Verpilcherung fürs Weltkulturerbe


Den Musiker, Komponisten, Produzenten, Tangotänzer und Tanzlehrer Iwan Harlan habe ich hier schon einmal positiv besprochen, als er seine CD „Tango alemán“ herausbrachte. Nun dichtet er wieder – zugunsten der bekannten Online-Petition, mit welcher deutsche Tango-Profis das UNESCO-Weltkulturerbe sowie ihre Einnahmen retten wollen.

„Langsam wird’s eng“ betitelt sich ein Video hierzu. Das finde ich auch.

Inhalt: Zur Musik von Juan José Mosalini (die man auf schätzungsweise fünf Prozent der hiesigen Milongas geboten bekommt) drehen auf ansonsten leeren Tanzflächen verschiedener deutscher Tango-Institute eher jüngere und schönere Paare einsam und edel ihre Kreise, bevor sie ins Nirwana entschwinden.  

Dazu brabbelt Harlan mit sonorem Elmar Gunsch-Timbre einen Text ins sehr nahe Mikrofon („Crooning“ nennen das die Amerikaner), den man sicher als Gemme der Tangoliteratur bezeichnen muss. Die Nachwelt hat es nicht anders verdient, als dass man ihn schriftlich festhält:

„Langsam wird’s eng, oder?
War’s das für viele von uns?

In Buenos Aires fängt das Milonga- und Tangoschulen-Sterben schon an.  Wie lange halten wir noch durch? Dabei ist gerade eng Sein doch unser erstrebenswertestes Ziel. Eng sein, verbunden mit einer völlig fremden Person, intim miteinander verschmelzen und der Wirklichkeit für drei Minuten entschwinden…

An Orten, die diesen Traum fördern und heben, von leidenschaftlichen Tango-Enthusiasten erschaffen, die alles, was sie besitzen, was sie sind, in diesen Traum investiert haben, um zu sehen und zu erleben, wie zwei fremde Herzen sich treffen… Denn genau davon leben wir: vom Brot und vom Wind. So tanzen wir eng und wie tanzen wir eng umschlungen!

Ja, du weißt es! Tango ist nicht nur die Musik, es sind die Räume, die tausend Philosophien, die unzähligen Bands, die Poeten, die Verrückten und die Normalen, die neuen und die alten Komponisten, die Bewahrer und die Fortschreiter.

Und so unterschiedlich wir sind, eins haben wir gemeinsam: Immer wieder schüren wir das Tango-Feuer, schüren die alte Glut – genauso, wie wir frische Brände legen. Und stell dir vor, es gäbe all diese wunderbaren Milongas und Schulen nicht mehr, keine Orte mehr für Bands zum Spielen, keine Veranstalter, die sie buchen. Stell dir vor, es gäbe diese wunderschönen Orte für den Unterricht nicht mehr. Und stell dir vor, du wolltest auf deine erste richtige Milonga nach der Pandemie gehen, und es gäbe sie einfach nicht mehr, diese Räume der Begegnung, diese vielen schönen Orte wären einfach verschwunden.

Wenn du dich fragst: Wo gehe ich tanzen? Wo kann ich überhaupt noch Tango tanzen gehen? Wo kann ich das lernen? Bisher konnte ich doch überall tanzen gehen! In jeder Stadt, sogar auf der ganzen Welt, mich in dieser einzigartigen Weltkultursprache unterhalten! Ich bin tanzen gegangen und habe damit dieses Erbe angenommen – mit wem auch immer, ob Anfänger oder alter Hase, Tango verbindet mich mit jeder Tangotänzerin, jedem Tangotänzer – egal, welchen Dialekt er oder sie spricht.

Stell dir vor, wie unser Land aussehen würde, wenn einige der Minister und Entscheider Tango tanzen würden! Wenn sie die Erfahrung gemacht hätten, wie tief man sich mit einer fremden Person verbinden kann, wie wertvoll diese wortlose Kommunikation ist!

Tango ist Hochkultur, die für unsere Gesellschaft wichtig ist – so wichtig wie Sport, Theater und Oper: Umarmungen, Berührungen, Verbindung, Kommunikation – wortlos und doch so tiefgründig.“

Wem der Text allein noch nicht reicht:



Ich gestehe: Nach Niederlegung dieser Zeilen und Besichtigung des Weichzeichner-Videos brauchte ich ein Salamibrot und ein Bier, um den widerlichen Saccharin-Geschmack loszuwerden, welcher diesem Tango-Disneyland-Epos anhaftet.

Sicherlich: So wie beschrieben könnte der Tango (mit leichten Übertreibungen) vielleicht wirklich sein. Ist er aber nicht. Die beschworene Integrationskraft und Harmonie weist er im Alltag kaum auf. Vorherrschend sind stattdessen Grüppchen- und Fraktionsbildung, Ausgrenzung sowie hierarchisches Denken. Die behauptete Symbiose zwischen „Bewahrern“ und „Fortschreitern“ ist eher die rühmliche Ausnahme.

Ich würde ja gerne mal einen Faktencheck betreiben: Welcher Prozentsatz der berockten Mädelchen und der schlabberhosigen jungen Herrn fordert auf der eigenen Milonga mal Fremde auf, zumal ältere? Ja, die leidenschaftlichen Tango-Enthusiasten" mit dem Alien-Blick...

Und klar, Tango ist Hochkultur" allerdings in den Teilen, die man seit vielen Jahren aus der hiesigen Szene verbannt hat. Stattdessen spielt man kommerzielle Tanzmusik aus den Vierzigern. Darf ich zu diesem Thema zum hundertsten Mal vergeblich an die Namen Gardel und Piazzolla erinnern? 

Was solche Texte noch schlimmer macht: Ich fürchte, Iwan Harlan weiß das alles. Was und wieviel man dann geraucht haben muss, um trotzdem einen solchen Edel-Kitsch zu veröffentlichen, ist mir schleierhaft.

Zugegeben, die Anmutung des Videos ist eher modern. Ich fürchte nur: In dieser Verkleidung soll es nun für diejenigen die Kastanien aus dem Feuer holen, die den Tango später wieder ins historische Ghetto sperren werden.

Mir fiel sofort die Ähnlichkeit solcher Produktionen mit denen der britischen Schmonzetten-Königin Rosamunde Pilcher (1924-2019) auf. Rund 65 Millionen Bücher hat sie verkauft – bei der Online-Petition ist also noch Luft nach oben! Das ZDF hat Dutzende ihrer Romane verfilmt, in denen edle Menschen vor romantischer Kulisse ihren überschaubaren Problemen frönen. „Verpilcherung“ nennt man diese Machart.

Arno Frank schreibt in seinem Nachruf auf die Autorin:
        
„Thymian duftet. Brandung rauscht. Landschaften illustrieren Seelenleben. Frauen sind stark, wissen aber trotzdem, wo ihr Platz ist. Männer wissen das auch und sind sehr galant. Hunde sind gute Freunde. Kinder sind wichtig, machen aber viele Sorgen. Krankheiten sind schlimm, aber überwindbar.
Hier gibt es sie noch, die guten Dinge und noch besseren Menschen. Und die Liebe sowieso, verkompliziert nur durch Irrungen des Herzens und Schläge des Schicksals. Am Ende wird verlässlich alles gut.“
https://www.spiegel.de/kultur/literatur/rosamunde-pilcher-ist-tot-queen-kitsch-a-1252166.html



Wie sehr man das Tango-Video von der Realität gesäubert hat, zeigt eine erste Version, welche man derzeit noch auf YouTube findet. Darin wurden die „Bewahrer“ noch „Traditionalisten“ genannt, und die „Normalen“ hießen dort „Langweiler“. Welch peinliche Spuren von Wahrheit…

Auch ein gefährlicher Denkansatz wurde getilgt. So hieß es zunächst im Text:

„Und wenn du dann auf deine erst Milonga nach der Pandemie gehen würdest und feststellst, dass du sie selber organisieren musst, den Raum und die Musik, die GEMA…“

Ja, ganz einfach: Dann machen wir das! So, wie es viele Amateure und Hobbytänzer schon längst vor Corona betrieben. Ohne Kommerz und Chichi. Ganz privat – in einem Partykeller, einem Raum im Jugendzentrum oder notfalls in der Garage. Dort könnte man sogar Practicas veranstalten. Oder Musiker einladen. Notfalls sogar Tango-Profis – wenn sie denn keine Angst haben sollten, sich mit dem Volk gemein zu machen und sich ihre Edelklamotten auf einer alten Bierbank zu versauen oder ihre Stilettos auf dem rauen Betonboden zu ruinieren.

Aber Vorsicht: Man könnte dann etwas von der wahren Faszination unseres Tanzes spüren. Warum er vor über hundert Jahren die Menschen ansprach. Mein argentinischer Freund Alfredo Foulkes hat es einmal so ausgedrückt:

„Ich glaube, Tango ist ein ganz einfacher Tanz, der auch von ganz einfachen Menschen entwickelt wurde. Wir müssen bedenken, dass aus Hunger und Not Menschen aus Europa zum Beispiel nach Südamerika ausgewandert sind in der Hoffnung auf bessere Chancen – und diese Chancen kamen zum Teil nicht.“

Vielleicht sollte ich mal einen solchen Text einsprechen. Pathos hätte ich auch zur Verfügung. 

Kommentare

  1. Ich möchte doch einmal erwähnen, dass ich in den wenigen 7 Jahren, die ich jetzt Tango tanze, nicht einmal diese Kleinkriege, Ausgrenzungen, usw. erlebt habe. Mag sein, dass ich immer Glück gehabt habe mit den Veranstaltungen, auf denen ich war, aber diese von Ihnen beschriebenen negativen Verhaltensweisen habe ich nur in Ansätzen gesehen und das nur punktuell.

    Daher ist es absolut falsch, den beschriebenen Tangotraum von Iwan Harlan so zu verteufeln, und die selbst erlebte "Tangohölle" dieser kommerziellen Veranstaltungen als das Normale hinzustellen.

    Ich weiß: SOOOO haben Sie das nicht geschrieben, aber so kommt es rüber. Und als Lehrer wissen Sie genau: Es kommt nicht so sehr darauf an, was man sagt, sondern wie es verstanden wird.

    Und die selbst veranstalteten Milongas sind wirklich schön und erstrebenswert - keine Frage. Aber deshalb die kommerziellen zu verteufeln? Nur weil viele Musik spielen, die viele auch wollen, die Ihnen und manch anderen vielleicht nicht gefällt? Auch früher gab es private und kommerzielle Tanzveranstaltungen (letztere sind heute fast ausgestorben). Und alle waren anders und man ging dahin, wo es einem gefiel. Man kann einzelne Veranstaltungen für einen selbst als völlig langweilig, überholt, uninteressant oder was auch immer halten, aber gleich eine so große Anzahl zu verteufeln, wie Sie es tun, ist ein Unding.

    Und selbst wenn Iwan Harlan eine Verpilcherung ist, dann akzeptieren Sie doch, dass sehr viele Menschen Rosamunde Pilcher toll finden und anderen überhaupt nicht (wie ich z.B.). Aber deshalb ist es nicht schlecht, sondern einfach nicht mein Geschmack. Ich muss es ja nicht anschauen.

    Früher haben Sie KONKRETE Dinge beurteilt, jetzt verurteilen Sie alles, was nicht Ihrer Vorstellung entspricht. Sie machen also das Gleiche, was vielen anderen vorwerfen. Ich sage es noch mal: Leben und Leben lassen.
    Früher waren Sie satirisch überspitzt, jetzt eher bösartig. Wirklich schade!. Ich habe früher vieles von Ihnen gerne und mit einem Lächeln. Jetzt sehe ich einen unduldsamen, älteren Herrn vor meinem geistigen Auge, der nur noch seine Meinung akzeptiert. Das ist im Übrigen eine häufige Alterserscheinung. Da ich auch im Ruhestand bin, beobachte ich mich manchnmal dabei, wie auch ich Tendenzen dazu entwickle, und arbeite daran, dem entgegen zu wirken.

    Sie bemängeln auch oft einfachste Fehler anderer Personen und betonen, wie intensiv Sie recherchieren und sich mit dem Text auseinandersetzen, bevor Sie ihn veröffentlichen. Und dann passieren Ihnen (rechtlich durchaus relevante) Fehler, wie z.B. einen Text mit dem Bild von Walter Reetz als TITELBILD zu nutzen, obwohl dieser mit dem ganzen Text nicht im Entferntesten zu tun hat und auf diese Weise verunglimpft wird. Ihre Entschuldigung: Sie hätten keinen Einfluss auf Youtube-Bilder. Das ist falsch: Sie entscheiden doch (und nicht Youtube), welches Video sie auf Ihre Seite stellen. Werden Sie endlich wieder toleranter. Überspitzen Sie Fehlentwicklungen im Tango satirisch, aber seien Sie nicht demagogisch.

    Dieser Text ist nur als Hinweis und Ratschlag zu verstehen. Und Sie können mir glauben, dass ich mir so viel Zeit nur dann nehme, wenn ich einen Menschen ernst nehme und das Gefühl habe, man müsste ihm doch mal einen Spiegel vorhalten, damit er sich VIELLEICHT besinnt. Aber auch Sie sind Ihres eigenen Glückes Schmied und entscheiden, ob Sie diesen Irrweg der geistig athritischen (Zitat Riedl) Beschränkung weitergehen wollen.

    Mit traurigen Grüßen
    Frank Becker

    PS: Ich habe einiges von Ihnen gelernt, vielleicht sollten Sie auch mal etwas aus den Kommentaren Ihrer Leser lernen und sich nicht immer nur rechtfertigen, warum Sie immer Recht haben. Sie wissen ja: morgens Recht haben und nachmittags frei ;)

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    1. Lieber Frank Becker,

      ich schätze die Mühe, welche Sie sich mit der Beurteilung meiner Artikel geben, wirklich sehr. Daher können Sie sich über die Ausführlichkeit meiner Antworten wahrlich nicht beschweren.

      Das Feedback von Lesern ist für mich – außer bei Blog-Trollen – stets ein Anlass, über die Wirkung meiner Texte nachzudenken. Übrigens gibt es mehrere nahestehende Personen, von denen ich für jeden einzelnen Artikel eine Rückmeldung erhalte – oft, bevor ich ihn veröffentliche.

      Die letzte Entscheidung, wie ein Beitrag erscheint, liegt allerdings bei mir – ich muss ihn ja auch alleine verantworten. Und: Da meine Leser wohl alle volljährig sind, ist es ihre Sache, wie sie ihn verstehen – und das ist wirklich ein weites Feld.

      Dass ich in der Lage bin, Fehler zu korrigieren, sehen Sie ja schon im „Fall Reetz“, wo ich das Titelbild (übrigens ziemlich mühsam) ausgetauscht habe. Der reine „Altersstarrsinn“ scheint es bei mir also nicht zu sein.

      Und die Mär, dass ich nur meine Meinung gelten lasse, ist eine solche. Immer wieder betone ich, es den Lesern zu überlassen, wie sie meine Ansichten einschätzen. Für „letzte Wahrheiten zum Tango“ gibt es andere Blogs. Nur – sorry – ich erlaube mir schon, zu meinen Einstellungen zu stehen.

      Sie dürfen also gerne der Auffassung sein, ich hätte früher milder und lustiger geschrieben. Es könnte aber auch sein, dass Sie in den Jahren ein wenig konservativer geworden sind, oder?

      Und klar, unser Erfahrungshintergrund ist ziemlich verschieden: Wer erst vor 7 Jahren zum Tango kam, hat vieles schon traditioneller und normierter erlebt. Vielleicht sucht er dann weniger nach den Freiheiten, der Vielfalt, die es noch vor 15 oder 20 Jahren gab. Dennoch erlaube ich mir halt, aus meiner eigenen Perspektive zu schreiben.

      Und schließlich: „Verteufelt“ wird in diesem Artikel nichts und niemand. Es handelt sich um die satirische Besprechung eines völlig missglückten Textes. Für dieses Genre geradezu ein Klassiker: Hohle Phrasen abklopfen und hören, wie es tönt.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

      P.S. Würden Sie mir noch Ihren genauen Beruf nennen, damit ich darüber ebenfalls einige Sprüche ablassen kann? Nein – Scherz!

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    2. Was ich noch ergänzen wollte:

      Klar, die Geschmäcker sind verschieden. Natürlich respektiere ich es, wenn jemandem Rosamunde Pilcher gefällt - oder auch die historischen Tangoaufnamen.

      Aber ich darf doch auch für meine Vorlieben werben! Und ich habe nie gefordert, auf Milongas nur noch Tango nuevo aufzulegen. Die Starrköpfe befinden sich auf der anderen Seite: Wenn man konsequent den Geschmack anderer - vielleicht von Minderheiten - völlig ausblendet, alle noch unters Joch engstirniger Tanzregeln zwingen will, dann ist dies das Gegenteil von Toleranz. Dann soll man nicht die große, einigende Tangogemeinschaft beschwören.

      Und ich finde es hochgradig arrogant, nun so zu tun, als seien die selbsternannten Tangoprofis die Hüter eines Weltkulturerbes, von dem sie selber 90 Prozent ignorieren.

      Toleranz nur zu predigen, damit andere gnadenlos ihren Kurs durchziehen können, überzeugt mich kein bisschen.

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  2. Nun Herr Riedl, ich möchte nicht wissen, wie Sie auf die Barrikaden steigen, wenn ich schreiben würde, dass Sie in Ihrem Blog wieder etwas daher"brabbeln". Beleidigen (auch persönlich!!!) dürfen nämlich nur Sie.

    Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass Leute Sie nur deswegen angehen, weil Sie beleidigend über Sie bzw. deren Gruppen schreiben? Lassen Sie die Leute doch endlich das tun, was sie wollen - dann wird man auch Sie in Ruhe lassen!!! Niemand predigt hier Toleranz - nur SIE. Und das ohne einen Funken von Selbsterkenntnis. Ist es für Sie wirklich so schwierig zu akzeptieren, dass Menschen das machen, was ihnen Spaß macht? Hier geht es um Freizeitgestaltung und Kultur - dort hat jeder seine Freiheit und ein Maulkorb hat dort nichts verloren! Das müssen Sie irgendwann akzeptieren.

    Aber bitte: brabbeln Sie halt weiter!

    Ich selbst schaue hier nicht mehr vorbei - "Gott sei Dank" werden Sie sich denken! Ich habe jedenfalls von Ihren Beleidigungen und von Ihrer Selbstherrlichkeit genug!

    Sonja Lichwa

    PS. und nun "Feuer frei!" für Ihre Schimpftirade gegen mich.

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    1. Liebe Frau Lichwa,

      na, Sie schreiben ja, ich solle „weiter brabbeln“ – stört mich nicht, da bin ich weit Schlimmeres gewöhnt.

      Und nein, natürlich dürfen Sie, wenn Sie es wollen, auch weiterhin hier Ihre Meinungen verkünden, wenn Sie gelegentlich auch argumentieren und nicht nur auf mich schimpfen. Weder Sie noch Iwan Harlan kriegen von mir einen Maulkorb. Er darf doch sein Video weiterhin veröffentlichen – muss aber auch meine Einschätzung tolerieren. Sie ebenfalls. So einfach ist das.

      Ich würde nur vorschlagen, dass Sie sich zukünftig mit dem Inhalt meiner Artikel beschäftigen. Wäre für mich spannender als immer nur mit meinem schlechten Charakter. Zum Beispiel würde mich interessieren,

      • wie Sie die Machart des Videos und vor allem seinen Text beurteilen. Entspricht er Ihren realen Tango-Erfahrungen?
      • ob Sie den Eindruck haben, die Tangoszene sei nicht hierarchisch organisiert, alle Beteiligten (z.B. auch Anfänger oder Frauen) würden also gleichberechtigt behandelt.
      • was Sie unter „Weltkulturerbe Tango“ verstehen und ob Sie finden, dass die Musik auf den üblichen Milongas dem in vollem Umfang entspricht.
      • ob Sie die genannte Petition kennen und wie Sie diese beurteilen.
      • wie Sie die Rolle der Amateur-Veranstalter im Tango einschätzen.

      Sie dürfen sich auch eigene Fragen ausdenken. Aber bitte nicht zu meinen persönlichen Verfehlungen. Die haben wir doch jetzt durch, oder?

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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  3. Kleine Ergänzung:
    Auch wenn ich erst seit 7 Jahren Tango tanze, so tanzen ich wirklich alle Richtungen des Tango mehr oder weniger gerne. Bevorzugt Milonga und Vals aus allen Epochen und Richtungen. Der Tango selbst fordert mich bisweilen bei der tänzerischen Umsetzung der Musik heraus, da die Musik selbst mich entweder nicht anspricht oder ich den textlichen überhaupt nicht verstehe (ich beherrsche kein Spanisch). Da Musikalität und tänzerisches Vermögen sehr individuell sind, weiß ich auch, dass ich in meinen 7 Jahren SEHR weit gekommen bin (wenn auch immer noch unzufrieden). Wenn Sie beschreiben, was Sie auf einer Wohnzimmermilonga auflegen (oder auch bei anderen Gelegenheiten) und versuchen, alle Geschmäcker zufrieden zu stellen, dann würde ich bei Ihnen aus dem tanzen wohl nicht herauskommen, bis die Kondition versagt. Und Sie wollen doch nicht wirklich sagen, dass nur wirklich „alte“ Tänzer die „gute alte Zeit“ des „schönen Tangos“ erlebt und gespürt haben. Vergessen Sie nicht: ich komme aus dem bergischen Land und hier gibt es Vielfalt in jeder Hinsicht. Musik, Tradition und und und – aber vor allem TOLERANZ.

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    1. Lieber Frank Becker,

      natürlich kenne ich Ihre individuelle Tango-Entwicklung nicht. Wenn Sie damit zufrieden sind, ist das doch schön!

      Nur - wenn Sie behaupten, von den (aus meiner Sicht) Fehlentwicklungen im Tango persönlich wenig bis nichts mitbekommen zu haben, bieten sich für mich nur zwei Erklärungen:

      Das Bergische Land ist ein reines Tangoparadies, in welchem deutlich bessere Verhältnisse herrschen als im deutschen Durchschnitt. In dem Fall: Gratulation! (Ich war allerdings mal in Lüdenscheid bei einer Buchlesung und auch auf Milongas in Wuppertal - da waren meine punktuellen Eindrücke eher mäßig.)

      Oder es bleibt mir eben die Erklärung, dass wir im Tango doch ziemlich unterschiedlich sozialisiert wurden. In meinen ersten Jahren kannten wir weder Tandas noch Cortinas, Ronda-Vorschriften oder Aufforderungs-Bestimmungen. Und die Musikauswahl war so, dass sie heute auf einer üblichen Milonga unverzüglich zu einem "Aufstand" geführt hätte.

      Übrigens sagt einem die Tangomusik schon mehr, wenn man wenigstens ungefähr weiß, worüber da gesungen wird. Ich kann auch kaum Spanisch, aber es gibt im Netz eine große Menge von Übersetzungen. Unter anderem auch auf meinem Blog in der Rubrik "Tango Texte" und "Tango-Musik" (derzeit 20 bzw. 36 Beiträge). Einfach mal reinschauen, da finden sich auch bestimmt keine scharfen Angriffe...

      Aber nun noch Butter bei die Fische: Sie wissen, dass ich in der heute üblichen Milonga-Musik vor allem Stücke von Piazzolla vermisse. Ich nehme also an, die werden auf den von Ihnen besuchten Veranstaltungen öfters aufgelegt, und Sie sind auch gewohnt, dazu zu tanzen? Würde mich wirklich interessieren!

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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  4. Gerade erreichte mich der folgende Kommentar:

    Lieber Gerhard,

    aus gegebenen, aktuellen Anlass hier zwei Tipps, vielleicht nicht nur für Dich.

    Der erste Tipp soll sensible „Tango Welterbeskeptiker“ am Sonntag bei einer evtl. Herzschwäche oder Kitschallergie warnen und schützen. Davor, dass sie da gelangweilt, mangels Tanzmöglichkeit, im TV allzu sorglos nur mal so „rumzappt“, denn dann kann es auf dem ZDF Kanal schon echt gefährlich für sie werden.

    Das ZDF scheint jedenfalls entweder umgehend auf Deinen Blogbeitrag reagiert zu haben, oder es gibt sie doch, diese „Verschwörung“ und ihr alle Du, Thomas K., Iwan steckt unter einer Decke ( Stichwort Neue Tango-NWO und so! Man munkelt schon Iwan Harlan oder einer von euch beiden habe beim ZDF für Pilcher die Fäden oder tangomäßig besser gesagt die Knöppe für den Film gedrückt.)
    Man hört ja von all den Geschichten, was ihr neumodischen „Blogger“ und „Influenzer“ da alles mit Reichweiten und Klicks in petto haben! )

    Jedenfalls hat das ZDF am Sonntag ab 20.15 Uhr das wirkliche Original: „Argentinischer Tango“ von Rosamunde Pilcher, genau jetzt, nachdem DU das in deinem Block aufgebracht hast, aufs Programm gesetzt.
    ( Na wenn das nicht nach einem Großen Plan dahinter aussieht)

    Es besteht am Sonntag also, wenn man nicht darüber informiert ist, oder wie ich das ja bei euch dreien vermutet, Teil der Verschwörung ist, oder wenn man einfach nur mal nicht aufpasst, die grosse Gefahr der „wahren Verpilcherung des Tangos“ sehr gefährlich nahe zu kommen und ihr entweder zu erliegen oder was ich wie vielleicht auch Du eher vermute an ihr zu erliegen kommst.

    Für den, der das auch nicht aushält und Angst vor einem Süßstoff oder Zuckerschock bekommt, hier der zweite Tipp für Sonntag!

    Ab 18 Uhr machen Iwan und Isabella im virtuellen Raum den man über ihre Webseite erreicht mit ihrem „ELONGA Radio“ weiter.
    Wie seit Wochen schon machen Sie dies für uns Tänzer und *innen zuhause für „ume söß“ wie wir Reinländer sagen. Und zwar jeden Sa und So, mit Musik in der wirklich gesamten weiten Bandbreite des Tangos und nicht nur des Tangos.

    Aber Achtung! Hier bitte auch sehr vorsichtig sein, das ist dann manchmal auch nix für sensible Herzgeschwächte, sogenannten Traditionalisten oder wie war das noch? Ach ja, das ist dann auch nix für Langweiler!

    Ich persönlich jedenfalls finde das wohlwollende Engagement von Iwan und Isabella und der anderen Protagonisten für den Tango und ihr unermüdlicher Einsatz die Lager zu verbinden, wirklich toll .
    Bei uns in Rheinland und in NRW trägt dies die wie ich finde bereits Früchte.

    Für deine unterhaltsamen Beiträge und die von Thomas bin ich ebenfalls dankbar, aber frage mich warum tragen Sie, Ihr nicht mehr zur Verbindung bei?
    Sitzen die Stachel so tief?

    Über das eingesetzte Stilmittel der Kommunikation, der gelungenen oder nicht gelungenen Satire, oder aber der gelungenen oder nicht gelungenen Verpilcherung, lässt sich, und da gebe ich dir natürlich recht, trefflich streiten.

    Zu deiner Erinnerung hier Dein Lieblingsverpilcherungstgangovideo aus den letzten Monat in dem auch zwei Menschen, wie die in Iwans Video, Tanzen die im und mit dem Tango Geld verdienen, und Schritte vorführen. Was glaubst du wie es den beiden mit der Situation jetzt geht.

    https://youtu.be/UdNgSMu5Sio

    Als Satiriker könntest du docheigendlich wissen: Verpilcherung ist auch nur ein (1) Stilmittel.

    Tja…mein lieber frei nach Erich Kästner: „Konsequenz ist nicht gerade eine menschliche Stärke“.

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  5. (Fortsetzung)

    Du beendetest deinen Artikel mit:
    „No nos veremos más“ heißt das von Luis Stazo komponierte Stück: „Wir werden uns nicht wiedersehen“.

    Und dabei dachtest du wie ich finde zurecht an all die kreativen Menschen, die man wohl mit den Flügelkämpfen aus dem Tango vertrieben hat.

    Ich denke jetzt dabei aber einfach einmal an all die kreativen und Engagierten Menschen, Lehrer, Veranstalter usw. im ganzen Land die allesamt im und am Tango sicher nicht reich werden können.
    Denen es jetzt jedoch wirklich schwerfällt damit auch nur zu überleben.

    Ich finde sie verdienen einfach Solidarität und unsere Unterstützung!

    Und vor allem wünsche Ich mir einfach das wir uns dennoch alle wiedersehen!

    Beste Grüße vom Niederrhein
    Ralf Hoppen

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    1. Lieber Ralf Hoppen,

      vielen Dank für den tollen Tipp! Ich hatte bei der Suche nach einem passenden Pilcher-Video gesehen, dass es eine Verfilmung ihres Romans "Argentinischer Tango" gibt. Leider fand ich dazu keinen Trailer. Ist nun natürlich morgen Pflichtprogramm. Besonders gespannt bin ich auf einen Vergleich der Hauptdarsteller von Film und Video.

      Ich gestehe, dass ich mir gelegentlich solche Schmonzetten ganz gerne ansehe. Ich glaube, sowohl die Autorin als auch die Filmemacher wussten, dass es natürlich unrealistischer Käse ist. Ich weiß es ganz bestimmt. Bei den Machern des Videos bin ich mir da nicht so sicher.

      Was Thomas Kröter betrifft, kann ich keine Auskunft geben. Aber ich finde, er schreibt doch ganz nett. Und was mich betrifft: Ich hätte mir gewünscht, dass die Corona-Krise in der Szene ein gewisses Umdenken bewirkt. Davon sehe ich fast nichts. Aber klar: Wenn ich wieder was zum Loben finde, tue ich es sehr gern. Nur nicht ohne Grund und zwanghaft.

      Zur Klarstellung: Natürlich achte ich die Verdienste von Iwan Harlan und vieler anderer, kreativer Künstler für den Tango. Ich gehe aber bei meinen Texten nicht nach einem Freund-Feind-Schema vor. Daher kritisiere ich auch jemand, den ich persönlich sympathisch finde, wenn er in meinen Augen eine äußerst schwache Produktion vorstellt.

      Selbstverständlich habe ich auch schon Tango-Schaffende finanziell unterstützt. Aber nur, wenn sie sich nicht vor den falschen Karren spannen lassen. Solidarität ist nicht nur von der Person abhängig, sondern auch vom Inhalt.

      Dann sind wir beide doch mal gespannt auf den Pilcher-Film! Wie ich der Programmzeitschrift entnehme, wird darin aber nicht viel Tango getanzt. Aber das machen viele Tango-Profis ja auch nicht - besonders mit Anfängern.

      Herzliche Grüße
      Gerhard

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  6. Warum sollte ich nicht nach Piazolla Musik tanzen? Viele Stücke gefallen mir nicht, einige schon. Aber tanzen könnte ich nach allen, wenn einige auch wirklich schwierig umzusetzen sind. Vermutlich erst ordentlich, wenn man öfter versucht und das mache ich eigentlich nicht bei Stücken, die mir nicht so gefallen. Es hängt nicht von der Schwierigkeit des Tanzens oder des Stückes ab, sondern von meinem Geschmack. Und der ist bekanntlich bei allen sehr individuell.
    Frank Becker

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