Mail an unsere Gäste


Diese Mail ging gerade an die Gäste unserer Wohnzimmer-Milonga. Vielleicht ist der Text auch für andere Leser interessant:

Liebe Tangofreunde,

normalerweise würdet Ihr nun eine Mail mit dem nächsten Termin unserer Wohnzimmer-Milonga erhalten. Warum dies nicht der Fall ist, brauche ich ja nicht zu erklären.

Vorab: Karin und mir geht es sehr gut – glücklicherweise gehören wir eh nicht zu den Menschen, welche die freie Zeit dringendst mit Urlaubsreisen oder großem Trubel ausfüllen wollen. Dass wir unsere Musik- und Zauberaktivitäten verschieben müssen, ist allerdings weniger schön, ebenso der Verzicht auf Tangoveranstaltungen. Aber zu zweit im Wohnzimmer tanzen geht ja noch – zusammen mit Euch wäre es natürlich lustiger…

Wer sich als Blogger seit Jahren mit irrationalen Verhaltensweisen in unserer Szene herumschlägt, darf sich nicht wundern, dass dort derzeit höchste Wogen anrollen. Wie schlimm es in manchen sozialen Medien auch im Tango wirklich zugeht, hätte ich allerdings nicht erwartet. Wer zu Ruhe und Vernunft rät, ja die Menschen vielleicht sogar zum Lachen bringen möchte, wird gnadenlos niedergemacht: Wie kann man nur… Ausgrenzen, ausschließen, anzeigen – lediglich Teeren, Federn und Vierteilen wird noch nicht vorgeschlagen. Und klar: Corona ist die einzige Todesursache, über die man noch reden darf…

Sicher: Die wenigsten hätten sich vorstellen können, wie virulent die Verbreitung ablaufen würde – nicht mal die meisten Fachleute. Wenn ich aber jetzt erlebe, dass bisherige Cabeceo- und Código-Experten nun im Schnellkurs zu Hobby-Virologen umsatteln und einander mit noch schlimmeren Statistiken und Krisenberichten überziehen, nur der etwas gilt, der den dreifachen Pessimismus-Looping beherrscht, verschlägt es sogar einem Satiriker die Sprache.

Als studierter Biologe verstehe ich lediglich ansatzweise etwas von der Materie. Ich weiß nur: Jede Seuche geht einmal zu Ende. Mit ziemlicher Sicherheit wird es einen Impfstoff geben, an dem zurzeit weltweit die besten Experten arbeiten – hoffentlich eher früher als später. Erste erfolgversprechende Medikamente sind bereits im Test. Die Kontaktbeschränkungen werden Wirkung zeigen, wenn auch mit Verzögerung.

Das Vernünftigste ist in dieser Situation, den Anordnungen der Behörden strikt zu folgen. Was dort und natürlich im Medizin-, Pflege- und Rettungsbereich geleistet wird, ist gigantisch. Sicher gab es in der Vergangenheit Versäumnisse – wer aber jetzt mit überzogensten Vorwürfen jegliches Vertrauen zerstört, macht die Krise nur schlimmer: Angst fährt nämlich das Immunsystem herunter, Freude und Zuversicht stärken es.

Unsere Wohnzimmer-Milonga wird es weiter geben. Ich freue mich darauf, Euch hoffentlich bald wieder einladen zu können. Vielleicht wird der Trend zu kleineren, regionalen Veranstaltungen nach der Krise stärker. Ich musste mich schon bisher nicht mit hunderten Menschen in vollgestopften Sälen herumdrängen.

Dennoch: Gerade derzeit sind soziale Kontakte wichtig – ob nun per Brief, Telefon, Mail oder andere technische Wege. Daher würde ich mich freuen, von Euch zu hören. Oder vielleicht möchtet Ihr zu Eurem Umgang mit der Krise einmal einen Gastbeitrag schreiben? Mein Blog steht Euch offen!

Wir hoffen, es geht Euch gut. Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Mit herzlichen Grüßen, auch von Karin
Gerhard

P.S. Dieser abgebrochene Kirschblütenzweig blüht nun in unserem Wohnzimmer – und zwar viel eher als im Garten. Welch eine Metapher…

Kommentare

  1. Lieber Gerhard Riedl,

    sicherlich geht es in manchen sozialen Medien mitunter heftig zu – aber dass dabei der Humor zu kurz kommt, stimmt einfach nicht. Und schon gar nicht, wird man deshalb gescholten. Damit Sie das auch glauben, füge ich ein paar Zitate aus einer Tänzergruppe hier an (ohne Zusammenhang und – sorry - ohne Namensnennung):

    * Ich rate dringendst von Hamsterkäufen ab. Habe 2 gekauft, jetzt sinds 31. Die fressen mir die letzten Vorräte auf!

    * VORSICHT: WIR DÜRFEN ECHT NICHT GLAUBEN, WAS UNS DAS GESUNDHEITS-MINISTERIUM SAGT!!!!
    Sie haben gesagt, es reicht, wenn wir MASKE und HANDSCHUHE beim Rausgehen tragen. Das habe ich heute morgen gemacht. Aber die anderen hatten alle auch noch Pullover und HOSE an!!!

    * Mexico is now asking Trump to hurry up with the wall...

    * MUTTER: Was soll ich denn heute kochen?
    FAMILIE: Egal !!!
    MUTTER: Dann mache ich Pekingente mit Reis.
    TOCHTER: Mama!!! Das ist Essen aus China. Wir müssen aufpassen!
    MUTTER: Dann mache ich Pizza.
    SOHN: Mama, das ist Essen aus Italien. Wir müssen aufpassen!
    MUTTER: Dann mache ich Paella.
    VATER: Das ist Essen aus Spanien. Wir müssen aufpassen.
    FAMILIE: Warum machst du nichts Traditionelles aus Österreich?
    MUTTER: Gute Idee. Morgen gibt es Tiroler Speckknödel!

    * Der Bundesrat hat soeben beschlossen: Alle Haushalte mit mehr als 10 Rollen Toilettenpapier gelten ab sofort als öffentliche Toiletten...

    * Eigentlich ist es zu Hause nicht fad, aber warum sind in einer Packung 12.937 Reiskörner und in der anderen 12.988?

    Ich könnte jetzt beliebig lange fortsetzen – erspare Ihnen aber diese Buchstabenflut.

    Und dann noch unzählige teils wirklich gute Comics! Und niemand, wirklich niemand!, wurde deswegen angepflaumt. Ich weiß nicht, in welchen Gruppen Sie lesen. (Vielleicht können Sie ein paar Beispiele bringen.) Ansonsten empfehle ich Ihnen, die Gruppe zu wechseln.

    Liebe Grüße,
    Torsten Huss

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  2. Lieber Torsten Huss,

    danke für die schönen Sprüche zum leidigen Thema - klar, Witze darf man (meist) schon noch machen.
    Allerdings ist mein Tätigkeitsgebiet vorwiegend die Satire, und da hört für manche der Spaß auf.
    Als Hintergrund-Information empfehle ich die Lektüre der Corona-Artikel seit dem 29.2. (siehe Blog-Archiv). Da erschließt sich dann, um wen oder was es ging.
    Sicherlich kann man solche Lektüren meiden. Aber Satiriker gleichen halt den Stürmern im Fußball: Sie müssen dahin gehen, wo's weh tut.

    Mit besten Grüßen
    Gerhard Riedl

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    1. Lieber Gerhard Riedl,

      oh, Ihren Artikel vom 29.02.2020 hatte ich noch gar nicht gelesen!

      Für mich ist dieser Artikel keine Satire sondern eine Sammlung an Statistiken, mit denen Sie Berechnungen anstellen. Selbst wenn die Zahlen am 29.02.2020 stimmten, ist der Vergleich mit den täglichen Toten im Straßenverkehr reinster Unsinn und schon gar keine Satire. Auch die anderen Vergleiche sind mehr als fragwürdig. Und bereits am 29.02.2020 wusste man über die Gefährlichkeit von Covid-19, auch wenn die Auswirkungen in Deutschland noch nicht so sichtbar waren.

      Nur zur Erinnerung: In Italien sterben derzeit TÄGLICH weit über 700 Menschen. Also ganz ehrlich: da fahre ich lieber mit dem Auto!

      Übrigens: Gute Satiriker halten Gegenwind locker aus.

      In diesem Sinne: Gute Fahrt!
      Torsten Huss

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    2. Lieber Herr Huss,

      ich fahre derzeit kaum Auto - wir haben in Bayern strenge Ausgangsbeschränkungen, an die ich mich selbstverständlich halte.

      Ich freue mich natürlich, dass Sie am 29.2. die Situation schon realistischer eingeschätzt haben als die Politiker und die meisten Mediziner. Ich hoffe, Sie haben Ihre Warnungen dann auch irgendwo veröffentlicht.

      Zur gefühlt hundertsten Diskussion um den Satirebegriff: Doch, Satire darf sich nicht nur auf Tatsachen beziehen - wenn sie gut ist, muss sie das sogar. Und sie braucht niemand zu gefallen, keiner ist genötigt, darüber zu lachen, oft im Gegenteil. Man hat auch keine Verpflichtung, sie zu lesen.

      Schauen Sie, es gibt bei solchen Anmerkungen inzwischen einen festen Algorithmus: Ab der zweiten Wortmeldung fallen dann Begriff wie „reinster Unsinn", meine darauf folgenden Appelle, sachlich und respektvoll zu bleiben, werden mit noch persönlicheren Angriffen beantwortet. Ich kündige dann an, Kommentare nicht mehr zu veröffentlichen, was mit dem Vorwurf der "Zensur" gekontert wird. Das liest dann aber schon keiner mehr, weil ich es lösche.

      Wenn Sie mögen, dürfen Sie das gerne ausprobieren.

      Gegenwind sind Satiriker gewöhnt. Trotz eines weit verbreiteten Vorurteils sind sie aber nicht zum Leiden verpflichtet.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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    3. Lieber Gerhard Riedl,

      natürlich komme ich der Verpflichtung, sachlich meine Argumente zu belegen, gerne nach: Der Vergleich mit dem Autoverkehr ist deswegen ein Unsinn, weil der Autoverkehr nicht ansteckend ist. Und das hat mit Beleidigung nichts zu tun. (Diesen dummen Vergleich hat man übrigens oftmals gelesen und immer wieder hat man darauf hingewiesen, dass das ein Unsinn ist.)

      Und weiters möchte ich daran erinnern, dass am 29.02.2020 der Verlauf der Krankheit in China bereits bekannt war und nicht ich, sondern zahlreiche Fachleute davor gewarnt haben, dass das Virus in Europa ähnlichen Schaden anrichten wird. Man musste also kein Prophet sein, sondern lediglich sein Gehirn verwenden.

      Ich hoffe nun die Erfordernisse einer sachlichen Argumentation erfüllt zu haben und verbleibe
      mit besten Grüßen,
      Torsten Huss

      Anmerkung: ob Sie das zensurieren oder nicht, ist mir völlig egal – das ist lediglich als Antwort für Sie gedacht. Übrigens sind Sie der einzige Satiriker, der furchtbar leiden muss :-).

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    4. Sie hängen sich ausschließlich an dem Verkehrsunfall-Vergleich auf. Nun gut - ich halte solche Ereignisse durchaus für "ansteckend": Wenn der eine Mann mit seinem fetten Boliden und seiner riskanten Fahrweise protzt, finden sich genügend Nachahmer, oder wenn Männerhorden einander zum Saufen animieren und dann einen Crash verursachen. Und zweifellos erhöht sich die Unfallzahl mit der Häufigkeit der Kontakte. Da würde ich mir manchmal auch "Ausfahrbeschränkungen" wünschen...

      Insgesamt ging es mir in meinem Artikel aber um einen Vergleich von Lebensrisiken - und die Tatsache, das man bekannte gerne ignoriert und neue sehr stark beachtet.

      Und wenigstens habe ich ja auf die nötige Hygiene hingewiesen - und wie es da in der Praxis aussieht.

      Sie dürfen gern anderer Ansicht sein, das haben Sie ja jetzt genügend dargetan. Wogegen ich mich wehre, ist Ihr aggressiver Tonfall. Sie schreiben wieder von "Unsinn", "dumm" und "Gehirn verwenden".

      Daher: Wenn Sie das für Höflichkeit halten, fliegen Sie hier raus. Und wenn Ihre Kommentare im Spam-Filter landen, muss ich sie auch nicht mehr lesen.

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    5. zu anonym: Autoverkehrsverhalten kann durchaus ansteckend sein, stellen Sie sich einfach mal in erster Reihe bei Rot an der Ampel und geben Sie etwas Zwischengas. Beobachten Sie dann bei gelb was passiert...beste Grüße

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    6. @ sigischweizer:
      Ja klar, wenn Sie den Nachahmungstrieb als Ansteckung bezeichnen, haben sie vollkommen recht. Da reicht es schon, wenn Sie in der Kirche anfangen zu husten oder Sie sich räuspern (am besten, wenn es gerade ganz still ist). Das können Sie jeder Zeit testen - nur leider nicht in den nächsten Wochen.
      Liebe Grüße, Torsten Huss

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