Saures für Dummbabbler
Ich habe lange überlegt, ob ich den folgenden Kommentar veröffentlichen soll. Er erreichte mich am 14.3. vom Tangoveranstalter Christian Beyreuther, der sich wohl sehr über einen Artikel von mir geärgert hatte, in dem er allerdings gar nicht vorkam:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2025/03/mit-der-brezel-durchs-gewuhl.html
Auch mit dem Thema Tanzvideos habe ich nicht angefangen. Vielmehr war er es, der zu einer meiner Produktionen schrieb:
„Es ist zudem mutig,
mit so einem Video an die Öffentlichkeit zu gehen – das muss man dir lassen. (…)
Denn wenn ich mir die Qualität des Gezeigten anschaue, dann wird’s mit dem
„anspruchsvollen Tanzen auf engem Raum“ in deinem Fall tatsächlich schwierig.
Das Einzige, was in dem Video wirklich schön ist? Die Musik von Rodolfo Biagi (Bélgica instrumental 1942)“
https://youtu.be/gWMf_1AXvvw?si=moIEXsivVXsJw3u
Im weiteren Verlauf verlinkte Christian ein Video, auf dem er selber in einer kurzen Tanzszene zu sehen ist
https://youtu.be/XtBGIiJt_dY?si=TAovYVza8DQDx9eX
Ich bekenne, dass mich beim Betrachten der Hafer stach und ich dazu einen satirischen Text schrieb:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2025/03/einfach-naher-am-kunden.html
Nach einiger Diskussion packte mein Kollege dann das gröbere Kaliber aus:
„Servus Gerhard!
Wieder einmal ein Blogpost nach Schema F: Du schreibst über etwas, das du nie
erlebt hast, füllst die Lücken mit deinen Vorurteilen und verkaufst das dann
als Satire. Diesmal trifft es wieder mal Encuentros. Gerhard, du bist der
Prototyp eines Dummbabblers, der sich am liebsten über Dinge auslässt, von
denen du keine Ahnung hast.“
Dass es sich bei der Veranstaltung um ein Encuentro handelte, wusste ich nicht. Ich fand die Machart des Beitrags halt komisch. Und ich weiß nicht einmal, ob man mich dort als Teilnehmer akzeptiert hätte. Thema meines Artikels war lediglich der Inhalt des Videos. Und das dürfen auch Zuschauer bewerten, welche nicht an der Veranstaltung teilgenommen haben.
„Es ist schon faszinierend, mit welcher Selbstverständlichkeit du über eine
Tango-Veranstaltungsform urteilst, an der du nie teilgenommen hast. Das hält
dich aber natürlich nicht davon ab, einen Blog darüber zu schreiben, als wärst
du der große Experte. Was sonst! Wann hast du eigentlich das letzte Mal
innegehalten und dich gefragt, ob du überhaupt weißt, wovon du redest?“
Ich habe mich nie als „großer
Tangoexperte“ aufgespielt. Das überlasse ich anderen. Ich nehme halt die
Rolle des Kunden an, dem etwas präsentiert wird, und der dann schreibt, ob und
wie es ihm gefällt.
„Aber klar, das passt ins Schema. Egal, ob es um Tango-Events, Stil, Atmosphäre
oder sogar die Geschichte des Tangos geht – du brauchst keine Fakten, du
brauchst nur dein Ego!“
Na ja, der Fakt war halt das Video
– und das fand ich eher lustig. Herrn Beyreuther gefiel übrigens mein
Tanzvideo auch nicht… Und – mit Verlaub: In den fast 2000 Veröffentlichungen
meines Blogs finden sich schon einige Tatsachen!
„Und du? Sitzt in deinem Dorf, mit deinem 20 Jahre alten Windows-Rechner, mit
verwixter Tastatur, trinkst dein abgestandenes Bier und klammerst dich an eine
selbstgebastelte Tango-Ideologie, die mit der Realität rein gar nichts zu tun
hat.
Ganz ehrlich, Gerhard – du hast doch die Tango-Welt nie wirklich gesehen. Mehr
als Urlaub am Pörnbacher Feuerwehrteich mit Zelt, Hund und Familie war da
sicher nicht drin. Und so einer will den Tango und die Welt verstehen?
Lächerlich.“
Okay, auf ein paar tausend Milongas war ich immerhin zu Gast, sogar mal auf einer, die Herr Beyreuther veranstaltete. Aber es waren wohl kaum die wirklich gültigen. Ich weiß halt nicht, ob es bei den Lesenden gut ankommt, seinen Gegner als primitives Landei hinzustellen. Zumal ich weder ein Zelt noch einen Hund besitze.
„Wenn du irgendwann tatsächlich im Tango ankommen willst, geh hin, erlebe es –
statt nur aus der Ferne dumme Theorien zu spinnen. Aber das wird wohl nie
passieren. Denn kein Veranstalter dieser Welt würde dich jemals einladen –
weder wegen deines Benehmens noch wegen deines tänzerischen Niveaus. Wer will
schon auf der Stelle tanzen?“
Na ja, wusste ich‘s doch: Ich würde eh
nicht eingeladen! Klingt halt ein wenig nach „Tango-Apartheid“! Und
Begriffe wie „dumm“ vermeide ich – klingt schon ziemlich holzig. Da
kann man über Benehmen durchaus streiten.
„Was du hier abgeliefert hast, ist keine Satire, keine Kritik und schon gar
keine Analyse. Es ist ein Offenbarungseid und eine Blamage obendrein“.
Klar, als Satiriker ist man gewöhnt,
dass man darüber belehrt wird, was alles „keine Satire“ sei. Aber gleich
eine Blamage? Oder sogar ein Offenbarungseid? Verschuldet bin ich
allerdings nicht.
„Ich bin dann mal weg, denn ist ist alles gesagt.
Gruß
Christian“
Echt – wirklich gleich alles? Einen solchen Anspruch habe ich nie erhoben – und ich schreibe ziemlich viel und schon recht lange.
Aber im Ernst:
Ich kann inzwischen ganz gut damit umgehen, dass manche Leute im Konflikt mit mir ihre gute Kinderstube (hoffe ich doch) total vergessen. Schließlich liefern sie mir mit solchen Ausfällen oft neues Material.
Ich frage nur, ob man sich einen Gefallen tut, wenn man den Tango einerseits als stilvoll-edle Domäne des vornehmen und kunstsinnigen Publikums darstellt, die „feine Welt“ beschwört und andererseits pöbelt wie ein Bierkutscher. Rein marketing-technisch würde ich davon abraten.
Andererseits erzählen uns ja zahlreiche Tangotexte, dass Männern früher bei Auseinandersetzungen auf den Milongas das Messer ziemlich locker saß. Seien wir also froh, dass man sich heute auf verbale Kämpfe beschränkt!
Und man könnte den Zoff ja auch künstlerisch verfeinern:
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