Applaus, Applaus?

Am 16.6.24 veröffentlichte ich einen Text, den ich immer noch für ziemlich gelungen halte: „Applaus, Applaus“

Meine Leserschaft war wohl ziemlich interessiert: Bis heute erreichte der Artikel 1010 Zugriffe. Ob man dem Text vorwiegend zustimmt oder ihn eher ablehnt, weiß ich – wie sonst auch – natürlich nicht. Das ist mir auch ziemlich egal.

Ich fand jedenfalls das Thema spannend: Bei Tango-Tanzvorführungen gibt es nach meinen Erfahrungen stets stürmischen, geradezu jubelnden Beifall – und nach drei (leider oft ziemlich ähnlichen) Tänzen wird stürmisch ein vierter gefordert, der ziemlich sicher eh eingeplant ist.

In meinem Artikel frage ich nach den Gründen für diesen Effekt: Mit der Qualität des Gebotenen, so meine Ansicht, dürfte er wenig zu tun haben, da er stets so sicher kommt wie das Amen in der Kirche.

Ich halte diesen Effekt für eine Selbstvergewisserung des Publikums, dass man an etwas Bedeutendem beteiligt war.

Damals schrieb ich:

„Da ist man eine weite Strecke zu einem hochmögenden Festival angereist, auf das man sich seit Monaten freute, hat sich schick gemacht und einen Haufen Geld für Reise, Übernachtung, Verpflegung, Workshops und Eintrittsgelder abgedrückt. Zudem würden ja internationale Stars auftreten.

Soll man sich dann eingestehen, dass man nur an höchstens mittelmäßigem Kram beteiligt war? Das würde zu erheblichem Frust führen. Also bestätigt man sich per Applaus und Jubel, dass man an etwas Großem Anteil hatte!“

Wie wichtig Einkleidung und Rahmen sind, zeigt ein Experiment mit dem bekannten Geiger Joshua Bell, der als Straßenmusiker verkleidet in einer New Yorker U-Bahn-Station Werke in der Preislage der Bachs Chaconne in d-Moll darbot – und das mit einer millionenteuren Stradivari, auf der einst Fritz Kreisler spielte.

Nach einer Dreiviertelstunde hatte der Künstler 32,17 Dollar im Hut. Die Karten für sein Konzert zwei Tage vorher hatten je 100 Dollar gekostet.

Ich glaube, mein Artikel war nicht ganz schlecht – und der Bericht, auf den ich mich bezog, hatte (veröffentlicht in der „Washington Post“) dem Autor Gene Weingarten 2008 den renommierten Pulitzer-Preis eingebracht.

Klar, man kann gegen die Machart des Experiments auch Einwände erheben – beispielsweise, dass die Leute in Eile waren und gar nicht richtig hinhörten. Wie auch immer.

Was mich damals aber total verblüffte: Auf das Bell-Experiment ging kaum jemand ein. Stattdessen auf diesen Satz im Artikel:

„Nein, ein Workshop von Nau, Naveira oder Perón muss einfach toll sein – würde er sonst so viel kosten?“

Da meine Artikel schon damals von Kritikern Wort für Wort auf Fehler durchsucht wurden, kam alsbald der hämische Hinweis, ich kenne wohl den Unterschied zwischen dem argentinischen Politiker und dem bekannten Tangotänzer nicht.

Als ich dann eilends aus dem „Perón“ einen „Verón“ machte, war das erst recht skandalös: Der Vorwurf lautete nun, ich würde Fehler „klammheimlich wegbügeln“. Als ich das Ganze zu erklären versuchte, fragte man jetzt, wieso ich daraus „so eine große Affäre“ mache.

Ein Blogger-Kollege informierte mich dann noch, er habe auch mal was über Pablo Verón geschrieben.

Gut, dann halten wir das ebenfalls fest…

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/06/applaus-applaus.html

Wieder einmal war es meinen werten Kritikern gelungen, ein eigentlich interessantes Thema in Rauch aufzulösen: Warum applaudieren die Menschen – und welche Aussagekraft hat der Beifall?

Als Erklärung solcher Hechtsprünge weg vom Thema fällt mir eigentlich nur ein: Was ich schreibe, ist offenbar schwer bis gar nicht zu widerlegen. Also flüchtet man sich auf themenferne Ersatz-Kriegsschauplätze. Kommentare (ersatzweise nun dämliche „Riedl-Wahn“-Sprüche) werden dazu missbraucht, das zu schreddern, worauf es mir ankommt.

Anfang November letzten Jahres habe ich nun diese direkte Kommentarfunktion abgeschafft:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2025/11/in-eigener-sache.html

Und dabei wird es – trotz anderslautender Vermutungen – bleiben! Weil ich damit eine größere Chance habe, meine eigentlichen Themen durchzubringen.

Auch, wenn mir damals ein Leser schrieb:

„Bitte lassen Sie die Kommentarfunktion Ihres Blogs geschlossen - Sie werden sehen, wie schnell die Zugriffszahl in den Keller rasseln wird.“  

https://milongafuehrer.blogspot.com/2025/11/von-der-sprengkraft-des-wortes.html?showComment=1774341912663#c3095927985366306358

Doch wer würde es wagen, die Urteilskraft von Kommentatoren zu bezweifeln?

Und hier noch ein Bericht über das Bell-Experiment – ausnahmsweise in Englisch:

 

https://www.youtube.com/watch?v=jiDWTuxj63g

Kommentare

Hinweis zum Kommentieren:

Bitte geben Sie im Kommentar Ihren vollen (und wahren) Namen an und beziehen Sie sich ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels. Unterlassen Sie herabsetzende persönliche Angriffe, gegen wen auch immer. Beiträge, welche diesen Vorgaben nicht entsprechen, werden – ohne Löschungsvermerk – nicht hochgeladen.
Sie können mir Ihre Anmerkungen gerne auch per Mail schicken: mamuta-kg(at)web.de – ich stelle sie dann für Sie ein.