Vom Vermeiden des Tango-Frusts
Die Tangolehrerin und Veranstalterin Melina Sedó ist immer wieder für neue Erkenntnisse gut. Gestern veröffentlichte sie auf Facebook einen interessanten Spruch:
„Bitte denkt daran in allen Tango-Kursen:
Wenn du in deiner Komfortzone bleibst und Frustration vermeidest, wirst du nicht besser werden!“
Quelle: https://www.facebook.com/melina.sedo (Post vom 22.3.25)
Aha, Komfortzone – klingt doch irgendwie ganz locker und bequem! Aber da hat man offenbar nichts zu suchen. So lese ich auch auf einer anderen Tangoseite:
„Jeder Teilnehmer dieses Kurses sollte sich darauf einstellen, die Komfortzone zu verlassen und Freude an intensivem Training zu haben.“
https://www.tango-flores.de/explorando-kurs/
Was verstehen wir nun unter einer „Komfortzone“?
„Das Schlagwort Komfortzone beschreibt einen individuellen Bereich des privaten oder gesellschaftlichen Lebens, der durch Bequemlichkeit und Risikofreiheit geprägt ist. Das Wort wird alltagssprachlich oft abwertend gebraucht, der Ausdruck ‚Verlassen der Komfortzone‘ ist dagegen positiv konnotiert.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Komfortzone
Man könnte folgern: Wenn man tanzen lernen möchte, sollte es unbequem und riskant werden. Seit dem Ende der 1960er Jahre, als ich auf dem Parkett begann, hat sich das lange Zeit so dargestellt: Die Tanzlehrer zeigten eine Schrittfolge vor, welche man genauso nachzumachen hatte. Was natürlich zunächst gar nicht und später höchstens ungefähr gelang – begleitet von den ständigen Feststellungen der Lehrkräfte, was noch alles „falsch“ sei. Im Tangounterricht wurde das kaum besser.
Der Blogger Heikvaldo schildert das unter dem Titel „Der Strudel der Frustration“ sehr schön:
„Jetzt haben wir den Salat. Gestern Workshop. Neue Schritte und Kniffe gelernt, anschließend Milonga. Und jetzt weiß ich vor lauter Schritten gar nicht mehr, was ich tanzen soll!
„Mit einer anderen (erfahrenen) Tanguera getanzt. Aber die macht ja gar nichts. Zumindest nicht, was ich will. Ach so, ich gebe keine eindeutigen (und rechtzeitigen) Führungsimpulse.
Aber der Reihe nach: mittlerweile haben wir insgesamt 3 (umfangreiche) Schrittfolgen gelernt. Dazu die Geschichte mit dem „Führungsimpulsen". Links ein bisschen ‚ziehen‘, rechts schieben, drücken, ziehen nach links oder rechts oder oben. Immer auf die Tanzhaltung achten! Schön im Takt! Der Führungsimpuls muss deutlicher kommen, eindeutige Schrittposition ... Und jeder um dich herum ist ein Profi! Nur du kannst es nicht! FRUST!“
https://tango-nordbayern.de/heikvaldo-blogs-162/58.html
Manchmal glaube ich, das Selbstvertrauen des Tango-Lehrpersonals gründet sich vor allem darauf, dass die anderen es nicht können.
Dass wir heute noch beim Tango sind, verdanken wir wohl unserem Entschluss, seit etwa 20 Jahren keinen Tanzunterricht mehr zu nehmen. Nach meiner Erinnerung trugen dazu wohl wesentlich Übungsstunden bei, die vor langer Zeit wöchentlich in einem ziemlich versifften Jugendzentrum stattfanden. Auf Wunsch war der Gastgeber zwar bereit, tänzerische Tipps zu geben, aber im Normalfall probierten wir eher selber herum oder bewegten uns halt miteinander auf dem Parkett zu höchst unterschiedlicher Musik. Wir merkten damals, dass ohne Druck und Absicht plötzlich Sachen gelangen, mit denen wir uns früher ziemlich erfolglos herumgeplagt hatten.
Und bis heute praktizieren wir das immer wieder mal im Pörnbacher Wohnzimmer, wo wir uns mit einigen Leuten treffen, die ebenfalls Freude am Improvisieren haben. Und das zu einer Musik, die nicht immer nach Tango klingt, uns aber viel Spaß macht.
Das Wichtigste: Wir setzen uns keine Ziele – schon gar nicht das Erlernen von Schrittkombinationen. Stattdessen entdecken wir immer wieder neue Bewegungen und interessante Abläufe. Und ich möchte gar nicht, dass meine Partnerinnen immer das tun, was mir vorschwebte. Das wäre ziemlich langweilig. Aber wenn sie etwas anderes machen und ich spontan darauf eingehen muss, finden wir das beide spannend und anregend.
Wichtiger ist uns, „in der Musik“ zu bleiben – mit welchen Bewegungen auch immer. Am besten geht das, wenn man sanft miteinander umgeht – stets „rückholbar“ tanzt statt zu versuchen, etwas zu erzwingen. Und in der eigenen Balance zu bleiben. Unbedingt!
Dass dabei öfters auch mal was schiefgeht (oder jedenfalls ganz anders verläuft als gedacht) ist natürlich eingepreist. Man muss sich aber von dem Gedanken verabschieden, einen „Fehler“ gemacht zu haben. Was bringt es, darüber nachzudenken oder gar herumzudiskutieren? Besser man konzentriert sich auf die nächste Bewegung!
Ich glaube, daher kommt es auch, dass „Experten“, denen man irgendwelche „Tanzregeln“ ins Stammhirn gezimmert hat, uns dann attestieren, was wir tanzten, sei „überhaupt kein Tango“ – oder jedenfalls ein misslungener. Aber wir machen das, was sich für uns gut anfühlt. Zuschauer mögen das finden wie sie wollen. Und sie dürfen es nach eigenem Gusto besser machen.
Ich kann nur allen empfehlen, solche privaten Übungsmöglichkeiten zu organisieren. Nach meiner Erfahrung kommt dabei mehr heraus als in den üblichen Kursen, in denen man auf festgelegte Bewegungsmuster dressiert wird – und das auch noch bezahlen soll.
Was die eingangs zitierte Aussage von Melina Sedó betrifft: Mag vielleicht sein, dass sie für eine professionelle Tanzausbildung zutrifft. Für Hobbytänzer aber gilt sicherlich: Nur wer Frust vermeidet, wird mit dem Tango glücklich!
Als ich mit meiner Lieblings-Heilpraktikerin und Tangofreundin gestern diese Frage diskutierte, schenkte sie mir dazu einen Satz, der hier genau passt:
„Ich lerne, so zu massieren, dass ich hinterher entspannt bin.“
P.S. Und hier noch eine Aufnahme, zu der wir in Pörnbach schon oft getanzt haben:
https://www.youtube.com/watch?v=ZcIpZTbrzys
Aber man kann natürlich auch die Originalversion „Adiós Muchachos“ nehmen! Immerhin ein „richtiger Tango"… Wer es also lieber spanisch mag:
Hallo Herr Riedl,
AntwortenLöschendass Sie hier aus einem Missverständnis so einen Artikel zimmern, war wieder mal ein Paradebeispiel des „…-…-Effekts“, dessen Namen ich ja in Ihrem Blog nicht nennen darf, weil Sie den ja auch missverstehen.
Wie soll man deshalb auch über etwas diskutieren, wenn 2 Menschen - Sie und Melina Sedo - aneinander vorbei schreiben. Man nennt das wohl ‚false balance‘, falsche Ausgewogenheit: Melina als erfahrene Lehrkraft und Sie ein ‚Tango-Lehr-Laie‘ sind nicht einfach nicht auf einem Erfahrungslevel, denn Chemie- und Biologieunterricht ist nun mal kein Bewegungsunterricht.
Dass man beim Tango Unterricht, über die Komfortzone hinaus, an etwas „arbeiten“ soll, damit man danach komfortabel tanzen kann, ist für für Sie sinnlos?
Das, was sich gute Tänzer/innen so mühsam „erarbeiten, aber von außen nicht sichtbar ist, aber den Tanzkomfort erheblich verbessert, sollte man also Ihrer Ansicht nach gar nicht erst anfangen, um ‚Frust‘ zu vermeiden?
Da muss ich Ihnen aus 40-jähriger Tango-Lehrerfahrung energisch widersprechen.
‚Frust‘ ist zu vermeidende Resignation, aber das falsche Wort für das, was Lerntheoretiker Lernwiderstand nennt und wohl auch von Melina gemeint war.
Jeder, der einmal etwas intensiv etwas gelernt und geübt hat, kennt diesen inneren Widerstand, der kleine Fortschritte so mühsam macht. Dass ein Mensch nicht nur linear in eine Richtung lernt, sondern auch durch Rückschritte und durch Überwindung von Lernwiderständen, müsste Ihnen doch als Pädagoge bekannt sein.
Und, dass Menschen synaptisch - auch durch Fehler - lernen und nicht durch den Nürnberger Trichter, wie in der Schule, sollte eigentlich zum Grundwissen jedes Pädagogen gehören.
Ansonsten sollten Sie mal das Buch „Lernen“ von Manfred Spitzer lesen.
Sie raten stattdessen, dass Tangoschüler ausschließlich autark durch Üben in einer Praktika lernen sollten.
Das ist nur zum Teil richtig, denn Lernende brauchen auch ein Feedback und eine Korrektur, für das, was sie da üben.
Die Eigenwahrnehmung einer Bewegung stimmt nämlich nicht immer mit der Wirklichkeit überein.
Meine Erfahrung bei Prácticas ist, dass die meisten Tänzer/innen nicht wirklich das üben, was sie nicht können, sondern aufgrund des Lernwiderstands in der Komfortzone bleiben und nur den Murks ständig einüben, den sie sowieso schon ständig vermasseln.
Man übt also seine schlechten Angewohnheiten und brennt sie fest in sein Bewegungsgedächtnis ein.
Tangolehrer, die das dann korrigieren sollen, haben mit diesen eingebrannten Bewegungsmustern ihre ‚helle Freude‘, weil sie nur schwer, (mit Bildung neuer Synapsen an den eingetretenen Pfaden vorbei…), von den Schülern zu korrigieren sind.
Das ist der Grund, warum ich keine Fremdschüler aus anderen Tanzschulen mehr annehme und meine Schüler nur von Grund auf ausbilde, um Ihnen eine gute Basis zu vermitteln.
Jede zielgerichtete Bewegung ist eine koordinative Gesamtleistung des
Zentralen Nervensystems (ZNS) unter Führung des Großhirns, also nix „mit aus dem „Bauch tanzen“.
Die Bewegungsvorstellungen des Großhirns werden nur durch Mitwirkung untergeordneter ZNS-Einheiten in reale Bewegungen umgesetzt.
Das Kleinhirn ist der Fertigkeitsspeicher für Bewegungen.
Ich finde es immer erstaunlich, wie Sie, als jemand, der nie ausgiebig Bewegungen unterrichtet hat, so unverblümt Ratschläge für ‚Tango lernen‘ verbreitet und erfahrenen Lehrkräften widerspricht.
Wie nennt man diesen Effekt noch gleich?
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wendel
Lieber Herr Wendel,
Löschenklar, dass es sofort Tangolehrer auf den Plan ruft, wenn man behauptet, man könne auch in freien Übungsgruppen lernen, ohne dass einem ständig erzählt wird, was man „falsch macht“. Ist ganz schlecht fürs Geschäft…
Mein Blog arbeitet auf der Basis von Satire. Darum interessiert mich überhaupt nicht, was jemand mit einem missglückten Satz eventuell anders gemeint hat. Für mich gilt. Wer Quatsch veröffentlicht, ist fällig. Siehe Harald Schmidt!
Gut, dass Sie meinen Lesern ins Gedächtnis rufen, dass ich ein „Tango-Lehr-Laie“ bin. Ich habe nie etwas anderes behauptet. Schließlich nehme ich den Leuten ja auch kein Geld ab, auf dass sie außerhalb ihrer Komfort-Zone frustriert werden.
Ich kann daher nur von den Erfahrungen berichten, die einige andere und ich beim selbstständigen Üben gemacht haben. Uns gefällt das, und es bringt uns weiter Aber offenbar führt das bei gewissen Leuten zu großer Empörung. Wieso eigentlich? Was ist so schlimm daran, wenn wir andere Wege zum Tango entdeckt haben?
Der Vergleich mit einer schulischen Ausbildung ist abwegig. Die wenigsten wollen ein „Tango-Abitur“ ablegen und das dann beruflich nutzen. Dann sollte man ihnen die Freizeit nicht mit Frust vergällen.
„Feedback“ und „Korrekturen“ gibt es auch in unseren Übungsgruppen. Man merkt ja beim Tanzen, ob etwas schlecht funktioniert und daher verbessert werden sollte. Dazu brauchen wir keine „Experten“, die uns dann erklären, was wir „falsch“ machen.
Und klar, es gibt bei uns auch Gäste, die in ihrer „Komfortzone“ bleiben wollen und sich daher gar nicht um jeden Preis verbessern wollen. Ja und? Soll ich denen ihre Freude ruinieren, indem ich sie streng korrigiere? Ich finde, jeder und jede hat das Recht, aus dem Tango so viel oder wenig zu machen, dass er oder sie sich wohlfühlt!
Richtig, das Kleinhirn speichert Bewegungsabläufe. Das Großhirn kann in erster Linie gescheit über Tango daherreden. Daher versuchen wir, seinen Einfluss einzuschränken. Auch wenn das manche Tanzlehrer anders sehen.
Danke und beste Grüße
Gerhard Riedl
Hallo Herr Riedl,
AntwortenLöschenIhre Schlussfolgerung, dass das Lernen im Unterricht nur Frust hervorruft, während ein autarkes ‚Vorsichhinprobieren‘ in Wohnzimmern erfolgsversprechender sein soll, können Sie anhand Ihrer zur Schau gestellten ‚Tanzkünste‘ leider nicht belegen, zumindest nicht überzeugend. Denn gutes autarkes Lernen erfordert auch ein gutes Lernkonzept, und das haben die wenigsten Lernenden.
Wenn Sie doch autarkes Lernen für erfolgreicher halten, warum haben Sie dann überhaupt in der Schule unterrichtet?
Soll bei Biologie und Chemie etwas anders gelten als beim Tanzen?
Ein Fernstudium erfordert immer noch Fachliteratur und Lernmaterial.
Wenn man Tango lernen möchte, warum soll man dann auf die Erfahrungen der Tangoprofis verzichten? Die Erfahrenen leiten die Lernenden an. Ist doch logisch. Die Vermittlung von Wissen erfolgt Generationen lang auf Lehren und Lernenden und nicht durch ‚Versichhinwurschteln‘. Erfahrene unterrichten Schüler.
Wenn das nicht so wäre, würden wir evolutionär immer noch in der Steinzeit stecken.
Warum soll Tangounterricht eigentlich anders und vor allen Dingen kostenlos sein? Es ist doch eine Dienstleistung, die gemietete Räume, GEMA-Gebühren, und sonstige Kosten abdecken muss.
Wenn in Deutschland in den 80erJahren keine Tangoschulen existiert hätten, warum sind denn dann keine Gruppen entstanden, die alleine rumprobieren? Ganz einfach, weil es kein Wissen darüber gab, kein YouTube, keine Literatur, keine persönlichen Hilfen.
Und wenn Sie erfolgreichen Tangoschulen immer noch das Lernkonzept aus den 80er Jahren vermuten, sollten Sie wenigsten einmal einen aktuellen Workshop oder Kurs besuchen, um dies beurteilen zu können, denn Ihre Thesen basieren vermutlich nur auf Kurzvideos in der YouTube-Akademie.
Außerdem unterstellten Sie, dass die hohe Anzahl an Tangoschülern auf der ganzen Welt unfreiwillig in Kursen durch ‚die Lernhölle‘ gehen und frustriert sein sollen. Es ist unglaublich, was Sie den Tangoschulen an Fähigkeiten zutrauen, nämlich diese vielen Menschen trotz Frust in den Kursen zu halten. Nach Ihrer These scheint die Schülerschaft nur aus manipulierten Idioten zu bestehen.
Nun gut, dass es jetzt einen ‚Erlöser‘ gibt, der die deutschen Tangoschüler aus dieser Lernhölle befreit. Ironie aus.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wendel
Lieber Herr Wendel,
Löschendass Lernen im Unterricht „nur Frust“ hervorrufe, habe ich nie behauptet. Sonst hätte ich es nicht ein ganzes Berufsleben lang an der Schule ausgehalten. In meinem Artikel habe ich dagegen ein Zitat besprochen, wonach man nicht besser würde, wenn man Frust vermeide.
Frust ist nie gut fürs Lernen. Nicht einmal, wenn man ein Hobby ohne berufliche Ambitionen betreibt.
Ihre Vergleiche sind abwegig. Die Besucher von Tangokursen wollen in der Regel einer angenehmen Freizeitbeschäftigung nachgehen und keine staatlich anerkannte Qualifikation erwerben. Oder einen Beruf erlernen. Sie besuchen nicht Montag bis Freitag meist 9 Jahre lang eine Höhere Schule. Und Lehrkräfte, die zum Abitur führen, benötigen ein durchschnittlich fünfjähriges Studium plus zwei Jahre Vorbereitungsdienst. Beides müssen sie mit einem Staatsexamen abschließen.
Wenn jemand Tango unterrichten will, reicht es, sich „Tangolehrer“ zu nennen und Kurse anzubieten, die meist einmal pro Woche höchstens zwei Stunden lang stattfinden. Im Schnitt dürften die Schülerinnen und Schüler vielleicht zwei Jahre bleiben. Ich finde, das sind schon riesige Unterschiede.
Übrigens trafen sich bei uns auch weniger Erfahrene mit Leuten, die schon weiter waren. Es hat sich nur niemand als „Lehrer“ aufgespielt.
Auf gewisse Erfahrungen zum Thema „Lernerfolg“ kann ich schon zurückgreifen. Seit langer Zeit besuchen wir oft eine Milonga, bei der vorher Unterricht stattfindet. Bei den meisten Gästen sehe ich seit Jahren kaum Verbesserungen.
Und nein: Um Tango zu üben, muss man kein Geld ausgeben. Auch wenn Tangolehrer das bezweifeln. Kann ich ja verstehen…
Für die Funktion eines „Erlösers“ fehlt mir jede Motivation. Ich kann nur beschreiben, wie wir Tango üben – kostenlos und ohne Stress oder Frust. Niemand ist daran gehindert, es anders zu machen. Und 95 Prozent tun es ja auch. Insofern stelle ich doch keine Gefahr fürs Tangogeschäft dar!
Beste Grüße
Gerhard Riedl
Hallo Herr Riedl,
Löschenlernen außerhalb der Komfortzone bedeutet Lernwiderstände zu überwinden und verursacht nicht zwangsläufig Frust. Wahrscheinlich eine Erfahrung, die Ihnen fehlt.
In früheren Jahren habe ich ja viel Tanzunterricht erlebt, vor allem im Standard- und Lateintanz.
LöschenUnd außerdem muss ich mich oft genug mit seltsamen Kommentaren beschäftigen. Das ist Frust genug.
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschenich habe Deinen Artikel gelesen – und die Diskussion mit Klaus Wendel dazu. Ich finde es spannend, wie viel Energie das Thema Tango-Unterricht auslöst. Und ich will Dir ganz direkt meine Sicht schildern – aus 18 Jahren Tango-Erfahrung.
Du schreibst, man könne Tango am besten lernen, wenn man sich dem Unterricht und dem damit verbundenen Frust entzieht. Lieber frei im Wohnzimmer tanzen, ohne Druck, ohne „Experten“, die einem sagen, was man falsch macht. Klingt sympathisch – ist es aber nur auf den ersten Blick.
Denn ich bin überzeugt:
Wer nicht in Unterricht investiert, wird für immer billig tanzen.
Ich habe in den letzten 18 Jahren so viel Geld für Tango-Unterricht ausgegeben, dass ich mir dafür locker einen neuen VW Golf hätte kaufen können. Und ich meine das völlig ernst – das war’s mir wert. Ohne diese Investition wäre ich nie auf das Niveau gekommen, auf dem ich heute tanze. Und ich rede hier nicht von Schrittkombinationen – sondern von Körperbewusstsein, Musikalität, Technik, Balance, Verbindung, Klarheit in der Führung. Das alles lernt man nicht durch Herumprobieren im Wohnzimmer.
Natürlich habe ich auch frei geübt, in Wohnzimmern, auf Practicas, mit Freund*innen – das war oft wunderbar. Aber das funktioniert nur dann gut, wenn man vorher weiß, was man tut. Und dieses Wissen kommt nicht einfach so. Es braucht Anleitung. Struktur. Feedback. Korrektur. Es braucht Menschen, die schon weiter sind – und bereit, ihr Wissen zu teilen.
Jetzt mal ehrlich: Wie sollen denn die großen Tänzer*innen, die echten Maestros des Tango, dorthin gekommen sein, wenn nicht durch Unterricht, durch Coaching, durch jahrzehntelanges Lernen von anderen? Niemand wird „einfach so“ gut. Niemand improvisiert sich zum Meister. Das ist eine schöne Idee – aber nicht mehr als das.
Heißt das, jeder Unterricht ist gut? Natürlich nicht.
Ich bin genauso der Meinung, dass sich heute viel zu viele „Tangolehrer*innen“ nennen, die nach einem Wochenend-Diplom meinen, sie könnten unterrichten. Solche 2.000-Euro-Zertifikate sind aus meiner Sicht ehrlich gesagt für’n Arsch. Sie sagen nichts über pädagogisches Können, tänzerische Tiefe oder persönliche Reife aus.
Aber deswegen den Unterricht insgesamt infrage zu stellen, ist für mich der falsche Schluss. Gute Lehrer*innen sind unbezahlbar. Sie sehen, was du selbst nicht siehst. Sie geben dir Impulse, die dich weiterbringen. Sie helfen dir, dein eigenes Tanzen zu entdecken – und zu verfeinern. Nicht durch Druck, sondern durch echte Kompetenz.
Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn jemand einfach zum Spaß tanzen will, ganz ohne Ehrgeiz. Aber wer richtig gut tanzen möchte – wer mit Tiefe, Präzision und Musikalität auf der Milonga glänzen will –, der kommt ohne Unterricht nicht weit. Wohnzimmer-Tango bleibt dann eben genau das: gemütlich – aber begrenzt.
In diesem Sinne:
Tango darf sich gut anfühlen. Aber richtig gut wird er erst, wenn man bereit ist, auch mal durch unbequeme Phasen zu gehen. Und dafür braucht es Unterricht – nicht irgendeinen, sondern richtig guten.
Viele Grüße
Christian Beyreuther
Lieber Christian,
Löschenich maße mir kein Urteil darüber an, wie man Tango (oder andere Tänze) „am besten lernt“. Ich bin mir inzwischen sicher, dass es dafür viele Wege gibt – und eben auch ganz verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Anlagen und Zielvorstellungen. Jede und jeder muss selber probieren, was für sie oder ihn passt.
Niemand will dir deinen persönlichen Weg zum Tango abstreiten, und es ist ja schön, dass du mit deinem heutigen, offenbar sehr hohen Tanzniveau zufrieden bist. Dies sollte aber nicht dazu führen, dass du deine Tangoentwicklung in dem Sinn verallgemeinerst, alle müssten nun diesen Weg gehen. Ich tue das für meinen Teil jedenfalls auch nicht.
Und nicht jeder möchte ein schon beinahe professionelles Niveau erreichen. Hobbytänzer suchen vor allem Spaß und Entspannung – und nicht eine Freizeitbeschäftigung, für die sie den Gegenwert eines Pkw investieren. Wird man dadurch glücklicher? Die Frage musst du dir selber beantworten.
Ich jedenfalls möchte nicht „auf der Milonga glänzen“. Mir reicht es völlig, wenn es Tanzpartnerinnen gibt, die mit mir ganz gern mal eine Runde drehen – oder das jedenfalls behaupten.
Und auch auf diesem Weg können „Traumtänze“ entstehen. Und in unserem Wohnzimmer geht es nicht oft „gemütlich“ zu. Auch wenn unsere Tanzvideos regelmäßig von „Experten“ heruntergemacht werden. Leider hat von denen bislang noch keiner den Mut gefunden, sich mal bei uns anzumelden.
Auf jeden Fall aber bestreite ich, dass man Frust benötigt, um im Tango (oder in einem anderen Bereich) weiterzukommen. Man lernt dann vielleicht, verbissen „korrekt“ zu tanzen und ständig im Clinch mit seinen Ambitionen zu liegen. Solche traurigen Schicksale kann man leider auf vielen Milongas besichtigen.
Wie berühmt, wie hochbezahlt eine Tangolehrkraft ist, sagt wenig über ihre pädagogischen Fähigkeiten aus. Zumal sich diese Leute oft eher mit dem eigenen Bühnentanz beschäftigen statt Erfahrungen auf den Milongas zu sammeln.
Sicher lernt man stets von Erfahrenen. Das geht in freien Übungsgruppen ebenso wie im Buchen bezahlter Tangostunden. Die Wahl obliegt jedem Einzelnen. Und es gibt nicht nur im künstlerischen Bereich mehr Autodidakten, als man meint. Ich habe das mal in einem Artikel besprochen:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2018/04/erfahrung-statt-information.html
Zum Tango gibt es viele Wege. Wir sollten uns nicht erzählen lassen, wie "der richtige" auszusehen hat.
Beste Grüße
Gerhard
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschenvielen Dank für Deine Antwort. Ich finde es gut, dass wir dieses Thema offen diskutieren können – es zeigt ja, wie unterschiedlich die Wege sind, die Menschen im Tango einschlagen. Trotzdem möchte ich auf ein paar Punkte noch einmal konkreter eingehen.
Zunächst zur Begriffsklärung: Als ich geschrieben habe, man wolle „auf der Milonga glänzen“, meinte ich damit nicht, sich zur Schau zu stellen oder zu beeindrucken. Sondern: sich auf einer gut besuchten, hochwertigen Milonga kompetent bewegen zu können – musikalisch, sicher, fein geführt, mit technischer Sicherheit und Klarheit. Denn das macht aus meiner Sicht eine gewisse tänzerische Reife aus.
Natürlich kann man auch einfach „eine Runde drehen“. Das geht auch im Wohnzimmer. Aber auf einer Milonga mit Niveau – mit erfahrenen Tänzerinnen und Tänzern – wird es schwer, wenn man sich tänzerisch nicht entwickelt hat. Dann bleibt man eben doch eher unter sich. Und ja: Ein gutes Niveau macht einen Unterschied. Nicht aus Eitelkeit – sondern, weil man dadurch überhaupt in die Lage kommt, mit den richtig guten Tänzerinnen tanzen zu dürfen. Und das fühlt sich eben noch einmal ganz anders an.
Ich will gar nicht behaupten, dass ich der beste Tänzer bin. Aber ich weiß ziemlich genau, was ich kann – und was ich mir über viele Jahre hinweg hart erarbeitet habe. Zum Beispiel: Enrosques und Sakadas in verschiedensten Variationen. In der Improvisation, mit wechselnden Partnerinnen, auf vollen Milongas, angepasst an Musik und Raum. Dafür braucht es Lehrerinnen und Lehrer, die diese Dinge nicht nur technisch beherrschen, sondern auch vermitteln können.
Und ehrlich gesagt: Ich kenne nur wenige Tänzer, die solche Elemente wirklich gekonnt einsetzen. Es reicht eben nicht, sich mal was bei YouTube abzuschauen. Ich habe viele Jahre gebraucht, um das sauber, klar und musikalisch zu tanzen – ohne „Show“, aber mit Substanz. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Du das ohne fundierten Unterricht einfach so umsetzen kannst. Auch nicht mit einer Dir unbekannten Tänzerin auf einer engen Ronda.
Und noch etwas:
Bist Du überhaupt in der Lage, Unterricht so zu „lesen“, dass Du das Gezeigte nicht nur als Schrittfolge reproduzierst, sondern die einzelnen körpersprachlichen Elemente wirklich verstehst – und in Deinen eigenen Tango integrierst?
Ich erlebe es im Unterricht immer wieder: Die Leute tanzen die Sequenz genau so nach, wie sie gezeigt wurde. Das mag dann optisch funktionieren – aber sobald man die Figuren zerlegt und aus dem Zusammenhang reißt, brechen 80 % völlig ein. Sie können die Bewegungen nicht einzeln anwenden, geschweige denn mit einer fremden Partnerin spontan nutzen.
Kompetenz zeigt sich genau da: Wenn Du einzelne Tango-Elemente verstehst, technisch sauber abrufen kannst – egal wo, egal mit wem. Das ist ein ganz anderes Level als das bloße Nachtanzen einer Choreografie. Und genau dieses Niveau erreicht man eben nicht durch Wohnzimmer-Romantik oder freies Herumprobieren, sondern durch präzises Training und jahrelange, bewusste Auseinandersetzung mit dem Tanz.
Frust ist auch für mich kein Idealzustand. Aber ich bin überzeugt: Reibung, Herausforderung, das Verlassen der Komfortzone – all das gehört zu echtem Lernen dazu. Wer sich nur in seinem Wohlfühlbereich bewegt, entwickelt sich kaum weiter. Und das ist okay, wenn man es genau so möchte. Aber dann sollte man es auch so benennen.
Ich beschreibe hier meinen Weg: mit viel Unterricht, viel Einsatz, vielen Phasen der Unsicherheit – aber auch mit dem tiefen Gefühl, über Jahre hinweg wirklich gewachsen zu sein. Nicht, um zu glänzen – sondern um sicher, klar und musikalisch auf Milongas tanzen zu können. Und dafür bin ich den Lehrer*innen, die mich begleitet haben, sehr dankbar.
Der Tango ist groß genug für viele Wege – aber manche führen eben deutlich weiter als andere.
Viele Grüße
Christian Beyreuther
Lieber Christian,
Löschen„sich auf einer gut besuchten, hochwertigen Milonga kompetent bewegen zu können – musikalisch, sicher, fein geführt, mit technischer Sicherheit und Klarheit“, „tänzerische Reife“ – bist du sicher, dass dies nicht doch ein wenig abgehoben klingt?
Selber vermeide ich es, meine tänzerischen Fähigkeiten zu beschreiben – das sollen andere tun. Vielleicht sogar meine Tanzpartnerinnen.
Ich bestreite allerdings energisch, dass man bei privaten Tangotreffs „einfach eine Runde drehen“ muss. Da habe ich in unaufgeräumten Kunstateliers, Jugendzentren oder Privatwohnungen schon sensationelle Tänze erlebt. Und mich animiert die oft langweilige Musik auf vielen Veranstaltungen kein bisschen.
Weder sollte man ein Buch nach seinem Einband beurteilen noch Milongas, ob dort Kaviar und Lachschnittchen angeboten werden oder internationale Berühmtheiten herumwuseln. Oder, ob man in edelster Gewandung übers Parkett schleicht.
Und ich habe in 26 Jahren mindestens zweieinhalbtausend Milongas besucht. Und ich war oft genug mit „richtig guten Tänzerinnen“ unterwegs. Sicher meist nicht mit denselben wie du. Mit einer bin ich seit einigen Jahrzehnten verheiratet, und wir tanzen seit unserer ersten Begegnung.
Das sollte nicht dazu führen, nun zu vermuten, wir würden im Tango „einfach eine Runde drehen“. Meine schönsten tänzerischen Erfahrungen stammen von solchen privaten Tanztreffs und nicht von „hochwertigen“ Tangobällen, wo es oft genug fast nur ums Sehen und Gesehenwerden geht.
Und ich käme nie auf die Idee, mein eigenes Tanzen zu bewerten. Ich hoffe meine Partnerinnen sind halbwegs zufrieden. Und dafür sprechen zumindest einige Indizien. „Von YouTube abschauen“ war noch nie meine Methode. Eher veröffentliche ich dort eigene Videos, nicht nur zum Thema Tango.
Über „Niveau“ kann man lange streiten. Man sollte aber vermeiden, es auf die eigene Person zu beziehen. Jedenfalls tanze ich „keine Sequenzen nach“. Mein Stil hat sich in über 50 Jahren Tanzen entwickelt. Wem er gefällt – gut. Wem nicht, der muss halt damit klarkommen.
Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass ich über deine tänzerischen Fähigkeiten kein Wort verliere. Warum auch? Es ist deine Art, in die du sicherlich viel investierst hast. Dass du dies nicht ebenso mit Blick auf mich fertigbringst, zeugt nicht gerade von Souveränität.
Ich kann dir aber versichern: Durch „Wohnzimmer-Romantik oder freies Herumprobieren“ kann man viel hinbekommen. Mir jedenfalls reicht es.
Beste Grüße
Gerhard
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschenin deiner letzten Antwort führst du an, in 26 Jahren etwa 2.500 Milongas besucht zu haben. Das klingt zunächst beeindruckend – aber lässt sich bei genauerem Hinsehen schwer mit dem Alltag eines normalen Berufslebens vereinbaren.
Du warst, soweit ich weiß, viele Jahre im Schuldienst als Biologielehrer. Unterricht, Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen – all das nimmt viel Zeit in Anspruch, gerade in den Jahren, als Homeoffice noch kein Thema war. Dass da im Schnitt zwei Milongas pro Woche über Jahrzehnte hinweg möglich waren, erscheint doch eher unwahrscheinlich. Ganz zu schweigen von familiären Verpflichtungen: Wuchsen deine Kinder währenddessen ganz von selbst auf?
Und wenn wir von „Milongas besucht“ sprechen – was genau zählt da mit?
Geht es um 2.500 unterschiedliche Veranstaltungen, wie man sie üblicherweise zählt? Oder wurden einzelne Besuche auf immer denselben Milongas mehrfach gezählt – vielleicht inklusive kleiner Wohnzimmer-Runden? Die Szene ist gerade in Deutschland nicht unendlich groß. Wer über viele Jahre hinweg regelmäßig dieselben lokalen Veranstaltungen besucht, trifft dort meist auf 95 % der gleichen Tänzerinnen und Tänzer.
Dazu kommt: Will man in Deutschland 2.500 verschiedene Milongas besuchen, muss man ordentlich Strecke machen. Von deinem Standort aus bedeutet das hunderte Kilometer in alle Richtungen – bis weit in den Norden, Westen und Osten des Landes. Das ist kein Nebenbei-Programm, sondern eher ein Fulltime-Reiseprojekt. Realistisch betrachtet, dürfte die Zahl also irgendwo bei 400 bis 500 unterschiedlichen Milongabesuchen liegen – und auch das ist noch beachtlich.
Stattdessen lese ich in deinen Aussagen eine Tendenz, jeden Versuch, technische Entwicklung zu benennen, als „abgehoben“ oder gar als Angeberei zu bewerten. Dabei geht es gar nicht darum, sich selbst zu inszenieren, sondern um die Bereitschaft, offen zu sagen: „Das habe ich gelernt, daran habe ich gearbeitet, das kann ich mittlerweile sicher anwenden.“
Wenn du schreibst, dass du dich nicht selbst bewerten willst und dein Tanzen lieber anderen überlässt – völlig legitim. Aber gleichzeitig betonst du, dass du mit „richtig guten Tänzerinnen“ unterwegs warst. Das ist dann eben doch eine Form von Bewertung – nur durch die Hintertür.
An anderer Stelle sprichst du von „Kaviar- und Lachschnittchen-Milongas“, wo angeblich internationale Berühmtheiten herumwuseln. Es liegt nahe, dass du damit auf genau die Art von Veranstaltungen anspielst, die von mir organisiert werden: Encuentros mit internationalem Publikum, sorgfältiger Einladungspolitik, musikalischem Anspruch und einem tänzerischen Niveau, das viele gezielt suchen.
Was dort zählt, ist nicht das Buffet – sondern die Qualität auf der Tanzfläche: Musikalität, Verbindung, Achtsamkeit, Präzision. Das hat nichts mit Show zu tun, sondern mit bewusster Arbeit am eigenen Tanzen – und mit dem Wunsch, sich auch außerhalb des Gewohnten zu behaupten. Gerade deshalb reisen Menschen dafür quer durch Europa.
Wenn dir persönlich andere Formate näherliegen – wunderbar. Der Tango ist groß. Aber bitte wirf anderen nicht vor, sich ernsthaft mit dem Tanzen auseinanderzusetzen – und dies auch offen zu benennen. Es ist kein Zeichen von Überheblichkeit, wenn jemand bewusst an sich arbeitet, sondern von Hingabe.
Letztlich geht es doch darum, dass jeder seinen Weg geht. Aber wer diesen Weg öffentlich beschreibt, muss auch damit rechnen, dass man nachfragt, wie realistisch, übertragbar oder konsistent dieser Weg ist.
Wer 2.500 Milongabesuche neben einem Vollzeitberuf im Schuldienst angibt, muss auch damit rechnen, dass man diese Zahl kritisch hinterfragt – ganz ohne jemanden gleich mit Baron Münchhausen zu verwechseln.
Viele Grüße
Christian Beyreuther
Lieber Christian,
Löschendann steigen wir halt mal tiefer in meine Biografie ein:
Also, Kinder haben wir keine (jedenfalls hat sich noch keine Mutter bei mir gemeldet). Ich hoffe, wir durften das ohne Genehmigung entscheiden.
Zudem gab ich lange Zeit pro Jahr etwa 30-50 Zaubervorstellungen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich meine Arbeit ganz gut organisieren kann. Und so bald wie möglich auf Teilzeit wechselte.
Dennoch rangierte damals mein Schlafpensum bei höchstens fünf Stunden (wäre heute nicht auszudenken).
Übrigens habe ich solche Zahlen oft genug in meinen Büchern und im Blog veröffentlicht. Widerspruch von „Zeitzeugen“ bekam ich keinen.
Natürlich haben wir nicht 2500 Milongas unterschiedlicher Gastgeber besucht. Nach meinen Schätzungen waren das gut 200. Und in früheren Jahren führten uns unsere „Tangoreisen“ in viele Regionen von Hamburg bis Salzburg sowie in die ostdeutschen Bundesländer. Schon deshalb, weil wir zu zahlreichen Buchvorstellungen eingeladen wurden. Und klar, dazu zählen auch längere Tangotreffs, die bei uns zu Hause stattfanden. Ob andere die als „gültig“ bezeichnen, ist mir egal.
Wer das für gelogen hält, sollte bedenken, dass die Reputation meines Blogs ganz wesentlich davon abhängt, dass ich keine erschwindelten Tatsachen verbreite. Es gibt eine Menge Kritiker, welche meine Arbeit mit dem Finger an der Zeile überprüfen. Die hätten es längst heraus, wenn ich mit Lügen arbeiten würde.
Was ich beim Tango gelernt habe, ist Inhalt vieler meiner Veröffentlichungen. Ich vermeide nur den Eindruck eines Heiligenscheins. Vielmehr sind das halt meine Erfahrungen, die ich anbiete. Niemand ist gehindert, andere zu machen und für förderlich zu halten.
Wenn ich von „richtig guten Tänzerinnen“ schreibe, ist das keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein ehrlich gemeintes Kompliment an andere. Ich finde das legitim. Zumal die Rolle der Tänzerinnen beim Tango häufig unterschätzt wird.
Solltest du meinen, selber „Kaviar- und Lachschnittchen-Milongas“ zu veranstalten, ist das deine eigene Vorstellung.
Ich kritisiere niemand, der sich „ernsthaft mit dem Tanzen auseinandersetzt“. Ich weiß nur nicht, warum man das ständig betonen muss. Selber würde ich eher sagen, dass ich Spaß am Tango habe. Aber das ist wohl nicht seriös genug.
Auf jeden Fall warne ich davor, Tanzabende in simplen Räumlichkeiten und mit Mineralwasser statt Sekt abzuqualifizieren. Dort lebt der Tango oft mehr als in vornehmen Ballsälen. Und es wird nicht selten besser getanzt.
Beste Grüße
Gerhard
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschendu schreibst, du hättest in 25 Jahren rund 2.500 Milongas besucht. Bei näherem Hinsehen relativiert sich diese Zahl schnell: Etwa 200 verschiedene Veranstaltungen, der Rest Wiederholungen – oft an denselben Orten mit denselben Tänzer*innen. Wenn man das aufbauscht, klingt es nach Vielseitigkeit – ist es aber nicht unbedingt.
Und dann frage ich mich ehrlich: Wann soll das alles passiert sein? Du warst über Jahrzehnte im Schuldienst, hast nebenbei regelmäßig Zaubervorstellungen gegeben – und schreibst selbst, dein Schlafpensum lag bei fünf Stunden pro Nacht. Dazu noch Tangoreisen durch halb Deutschland? Klingt eher nach Legende als nach Lebensrealität.
Ich selbst habe in den letzten Jahren über 200 unterschiedliche Milongas und Encuentros in ganz Europa besucht. In einem einzigen Jahr kamen mehr als 25 Flugtickets zusammen. Vier Reisen nach Buenos Aires, mit rund 40 verschiedenen Milongas und Prácticas, dazu Marathons, Festivals, Workshops, Anschluss-Milongas – ich weiß sehr genau, was an Zeit, Aufwand und Kosten dahintersteckt. Und ich muss dafür keine Zahlen aufblasen – ich war da.
Du hast in deiner Antwort auf meine Veranstaltungen angespielt – auf die Encuentros, die ich organisiere. Dann lass es uns klar sagen: Ja, ich veranstalte solche Events. Sie sind bewusst kuratiert, musikalisch hochwertig und ziehen Tänzer*innen aus ganz Europa an, die sich mit dem Tango ernsthaft – und mit Begeisterung – auseinandersetzen. Wer dort tanzt, kommt vorbereitet, offen und respektvoll – und das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun, sondern mit Haltung.
Was ich irritierend finde, ist die Art, wie du Anspruch im Tango regelmäßig mit Arroganz oder Distanz gleichsetzt. Wer seinen Tanz weiterentwickeln will, ist nicht elitär – sondern motiviert. Wer auf Workshops geht, sich international ausprobiert, investiert nicht aus Eitelkeit, sondern aus Leidenschaft. Das muss man nicht mögen. Aber man sollte es respektieren. Und man sollte nicht so tun, als sei „einfach tanzen“ automatisch das ehrlichere Konzept.
Ich nehme den Tango ernst – und das mit Freude. Beides schließt sich nicht aus.
Viele Grüße
Christian Beyreuther
Lieber Christian,
Löschenna, das ist doch schön für dich!
Ich weiß dann nur nicht, wieso du mich falscher Auskünfte bezichtigst. Ich zweifle deine Angaben ja auch nicht an. Auch wenn du mein Blog ein wenig zur Werbung verwendest. Wenn du meinst, ich würde „Zahlen aufblasen“, hat eine Diskussion keinen Sinn.
Klar habe ich manche Milongas sehr oft besucht. Einfach, weil sie mir besser gefielen als andere. Schade, dass du dies als „Wiederholungen“ betrachtest. Für mich ist kein Tangoabend gleich. Ich erlebe immer wieder neue Eindrücke und Stimmungen. Wer dafür durch halb Europa reisen muss, soll es tun.
Was unsere „Tangoreisen“ betrifft: Das waren sicher nicht hunderte. Und schon vor längerer Zeit haben wir keine riesig weiten Fahrten mehr unternommen, nicht nur wegen des Alters. Nach unserer Erfahrung sehen wir landauf, landab denselben Tanzstil und hören ähnliche Musik. Dazu müssen wir nicht stundenlang im Auto sitzen.
Ich sehe nicht unbedingt „Vielseitigkeit“, wenn man auf jeder Milonga aus der immer gleichen Musikauswahl schöpft.
Wir können gerne weiter diskutieren, aber dann bitte in der Überzeugung, dass keiner den anderen anlügt. Ich möchte im Tango nichts verkaufen und habe daher schön gefärbtes Marketing nicht nötig.
„Anspruch“ ist für mich im Tango kein Kriterium. Ich setze mir keine Ziele. Traumtänze kriegt man geschenkt, nicht geliefert.
Von einem „ehrlichen Konzept“ habe ich nicht gesprochen. Jeder hat halt seines. Und was das „Elitäre“ betrifft: Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass große Künstler oft sehr bescheiden auftreten. Ein Riesen-Gewese veranstalten eher Leute aus den hinteren Reihen.
Beste Grüße
Gerhard
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschenes ist spät, daher halte ich mich kurz.
Ich frage mich nach wie vor, wo ich deiner Meinung nach gelogen haben soll. Ich habe nichts erfunden, sondern öffentlich genannte Zahlen hinterfragt – sachlich, nachvollziehbar und ohne persönliche Angriffe.
Dass dir meine Perspektive nicht gefällt, ist legitim. Dass du daraus eine Geschichte von „Werbung“ und „schön gefärbtem Marketing“ konstruierst, wirkt eher wie der Versuch, dein Weltbild zu schützen, in dem abweichende Meinungen nicht vorgesehen sind.
Nur zur Klarstellung: Ich nutze deinen Blog nicht für Marketing. Ich habe dafür meine eigenen Kanäle und Netzwerke – und nutze sie, wenn ich will. Aber wenn man ein Thema öffentlich diskutiert, muss man auch mit öffentlichem Widerspruch rechnen.
Ich respektiere, dass du Tango anders erlebst. Ich wünsche mir nur, dass du auch akzeptierst, wenn andere ihn anders lernen, leben – oder schlicht anders rechnen.
25 Jahre Tango tanzen, 2500 besuchte Milongas, davon rund 200 unterschiedliche – der Rest war mal mehr, mal weniger inspirierend. Manche zählten vielleicht sogar doppelt – besonders, wenn sie im eigenen Wohnzimmer stattfanden.
Viele Grüße
Christian Beyreuther
Ich weiß nicht, wo ich dich der Lüge bezichtigt hätte. Es ist doch umgekehrt: Du bezweifelst doch meine Angaben.
LöschenAnsonsten schlage ich vor, die Debatte zu beenden. Die sachlichen Argumente sind ausgetauscht.
Wenn mir jetzt - nachdem ich mich geduldig der Diskussion gestellt habe - ein Weltbild unterstellt wird, "in dem abweichende Meinungen nicht vorgesehen sind", hat das für mich keinen Sinn.
Ich bitte dich daher, für den "öffentlichen Widerspruch" deine eigenen Seiten zu verwenden. Ich poste ja auch nichts bei dir.
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschendanke für deine Rückmeldung. Ich akzeptiere deinen Wunsch, die Diskussion an dieser Stelle zu beenden.
Nur eines zur Klarstellung: Ich habe dich nicht der falschen Auskünfte bezichtigt. Ich habe eine öffentlich genannte Zahl hinterfragt – sachlich, nachvollziehbar und ohne persönliche Unterstellung. Zwischen Kritik und Unterstellung besteht ein Unterschied, den ich sehr bewusst gewahrt habe.
Deinen Blog lese ich hin und wieder – zum Teil, weil er unterhaltsam ist, oft mit satirischem Ton, manchmal auch ein wenig weltfremd, zumindest was den Tango betrifft.
Aber das gehört zu deinem Stil, und den respektiere ich.
Ein ehrliches Lob an dieser Stelle: Deine politischen Beiträge lese ich sehr gerne – da sind wir häufig einer Meinung.
Du betonst selbst, dass auf deinem Blog jeder Beitrag willkommen ist, solange man mit Klarnamen schreibt. Man wird sehen, ob das so bleibt – oder ob die Stimmen anderer Leserinnen und Leser recht behalten, die sich über selektive Freischaltung beschwert haben. Ich bin gespannt, ob du deiner Linie treu bleibst.
Und klar: Wenn mich künftig etwas triggert, werde ich wieder kommentieren – sachlich, direkt und im Rahmen dessen, was eine öffentliche Debatte ausmacht.
Danke dir herzlich für dein Verständnis.
Viele Grüße
Christian
Lieber Gerhard,
AntwortenLöschenZwei Anmerkungen. Du schreibst:
"ich war oft genug mit „richtig guten Tänzerinnen“ unterwegs."
Du warst noch nie in Buenos Aires, du gehst weder auf Encuentros noch auf internationale Tango Festivals. Da frage ich mich, wann und wo du die "richtig guten Tänzerinnen" getroffen haben willst. Das erinnert mich doch sehr an unsere Diskussion, als Du behauptet hast, dass Du ständig mit Tänzerinnen aus der Champions League tanzt. Und als ich nachgehakt habe, hat sich herausgestellt, dass Du die europäischen Spitzentänzerinnen nicht mal persönlich kennst. Geschweige denn schon mal mit ihnen getanzt hättest.
Zweite Anmerkung: Zum Unterricht schreibst Du:
"Ich kann nur allen empfehlen, solche privaten Übungsmöglichkeiten zu organisieren. Nach meiner Erfahrung kommt dabei mehr heraus als in den üblichen Kursen, in denen man auf festgelegte Bewegungsmuster dressiert wird."
"Auf festgelegte Bewegungsmuster dressiert" klingt für mich eher nach Gruppenunterricht in der Tanzschule als nach dem Unterricht, von dem Klaus und Christian sprechen. Warum wohl sucht sich jeder Sportler einen Trainer? Und gibt es möglicherweise Unterschiede zwischen dem Sportunterricht an der Schule und dem, was im Bundesleistungszentrum vermittelt wird?
Vielleicht probierst Du mal eine Privatstunde bei einer echten Tango Koryphäe wie zum Beispiel Ricardo (den Du ja von Deinem Interview her kennst) oder Klaus (falls er damit einverstanden ist). Das sollte Dir den Unterschied klar machen.
Liebe Grüße,
Helge
Lieber Helge,
Löschender Sinn eines Kommentars ist, sich auf einen Artikel zu beziehen. Daher mag ich mich zum ersten Teil deiner Anfrage nicht äußern, zumal wir dieses Thema schon oft genug durchgekaut haben.
Zur zweiten Anmerkung: Mir ist nicht ersichtlich, dass Klaus und Christian von Privatstunden sprechen. Wenn sie das gemeint haben, hätten sie es erwähnen sollen.
Und auch von Sportunterricht oder Bundesleistungszentren habe ich nichts geschrieben. Ich empfehle dir zudem, dich um deine eigene tänzerische Entwicklung zu kümmern statt mir Empfehlungen zu geben, um die ich nicht gebeten habe.
Gruß Gerhard
Lieber Gerhard,
LöschenUm meine tänzerische Entwicklung brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Ich durfte inzwischen einige sehr gute Lehrer kennenlernen, die mir geholfen haben, mich weiter zu entwickeln. Insbesondere hat Klaus ein ausgezeichnetes Gespür dafür, zur richtigen Zeit die richtigen Themen anzusprechen und er hat mir einige sehr hilfreiche Tipps gegeben.
Liebe Grüße,
Helge
Lieber Helge,
Löschenmache ich mir auch nicht. Ich bitte ja nur, auch umgekehrt zu verfahren.
Und Klaus kann sicher etwas Werbung gebrauchen.
Ich habe von Unterricht im Allgemeinen gesprochen. Im Übrigen wüßte ich nicht, warum ich Werbung gebrauchen könnte und wofür?
LöschenWas die Idee von Helge bezüglich einer Privatstunde mit Ihnen angeht, halte ich diese für absolut sinnlos, denn ich halte Sie für absolut beratungsresistent.
Na, wenn Sie nicht wissen, wozu Sie Werbung brauchen könnten, ist das Ihr Problem.
LöschenUnd was Helges Vorschlag betrifft: Ich wusste, dass der Blödsinn war.
Ich bitte, weitere themenferne Erörterungen auf Seiten zu führen, die sich dazu eignen. Meine ist es nicht.
AntwortenLöschenEin paar kurze Bemerkungen. Zum einen, lieber Gerhard - prüfe doch mal, wieweit Frust nicht auch ein Motiv für Dein eigenes Schreiben ist. Kann natürlich auch einfach eine Clickbait-Technik sein - auf LinkedIn sehe ich in letzter Zeit öfter Artikel vom Typ "Ich habe meine Assistentin gefeuert, weil sie meinen neuen Laptop mit nur 4 statt 8 Gigabyte RAM bestellt hat" oder "Ich habe einen 100.000 Euro-Auftrag abgelehnt, weil der Kunde ein schriftliches Angebot wollte". Nett, funktioniert eine Weile, und dann erkennt man das Muster und ignoriert es. Oder findet es unterhaltsam, wenn Leute darauf einsteigen, dann kommt der Unterhaltungswert von der Debatte (die meistens ziemlich schnell entgleist), auch okay.
AntwortenLöschenWas das Thema Kurs angeht - der Logiktest sagt, gar kein Tangounterricht ist vielleicht was für absolute Naturtalente, aber insoweit ein Tanz Sprache ist, ist es eher wahrscheinlich, daß man in einer kleinen Blase landet, aus der heraus man mit kaum jemandem kommunizieren kann. Am anderen Ende der Skala ist "Unterricht bis zum Abwinken". Das Optimum - in puncto persönlicher Gewinn - liegt irgendwo dazwischen, für jeden anders.
Für mich ist eine Kursstunde Input, der nicht unbedingt in neue "Moves" mündet - irgendwie zahlt es immer ein, manchmal merkt man erst nach Monaten, wohinein genau. Genau das macht es ja spannend.
In puncto "Spitzentänzerinnen" gebe ich Christian recht - ich vermute, Du bist in Deinen 2500 Milongas nur wenigen, eher gar keiner begegnet. Meine Motivation beim Lernen ist jedenfalls rein hedonistisch, in doppelter Hinsicht. Zum einen macht es Spaß, mehr Bandbreite beim "Vertanzen" von Musik zu haben. Zum anderen - je besser ich bin, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß ich auch meiner Partnerin Genuß bereiten kann. Was wiederum die Wahrscheinlichkeit steigert, für Partnerinnen interessant zu sein, die selbst gute Fähigkeiten im Bereiten von tänzerischem Genuß haben. Abgesehen davon verhindert ein gelegentlicher Kurs, daß man im eigenen Saft langsam und ohne es zu merken verschmort.
"Podiums"-Diskussionen wie diese haben einen bestimmten Zweck - das Publikum zu unterhalten. Wenn jemand ein Thema mit einer Extremposition aufmacht, kann das gezielt zum Aufbau eines Spannungsbogens sein - der Teilnehmer manchmal tatsächlich dazu bringt, argumentativ ihr Bestes zu geben. Der Initiator hat dann oft nicht wirklich diese Position. Oder er hat sie doch - das würde ich bei Dir vermuten. Deshalb glaube ich nicht, daß sich da in puncto "Überzeugen" irgendwas tun läßt. Wie man etwas wahrnimmt, hängt stark von den Vorerwartungen ab, es setzt Wahrnehmungsfilter. Wenn ich die Erwartung habe, daß ein Tangokurs oder Workshop tänzerisch nichts bringt und Tangolehrer sowieso nur Schwätzer und Nichtskönner sind, werde ich auch genau das erleben. Und umgekehrt - wenn ich Nutzen erwarte, finde ich ihn in der Regel auch.
Viele Grüße
Yokoito
Lieber Wolfgang,
Löschenob du es glaubst oder nicht: Frust ist wirklich das Letzte, was mich nun seit über 11 Jahren beim Bloggen begleitet. Nicht nur wegen der 1,65 Millionen Zugriffe in der ganzen Zeit, mit denen ich nie gerechnet habe. Aber Schreiben ist halt eine Leidenschaft von mir.
Und ich ahne inzwischen zumindest, mit welchem Thema ich besonderes Gedöns erzeugen kann. Das ist mir aber ziemlich egal. Deshalb schreibe ich genauso gerne beispielsweise über Tangomusik oder Texte, obwohl das in der heutigen Szene kaum jemanden interessiert. Bei Artikeln wie dem obigen ist das anders. Aber ich bin über solche Kommentarfluten nicht wirklich froh, weil mir da die Inhalte fehlen, auf die es für mich ankommt.
Ich ahne inzwischen natürlich, bei welchem Thema wieder „die Hüte hochgehen“ werden. Leider nimmt dann die Entfernung zum Thema schnell zu.
Komisch, dass im Tango alle auf Anweisungen warten. Sonst könnte man ja mal zur Kenntnis nehmen, dass ich halt meinen eigenen Weg zum Tango beschreibe. Für mich jedenfalls war der passend. Wer es anders sieht, kann Kurse bis zum Abwinken bei internationalen Stars nehmen.
Und was die „Spitzentänzerinnen“ betrifft: Ich habe jedenfalls viele „Traumtänze“ erlebt – bis heute. Von „Profi-Stars“ habe ich nie gesprochen. Wer sein Glück in internationalen Ranglisten sucht, soll es tun. Ich brauche das nicht – für Neidkomplexe also kein Grund!
Schmore ich „im eigenen Saft“? Na gut, mit 74 hätte ich ein gewisses Anrecht darauf. Jedenfalls vermeide ich Milongas mit dem immer wieder gleichen EdO-Gedudel. Wir suchen uns Musik, die herausfordernder ist. Eine zu starke Vergreisung verhindert die schon.
Weiterhin (hoffentlich) viel Spaß beim Bloggen – auf dass du den Nutzern findest, den du erwartest!
Beste Grüße
Gerhard