Tangofrust…
Diesen zwei Jahre alten Artikel des Veranstalters und Tangolehrers Wolfgang Sandt hätte ich beinahe übersehen – was schade gewesen wäre.
Unter dem Titel „Tangofrust?“ beobachtet der Autor, dass man in den sozialen Medien dieses Thema immer wieder anspreche:
Man fürchte, den Ansprüchen an das eigene Tanzvermögen nicht gerecht zu werden, Probleme mit Technik und Musik zu bekommen und natürlich wegen der eigenen tänzerischen Mängel zu wenig Tanzpartner zu finden.
Natürlich hätten Tangolehrer stets Geschichten parat, wie sie diese Ängste überwanden und gute, gefragte Tänzer wurden.
Das Problem sieht der Autor darin, dass suggeriert werde, man müsse eine gewisse Perfektion erreichen. Klar, wer würde nicht gerne besser tanzen?
Aber so werde unnötig Druck aufgebaut und dem Tango sein Spaß genommen (der Schreiber benutzt tatsächlich dieses böse Wort!).
Der Autor zieht eine interessante Parallele: Auch den Mädchen und Frauen gaukelten die Medien ein Idealbild ihres Körpers vor, das sie nur unter Druck setze. Das treibt dann schon Sechzehnjährige zum Schönheitschirurgen.
Wolfgang Sandt bekennt:
„Ich hatte nie das Problem, das Tango tanzen mir wirklich Frust bereitet hätte oder dass ich wirklich Angst gehabt hätte, nicht gut genug zu sein (auch nicht als ich am Anfang meiner Tangotänzer-Laufbahn stand und, wie mir heute bewusst ist, herzlich wenig konnte).“
https://tango-kurs.com/tangofrust/
Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Immerhin standen meine Frau und ich viele Situationen durch, in denen Wertungsrichter uns mit hoch gehaltenen Täfelchen darüber informierten, wie sie unser Tanzen fanden – was wir mit einem Lächeln und einer Verbeugung entgegenzunehmen hatten.
Und später durfte ich zu den paar Tanzvideos, die wir vor Jahren veröffentlichten, zur Kenntnis nehmen, ich könne überhaupt nicht tanzen. Nicht mal Tango.
Das härtet ab.
Die glücklichste Entscheidung, die wir trafen: Alle Experten auf Distanz zu halten, die uns erzählen wollten, wie Tango funktioniert – und stattdessen umso genauer zu beobachten, wie es dem Partner geht, was uns die Musik sagt.
Auf einem Konkurrenz-Blog gibt es eine zirka 50-teiilige Serie von Artikeln, die uns lehren, was wir beim Tango alles zu beachten haben. Fallweise ist das durchaus interessant – aber Tanzen lernt man vor allem dadurch, dass man selber etwas probiert. Möglichst zu einer Musik, die einen aufs Parkett zieht. Indem man die Möglichkeiten der Kommunikation mit dem Partner erforscht. Und alle verjagt, die danebenstehen und es besser wissen.
Frust entsteht vor allem dadurch, dass wir uns den Maßstäben Dritter unterwerfen. Und uns auf „Fehler“ fixieren.
Vor allem aber sollte man sich einmal überlegen, was man vom Tango eigentlich will: Wer einfach Spaß am Rumschwofen hat, darf sich dann halt nicht einbilden, den Paartanz neu erfunden zu haben. Freude machen kann es dennoch.
Tango kann ganz schön herausfordernd werden. Das kann anregend sein oder gewaltigen Frust erzeugen. Den kann man vermeiden, wenn Ehrlichkeit über das Ziel besteht und man die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzt.
Nur eins ist klar: Wenn der Spaß-Faktor unter 51 Prozent sinkt: Lasst es!![]() |
| Tango-Frust? |

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