vertreibung der Eltern nach dem Krieg in Bayern zwangsangesiedelt, habe ich noch nie in meinem 64-jährigen Leben einen Trachtenjanker oder Haferlschuhe getragen. Dennoch eine professionelle Anerkennung: Sie könnten schon schreiben, wenn Sie nur wüssten, worüber…

Was Sie beispielsweise nicht wissen (war wohl vor Ihrer Tangozeit): Cassiel hätte beinahe mal mit mir eine solche Podiumsdiskussion bestritten – und er wäre sogar unverhüllt gekommen, dafür aber nur gegen Honorar. Daran ist es dann gescheitert.

Und es ist ja schön, dass Sie moderne Tangos und sogar Piazzolla mögen und sich nicht auf „Oldieveranstaltungen mit Omas Geschmacksradius“ langweilen wollen. Dies alles spricht mir aus dem Herzen, trotz der Tatsache, dass Sie es sagen.

Daher möchte ich Ihrer zitierten englischen Redensart “if you cant stand the heat, stay out of the kitchen” hinzufügen: “If you don’t get the herd on, then cook not”.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Bleiben wir doch einfach daheim!



Die Füße schmerzen zwar noch etwas, aber dem Herzen geht es besser, einen Tag nach der Premiere unserer „Wohnzimmer-Milonga“ – und ich glaube, unsere Gäste sahen es genauso: Alle waren bis zum Schluss da, haben auch noch die letzte Tanda getanzt und dabei schmunzelnd Max Raabes Eingeständnis vernommen: „Carmen, hab Erbarmen, ich bin müde!“

Das Aufräumen hinterher ging schnell, zumal bei uns nicht – wie auf diversen anderen Tangoparketts – haufenweise Noten der gespielten Stücke liegengeblieben waren: Nein, alle Fermaten, Crescendi, Accelerandi und Pausenzeichen wurden ausnahmslos auf der Tanzfläche interpretiert, und wie! Der Grund: Wir hatten mehr gute Tänzer/innen als so manche „Schlachthöfe“ in den Metropolen (selbst wenn man dort die Zahl der toten Rindviecher abzieht). Daher dürfen wir auch allen „Milonga-Verkehrs-Etiketten-Verklebern“ stolz vermelden: Trotz konsequenter Ignorierung vorgeschriebener Spuren und Überholverbote sowie des Gebrauchs erhobener Füße zwecks Umsetzung von Ganchos, Boleos und sogar Sprüngen gab es keinerlei Verletzungen von Körper, Geist oder Seele! Warum? Nun, wer gewohnt ist, sich zu Klängen jenseits eines konstant durchdudelnden Viervierteltakts zu bewegen, ist variabel genug, auf seine Umgebung zu achten – auch bei einem Dutzend Menschen auf zwanzig Quadratmetern.

So konnten wir es uns erlauben, gar gräuliche, „kaum einen Ton sauber treffende“ moderne Tangomusiker wie Sexteto Milonguero, Tango Amoratado, Beltango, Juan José Mosalini, Ariel Ardit, Luis und Lidia Borda und natürlich Astor Piazzolla zu interpretieren. Schon mal auf Esteban Morgados „Cinema Paradiso“, „El Tango de Roxane“ (aus dem Film „Moulin Rouge“) oder „Tango Casino Noir“ von „Las Sombras“ getanzt? Nein, wohl nicht, das legen ja „vorschriftsmäßig“ arbeitende DJs (Entschuldigung: TJs) nicht auf und bewahren so ihr Publikum vor der Konfrontation mit Tangomusik der letzten 60 Jahre. „Geht das Geplemper jetzt so weiter?“ – so die ziemlich schmallippige Frage einer Tanguera, als ich es neulich in München wagte, „Luna Ladrona“ von „Las Sombras“ zu spielen. Ja, klar, allerdings nun in Gerhard Riedls Wohnzimmer – wir wollen ja auch niemand von seinem selbstgewählten Erfahrungsentzug befreien…

„Non Tangos“ brauchen wir allerdings nicht. Was soll uns die Hintergrundmusik zur Supermarkt-Käsetheke respektive natürlichen Geburtsvorbereitung bringen, wenn uns der Tango in so vielen Farben und Spielarten begegnet? Freilich liefern wir uns auf diese Weise der in gewissen Tangoblogs beschworenen Gefahr einer „fürchterlichen Unruhe auf der Tanzfläche“ aus, und das gerne – schon deshalb, weil wir so der grauslichen Langeweile auf vielen Milongas entgehen. Inzwischen habe ich ein Geheimrezept für meine Musikauswahl: Mit welchen Stücken und in welcher Reihenfolge könnte ich bei ausgewiesenen "Wahrheitsaufsagern" einen maximalen "Toblersuchtsanfall" auslösen? Das macht einen solchen Spaß!

Wenn wir zukünftig immer mehr vor die Alternative „Traditionsgeplürre oder Discogewaber“ gestellt werden: Bleiben wir doch zu Hause – aber nicht auf dem Sofa, sondern dem heimischen Parkett! Legen wir dort die Musik auf, die uns gefällt, schaffen wir expertenfreie Zonen, wo wir noch tanzen dürfen, wie es uns passt! Und das nächste Mal lädt uns vielleicht ein anderes Paar zu seiner „Hausmilonga“ ein. Man könnte sogar in der ersten Stunde ein bisschen miteinander üben und Ideen austauschen – und plötzlich wären wir an den Wurzeln des Tango angelangt: So muss es ja einmal mit diesem Tanz angefangen haben am Rio de la Plata, an einer Straßenecke, irgendwer spielte Bandoneon, der nächste brachte eine Flasche Wein mit, ein paar Stühle wurden hingestellt – und man tanzte, unbelästigt von Fachleuten, Workshopveranstaltern, Tangoideologen, Tanzschuh-, Boutiquenfummel- und Schritteverkäufern. Und auch das Label „Tangoreisen“ würde sich wieder mehr auf den Nahverkehr beziehen. Könnte das schön sein – vor allem aber: so traditionell… und die GEMA muss draußen bleiben!

Freilich könnte der „argentinische Tanz“ als wirtschaftliche Branche dann pleite gehen – oder die Veranstalter würden uns eines Tages wieder Angebote machen, die sich an der Freiheit orientieren, welche die Auswanderer vor über hundert Jahren suchten, als sie ans andere Ende der Welt zogen. Tango hat in seiner Entwicklung genialerweise stets die verschiedensten musikalischen Einflüsse integriert – ob nun die Candombe der schwarzen Sklaven, die südeuropäischen Tänze oder den Wiener Walzer. Einzig den hiesigen Traditionsmilongas von heute bleibt es vorbehalten, uns mit mehr Ordnung als Zucht den Tango als „reinrassig“ zu verkaufen. Danke, wir haben schon! Bis zur Entwarnung bleiben wir lieber zu Hause oder besuchen "Dorfmilongas" in Kleinkitzighofen, Sengkofen, Freising oder Mallersdorf-Pfaffenberg, welche der lange Arm der Restauration noch nicht erreicht hat.

Natürlich ist die euphorische Schilderung des Veranstalters von seiner eigenen „Haus-Milonga“ sehr subjektiv und daher mit Vorsicht zu genießen. Aber es steht ja jedem mit offenen Ohren und lockeren Beinen frei, sich einmal selber zu überzeugen. Ein Vorteil solcher Veranstaltungen ist jedoch unbestreitbar: Man muss endlich mal sein Wohnzimmer aufräumen…

Schleichwerbung:
Unsere nächste Milonga findet am Samstag, den 7.3.15, von 15.30 bis 19.00 Uhr statt.
Und wer dann noch nicht genug hat: Am Sonntag, den 8.3.15 ab 16 Uhr gibt es ein Tango-Café in Schloss Blumenthal, Blumenthal 1, 86551 Aichach.

Dienstag, 10. Februar 2015

Susana Rinaldi: La última curda

Die vielfach preisgekrönte argentinische Tangosängerin Susana Rinaldi wird heuer 80 Jahre.
Auf deutschen Tangoveranstaltungen wird man aber wohl auch weiterhin nicht auf ihre Aufnahmen tanzen dürfen (oder können).
(Ausnahme allerdings: nächsten Dienstag bei der "Riedlschen Wohnzimmer-Milonga"...)


Und no a bissele Text dazu:

Der Letzte Rausch

Ein bisschen Erinnerung und Verdruss
tropfen deine schwermütigen Töne.
Dein Getränk macht benommen
und treibt die Unglücksherde um die Ecke
des letzten Rausches.
Schließ mir das Fenster, die Sonne brennt
mit schneckengleichen Träumen.
Siest du nicht, dass ich aus einem Land komme,
das der Alkohol für immer
in graues Vergessen hüllt?

Montag, 9. Februar 2015

Einladung zur Wohnzimmer-Milonga



Liebe Tangofreunde,

wir laden Euch herzlich ein zur

„Wohnzimmer-Milonga Riedlscher Prägung“
am (Faschings-)Dienstag, den 17. Februar 2015
von 15.30 bis 19.00 Uhr

DJ Gerhard wird garantiert unlangweilige Musik auflegen, die meist nicht älter als 60 Jahre ist: Einspielungen klassischer Tangotitel in modernen Aufnahmen, Tango nuevo, Elektrotango und andere Verrücktheiten.

Obacht: Nach der Einschätzung führender Tangoexperten ist diese Musik untanzbar!

Wir wollen es dennoch versuchen, allerdings umfasst das Parkett nur 20 qm. Daher ist die Teilnehmerzahl auf ein Dutzend Gäste begrenzt (also ein höchst privat-elitäres Encuentro). Eine Anmeldung (per Mail oder telefonisch: 08446-732) ist also unumgänglich!

Der Eintritt ist frei, Getränke (so vorhanden) gibt es zum Selbstkostenpreis.

Ort ist das Riedlsche Wohnzimmer: Am Gaißberg 8, 85309 Pörnbach (Parkplätze im ganzen Dorf vorhanden).
Wegbeschreibung: Pörnbach liegt gefühlt Hunderte von Kilometern von München entfernt, nach langer Fahrt Richtung Norden kurz vor den skandinavischen Ländern links abbiegen!


Wir planen, diese Milonga im „Tango-Biospären-Reservat“ in zirka monatlichen Abständen fortzusetzen und würden uns freuen, Euch dazu begrüßen zu dürfen!

Mit lieben Grüßen
Karin und Gerhard

Freitag, 6. Februar 2015

Was bin ich und wie viele?



Am kommenden Sonntag legt – wie derzeit öfters im süddeutschen Raum ein Schweizer Tangoexperte in München auf. Der laut aktueller Einladungsmail „besonders erfahrene, versierte und geradezu berühmte Tango-DJ aus Zürich“ belehrt die interessierte Öffentlichkeit dabei auch gleich, was für ihn einen guten Musikaufleger ausmache:

 „Gute Tango-Jockeys, TJs, sind alles mögliche, aber bestimmt keine Selbstdarsteller oder große Zampanos. Gefragt sind ein ganzer Strauß von Qualitäten: die Fähigkeit auf Menschen einzugehen ohne sie dominieren zu wollen, die Bereitschaft in den Hintergrund zu treten, ein Paar sorgfältig geschulte Ohren, umfassendes technisches Wissen, etwas Temperament, viel Einfühlungsvermögen und der Wille stets dazuzulernen, um nie in Routine zu verfallen. Denn Routine ist für jeden TJ der Anfang vom Ende.“

Anzumerken wäre, dass jener Fachmann im „Tangoplauderei-Blog“ seit Jahren nicht nur meist opulente Abhandlungen über Beschallungstechnik und Musikauswahl liefert, sondern sich auch gerne zu den Missständen in der Tangoszene äußert. Da ich jüngst von einem Berliner Zeitungsschreiber lernte, dass auch „copy & paste“ durchaus als journalistische Tätigkeit gelte, hier einige Ausschnitte aus dem Schaffen dieses eidgenössischen TJ. Natürlich sind Zitate generell aus dem Zusammenhang gerissen (was auch sonst?); daher habe ich mir große Mühe mit den Quellenangaben gemacht. Wem’s also noch nicht reichen sollte, kann dort gerne weiter schmökern!

Zu Kollegen, Veranstaltern und technischem Equipment
„Aussen fix und innen nix als Lebenskonzept. Das erklärt natürlich, warum so viel Bockmist Käufer findet. Trotzdem ist Bockmist Bockmist und bleibt Bockmist Bockmist – bis dieser gottverdammte Bockmist irgendwann die unendliche Gnade gnadenloser Entsorgung erfährt und wir entwarnen können.“ (Reden wir vielleicht einmal über das Hören, 3.6.14)
„Sowie es im Tango Argentino unter DJs weniger Nullcheckerbunnys geben wird, wird der Prozentsatz positiver Nachrichten ganz von allein grösser werden.“
 „Wer als DJ bei mir umfassenderes Knowhow abholen will – dafür gibt es meinen TJ-Workshop ohne jegliches Infotainment.“
„Das ist richtig schwere Kost. Dabei wird niemand gepampert, weil das nicht zielführend ist. Und man bekommt Hausaufgaben für mindestens ein Jahr völlige oder zwei Jahre halbe Freizeitblockade.“ (3.7.14, ebenda)
„Aber wen interessiert schon das Gejaule ewiggestriger Langweiler, die bereits eine Psychotherapie benötigen, wenn ihr Lieblingstoilettenpapier nicht mehr hergestellt wird und sie auf eins mit anderem Prägemuster umsteigen müssen –  etepetete eben.“ (Der traditionelle Tango und die Qualität der Wiedergabe, 8.11.13)
„Die meisten DJs kümmern sich um all diese Aspekte überhaupt nicht. Sie sind sogar zu faul, um regelmässig durch den Raum zu gehen und zu prüfen, ob irgendwo eine akustisches Problem aufgetaucht ist. Sie bemerken defekte Chassis genausowenig wie sie es versäumen übersteuerte Elektronik im Pegel zu reduzieren. Das Ganze hat etwas erschreckend Autistisches. Allerdings verstehe ich nicht, warum Veranstalter solche DJs ein zweites mal buchen. Warum wird Pfusch von vielen Veranstaltern belohnt?“ (Vielleicht so? Höchst subjektive Anmerkungen zur Klangqualität in der Milonga und zur Frage nach hochaufgelösten Audio-Daten der klassischen Tangos, 25.2.13)

Zum Umgang mit Andersdenkenden
„Hier führte eine andere Bloggerin seit längerer Zeit auf Kosten dieses Blogs einen äusserst primitiven Zickenkrieg. Ich finde das widerlich und dazu stehe ich mit meinem Namen ein. (…) Daher möchte ich die Leser dieses Blogs bitten, auf die Spiele von … nicht länger herein zu fallen. Helft hier und jetzt mit zahreichen und vielfältigen Kommentaren ZUM THEMA, diese Egomanin kaltzustellen“ (Cassiels großer Tango-Knigge: 1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner, 8.6.13)

Zur Ordnung auf den Encuentros
„Ich habe solchen Codex-Analphabeten schon mehr als einmal abseits vom Parkett in einem ruhigen Moment freundlich zu erklären versucht, was Fakt ist und beiße dabei oft auf Granit.“
„Solche Tänzer haben oft was Autistisches in ihrer empathieabstinenten Egozentrik. Ich frage mich, ob die überall im Leben Andere mit Füßen treten. Und ich fürchte, so ein Gebaren hat auch mit so was banalem wie fehlender Kinderstube zu tun.“ „Natürlich nimmt eine gute Tänzergemeinschaft auf Encuentro-Neulinge unter den Paaren Rücksicht, die es allem guten Willen zum Trotz schlicht noch nicht schaffen alles umzusetzen was im Interesse der Tänzergemeinschaft angebracht ist."
"In so einem Setup ist es durchaus möglich, an Encuentros jedes mal auch einigen Neulingen einen allmählichen Einstieg in diese Event-Form zu ermöglichen – vorausgesetzt das ist von den Veranstaltern mit denen wasserdicht abgesprochen und die behalten die Neulinge ständig wohlwollend im Auge. Ich halte so wenig Risiko sogar für ausgesprochen wichtig, damit immer wieder ein klein wenig frisches Blut ins Spiel kommt.“
„Denn ein bis zwei Dutzend solcher Tänzerinnen ohne Anhang können die Stimmung eines Abends unwiederbringlich kippen lassen. Ich habe das vor nicht allzu langer Zeit eins zu eins erleben müssen. Der Stress für die Männer wurde so groß, dass oft über 30 der anwesenden männlichen Tänzer den Tanzraum für längere Zeit verlassen haben, um anderswo aufzutanken. Im Tanzraum standen dann jedem verbliebenen Tänzer zwei bis drei Frauen gegenüber, die um jeden Preis tanzen wollten. Entsprechend aggressiv war die Stimmung.“ (Gastbeitrag: Festivals – Marathons – Encuentros ,13.1.14)
„Tänzer die nicht gewillt oder in der Lage sind, die Leitplanken einer traditionellen Milonga zu respektieren, bekommen beim ersten Pogo-Ausrutscher vom Veranstalter quasi die gelbe und beim zweiten die quasi rote Karte prässentiert –  und das bedeutet sofortigen Rausschmiss. Jeder Tanztroll, der das einmal beobachtet, wird danach alles unternehmen, um sich dieser Blamage nicht auszusetzen.“ (ebenda, 5.3.14)

Zu Tanzstilen und Tänzern
„Lasst euch kein X für ein U vormachen: Es gibt nur Tango de Salon und Tango Escenario – alles andere ist Marketing-Quark für Gringos.“ (Cassiels großer Tango-Knigge: 3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango, 27.5.14)
„Denn wenn wir dieses Thema hier offen und ehrlich, tief und bedacht angehen, dann wird es eng für jene Zeitgenossen im Tango Argentino, die ich ganz bewusst unten den unfreundlichen Begriffen Hupfdohlenkram oder Hallodri-Tango, Takthopserzeugs oder Touri-Tango zusammenfasse. Wenn wir Tango Argentino nicht instrumentalisieren um damit unsere eigenes, egoistisches Ding zu drehen – was natürlich auch ganz viele Argentinier tun – sondern uns diesem Kulturgut mit Sorgfalt nähern und es mit Respekt behandeln, dann stehen viele Auswüchse und Sauglattismus dumm und lächerlich da.“  (ebenda, 20.5.14)
„Zum Glück gibt es für diese Zeitgenossen mehr als genug waschechte 80%-Veranstaltungen, Tango-Disco genannt –  mit Kate Perry und AC/CD, Astor Piazzolla und dem Cuarteto Cedron, Chris Roberts und den Kastelruther Spatzen als Hupfdohlen-Inspiration und Hansdampf-Motivation. Bestimmt finden wir auf Youtube demnächst ein Instruktions-Video darüber, wie Voleos und Volcadas im Rahmen musikalischer Untermalung durch Grandmaster Flash artgerecht gehalten werden können.“ (Reden wir einmal über das Hören, 22.4.14)
„Klar kann man zu allem was sich zur Not irgendwie in einen Viervierteltakt quetschen lässt verzagt bis vehement takthopsen. Aber mit Tango Argentino tanzen hat das nichts zu tun, ganz egal wie viele Vocadas, Boleos und Torpedos dabei hyperventilierend eingebaut werden. Warum sich für durchschnittlich begabte Tänzer – und die bilden nun mal an praktisch jeder Milonga die tonangebende Mehrheit – nur Musik der EdO dazu eignet tatsächlich Tango de Salon zu tanzen, wäre ein Thema für einen völlig anderen, eigenen Thread.“ (ebenda, 3.7.14)
„In Zusammenhang mit Nuevo von irgend was Neuem zu sprechen belegt Unkenntnis betreffend der Geschichte des Tango Argentino. Nichts am sogenannten Marketing-Hype Nuevo war neu. Das ist lediglich dreiste Abzocke für naive 1.-Weltler.“ (ebenda, 27.4.14)

Zur modernen Tangomusik
„Ich lehne die Angebote heutiger Tango-Musiker nicht ab, weil sie nicht aus der EdO stammen, sondern weil sie interpretatorisch bisher fast immer und technisch viel zu oft unter aller Sau sind und vor allem weil heutige Tango-Musiker weder fähig noch willens sind für Tänzer zu musizieren.“ 
„Solange kontemporäre Tango-Musiker es lediglich schaffen, nicht nur die Kompositionen sondern auch die Arrangements von damals handwerklich schlecht gemacht und interpretatorisch langweilig umgesetzt nachzuäffen und zu verhunzen, müssen sie damit leben, dass sie eins zu eins mit dem verglichen werden, was sie abkupfern.“  „Musiker, die sich fernab jeder Gebrauchsmusik der Egozentrik der Schule von Piazzolla verpflichtet fühlen – der seine Musik bereits in den 50ern ganz bewusst nicht mehr Tango nannte und er wird schon gewusst haben warum – werden in der Sparte Tanzmusik nie was Brauchbares zustande bringen.“ (ebenda)
„Im deutschsprachigen Raum andere Musik-Genres an einer Milonga auflegen zu wollen zeugt von Ignoranz.“
„Es gibt kein einziges hervorragendes modernes Tango-Orchester und noch viel weniger irgend eine grandiose moderne Tango-Entwicklung – leider. Die nachäffen alle lediglich oder verwursten – und das auch noch auf tiefem Niveau. Im Gegensatz zu Tänzern, bei denen eine erfreuliche Entwicklung stattfindet, ist bei Musikern betreffend tanzbarer Musik seit vielen Jahren Hopfen und Malz verloren. Neben Pedro Laurenzens seminalem Gran Orquesta zB –  kein anderes Orchester vermag auch nur annähernd so viel Energie in die Musik zu pumpen – wird jede aber auch wirklich jede kontemporäre Formation zum lendenlahmen Langweiler, zum inspirationslosen Stümper, zum kulturellen Ärgernis, zum milongalen Lachnummer.“
„Alles was heutige Tango-Musiker drauf haben, ist entweder ein übler Piazzolla-Verschnitt oder eine noch schlechtere Epoca-de-Oro-Kopie. Daher fehlt jegliche Weiterentwicklung. Bei Piazzolla-Karaoke mit Instrumenten fällt vielleicht weniger auf, wenn Musiker ihr Handwerk nicht beherrschen, weil sie kaum einen Ton sauber treffen und dem Zusammenspiel im Ensembe in keiner Weise gewachsen sind. Hauptsache es klingt progressiv-depressiv-invasiv. Beim Nachspielen von Arrangements der Epoca de Oro sind diese eklatanten handwerklichen Mängel nicht mehr zu überhören. Da wird es zappenduster.“
„Also muss du doch nach wenigen Sekunden hören, dass zB Javier di Ciriaco von Sex Mil beim Singen wie ein Anfänger presst und damit seine Stimme blockiert anstatt es flissen zu lassen. Dann musst Du doch sehen, dass einem Tänzer, der tatsächlich zur Musik improvisiert zB nach spätestens 30 Sekunden nichts mehr einfallen kann zu den todlangweiligen, computergenerierten Loops von Gotan Project. Otros Aires zB mag ganz lustig sein, um sein Auto mit 260km/h über eine nächtliche Autobahn zu jagen, falls man auf so was steht. Aber an einer Milonga ist Otros Aires ein kolossaler Langweiler, sobald man tatsächlich zur Musik tanzt anstatt diese auszublenden, damit man ungestört von der Musik irgendwelche Moves aus sieben Dutzend Schritten absolvieren kann. Für Moves braucht es keine Musik. Dafür reicht ein Metronom, bei dem gelegentlich jemand das Gewicht verschiebt.“ (Antwort eines sog. „Tango-Talibans“ auf den offenen Brief von Annette Postel in der aktuellen TangoDanza, 31.3.13)

Das alles ist auf diesem Blog bis heute nachzulesen – ich meine also nicht jene 144 Kommentare, welche der Blogger nach der Androhung juristischer Schritte gegen ihn und den DJ gelöscht hat!

Dieses Thema kommt dem Ideal des Satirikers schon ziemlich nahe: Man muss nix mehr kommentieren, nicht noch ärger überzeichnen, nein – zitieren genügt. Wem es noch nicht reichen sollte, kann ja – nach Versorgung mit den persönlich favorisierten Drogen und dem Nachziehen der Kabelbinder um Sessellehne und Arme – nochmal zum anfänglichen Zitat über guteTJs hochscrollen: „keine Selbstdarsteller oder große Zampanos“, „die Fähigkeit auf Menschen einzugehen ohne sie dominieren zu wollen“,die Bereitschaft in den Hintergrund zu treten“,viel Einfühlungsvermögen“ – und vor allem:
„Gute Tango-Jockeys, TJs, sind alles mögliche“.
Wo er recht hat, hat er recht…