Erinnerungen eines Beratungsresistenten

Auch nach über 11 Jahren Bloggen im Tango kann man mich immer noch verblüffen: Ausgangspunkt war kürzlich ein Zitat der Tangolehrerin Melina Sedó über den Tangounterricht:

Wenn du in deiner Komfortzone bleibst und Frustration vermeidest, wirst du nicht besser werden!“

Ich widersprach dem in einem Text mit dem Titel „Vom Vermeiden des Tango-Frusts“.

Seither habe ich einige Tango-Experten an der Backe, die mir in einer Vielzahl von Kommentaren erklären, wieso Tanzen lernen ohne Frust nicht funktioniert.

Tendenziell einig ist man sich in der Meinung, ich bräuchte dringend Tangounterricht. Natürlich bei hochklassigem Lehrpersonal. Immerhin!

Zudem meinte ein Blogger-Kollege, bei mir selber Lernhemmendes zu entdecken:

„Zum einen, lieber Gerhard - prüfe doch mal, wieweit Frust nicht auch ein Motiv für Dein eigenes Schreiben ist.“

Na ja, bei fast 2000 Artikeln in über 11 Jahren muss mein Frust riesig sein…

Tragisch ist natürlich, dass mir selber die fachlichen Kenntnisse zum Tanzen fehlen:

„Und was deine Beiträge zu ‚Alles, was dein Tanzlehrer nicht erzählt oder so‘ betrifft: Da wirkt es eher, als würdest du Abläufe theoretisch zerlegen, ohne deren tatsächliche Wirkung im Tanz zu berücksichtigen. Ein bisschen Drücken hier, ein bisschen Schieben da – das ist fachlich zu dünn. Passt meines Erachtens nicht mal ins Wohnzimmer.“

Klar, im theoretischen Zerlegen" bin ich unschlagbar...

„Und was die vielzitierte ‚Dressur‘ angeht: Man sieht ja ganz gut, was dabei herauskommt, wenn man sich ausschließlich autodidaktisch und auf Basis von YouTube-Videos weiterentwickelt.“

Na gut – meine Ausbildung begann 1967 in einer Ingolstädter Tanzschule – da sieht man mal, wie weit wir „Schanzer“ der technischen Entwicklung voraus waren…  

Weiterhin habe ich auf dem Parkett offenbar nur mit Weibern herumgemurkst, die es nicht können. Und dann noch behauptet, in der europäischen Spitzen-Liga zu verkehren. Erst recht fehle ich bei den Edel-Events, ohne die es heute beim Tango nicht gehe:

„Du warst noch nie in Buenos Aires, du gehst weder auf Encuentros noch auf internationale Tango Festivals. Da frage ich mich, wann und wo du die ‚richtig guten Tänzerinnen‘ getroffen haben willst. Das erinnert mich doch sehr an unsere Diskussion, als Du behauptet hast, dass Du ständig mit Tänzerinnen aus der Champions League tanzt. Und als ich nachgehakt habe, hat sich herausgestellt, dass Du die europäischen Spitzentänzerinnen nicht mal persönlich kennst. Geschweige denn schon mal mit ihnen getanzt hättest.“

Schlimmer noch: Ich habe es nicht mal behauptet!

Selber tanzt der Betreffende seit 2015 Tango. Sechs Jahre später habe er dann verstanden, was den Tango ausmache. Nach dieser „Erleuchtung“ vermeldete er bereits im Jahr 2022, den „perfekten Tango“ getanzt zu haben:

„Das Ergebnis war der perfekte Tango: Ein Tanz, bei dem jeder einzelne Schritt, jede einzelne Bewegung, in perfekter Harmonie zur Musik erfolgte. Ein geradezu mystischer Moment, der meine Tanzpartnerin und mich zutiefst bewegt hat und noch immer bewegt.“

https://helgestangoblog.blogspot.com/2022/12/der-perfekte-tango.html

Kompliment! Mir ist Perfektion noch nie gelungen, obwohl ich seit über einem Vierteljahrhundert Tango tanze… Mir ist nur nicht klar, wieso der Kollege jetzt immer noch Tangounterricht nimmt. (Oder gibt er ihn nur noch? Alles etwas verwirrend!)

Selber jedenfalls, so ein anderer Fachmann, tappte ich halt lediglich ein wenig in meinem Wohnzimmer herum:

„Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn jemand einfach zum Spaß tanzen will, ganz ohne Ehrgeiz. Aber wer richtig gut tanzen möchte – wer mit Tiefe, Präzision und Musikalität auf der Milonga glänzen will –, der kommt ohne Unterricht nicht weit. Wohnzimmer-Tango bleibt dann eben genau das: gemütlich – aber begrenzt.“

Na, wäre er mal zu uns gekommen, hätte er vielleicht die Gemütlichkeit vermisst! Vor allem bei Piazzolla...

Und ein Tangolehrer-Urgestein, welches gerne Todesurteile verkündet, schrieb dazu:

„Ich finde es immer erstaunlich, wie Sie, als jemand, der nie ausgiebig Bewegungen unterrichtet hat, so unverblümt Ratschläge für ‚Tango lernen‘ verbreitet und erfahrenen Lehrkräften widerspricht.“

Tangounterricht jedenfalls, so dessen Überzeugung, sei bei mir vertane Zeit:

„Was die Idee von (…) bezüglich einer Privatstunde mit Ihnen angeht, halte ich diese für absolut sinnlos, denn ich halte Sie für absolut beratungsresistent.“

Da bin ich aber froh – ich hatte schon Schlimmes befürchtet…

Was mir bei den Verkündern der Heilwirkung von Tangostunden immer wieder auffällt: Selber tanzen sie oft erst ab den reiferen Jahren – und dann natürlich ausschließlich Tango. Oft wird bekannt, den oft obligatorischen Tanzkurs zur Schulzeit habe man gruselig gefunden – selbst der große Cassiel hat sich in dieser Richtung geäußert.

Ich grüble oft darüber nach, wieso man am Tanzen lange Zeit kein Interesse hatte. Und nun den Tango zum Lebensinhalt macht. Bei mir war die erste Tanzstunde in der 11. Klasse absolut prägend:

Bewegung war für mich in der frühen Jugend ein No Go, da ein Generalangriff der Wachstumshormone in kurzer Zeit aus einem pummeligen Kleinkind ein hoch aufgeschossenes Klappergestell machte. Bei meinem Anblick spulten Orthopäden ganze Serien von Befunden ab. In der Schule wurde ich zum Feindbild einer Gruppe, die man damals „Turnlehrer“ nannte. „Lass dich doch zum Mädchen umoperieren“ – so einmal der Ratschlag eines begnadeten Pädagogen. Seither haben es Sportlehrer bei mir nicht leicht – sorry, Jochen Lüders!

Der Umschwung kam mit fast 17 Jahren in der ersten Tanzstunde, als der Lehrer einen Langsamen Walzer von Hugo Strasser auflegte: „Wonderful Dancing“. Der Titel ruht zwar in einer meiner LPs, aber leider nicht im Internet. Daher hier ein ähnlicher Eindruck:

https://www.youtube.com/watch?v=WtZXNKg_pwA

Während viele meiner Klassenkameraden teilweise ziemlich desorientiert herummurksten, erschienen mir die Schritte völlig simpel und klar. Nach dem Unterricht schwebte ich im Dreivierteltakt-Grundschritt zum Bus und nach Hause – und in den nächsten paar Monaten gab es nur eine lebenswerte Zeit für mich: die Tanzstunden und Übungsabende auf dem Parkett. Mein Körper erschien mir plötzlich nicht mehr nutzlos. Und die Mädels schienen ganz zufrieden, wenn ich mit ihnen eine Runde drehte. Seit vielen Jahren bin ich mit meiner Lieblingstänzerin verheiratet. In unseren ersten Jahren haben wir viele Kurse besucht und Tanzabzeichen" gesammelt.

Meine tänzerische Laufbahn hatte viele Stationen – sogar im Turniertanz versuchten wir uns einige Jahre. Bis wir schließlich beim Tango landeten, der uns von allen Tänzen die größte Freiheit versprach: musikalische Interpretation.

Dass unser Lieblingstanz inzwischen wieder beim Verkauf von Schrittkombinationen gelandet ist und so dem „Standardtanz“ immer ähnlicher wird, halten wir für eine schreckliche Fehlentwicklung.

Und nein – ich habe mich nie darum bemüht, mich im Tango bei den Schönen und Wichtigen zu tummeln. Insbesondere meide ich Prosecco und Lachsschnittchen in edlen Ballsälen. Das abgehobene Getue eingeschlossen. Ich glaube nicht, dass man dort den Tanz der Einwanderer findet. Und nach über 50 Jahren Tanzen nehme ich Belehrungen gefasst entgegen. Ich muss sie ja nicht befolgen. 

Die berühmte Tänzerin Carmencita Calderón (1905-2005) sagte einmal:

„Der Tango kommt aus den Slums, nicht vom Parkett. Und wenn man das nicht mehr sieht oder spürt, dann ist er tot.“

P.S. Den Titel „Wonderful Dancing“ findet man hier ab 5:20. Meinem Leser Rainer Lehmann herzlichen Dank für den Hinweis!

https://www.youtube.com/watch?v=un8OE9rdIPQ

 

Kommentare

  1. Hallo Herr Riedel,
    Ich möchte Ihnen gerne auf die Sprünge helfen, Sie vom Schlauch runter geleiten und ihre Verwirrung auflösen. Sie können es ja auch nicht verstehen, wenn Sie nur darüber schreiben, anstatt es selbst zu erleben. Wobei eigentlich ist es ganz einfach und mit etwas Grips leicht zu kapieren. Wenn man unter 100 oder 1000 Tänzen einen perfekten Tanz hat, möchte man gerne die Frequenz erhöhen und dies öfter erleben. Zudem fühlt man sich in seinem Tangoweg bestärkt. Also liegt es absolut nahe sich professionelle Unterstützung zu holen. Ich hoffe, ich konnte ihre Nebel etwas lichten.
    Liebe Grüße aus Yeovil,
    Ben Willers

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    1. Vielen Dank!
      Aber Sie könnten wenigstens meinen Namen richtig schreiben.

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  2. Entschuldigen Sie bitte. Es freut mich, sehr dass ich Ihnen helfen konnte. Gerne stehe ich Ihnen auch in Zukunft mit ein paar infos und tipps aus der Praxis zur Verfügung.
    LG

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    1. Vielen Dank, muss aber wirklich nicht sein. Zumal mir nicht klar ist, von welcher Praxis aus Sie schreiben.

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  3. Hallo Herr Riedl,
    Sie beziehen sich oft, zumindest, wenn Sie die Entwicklung des Tangos in Europa kritisieren, auf den historischen Tango in Buenos Aires. Werfen aber Tango-Touristen, die sich auf Erlebnisse dort berufen, ihre B.A.-Affinität vor. Zumindest bestätigen Sie oft, dass Sie sich für die Gepflogenheiten dort im Tango-Geburtsort nicht interessieren würden.

    „Wir leben ja schließlich in Pörnbach und dort gilt schließlich das ‚Lex Exedra*.“
    * das Recht des Wohnzimmers

    […]“Ich glaube nicht, dass man den Tanz der Einwanderer dort (in Ballsälen mit Prosecco & Lachsschnittchen) findet.“ […]

    Nein. Herr Riedl, ganz sicherlich nicht, in Pörnbach aber auch nicht.

    […] „Der Tango kommt aus den Slums, nicht vom Parkett. Und wenn man das nicht mehr sieht oder spürt, dann ist er tot.“[…]

    …und er wird heute bestimmt nur sehr selten - wenn überhaupt - in den Slums von Buenos Aires getanzt.

    Seltsam, dass Sie als Buenos-Aires-Verächter - zumindest als Nicht-Tango-Tourist - sich sehr häufig auf Zitate ehemaliger Tänzer/innen und historische Bezüge des Tangos vom Rio de la Plata berufen, je nach dem, ob es in Ihren Kontext passt.

    Ich habe mal einen gescheiten Satz über die Traditionen des Tangos aus dem Mund eines ‚porteños‘ gehört, nämlich: „Das einzige, was im Tango Bestand hat und traditionell ist, ist, dass er sich ständig verändert.“
    Das scheint zwar auf die Musik nicht so zuzutreffen, aber was Gepflogenheiten, Soziologie und Tanzentwicklung angeht, sehr wohl.

    Sie scheinen sich mit Veränderungen, die in der Tangowelt immer wieder stattfinden, nicht abfinden zu können oder zu wollen: mit vernünftigen ‚codigos‘, zurückhaltendem Tanzen auf vollen Pisten, mit kleineren Schritten, in einer Spur tanzen usw. weil Sie diese offenbar zu Beginn Ihrer Tango-Lernzeit nicht gelernt haben.

    Und so weigern Sie sich beharrlich diese Entwicklungen anzuerkennen und bezeichnen diese sogar als manipulative Eingriffe einer Pseudo-Tango-Elite, bestehend aus Tangolehrern, Veranstaltern und sonstigen kommerziellen ‚Gläubigen’.
    Sie wehren sich gegen bestimmte Traditionen aus Buenos Aires (wie in Ihrem ‚Empörungs-Beitrag‘ über Fabian Peraltas Interview über Codigos, https://milongafuehrer.blogspot.com/2023/11/milonga-codes-hardcore-version.html), aber berufen sich auf Sätze wie „… der Tango ist aus den Slums“.

    Sie sind mit Ihrer Beamtenpension ja auch nicht gerade aus der ärmeren Schicht, auch wenn Sie keinen Prosecco trinken und lieber Nürnberger Rostbratwürsten essen.

    Dass sich der Tango als kulturelles Phänomen im Laufe der Zeit an die unterschiedlichen Ethnien anpasst, ignorieren Sie offensichtlich.

    Ich hatte es schon mal geschrieben: Sie haben oft sehr widersprüchliche Einstellungen zum Tango und zu seinen Entwicklungen, je nach dem, was Ihnen in der Kram passt bzw. was Sie umsetzen möchten oder nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Wendel

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    1. Lieber Herr Wendel,
      bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich auf Ihre vielfach durchgekauten Argumente nur punktuell antworte. Geht man nach Ihren massenhaften Versuchen, mich zu widerlegen, scheine ich eine riesige Gefahr fürs „Tangogeschäft“ darzustellen. Gut, wenn dem so wäre!
      Man muss eigentlich nur die Tangotexte verstehen (Sie können ja Spanisch), um zu verstehen, aus welchem Milieu der Tango stammt – und was für mich seine Faszination ausmacht. Und wie aktuell er im heutigen Argentinien (außerhalb seiner weichgespülten Touristen-Version) wieder ist.
      Falls Sie den Film „Adiós Buenos Aires“ noch nicht kennen: Bis 24.4. dieses Jahres ist er in der Arte-Mediathek noch zu sehen.
      https://www.arte.tv/de/videos/089928-000-A/adios-buenos-aires/
      Er handelt von Tangomusikern, die alle riesige soziale Probleme haben. In einer Schlüsselszene spielen Sie auf einer Party reicher Hanseln Discepolos „Cambalache“. Da sollte man eigentlich den Zwiespalt kapieren, den der Tango beschreibt.
      Und ja: Dank meiner Beamten-Pension konnte ich es mir leisten, kostenlose Tango-Treffs zu organisieren.
      „Das Einzige, was im Tango Bestand hat und traditionell ist, ist, dass er sich ständig verändert.“ Prima, wenn dem so wäre! Stattdessen klebt man an Musik und Verhaltensnormen der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.
      Und klar, ich werbe für eine Variante des Tango, die mir gefällt. Gerüchteweise habe ich gehört, dass andere das auch tun.
      Beste Grüße
      Gerhard Riedl

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  4. Lieber Gerhard,
    Ich möchte gerne Deinen Erinnerungen etwas auf die Sprünge helfen.

    1.) schreibst Du "Schlimmer noch: Ich habe es nicht mal behauptet!"
    In Deinem Artikel https://milongafuehrer.blogspot.com/2018/04/erfahrung-statt-information.html schreibst Du wortwörtlich:
    "Dies gilt übrigens für eine ganze Liste meiner Tanzpartnerinnen, die für meine Begriffe in der „Champions League“ des Tango spielen [...]"
    Wenn damit nicht die europäischen Spitzentänzerinnen gemeint sind, dann weiß ich nicht, was Du unter der "Champions League des Tangos" verstehst.

    2.) fragst Du: "Mir ist nur nicht klar, wieso der Kollege jetzt immer noch Tangounterricht nimmt."
    Die Antwort hat Dir Ricardo bereits gegeben. Du hast ihn in deinem Interview gefragt:
    "Habt ihr dann viel Unterricht genommen oder stand das gemeinsame Üben im Vordergrund?"
    Und Ricardo hat Dir über seine Zeit in Buenos Aires geantwortet:
    "Fünf Jahre haben wir Unterricht genommen. Manchmal zwei- bis dreimal die Woche, mehrere Stunden, also sehr, sehr intensiv."
    Das sehe ich genauso wie Ricardo: Je mehr man vom Tango versteht, desto mehr und desto intensiveren Unterricht braucht man, um sich weiterzuentwickeln.

    3.) glaubst Du immer noch, dass Unterricht im "Verkauf von Schrittkombinationen" besteht.
    Auch diesen Punkt hatte Ricardo bereits beantwortet:
    "Nach vielleicht einem halben Jahr haben wir einen anderen Lehrer gesucht. Und so kamen wir zu Rodolfo Dinzel. Er war kein Lehrer. Er war ein Meister. Er hat uns keine Figuren gelehrt wie Todaro, Dinzel hat uns begleitet, den Tango in uns selbst entdecken lassen. Also eine Ausbildung wie eine Reise, die nach innen führt und nicht nach außen. Das geht viel langsamer, ist aber viel intensiver. Das war wie Selbsterfahrungsunterricht gewesen, sehr nahe an Therapie, könnte man sagen. Ich denke, dass sich das jeder vorstellen kann, der sich intensiv mit Tango beschäftigt."

    Liebe Grüße,
    Helge

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    1. Lieber Helge,
      „dann will ich Ihren Erinnerungen mal etwas auf die Sprünge helfen“ – das klingt nach einer Beschuldigten-Vernehmung bei der Polizei oder einer Zeugen-Einvernahme vor Gericht. Ich würde dir raten, solche anmaßenden Formulierungen stecken zu lassen.
      Ich weiß nicht, wie oft du die „Champions League“-Nummer nun schon durchgekaut hast. Ein letztes Mal: Mag sein, dass ich da im Überschwang etwas übertrieben habe. „Für meine Begriffe“ heißt halt: für mich als Hobbytänzer. Tatsächlich habe ich aber auch mit etlichen Partnerinnen getanzt, die Tango beruflich betreiben. Meine Erfahrungen waren dabei nicht unbedingt besser.
      Du bist ja bei deinen Schilderungen auch nicht immer sehr zurückhaltend – beispielsweise, wenn du schon 2022 behauptest, den „perfekten Tango“ getanzt zu haben.
      Dass du Ricardo als Maßstab hernimmst, halte ich ebenfalls für ziemlich ambitioniert.
      Je mehr man vom Tango versteht, desto mehr und desto intensiveren Unterricht benötigt man? Na, dann bin ich doch froh, vom Tango nicht viel Ahnung zu haben! Und nach meinen bescheidenen Erfahrungen aus dem Schuldienst mussten wir uns vor allem um Schüler kümmern, die es nicht rafften. Die sehr guten hätten das Abitur vielleicht sogar ohne unsere intensive Hilfe geschafft!
      Und klar – was Ricardo Klapwijk schreibt, bezieht sich auf seine Karriere als Berufstänzer. Mir ist nicht bekannt, dass die meisten Tangoschüler hierzulande eine Karriere als Berufstänzer anstreben. Und dass es in der deutschen Tangounterrichts-Szene allzu viele Rodolfo Dinzels gibt.
      Für meine Artikel habe ich Hunderte von Unterrichts-Angeboten studiert. In der großen Mehrheit werden Schrittkombinationen angeboten. Eher selten veranstaltet man Musikalitäts-Seminare. Kaum mal liest man von Anleitungen zum selbstständigen Tanzen. Und noch viel seltener sind Schüler wie Ricardo oder Nicole.
      Beste Grüße
      Gerhard

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    2. Lieber Gerhard,
      Zum Thema "Erinnerungen": Ich habe nur die Überschrift des Artikels aufgegriffen. Tut mir leid, wenn Dich das getriggert hat!
      Zum Thema "Schrittfolgen verkaufen": Mir wäre neu, dass Tango Koryphäen wie Ricardo oder Klaus damit werben.
      "Mir ist nicht bekannt, dass [...] dass es in der deutschen Tangounterrichts-Szene allzu viele Rodolfo Dinzels gibt."
      Hier finde ich es etwas vermessen von Dir, Tango Lehrern wie Ricardo oder Klaus solche Fähigkeiten abzusprechen - ohne dass Du jemals bei einem der beiden Unterricht hattest.
      Liebe Grüße,
      Helge

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    3. Lieber Helge,
      man kann die Überschrift eines Artikels aufgreifen, ohne gleich einen solchen anmaßenden Ton anzuschlagen.
      Womit Tangolehrer werben, muss nicht unbedingt deckungsgleich mit ihrem Unterricht sein. Aber ich nehme mir nicht heraus, Lehrkräfte individuell zu bewerten. Schließlich kenne ich ihren Unterricht nicht. Klaus Wendel hindert das nicht daran, ständig über meine Arbeit herzuziehen.
      Meines Wissens war Rodolfo Dinzel schon ein international berühmter Lehrer und Buchautor. Wenn du meinst, dass andere in dieser Liga spielen, sei dir das unbenommen. Ich habe ja nur geschrieben, dass es wohl nicht allzu viele solcher Lehrer gibt. Wenn Ricardo oder Klaus dazu gehören sollten, ändert das nichts an meiner generellen Feststellung.
      Solltest du nochmal antworten wollen, wäre ich sehr dankbar, wenn es mal ohne Werbung für einheimische Tangolehrer ginge.
      Danke und Grüße
      Gerhard

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