Wider die Fleischeslust
Die 8500-Seelen-Stadt Viechtach im Bayerischen Wald ist nicht gerade ein Zentrum von Festivitäten, welche Touristen anlocken könnten. Das hat den Ersten Bürgermeister und Feinkosthändler Franz Wittmann (CSU) auf eine geniale Idee gebracht: Ein Grillwettstreit, bei dem ganze Tiere wie Schweine genussfertig erhitzt werden.
Den Sieger soll dann per Geschmackstest eine „Genusskönigin“ (nicht: „Genuskönigin“) küren.
Doch auch im Bayerwald sind moderne Entwicklungen nicht aufzuhalten: Dort existiert inzwischen eine Gruppe, die sich „Vegan in Viechtach“ nennt – unter den streitbaren Damen sogar eine Tierärztin.
Das Fleischessen, so sagen sie, wollten sie zwar niemandem verbieten, aber andere „für das Thema sensibilisieren“. Jedenfalls seien sie schockiert gewesen, „wie in der heutigen Zeit jemand auf die Idee kommen kann, ein solches Fest auszurichten“.
Inzwischen hat man auch Unterstützung von der grünen Kreisrätin Eva Bauernfeind. Nomen est omen...
Ja, die böse Fleischeslust ist die Quelle vieler Übel! Vielleicht sollte man Viechtach in „Veganach“ umbenennen!
Es gebe Klimakatastrophen, ein Nachhaltigkeitsproblem, und es sei mittlerweile bekannt, wie es Tieren in der Massentierhaltung gehe. Das „Zelebrieren des Fleischkonsums“ fänden sie jedenfalls völlig daneben. Na gut, es soll Tierärzte geben, die von der Massentierhaltung leben. Oder sich um die rund 34 Millionen Haustiere in Deutschland kümmern, die anscheinend kein Kohlendioxid produzieren. Aber die werden – jedenfalls hierzulande – nicht gegessen oder gar öffentlich gegrillt. Bei manchen dauerkläffenden Kötern halte ich das für einen Fehler.
Und letztes Jahr unternahmen mehr als 56 Millionen Personen aus Deutschland eine Urlaubsreise von mindestens 5 Tagen. Zirka 200 Millionen Flugreisende beförderte die Luftfahrt bei uns 2024. Die Proteste dagegen halten sich in moderaten Grenzen. Und es gab sogar Klimaschützer, die einen Gerichtstermin wegen eines Urlaubsflugs absagen mussten.
Wie dem auch sei: Der Bürgermeister hat zwar Verständnis für das Anliegen der Gruppe, wehrt sich aber gegen deren „militantes Vorgehen“. Eine Minderheit solle nicht der großen Mehrheit vorschreiben, was sie essen dürfe.
Die Fleischlosen schlugen vor, es solle 75 Prozent veganes Essen angeboten werden – und schon gar keine ganze Sau, sondern dezentere Produkte wie Würste oder Steaks.
Bürgermeister Wittmann dagegen bestand auf dem Ganzkörper-Grillen, zu dem sich schon sechs Wettbewerber angemeldet hätten. Er habe jedoch eine andere Idee: Die fleischlosen Damen könnten doch für die Beilagen sorgen!
Das ist es, was ich an solchen Konflikten liebe: wenn sie sich zu bestem Kabarett entwickeln! Für die Veganerinnen war nach einem solchen Vorschlag jedenfalls der Ofen aus. Sie fühlten sich nicht ernst genommen. Und auch Wittmann dämmerte es im Nachhinein, sein Vorschlag sei wohl „nicht so toll“ gewesen. Aus satirischer Sicht war er aber genial!
Wie wird es weitergehen? Ich vermute, das Fest wird stattfinden – inklusive einem Infostand mit etlichen beleidigten Leberwürsten – sorry: Veganerinnen. Das verspricht Spaß und viele Gäste!
Und selber? In meiner Jugendzeit gab es wenig Fleisch – das war schlicht zu teuer. Inzwischen achte ich mehr darauf, was ich esse. Und unser Dorfmetzger verkauft Produkte regionaler Herkunft. Zum Vegetarier oder gar Veganer bin ich jedoch nicht geworden.
Es ist wohl ein Zug der Zeit, dass die Leute – auch dank der sozialen Medien – ständig ihre Nase in das Verhalten ihrer lieben Mitmenschen stecken müssen, um es moralisch zu bewerten. Obwohl sie alle Gewohnheiten pflegen, die durchaus diskussionswürdig wären. Aber da wird selbstredend aufs Private gepocht: Geht die anderen doch nichts an!
Aber natürlich gilt das auch andersherum: Wenn jemand sich vegetarisch oder vegan ernährt, sollte man das respektieren und dumme Sprüche stecken lassen. Missionare, gleich welchen Bekenntnisses, landen nicht selten im Kochtopf!
Und wenn man „Veganer“ durch „Cabeceo-Gläubige“ ersetzt, ist man gleich wieder beim Tango! (Sorry, die Parallele musste sein: Ist doch ein Tangoblog!)
Quellen:
https://web.de/magazine/regio/bayern/streit-ums-schweine-wettgrillen-protest-veganern-40799964
https://www.sueddeutsche.de/bayern/streit-schweine-wettgrillen-viechtach-li.3224474
Weltweit werden schätzungsweise 20 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr allein für Haustierfutter verwendet.
AntwortenLöschenJa, das Schlimme ist halt, dass man Raubtiere nicht vegan ernähren kann.
LöschenSorry, mein Fehler! Es gibt auch veganes Hundefutter. Ob es die Köter auch fressen, weiß ich nicht.
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