Tango im Märchenwald

Um es gleich vorauszuschicken: Seit 20 Jahren beschäftige ich mich zunehmend aktiv mit dem Tango, und es gibt im deutschsprachigen Internet sicherlich nicht mehr allzu viel, das meiner Aufmerksamkeit noch entgangen ist.

Wer dies unternimmt, muss seelisch stabil sowie ultimativ abgehärtet sein. Daher reagiere ich schon lange nicht mehr auf jeden Schwachsinn, der mir zu diesem Thema fast täglich unterkommt.

Wenn es dann beispielsweise in einer kürzlich erhaltenen E-Mail heißt, die nächste Milonga werde „wegen Corinna“ abgesagt, kann mich das nicht mehr aus der Fassung bringen (zumal mir diese Entscheidung in Kenntnis früherer Tanzpartnerinnen durchaus plausibel erscheint).

Man muss mich also schon mit weit überdurchschnittlichem Käse peinigen, wenn man es auf mein Blog schaffen will. Einem Tanzlehrerpaar ist dies nun mit seiner neuen Website gelungen.

Damit sich die Empörung über den folgenden Text in Grenzen hält: Obwohl ich die beiden schon persönlich erlebt habe, maße ich mir kein Urteil über deren künstlerische Qualitäten an. Ohne Zweifel können die beiden Tango – und wie sie ihn unterrichten, müssen ihre Schüler wissen.

Ich frage mich nur: Gerade wenn man etwas gut kann – ist es dann wirklich nötig, öffentlich derart auf die Kacke zu hauen? Formulierungs-Monstrositäten hinzulegen, die einfach nur noch Kabarett sind?

Ich habe die schönsten Sprüche einmal herausgesucht:

Zweifellos sucht man in diesem Fall auch homöopathische Dosen von Bescheidenheit vergeblich. Daher fängt es schon gut an:   

„Wenn Tango in München lernen, dann bei Tango Lugo! Bei uns bist Du bestens aufgehoben!
Unsere Schule ist einzigartig, denn bei uns lernst Du Tango authentisch und ganzheitlich.“

Worin besteht nun das unvergleichliche Konzept?

„Unser System basiert auf 3 Säulen unserer Kurse: Anfänger – Mittelstufe – Fortgeschrittene.
Zunächst scheint es eine allgemeine Einteilung zu sein, die viele Schulen gemein haben. In unserer Schule bekommen die Kurse, nach guter argentinischer Tradition, aber einen Beinamen. Und dort liegt das Erfolgsrezept.“

Äh, wie jetzt? In den Untertiteln der Kurse? Nein:

„Und hier liegt der große Unterschied – wir unterrichten keine Figuren, sondern Improvisationselemente, die auch als solche benützt werden sollen. Unsere Schüler werden zu bewussten Tangotänzern, die nicht nur eine Choreographie nachtanzen, sondern wissen, wie sie aufgebaut ist und wie das Führen und Folgen funktioniert. Somit klappt das Tanzen mit jedem Tangotänzer auf der Welt, und nicht nur innerhalb des Kurses!“

Zweifellos keine schlechte Idee, aber…

„Wer kennt das nicht: Du lernst eine tolle Schrittkombi und bist ganz stolz auf Dich, dass Du sie so toll hingekriegt hast. Am nächsten Tag aber hast Du alles vergessen.
Da wir in den Videos unserer Online Tango Tanzkurse nicht nur Choreographien zeigen, sondern auch genau auf das Führen und Folgen eingehen, helfen wir auch Tangueras und Tangueros, die unsere Kurs nicht besuchen können.“

Also werden doch Choreografien unterrichtet? Aber wahrscheinlich habe nur ich es nicht verstanden…

Nachfolgend muss nun aber München dran glauben:

„Tango München
Was macht den Tango für die bayerische Metropole so unglaublich attraktiv? Was ist sein Geheimnis? (…)
München ist die Hochburg der Singles, jeder dritte Münchner lebt alleine.“

Ja gut, und nachdem ich den Tango dort ein wenig kenne, wüsste ich dafür auch einige Gründe… Auf einen wäre ich aber nicht gekommen:

„Die Münchner sind verwöhnt, was ihr Freizeitprogramm angeht. Außerdem ist man ja auch anspruchsvoll und möchte nicht nur Unterhaltung erleben, sondern auch einen Mehrwert haben. Somit ist Tango die so oft gewählte Option: Hier hat man Spaß mit Niveau und immer einen emotionalen Kick!“

Sicher, welchen auch immer...
Getoppt wird das nur noch durch ein Tanzfoto aus der Landeshauptstadt, das man wie folgt kommentiert:

Typische Szene einer Milonga in München – sich innig umarmende Tangotänzer schweben in bester Laune übers Parkett.“

Klar, wenn sie nicht grade auf Facebook aufeinander eindreschen
Ganz wichtig auch für Ältere und Besucher von auswärts:

„Milonga ist ein Tangoball, ein soziales Ereignis. Dort tanzen alle miteinander – Jung und Alt, Paare und Fremde!“

Nein, in der Isarmetropole bleibt keine(r) sitzen!
Aus der Premium-Liga sind selbstverständlich auch die veranstalteten Milongas:

„Es sind magische Nächte auf der Milonga Cupido: So wie der römische Liebesgott die Herzen der Menschen mit seinen Pfeilen verzaubert, verführt uns der prächtige Festsaal des Schützengartens mit seiner perfekten Kulisse. Es empfängt uns das königliche Hauptgebäude. Unter dem Dachfirst begrüßt uns das Münchner Kindl als Wetterfahne.“

Da gestehe ich neidlos: Der metaphorische Crash des Gottes Amor mit dem Münchner Kindl muss einem erstmal einfallen. Da springt einen die Begierde regelrecht an!

Die beiden Protagonisten firmieren natürlich auch als Vortänzer:

„Bekannt als die sinnlichsten Tangoshowtänzer Münchens verzaubern sie ihr Publikum in Europa und Amerika!“

Hierzu gibt es eine Bildergalerie, die selbst mich als intimen Kenner des Tango-Kamasutra atemlos macht. Bleibt mir nur der Rat: Größte Vorsicht, denn ab einem bestimmten Alter springt die Bandscheibe garantiert raus!

Aber auch andere Produkte wie eigene Gemälde und Kunstgesang werden vertickt, denn:

„Fabian und Michaela sind eine große Bereicherung für die Kunstszene in München. Entdecke ihre einzigartigen Kunstwerke!“

Dies beweist auch der „Tango München Online Shop“, in dem man unter anderem T-Shirts erwerben kann. Unkommentierte Beispiele:

„T-Shirt Damen ‚Tango macht schön‘ – Das Must Have für jede Tango Prinzessin!

Das coole T-Shirt ist das Must Have für jeden anständigen Milonguero;-)
‚Here comes your favourite milonguero‘

T-Shirt ‚ich bin unschuldig‘
Für alle unschuldigen Damen das Must Have!“

Und wer noch nicht alle Tassen im Schrank hat, kann sich hier auch eine Tango-Tasse bestellen.

Erquicklich zu lesen ist auch die Vita der beiden, welche beweist: Auch Biografien können zur Belletristik zählen. Bewundernd nehmen wir die Karriere vom „Popcornverkäufer zum internationalen Tangostar“ zur Kenntnis: Nach intensiven Privatstunden wollten die Tangueros seiner Heimatstadt nicht mehr von den Maestros, sondern nur noch von ihm unterrichtet werden, was er ihnen – zunächst widerstrebend – schließlich erfüllte. Wow!
Na gut, die eine oder andere Partnerin oder Ehefrau wird schon verschwiegen – ein Latino muss zwar in dieser Branche erotisch rüberkommen, ein allzu deftiges „Hallodri-Image“ wäre aber kontraproduktiv.

Fassen wir lieber zusammen:
   
„Ihre Schüler dürfen von ihrer jahrzehntelangen internationalen Erfahrung als Showtänzer und Lehrer profitieren. Als Multi Genre Künstler ist ihr Wirken auf ein breites künstlerisches Bewusstsein gebettet. Das gibt es nur einmal in München! So gelten sie als die beste Option in München, um Tango zu lernen, und weit und breit als eine der besten Tangokünstler.“


Was soll man da noch sagen, wenn man nach Studium solcher Webseiten schwer atmend darniederliegt? Kaum jemals wurde derartig komprimiert der Tango als Branche vorgeführt: Ein Rundum-Sorglos-Paket, welches dem Kunden all das liefert, was er benötigen soll! Tango als Komplett-Versorgung.

Irgendwie erinnert mich das Ganze an einen dieser Talmi-Märchenparks, in denen die lieben Kleinen in ein Bimmelbähnchen gesetzt und – mit Zuckerwatte ruhig gestellt – an diversen Kitschbuden mit Schneewittchen, Rotkäppchen und dem lieben Wolf entlang gekarrt werden.

Bei solchem Tango wird aber auch für Erwachsene die Realität zu einer durch Mangel an Illusionen erzeugten Erscheinung.


 P.S. Zur besseren Lesbarkeit wurden die Zitate rechtschreibkorrigiert.

Kommentare

  1. Hallo Gerhard, Du scheinst sehr behutsam an ihrer Rechtschreibung korrigiert zu haben!
    (Beispiel: "Ihre Schüler dürfen von ihrer jahrzehntelangen internationale[n] Erfahrung als Showtänzer und Lehrer profitieren. Als Multi Genre Künstler ist ihr Wirken auf ein[?!] breites [k]ünstlerisches Bewusstsein gebettet. Das gibt es nur einmal in München! So gelten sie als die beste Option in München um Tango zu lernen und weit und breit als eine[sic!] der besten Tangokünstler[?]."
    Davon abgesehen: Wie bekommt man ein Bewusstsein breit? Platt treten? Alkohol?
    liebe Grüße
    Martin Polzer

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    1. Lieber Martin,

      vielen Dank!

      Ich empfehle immer, meine Texte erst mehrere Stunden nach Erscheinen zu lesen - so lange läuft nämlich meine "Korrekturphase".
      Der letzte von Dir zitierte Satz ist durch eine Rechtschreibkorrektur nicht zu retten, deshalb habe ich es gelassen.

      Die ganze Website zeigt übrigens solche sprachlichen Schlampereien. Ich habe im Artikel nur indirekt darauf hingewiesen, weil man natürlich auch Tango unterrichten kann, ohne ein perfektes Deutsch zu beherrschen.

      Dennoch: Zum professionellen Auftreten gehört es aus meiner Sicht schon, dass auch das Schriftliche gut formuliert ist. Zur Not wird man doch einen Autor oder Deutschlehrer kennen, der es korrekturlesen könnte.

      Liebe Grüße
      Gerhard

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  2. Hans-Peter Römer8. Juni 2020 um 12:42

    Lieber Herr Riedl,

    Beim Lesen des Artikels hatte ich kein gutes Gefühl, und als ich mir die Seite der beiden anschaute noch weniger. Ich finde es nicht gut.
    Ich kann verstehen, dass Sie den subkulturellen Zeiten des Tango aus seiner Anfangszeit in Deutschland nachhängen. Bei mir kommt es aber auch oft so an, wenn Sie die Kommerzialisierung anprangern, als hätte man es mit Nestlé Blackrock und Warren Buffet in Personalunion zu tun. In meiner Wahrnehmung ist es für die meisten Tangolehrer/ -Tänzer ein Nebenberuf und für den Bentley reichts auch nur im Format 1:100. Deswegen sind auch die meisten Websites handgestrickt und die Kundenansprache ist vielleicht etwas ungeschickt. So What! Den Vorwurf den man machen kann, ist vielleicht das Wecken der Erwartung bei potentiellen Tangonovizen, in ein Reich epikureischer Lustbarkeiten abzutauchen und dann treffen sie doch wieder nur die faltigen überreifen Langweiler aus dem Volkhochschulkurs. Aber da wir alle im Kapitalismus sozialisiert sind, ist das dann doch wenig überraschend. Also ist dann das Bashing notwendig?

    mit besten Grüßen

    HP Römer

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Lieber Hans-Peter Römer,

      selbst, wenn man es als „Bashing“ sieht: Nein, natürlich nicht. Auch Tangoblogs sind nicht unbedingt nötig – und erst recht nicht, überhaupt Tango zu tanzen. Ein völlig sinn- und zweckfreies Tun. Kann aber Spaß machen. Drum.

      Klar, für Warren Buffet oder den Kapitalismus generell ist der Tango viel zu sehr ein Nischenprodukt. Daher stürzt halt auch die behauptete „Professionalisierung“ immer wieder krachend in sich zusammen. Nicht nur durch Corona.

      Dann sollte man sich aber auch nicht so aufblasen. Mir ist der Tango inzwischen viel zu hierarchisch strukturiert. Öffentliche Kunden-Rezensionen sind in unserem Wirtschaftssystem heute völlig üblich. Nur der Tango verharrt noch in vordemokratischen Zuständen: Vor allem, wenn Argentinier etwas zum Tango verkünden, ist das quasi „ex cathedra“ – Widerspruch führt zur Exkommunikation.

      Wenn man Tango für Geld verkauft (so das überhaupt möglich ist), sollte man seine Kunden nicht hinters Licht führen. Privat und auch auf dem Blog erreichen mich immer wieder Geschichten von riesigen Enttäuschungen gerade bei nicht mehr ganz jungen Frauen, die sich vom Tango wieder verbittert abwenden, weil sich das verheißene Märchenland nicht realisierte. Oder von Schülern, welche auch nach jahrelangem Unterricht nur Figuren abspulen können, weil man es ihnen so beibrachte.

      Ich weiß nicht, ob Sie mein Tangobuch kennen. Darin versuche ich zu schildern, wie faszinierend der Tango sein kann, aber auch, was man wirklich von ihm erwarten kann und was nicht. Diesen Realismus finde ich auf PR-Seiten wie der hier besprochenen nicht mal in kleinsten Dosen.

      Daher bleibe ich dabei: Neue Perspektiven – auf meinem Blog ja auch von vielen Gastautoren vorgestellt – sind dringend nötig. Wie überzeugend sie im Einzelfall wirken, obliegt dem Urteil jedes Lesers.

      Danke für den Kommentar und beste Grüße
      Gerhard Riedl

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    3. Hans-Peter Römer9. Juni 2020 um 02:04

      Lieber Herr Riedl,

      ich wär ja im Leben nicht draufgekommen, die Worte PR und Realität in einem Satz zu verwenden. Aber ich würde den Fehler im System nicht nur bei den Semiprofessionellen suchen, sondern auch bei den nicht mehr ganz jungen oder besser sehr sehr mittelalten Frauen und Männern, deren hedonistische Dampfmaschine man ja nur ein bisschen antippen muss, damit ein Feuerwerk an erotischer Phantasie entzündet wird. Ich selbst bin ein übergewichtiger auch sehr sehr mittelalter Provinztänzer. Meine Chancen auf dem Markt der Eitelkeiten sind so überschaubar wie eine Prachtallee in Pjöngjang. Aber andere sind wohl hin und wieder schon erfolgreich, wenn oft auch nur mit begrenzter Halbwertszeit. Also ist das Narrativ der Erotik im Tanz nicht ganz soweit hergeholt. Aber nicht jede*r kriegt 'ne Fahrt im Kettenkarussell.

      Aber sind es dann nicht genau jene, die gerade die Kommerzialisierung in der Tangoszene antreiben, weil sie mit ihrer Erwartung und Projektionen an die Milongas sich auch dementsprechend ausstaffieren und das auch von den andern erwarten. " Wie! Dieser Mensch schwitzt! Incroyable!"
      Wenn jemand damit werben würde, dass Tango eben auch eine hohe Frustrationstoleranz fordert, wäre es ein sehr einsamer Tangoschaffender. Ich meine halt, dass das Phänomen nicht nur von einer Seite befeuert wird.

      Lustig, dass das Vokabular der katholischen Kirche nutzen, nur der Vergleich hinkt etwas. Insofern dass es mehr argentinische Tangoleute in Europa gibt, als Päpste im Vatikan. Insofern neigt die argentinische Tangodogmatik doch zu mehr Inkonsistenz. Es reicht aber aus, das Gurubedürfnis geschlechtsüberreifer Großstädter in der Tangowelt zu befriedigen. Ok Ok die Provinzler haben auch ein Gurubedürfnis, ich will ja die Großstädter nicht bashen.

      Und nein, ich will nicht, dass Sie Ihren Blog einstellen! Dann könnte ich ja nicht meine Sicht der Dinge kommentieren.

      Beste Grüße

      HP Römer

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    4. Lieber Hans-Peter Römer,

      Sie sprechen ein interessantes Thema an, bei dem ich Ihnen weitgehend Recht gebe:

      Den Einmarsch der Rentnerinnen und Rentner im Tango. Ich habe den selber ab zirka 2005 erlebt. Tänzerisch bedeutete dies den Umschwung von „Was geht alles?“ zu „Geht das überhaupt?“. Plötzlich sah man auf den Milongas zunehmend arthrotisches Herumgedackel. Da die damalige Subkultur-Szene äußerst liberal eingestellt war, nahmen wir diese Tendenz als spaßige Zugabe hin. Heute weiß ich: Wir hatten dieses Volk mit einer Überdosis Piazzolla in die Flucht schlagen sollen.

      Klar, diese Population brauchte vieles, auf das wir bis dahin eher verzichten konnten: feste Regeln, jede Menge Unterricht und einfache, überschaubare Musik. Später dann auch Tangobälle, Festivals, Tangoreisen, gestreifte Hosen für den Herrn und Püppi-Ausstattung der Damenwelt. Zusätzlich wichtig: die Anmutung von Exklusivität.

      Schon diese Effekte zeigen die verheerende Wirkung der Kommerzialisierung im Tango.

      Ich meine auch, das „Narrativ der Erotik“ ist im Tango eine treibende Kraft. Nicht umsonst erwähnt man ja auf der besprochenen Website, in München gebe es zirka ein Drittel Singles (was sogar stimmt). Gerade, was die Männer betrifft, sind daher folgende Verheißungen des Tango geschäftsfördernd:

      Nirgends kommt man so schnell, leicht und nah an die Weiber ran wie im Tango.
      Die müssen sich entsprechend aufbrezeln, sonst fordert sie keiner auf. (Die Sex-Animierbildchen auf der besprochenen Website sprechen da eine deutliche Sprache.)
      Sie dürfen nur das tanzen, was der Männe kann (und daher führt). Und warten, bis man sie auffordert.
      Vor allem aber: Tango kann jeder Depp lernen – also auch diejenigen, welche es bislang in anderen Tänzen vergeblich versucht haben.

      Dass solche Interessen durchaus auch teilweise auf weiblicher Seite bestehen, ist unbestritten. Sie sind allerdings weniger mit Machtansprüchen verknüpft. Aber klar: Die Aussicht, die nächste körperliche Berührung komme ansonsten vom Pflegedienst, ist ab einem bestimmten Alter nicht ganz rosig.

      Dank Corona fallen derzeit viele dieser Motive weg. Ich halte dies für eine Chance, wieder über das nachzudenken, was den Tango wirklich ausmacht: Musik und Tanz.

      Ach ja, als gelernter Katholik (jetzt im Ruhestand) ist mir das Machtgefüge gut vertraut. Da gibt es ja auch die Kardinäle, Bischöfe, Generalvikare und Pfarrer. Wie im Tango.

      Vielen Dank für die interessanten Gedanken und beste Grüße
      Gerhard Riedl

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  3. Also wenn hier jemand dem Tango schadet, dann sind Sie es mit Statements wie: "Plötzlich sah man auf den Milongas zunehmend arthrotisches Herumgedackel."

    Was soll das? Für wen halten Sie sich eigentlich? Tango ist eine Privatangelegenheit! Da muss man sich öffentliche Kommentare dieser Art wirklich nicht gefallen lassen. Gibt es eigentlich irgend jemanden hier, der oder die Ihre "Wohnzimmermilonga" gut findet? Außer Eigenlob habe ich diesbezüglich noch nichts gelesen.

    Und wenn ich mir Ihr Video ansehe, kann ich nur sagen: Kehren Sie bitte einmal vor Ihrer eigenen Türe. Glauben Sie wirklich, dass Ihr "Tanzen" besser ist?

    Unfassbar, was hier so manche Möchtegernexperten von sich geben!

    Sonja Lichwa, 72 J., also typische Tänzerin mit arthrotischem Herumgedackel. So eine Herabwürdigung und Beleidigung habe ich noch nirgends gelesen!

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    1. Also, sehr geehrte Frau Lichwa,

      nun kriegen Sie sich mal ein, gell? Ich kenne Sie nicht und wüsste auch nicht, dass ich Sie schon persönlich beleidigt hätte. Wovon Sie sich allgemein getroffen oder gar herabgewürdigt fühlen, ist Ihre Sache.

      Sie dürfen sich hier gerne kritisch zu den Artikeln äußern, nur erwarte ich einen halbwegs höflichen Tonfall, da Sie hier mit einem realen Menschen diskutieren. Sonst schreiben Sie zukünftig – bei weiterem Bedarf an Gezetere – ins Leere.

      Zur Sache:

      Ich bin selbst gerade mal drei Jahre jünger als Sie. Wenn also „arthrotisches Herumgedackel“ sich nur auf bestimmte Altersstufen bezöge, würde ich mich auch selber kritisieren. Nein: „Rentner“ ist hier keine alters- oder versorgungsmäßige Einstufung, sondern eher eine Diagnose. Ich habe im Tango schon viele junge „Rentner“ erlebt, die sich so bewegen – und kenne Tangofreunde und -freundinnen in meinem Alter und darüber, die wunderbar tanzen.

      Ob ich mit solchen Äußerungen „dem Tango“ schade oder einfach nur den Mut habe, die Wirklichkeit zu beschreiben (zugegeben mit einem Schuss Satire) überlasse ich gerne meinen Lesern. Dazu gehören – außer Ihnen – derzeit noch ein paar hundert andere pro Tag.

      Unsere Wohnzimmer-Milonga gäbe es nicht einmal monatlich seit fünf Jahren, wenn sich nicht immer wieder genügend Gäste fänden. Und wenn Sie einmal die fast 60 Gastbeiträge auf meinem Blog ansehen, werden Sie viele Autoren finden, die auch öfters schon bei uns tanzten. Neuestes Beispiel: https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/05/als-wir-noch-auf-den-milongas-lernten.html
      Ein sehr positiver Bericht stand sogar in der „Tangodanza“ – übrigens nicht auf mein Betreiben hin:
      https://milongafuehrer.blogspot.com/2019/12/edo-kommt-mir-nicht-ins-haus.html

      Wenn dies alles nicht so wäre, würde ich mein Blog übrigens trotzdem so führen.

      Tanzvideos von mir gibt es mehrere – aber keines davon ist entstanden, weil ich mich nun für einen herausragenden Tänzer halte. Auch nicht für einen besonderen „Experten“. Das betone ich immer wieder.

      Ja, Tango ist eine Privatangelegenheit – falls man ihn zu Hause oder als privater Gast woanders tanzt. Ist man Besucher einer öffentlichen Veranstaltung, dann allerdings nicht. In dem Fall darf ich mich selbstverständlich darauf beziehen.

      Sehr geehrte Frau Lichwa, ich habe Ihr Tanzen nicht kritisiert und würde es auch nie tun. Wenn andere das meine beurteilen, kann ich gut damit leben.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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    2. Robert Wachinger10. Juni 2020 um 10:28

      Hallo Fr. Lichwa,

      "Gibt es eigentlich irgend jemanden hier, der oder die Ihre "Wohnzimmermilonga" gut findet?"

      Hier ich.
      Ciao Robert (61, also kurz vorm arthrotischem Herumgedackel)
      ;-)

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    3. Lieber Robert, vielen Dank!

      Man darf sich ja empören - was ich aber schlimm finde:den Versuch der sozialen Ausgrenzung.Motto: "Alle sind gegen dich!"

      Ich finde, man dürfte Meinungen auch äußern, ohne vorher eine genügende Zahl von Fans nachzuweisen.

      Liebe Grüße
      Gerhard

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    4. Der Besuch einer öffentlichen Veranstaltung ist und bleibt meine Privatangelegenheit. Oder schreiben Sie die Rechtslage neu? Sie können also gerne die Veranstaltung kritisieren, nicht aber die Gäste!

      Und natürlich fühle ich mich bei Ihrer "Kritik" persönlich angesprochen und beleidigt - ich gehöre ja in diese Gruppe. Wenn Sie wenigstens geschrieben hätten, wen Sie meinen - haben Sie aber nicht.

      Ich gratuliere zu dem einen Fan!

      Sonja Lichwa

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    5. Werte Dame,

      ich wüsste nicht, dass ich Ihnen vorgeschrieben hätte, welche öffentliche Veranstaltung Sie besuchen dürfen und welche nicht.

      Und ich habe ja nicht einmal eine bestimmte Milonga kritisiert (was ich dürfte) - und erst recht nicht konkrete Gäste. Dies machen Sie jetzt auch noch als meinen Fehler aus. Toll!

      Vielleicht lesen Sie sich einfach nochmal meinen Artikel durch, um herauszukriegen, worum es darin wirklich geht.

      Na ja, und was die "Fans" betrifft: Sie haben im Moment gar keinen. Aber darum geht es nicht. Ob ich eine Wohnzimmermilonga veranstalte und wie vielen diese gefällt, hat mit meiner Kritik an der Website im obigen Text genau nichts zu tun. Und meine Ansichten werden nicht erst dann legitim, wenn ich eine bestimmte Anzahl von Unterstützern vorweise.

      Aber falls Sie sich wirklich persönlich angesprochen und beleidigt fühlen: Gehen Sie doch einfach rechtlich gegen mein Blog vor! Ich habe dafür ja ein Impressum.

      Ich ahne aber, was dann - wie in vielen dieser Fälle - als Antwort kommt: Nein, dazu wäre Ihnen der Aufwand zu groß. Nein: Weil es zwecklos wäre, da ich nichts illegales unternommen habe.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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    6. Und wen haben SIE geklagt, der Sie angeblich persönlich beleidigt hat?

      Sonja Lichwa

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    7. Sorry, falscher Vergleich:

      Wenn mich jemand persönlich beleidigt, kann ich entscheiden, ob ich das rechtlich verfolge oder nicht. Die Aussicht, dass der andere dafür bestraft wird, ist zumindest vorhanden.

      Wenn ich dagegen nicht persönlich beleidigt wurde, sondern mich lediglich - als Angehöriger einer diffusen Gruppe - beleidigt fühle, ist eine Strafverfolgung von vornherein aussichtslos.

      Merke: Nicht alles, was einem nicht passt, ist strafbar. Damit muss man leben.

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  4. Und jetzt sage ich mal allgemein etwas, von dem ich hoffe, dass sich nun nicht wieder jemand persönlich beleidigt fühlt:

    Seit dieses Blog besteht (Ende 2013) wird immer wieder der Versuch gemacht, es in eine rechtlich verdächtige Ecke zu stellen. Die Hauptvorwürfe lauten notorisch: Beleidigung und Verletzung des Persönlichkeits- und Urheberrechts (unerlaubte Berichterstattung über persönliche Dinge, illegales Zitieren).

    Solche Verdächtigungen sind völlig haltlos: Ich kenne inzwischen die entsprechenden Regelungen des Straf- und Urheberrechts vorwärts und rückwärts. Schließlich erlitte mein Blog einen herben Vertrauensverlust, wenn man mir Verbotenes nachweisen könnte. Und nicht ohne Grund hat in unserer Rechtsprechung die Meinungs- und Pressefreiheit einen sehr hohen Stellenwert.

    Obwohl ich solche Kommentatoren wiederholt dazu aufgefordert habe, dann doch den Rechtsweg zu beschreiten, kam es dazu noch nie. Nicht einmal eine anwaltliche Abmahnung habe ich jemals erhalten.

    Der Grund ist für mich klar: Man weiß ganz genau (oder ahnt es zumindest), dass solche Schritte nichts bringen würden. Im Gegenteil: Ich erhielte es dann mal schwarz auf weiß, dass ich völlig legal agiere. Und das möchte man natürlich schon gar nicht.

    Also belässt man es bei Andeutungen und Verdächtigungen, um mein Blog in ein schiefes Licht zu rücken. Irgendwas bleibt dann schon hängen. Ich finde ein solches Vorgehen perfide.

    Nochmal: Man darf meine Texte langweilig, anmaßend, frech oder sonst wie finden. Aber da, wo man bewusst Straftatbestände unterstellt, werde ich ziemlich böse.

    Übrigens wäre ich damit vorsichtig: Auch eine „falsche Verdächtigung“ ist nach § 164 StGB strafbar.

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