Alice und ihre Kritiker
Um es vorweg zu sagen: Meine Sympathien für die Feministin Alice Schwarzer halten sich in engen Grenzen. Sie inszeniert sich gerne als „Nervtöte“ – und nicht alles, was sie aktuell vertritt (beispielsweise zum Ukraine-Krieg) findet meine Zustimmung. Aber ich gestehe, wenig von ihr gelesen zu haben.
Schwarzer ist inzwischen 83 Jahre alt – da darf man getrost ein wenig schrullig sein.
Jedenfalls bleibt ihr Kampf um die weibliche Emanzipation unbestreitbar. Aushängeschild ist die Zeitschrift „Emma“, die sie 1977 mitgründete und der sie immer noch als Herausgeberin und Geschäftsführerin vorsteht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Emma_(Zeitschrift)
https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Schwarzer
Am diesjährigen Weltfrauentag las die Autorin im Hamburger Schauspielhaus aus ihrem neuesten Buch „Feminismus pur. 99 Worte“.
Bereits im Vorfeld hatte es wegen ihres Auftritts mächtig Zoff gegeben: In einem Offenen Brief forderten 340 Beschäftigte an Theatern die Absage der Lesung. Motto: „Keine Bühne für Hetze! Keine Bühne für Alice Schwarzer!“
„Schwarzer kämpfe ‚seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und Sexarbeiter*innen‘. Sie positioniere sich gegen das Selbstbestimmungsgesetz, beharre auf biologistischen Vorstellungen von Geschlecht, nenne Trans-Geschlechtlichkeit einen ‚Trend‘ beziehungsweise ein ‚Freizeitvergnügen‘ und spreche ‚in AfD-Manier‘ von einer Gefahr für ‚Kinder und Jugendliche, denen der Geschlechtswechsel verlockend leicht gemacht‘ werde.“
Ganz so einfach mit den AfD-Sympathien ist es jedoch nicht. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL heißt es, sie habe die Dämonisierung der AfD von Anbeginn an für einen schweren Fehler gehalten.
„Es wäre sinnvoller gewesen, man hätte die rechtskonservativen Elemente in der AfD ermutigt bei dem Bestreben, die eindeutig rechtsradikalen Elemente in ihrer Partei zu bekämpfen. (…) „Und vor allem hätte es Sinn gemacht, wenn Union, SPD und Grüne ihre eigenen Wähler und Wählerinnen, die zur AfD übergelaufen sind, gefragt hätten, warum. Warum wählt ihr uns nicht mehr, aber die? Was haben wir falsch gemacht?“
Wie zu erwarten, musste eine Schar von „Aktivist:innen“ bei der Lesung Schwarzers Zoff machen: Vor dem Theater erschollen Rufe wie „Alice halt dein Maul!“, und auch während der Veranstaltung waren Störer aktiv, die allerdings von der Mehrheit der Gäste ausgebuht wurden.
https://www.emma.de/artikel/heftiger-gegenwind-fuer-alice-schwarzer-342393
Im Journalismus wurden die Störungen überwiegend kritisch kommentiert: So schrieb das Online-Magazin „Overton“:
„Wie hierzulande Intellektuelle ausgeschlossen und an den Pranger gestellt werden, nimmt Dimensionen an, die vieles aus der deutschen Geschichte fassbarer machen. Wenn das weiter so betrieben wird, wird Deutschland ein sehr sehr dummer Ort werden. Noch dümmer als es jetzt schon ist.“
https://www.emma.de/artikel/skandal-hamburg-das-schreiben-die-medien-342395
Dem kann ich mich nur anschließen: Wenn mir eine Autorin nicht gefällt, kann ich beispielsweise einen Bogen um ihre Bücher machen. Oder einen Verriss schreiben. Sogar mit ihr diskutieren, wie es in Hamburg möglich war.
Wer dagegen Lesungen verhindern will oder stört, betreibt – neudeutsch gesagt – Cancel Culture. Und erinnert an die SA, die in der Weimarer Republik Theater und Kinos mit unliebsamen Produktionen stürmte und Saalschlachten anzettelte.
Ich finde es jedenfalls unsäglich, wenn man Meinungen bekämpft, indem gegen Autoren zu Feld gezogen wird.
Da machen verzogene Gören aus dem Walmdachviertel Putz, deren Mütter noch nicht mal erwachsen waren, als Frauen wie Alice Schwarzer schon für die Emanzipation kämpften.
Um es positiv zu sagen: Wenn man versuchen würde, einen Blogger-Kollegen mundtot zu machen, würde ich ihn stets verteidigen. Auch, wenn ich seine Artikel für puren Quatsch hielte.
Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. Punkt.
Und hier noch die Meinung von Sarah Bosetti:
https://www.youtube.com/watch?v=bXtUp9b_fHY
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Klaus Wendel hat nun ein weiteres, sehr anrüchiges Stilmittel eingesetzt: Auf seiner Seite „Radio Riedl-Wahn“ schreibt er: „Stimmt es, dass ein gewisser Blogger nach und nach Anzeichen einer Paranoia zeigt?“
AntwortenLöschenhttps://www.tangocompas.co/radio-riedl-wahn-antwortet/ (12.3.26)
Ich leide also, so seine Verdächtigung, an Wahnvorstellungen.
„Beim politischen Missbrauch der Psychiatrie werden die medizinischen Mittel der Psychiatrie (z. B. Diagnostik, Therapie, Zwangseinweisung) genutzt, um Individuen aus politischen Gründen aus der Öffentlichkeit zu entfernen, in Misskredit zu bringen oder ihnen grundlegende Menschenrechte vorzuenthalten.
In vielen Ländern der Welt und zu unterschiedlichen Zeiten haben sich Psychiater am Missbrauch ihrer Patienten beteiligt. Dies geschieht entweder in Einzelfällen oder hat systematischen Charakter, so während der NS-Zeit in Deutschland (Aktion T4), in der Volksrepublik China und in der Sowjetunion.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Missbrauch_der_Psychiatrie