Nie sollst du mich erwähnen?

„Ein Federzug von dieser Hand, und neu erschaffen wird die Erde. Geben Sie
Gedankenfreiheit.“ (Schiller: Don Carlos, 3. Akt, 10. Auftritt)

Kollege Wendel hat das mit der Meinungsfreiheit im Artikel 5 des Grundgesetzes doch schon so schön erklärt: „Geschützt sind Werturteile (subjektive Stellungnahmen), Meinungen und Tatsachenbehauptungen.“ Und auch die Grenzen dieses Grundrechts hat er in einem empfehlenswerten Artikel treffend dargestellt. Zum Nachlesen:

https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-meinungsfreiheit/

In einem Kommentar, der sich an meine Frau richtet, schreibt der Autor völlig zutreffend:

„Dass ein Blogger sich regelmäßig mit den Positionen anderer Autoren auseinandersetzt, ist selbstverständlich legitim und fällt unter die Meinungs- und Pressefreiheit. Gleichzeitig darf aber auch festgestellt werden, wenn sich eine solche Bezugnahme über längere Zeit in bemerkenswerter Intensität wiederholt. In den vergangenen Monaten finden sich zahlreiche Beiträge Ihres Mannes, in denen mein Name oder meine Texte ausdrücklich aufgegriffen werden. In satirischer Zuspitzung könnte man daher beinahe den Eindruck gewinnen, ich sei eine Art inoffizieller Co-Autor seines Blogs geworden.“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/03/zum-thema-parasiten.html?showComment=1773336011155#c954606999651096842

Wenn man sich Wendels „Satire“-Seite „Radio Riedl-Wahn“ betrachtet, fällt allerdings auf: Alle meine Artikel kriegen einen Stammtischspruch ab – ob sie sich nun mit dem Kollegen befassen oder nicht.

https://www.tangocompas.co/radio-riedl-wahn-antwortet/

Bin ich ein „eine Art inoffizieller Co-Autor“ des anderen Blogs geworden? Darüber mag man denken, wie es beliebt. Statistisch stimmt es jedenfalls nicht: Nur etwa 3 Prozent meiner über 2200 Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Texten des Essener Tangolehrers. Wer dem Thema „Wendel“ also aus dem Weg gehen möchte, hat dazu reichlich Gelegenheit.

Und es war der Kollege, der mich jahrelang mit einer dreistelligen Zahl von Kommentaren zu meinen Texten eindeckte – in teilweise grenzwertigem Tonfall. Dennoch ließ ich ihn auf meiner Seite immer wieder zu Wort kommen.

Jetzt, wo er ein eigenes Blog betreibt, möchte er bitte von mir nicht mehr besprochen werden.

Ich weiß schon einmal nicht, was derartig störend sein soll, wenn Blogartikel ein Echo hervorrufen. Mich würde eher das Gegenteil beunruhigen: Wenn niemand von meiner Schreiberei Notiz nähme. Repliken zeigen doch, dass die Texte immerhin bei anderen eine geistige Aktivität hervorrufen! Dass man sich mit den veröffentlichten Gedanken beschäftigt.

Für manche bloggende Kollegen scheint eher das Gegenteil wichtig zu sein: dass ihnen niemand widerspricht. Man möchte ungestört die derzeit geltende Tango-Ideologie wiederkäuen. Auch, wenn sie dem zuwiderläuft, was man noch vor Jahren behauptete. Aber inzwischen habe man ja die „Tango-Pubertät“ hinter sich. Ich nicht!

Doch woher kommt nun diese panische Angst davor, dass ich Artikel von Kollegen bespreche? Dass man mir sogar immer wieder rechtliche Schritte androht, falls ich es nicht lasse? Ich glaube, man fürchtet einfach, dass meine Beiträge besser sind als die eigenen und so die Lesenden mehr überzeugen – der Super-GAU! Deshalb veranstaltet man ein solches Gedöns.

Es ist einfach nur lächerlich, deshalb mit den Paragrafen zu fuchteln. Noch dazu, wenn man selber durchaus juristisch Verdächtiges unternimmt. Da kann ich nur sagen: Macht doch, was ihr wollt! Ich werde meine restliche Lebenszeit nicht damit verschwenden, Gerichte mit solchem Käse zu belästigen. Und – wetten – ihr macht es auch nicht! Weil ihr genau wisst, dass es außer Gebühren genau nichts bringen würde. Daher ist dieses ständige Geplustere nur lächerlich!

Daher: Wer öffentlich schreibt, muss mit Widerspruch rechnen. Mir ist das völlig klar. Daher ertrage ich den auch. Und wenn der gelegentlich sprachliche Anleihen aus düsteren Zeiten nimmt, zeigt das ja nur den Grad der Verzweiflung.

Also, Leute: Auch wenn ich zu jeder eurer geistigen Heldentaten drei Artikel verfasse, müsst ihr das leider erdulden.

Das Leben ist hart, aber gerecht!


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