Als die Einstellungen sich änderten…
Meine Blog-Statistik liefert mir jeweils die 20 am meisten aufgerufenen Artikel innerhalb verschiedener Zeiträume. Dadurch kann ich ganz aktuell erkennen, welche Themen für meine Leserinnen und Leser besonders interessant sind – oder jedenfalls Neugier erregen.
Mich erstaunt immer wieder, dass darunter auch viele lange Zeit zurückliegende Texte sind. Und bei über 2200 Posts hat man ja eine gewisse Auswahl!
Gestern fiel mir ein Artikel auf, der auch mir immer noch sehr gefällt. In „Nur eine Zigarettenlänge“ beschreibe ich ein Gespräch mit einem Anfänger-Paar, das sich gerade auf den Heimweg macht. Draußen vor der Tür spricht mich die Frau an – und da ich gerade eine rauche, steckt sie sich ebenfalls eine an.
Sie ist begeistert vom Tango, während der Gatte schon deutlich den Rückwärtsgang eingelegt hat, da er mit den eingelernten Figuren überhaupt nicht zurechtkommt. Man ahnt: Früher oder später wird er auf Totalverweigerung machen – und sie nicht die Kraft aufbringen, dann halt allein zum Tango zu gehen – das wars dann mal wieder…
Meine Dialogsätze sind zweigeteilt: Das, was ich wirklich sagte – und was ich mir dabei dachte, es aber lieber nicht aussprach.
Der Artikel geht auf ein konkretes Gespräch zurück – ich kann aber nicht garantieren, dass die Sätze genauso fielen wie angegeben. Aber ich habe im Lauf der Zeit mindestens ein Dutzend solcher Unterhaltungen erlebt – mit ziemlich ähnlichem Verlauf.
Der Text hat zu 14 Kommentaren geführt, die ich spannend finde: Manche loben ihn – wie beispielsweise der Kollege Yokoito, der unter anderem schreibt:
„Lieber Gerhard, Respekt vor Deiner blitzschnellen Reaktion und Deiner Eloquenz...ich hätte sicher bei mindestens 50% den kursiven Text genommen…“
Na gut, war wohl noch zu Zeiten seiner „Tango-Pubertät“ – heute ist er wesentlich gereifter.
Eine mir nicht persönlich bekannte Leserin trug sogar noch dicker auf:
„Ich lese jetzt hier seit ein paar Minuten – also ich muss wirklich ein großes Lob aussprechen: eines der besten Blogs, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Weiter so!“
Da kriegte die Dame aber gleich Gegenwind von einem Bierernst-Kommentator:
„Oh mein Gott - was für
ein Blog!
Ich kann hier weder Sachlichkeit noch Informationsgehalt erkennen. Hier geht es
doch in erster Linie um Eitelkeit, Zynismus und Hahnenkämpfe der seltsamsten
Art. Das ist weder lustig noch informativ.
Natürlich kann jeder seinen Blog gestalten, wie er will, und deshalb halte ich
mich mit weiterer Kritik hier zurück. Ich tue mir selbst leid, über diese Seite
gestolpert zu sein - ich werde sie in Zukunft meiden!“
Tat er dann aber nicht sofort, wobei er sich nicht für seinen Familiennamen entscheiden konnte: „Baumann“ oder „Baumgartner“. Okay, wahrscheinlich waren beide erfunden…
Den Text habe ich im April 2016 veröffentlicht, also vor fast 10 Jahren. Das war die Phase, in der ich öfters solche „Umbrüche“ bemerkte. Während in den ersten Jahren die meisten Kommentatoren Humor zeigten und nicht allzu empfindlich reagierten, wenn sie auch selber mal ins Schussfeld meiner Satiren gerieten, wurden die Debatten später zunehmend verbissener und rückten in die Nähe von Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen eines 5 Zentimeter vom Grundbuch abweichenden Grenzsteins.
Das ist der Menschentyp, der aggressiv wird, wenn in 10 Meter Umkreis einer lacht – weil er sich sofort getroffen fühlt.
Die Grundprobleme aber haben sich im Lauf der Zeit eher noch verschärft: Man bringt den Leuten irgendwelche „Kopfschuss-Figuren“ bei und verbreitet die Mär vom Führen und Folgen. Damit sind vor allem die Männer überfordert – und wenn die wieder aufhören, nehmen sie die Partnerin meist auch gleich mit.
Na ja, was solls – ich muss ja im Tango nicht die Welt retten. Und sonst erst recht nicht.
Wer meinen alten Artikel noch nicht kennt oder sich nicht mehr erinnert, darf ihn gerne nochmal lesen – als eine Art von Tango-Tragikomödie. Viel Spaß!
https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/04/nur-eine-zigarettenlange.html
P.S. Derzeit explodieren die Zugriffszahlen – herzlichen Dank an meine Leserinnen und Leser!
| Illustration: www.tangofish.de |
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