Sie können jetzt auflegen


Der von mir schon einmal zitierte mazedonische DJ Ivica Anteski (von Thomas Kröter in völliger Verkennung satirischer Grenzen als „Tango-Rasputin“ bezeichnet) hat sich in seinem Blog „Pocos Palabras“ natürlich auch zum korrekten Auflegen, speziell bei Encuentros, geäußert. Nach seiner Philippika zu den Códigos (siehe http://milongafuehrer.blogspot.de/2016/04/unter-mutterlicher-uberwachung.html) berechtigt das Thema zu den schönsten Hoffnungen.

Als Leserservice zunächst wieder meine Übersetzung des Textes:

Die fünf verbreitetsten Fehler beim internationalen DJing

Stellen Sie sich hundert oder mehr Spitzen-Tänzer aus aller Welt auf einem Elite-Tangoevent vor, die vielleicht zehn Stunden reisen und mehr als 500 Euro für ein Wochenende ausgeben, nur um drei oder vier Tandas die ganze Nacht zu tanzen, und die Milonga lange vor der letzten Tanda zu verlassen. Ungewöhnlich? Vertrauen Sie mir, das passiert öfter, als man annimmt… und alles nur wegen der Musik.

In diesem Post werde ich versuchen, die gebräuchlichsten Fehler zu beschreiben, welche DJs gewöhnlich in ihren Sets auf internationalen Veranstaltungen machen.
Ein DJ auf einem internationalen Event zu sein ist etwas ganz anderes als auf Ihrer heimischen Milonga aufzulegen. Ich bin jetzt seit fünf Jahren DJ, aber die Dinge, welche ich in fast drei Jahren internationaler Erfahrung lernte, sind die wertvollsten. In den letzten drei Jahren bereiste ich auch intensiv, fast jeden Monat, internationale Encuentros.

Ich habe gute DJs gesehen und bin von schlechten enttäuscht worden. Ich wurde angenehm überrascht von den Playlists einiger Leute und von anderen, die als gut betrachtet werden, dazu getrieben, wegen der Musik die Milonga frühzeitig zu verlassen. Ich lernte auch eine Menge aus meinen eigenen Fehlern.

In diesen fünf Punkten werde ich versuchen, die Lehren zusammenzufassen, in der Hoffnung, dass dieser Beitrag manche Milonga davor bewahrt, lange vor der Cumparsita zu enden. Er wird Veranstaltern helfen, gute DJs zu erkennen, und den DJs, über ihren Ansatz nachzudenken.

So, hier nun das, womit man als DJ auf einem internationalen Tangoevent vorsichtig sein muss:

1.            Mit den anderen DJs zu konkurrieren – und deshalb das Publikum zu vergessen. Das ist kein Wettbewerb. Sie müssen nicht anders sein, nicht versuchen, besser zu sein, keine Musikstücke spielen, die andere nicht haben. Seien Sie nicht originell, Sie müssen nicht etwas auflegen, was die vergessen haben. Wenn Sie sich darauf konzentrieren, sich und Ihr Set mit anderen zu vergleichen, vergessen Sie komplett, dass Sie für die Tänzer da sind – und nicht für die DJ-Kollegen. Der Aufleger sollte nicht fürchten, eine Aufnahme zu spielen, nur weil die anderen DJs sie schon gespielt haben – wenn es in ihr oder sein Konzept passt, muss es auf die Playlist. Konzentrieren Sie sich auf die richtigen Dinge – vergessen Sie diesen Punkt nicht.

2.            Die besten Tandas aufheben, bis „die richtige Zeit kommt“ – die richtige Zeit ist normalerweise die, zu der Ihnen diese Tanda in den Sinn kommt. Später wird es zu spät sein. Ein guter DJ sollte lernen, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Ich lernte das auf die harte Weise: Ich sparte mir die perfekten Tandas für später, „wenn die richtige Zeit kommt“, und dann war die richtige Zeit, anderes aufzulegen. Diese Taktik im DJing führt dazu, die Qualität Ihrer Sets zu verringern.

3.            Experimentieren – unter internationalen Events stellt man sich Orte mit einer konzentrierten Tanzqualität vor – was gute Tänzer und gute Musik bedeutet. Die Leute kommen dorthin und wollen tanzen. Man muss sie nicht mit spezieller Musik überraschen. Natürlich ist es immer nett, die Stimmung mit einigen vergessenen oder „neuen“ Einspielungen aufzufrischen, aber diese Erfrischung sollte vorher getestet werden. Deshalb sollten internationale DJs ihre lokale Erfahrung haben, wo sie ihre Tandas ausprobieren. Bitte vermasseln Sie die internationalen Veranstaltungen nicht durch das Testen Ihrer Ideen – die Menschen sind tausend Kilometer gefahren und haben eine Menge Geld ausgegeben, wegen ihres Tanzens dort zu sein, nicht dafür, dass Sie mit ihnen experimentieren.

4.            Verlangsamen – ich habe das viele Male gehört und, nach meiner Erfahrung, ist es nur ein Mythos: Wenn die Leute müde sind, sollte man die Energie beim Auflegen beruhigen. Soweit es mich betrifft, ist das Gegenteil wahr – wenn die Leute müde sind, muss der DJ sie mit Extra-Energie in seinem Set versorgen. Wenn die Leute müde sind, können sie auch langsam sogar zu einer sehr energetischen Musik tanzen, aber nichts lässt die Stimmung der Milonga so austrocknen wie langsame und leidenschaftslose Musik. Nach meiner Ansicht ist die der Stimmungskiller Nummer eins auf internationalen Events.

5.            Sich ausklinken – mein persönliches Leitprinzip ist, dass „Auflegen im Tango ist wie Tanzen mit allen Tänzern auf dem Parkett zur selben Zeit, und alle Tänzer auffordern, die herumsitzen“. Das bedeutet, dass Sie sich mit allen Menschen rundum verbinden müssen und nie vergessen, dass Sie für jene da sind. Ich hasse es, ein DJ-Gesicht zu sehen, das im hellen Licht des Bildschirms seines Laptops erstrahlt – die Helligkeit sollte reichen, um zu sehen, was dort steht, aber nicht so stark sein, dass sie die Fähigkeit einschränkt, zu sehen, was rundherum geschieht.

Mein Kommentar:

Den Stil der Einleitung kenne ich von zahlreichen, nach aggressivem Rasierwasser stinkenden Außendienstlern, welche – gerne in Versicherungsdingen – schon bei uns zu Hause aufschlugen: Erstmal die Bedeutung des Themas und natürlich die eigene genügend herausstellen sowie Horrorgeschichten von der Konkurrenz erzählen! Das Einspielen von Tanzmusik in solch elitären Zirkeln internationaler Ausnahmetänzer ist selbstredend nicht mit dem Auflegen in einer Dorfmilonga vergleichbar. Dort jedenfalls ist die Musik zwar ein wichtiger, aber nicht der alleinige Faktor für das Wohlbefinden. Spaß und ein nettes menschliches Miteinander sind da oft ebenso bedeutend. Gut – auf Encuentros mag das anders sein.

Allerdings kann mich die Behauptung, dass dort die Tanzelite der ganzen Welt vertreten sei, nicht wirklich überzeugen. Und selbst wenn es so wäre: Wie soll man denn, eingeschränkt von Platzbedarf und diversen Parkett-Verkehrsregeln, seine Champions League-Begabung ausleben? Zwischen Fußball und seiner Tischversion ist halt doch ein Unterschied – wie in dem berühmten Witz, wo aus einer Lokaltür 22 Zwerge kommen und ein Passant erschrocken fragt: „Ist denn der Kicker kaputt?“

1.            Durch Betrachtungen dieser Art zieht sich natürlich der Grundsatz „Du bist nichts, die Gemeinschaft ist alles“. Weshalb man dann überhaupt mehrere DJs engagiert, erschließt sich mir nicht – die Tänzer wechselt man ja auch nicht aus! Ich bin beim Tango mehr denn je geradezu süchtig nach jedem bisschen Abwechslung. Wenn ich mir Marmelade kaufe, freue ich mich ebenfalls über verschiedene Sorten im Angebot und trauere den DDR-Läden mit lediglich einer Version Vielfruchtpampe überhaupt nicht nach!

2.            Bei den ganzen verkopften Regeln zur Zusammenstellung von Tandas und deren Abfolge staune ich schon, dass in diesen Kreisen nun plötzlich „Bauchgefühl“ gefordert wird… aber sei’s drum, man hat ja Recht. Ich verfasse nie eine Playlist für die gesamte Milonga. Natürlich bereite ich Abfolgen vor, die ich aber je nach dem Geschehen auf der Tanzfläche einsetze und auch variiere. „Für später“ muss ich mir (bis auf die Schlusstanda) eh nichts aufsparen – ich stehe hundertprozentig zu jedem Titel, sonst kommt er gar nicht erst in die engere Auswahl.

3.            Sorry, aber Experimente sind für mich die Seele des Tango! Ich würde niemals Hunderte von Kilometern anreisen, nur um dann das gleiche Gedudel zu hören wie daheim. Diese internationale Lemmingsherde scheint mir vergleichbar mit Urlaubern, die am Strand von Las Palmas Eisbein mit Sauerkraut einfordern: alles wie daheim, nur irgendwie anders. Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich. Da besuche ich doch lieber lokale Milongas, wo der Aspirant fürs internationale Auflegen noch ein wenig herumprobieren muss…

4.            Tatsächlich beobachte ich den Fehler der Energieabsenkung auf vielen Milongas, unabhängig von der musikalischen Ausrichtung: Wenn ein DJ gegen Mitternacht je nach ideologischer Couleur zu Geplürre wie „Orquesta Tipica Victor“ oder Depri-Klängen im Stil von Ludwig Hirsch tendiert, greift die heimische Couch mit Krakenarmen nach mir. „Langsam sogar zu einer sehr energetischen Musik tanzen“ – dieses Motto des konservativen Tango (traditionell ist der nämlich kein bisschen) verwundert mich trotz allem: Wie war das gleich mit dem Leitsatz in diesen Kreisen, man habe gefälligst die jeweils gebotene Musik zu interpretieren?

5.            Wie offenbar immer hat Ivica Anteski zum Schluss sogar noch Recht: Der sich hinter einem angebissenen Apfel versteckende Aufleger ist tatsächlich ein Ärgernis, welches man auf Milongas jeder Ausrichtung findet. Schön, dass sich nun auch bei orthodoxen DJs herumspricht, dass sie für die Gäste da sind. Selber, gar noch als andersdenkende Minderheit, fühle ich mich in solchen Fällen jedoch nie angesprochen. Vielleicht blendet da nicht nur der Bildschirm, sondern auch der Heiligenschein…

Somit muss ich mich widerwillig einem Kommentar von Thomas Kröter anschließen (von mir aus dem SMS-Deutschen übertragen):

„Da bleibe ich lieber - programmatisch - ein Anfänger, der sich freut, auf einer ‚Local Milonga‘ wenigstens ab und an Piazzolla zu hören. Oder was wirklich Neues.“

P.S. Hier der Originaltext:

Auf eine Reaktion aus Skopje darf ich wohl nicht hoffen: Der international arbeitende DJ versteht kein Deutsch und sieht offenbar auch keine Möglichkeit, sich den Text übersetzen zu lassen.

Kommentare

  1. Was ich bei den Encuentro-Anhängern immer wieder lese ist die Behauptung, auf ihren Encuentros tanzten die Besten aller Tänzer. Welche Hybris! Zugegeben, ich war noch nie auf einem Encuentro und es zieht mich ich auch nix dorthin. Aber auf YouTube kann man zur Genüge besichtigen, wie da getanzt wird: Rechtsdrehung, tippel tippel, Linksdrehung, tippel tippel... Egal, ob Tango, Vals oder Milonga, es sieht immer gleich aus: Tippel tippel Drehung, tippel tippel Drehung. Ich jedenfalls habe eine andere Vorstellung von guten Tänzern! Aber auf notorisch überfüllter Tanzfläche mit zwanghaft zusammengetackerten Oberkörpern kann man wahrscheinlich auch nicht anders tanzen, selbst, wenn man könnte...

    Was mich noch interessieren würde, Gerhard: Ich lese mit wohlwollendem Interesse Deine Wohnzimmermilonga Playlists. Wie geht denn da bei Dir der Soll/Ist Vergleich aus? Wieviel Einfluss haben Deine Gäste auf die musikalische Gestaltung des Abends?

    Schönen Sontag noch.

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    1. Das mit den „Elite-Tanzkünsten“ auf solchen Veranstaltungen grenzt wirklich an des „Kaisers neue Kleider“ – man bejubelt etwas nicht Vorhandenes.

      Die Frage nach der Beteiligung unserer Gäste an der Musikauswahl finde ich interessant!

      Es gibt bei uns einen engeren Kreis von zwei, drei Personen, mit denen ich die verschiedenen Ensembles und Aufnahmen oft diskutiere, Anregungen und Feedback erhalte. Bei den anderen Gästen habe ich den Eindruck, dass sie vor allem zu uns kommen, um Stücke zu hören, die auf den üblichen Milongas nicht gespielt werden, sich also überraschen lassen wollen.

      Gelegentlich gibt es Musikwünsche, z.B. für Geburtstagsvalses, die ich gerne erfülle. „Wunschkonzert-Milongas“ aber kenne ich von früher – das Ergebnis hat mich nie überzeugt. Für mich ist Auflegen keine „Dienstleistung“, sondern eine gestalterische Kunst. Welcher Solist fragt vor einem Konzert sein Publikum, welche Stücke er spielen soll? Welcher Maler lässt zu Beginn über Farben, Maltechnik und Motiv abstimmen?

      Selber spreche ich auf Milongas den DJ nie auf „Sonderwünsche“ an, sondern bin gespannt, wie er sein Musikprogramm anlegt. Und unsere „Wohnzimmer-Milonga“ habe ich erklärtermaßen deshalb etabliert, um mal auf die Musik tanzen zu können, die mir gefällt.

      Ein wichtiges Feedback ist für mich die „Tanzquote“, d.h. welcher Anteil der Gäste sich auf dem Parkett befindet. Sinkt die mittelfristig unter 50 Prozent, ändere ich mein Programm.

      Danke für die Frage und schönen Gruß!

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  2. Der die Musik spielt …

    Vor jedem Auftritt das Kribbeln im Bauch, ob wohl alles klappt, die Musik so ertönt wie geprobt, ob sie das Publikum erreicht oder sogar ergreift, Stimmung entsteht?

    Einem Konzert gehen natürlich Absprachen mit dem Veranstalter voraus: Welche Musik möchte er haben, Klassik, Volksmusik, Jazz, alte Schlager oder etwa Tango? Da gibt es eine Unzahl von Möglichkeiten. Und hier gilt schon auch: „Wer zahlt, schafft an!“ Wenn man ein musikalisches Gebiet gar nicht mag (oder drauf hat), muss man das entsprechende Engagement ja nicht annehmen (kann es vielleicht kollegialerweise sogar jemand anderem vermitteln).

    Grenzen aber sind erreicht, wenn mitten in der Performance plötzlich das Pferd gewechselt wird.
    So wurde ich einstmals mit meiner musikalischen Begleitung auf einer sehr feinen Festivität in noblem Haus engagiert. Bei den ersten Verhandlungen wünschte man sich Wiener Musik zu entsprechend ausgewählten Gaumenfreuden. Einige Tage des Zusammensuchens von passendem Notenmaterial vergingen, als eine weitere Mail verkündete, dass man nunmehr doch lieber einen französischen Abend veranstalten wolle – offenbar erwies sich die französische Küche als ergiebiger, die verwöhnten Gaumen zu erfreuen. Auch recht! Flexibilität war angesagt, von Musette bis zu Edith Piaf gibt es ja genug im Angebot.

    Das Programm stand, das vornehme Publikum würdigte, gleichzeitig genüsslich kauend und parlierend, angemessen freundlich die Musik, bis jedoch nach einer Pause der Veranstalter diskret anfragte, ob man nicht auch etwas „ganz Populäres“ zwischendurch mal bringen könne – er höre so gerne Volkslieder wie „Am Brunnen vor dem Tore“. Unser künstlerisches Gewissen ließ es nach kurzer Bedenkzeit einfach nicht zu, die Leidenschaften des französischen Chansons mit der Schlichtheit des Gefühlsausdrucks in dem genannten (an sich ja wirklich schönen!) Lied – oder anderen ähnlichen – zu vermischen. Dies teilten wir ihm höflich, aber bestimmt mit. Der Gastgeber war uns im Endeffekt nicht böse und blieb uns dennoch gewogen.

    So denke ich, gilt:
    Mache ein Programm, mit dem du dich identifizierst und das in sich stimmig ist, nach Absprache des Generalthemas mit dem Veranstalter.
    Bleibe dann dabei und gehe nicht auf jeden „Sonderwunsch“ ein; das Risiko, dass du hier qualitativ abstürzt, ist zu groß.

    Ich stelle mir gerade bildlich vor, dass der Dirigent eines 60-Mann-Orchesters auf einem Ball beginnt, Musikwünsche einzelner der vielleicht 400 Ballbesucher zu erfüllen… Da geht’s dann wirklich rund!

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    1. Eben!

      "Der mit dem Wolf tanzt" muss ja nicht mit den Wölfen heulen...

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  3. Werte Kolleginnen und Kollegen

    Ein kleiner Gedankensplitter zu den Publikumswünschen: Wir spielten als Unterhaltungsband viele Jahre auf sogenannten Heimatabenden im Salzkammergut für die verschiedensten Gäste aus unserem westlichen Nachbarland. Wie das Amen im Gebet kam im Lauf vieler Abende der Wunsch mindestens eines Gastes: "Spiel`n Sie mal was Flottes!!!"

    Auf meine Frage, was denn "was Flottes" wäre kam ebenso regelmäßig "Paloma Blanca!"

    Vielleicht ist das auch eine Erklärung für die weit verbreitete Zufriedenheit mit dem Gesumse und dem Gebrummel der EdO (auch bei uns in Österreich).

    Ich erinnere mich an einen Heimatabend ohne Publikumswünsche: es war der nach dem Wochenende von Cordoba.

    Grüße aus dem Salzkammergut
    Peter

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    1. Lieber Peter,

      vielleicht sollten wir den Nicht-Fußballfans unter unseren Lesern erklären, dass es bei Deiner Geschichte um das WM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich 1978 in Córdoba (Argentinien!) geht. Durch ein 3:2 warf Österreich Deutschland aus dem Turnier (war selber allerdings auch schon ausgeschieden). Legendär ist das Siegtor in der 88. Minute durch Hans Krankl und der Kommentar des Rundfunkreporters Edi Finger („I wer‘ narrisch!“).

      Beim Zaubern gibt es auch öfters Sonderwünsche der Zuschauer. In den Charts ganz oben: „Zaubern Sie mal ein Bier her“ oder „… meine Frau weg“. Ich antworte dann stets: „Zauberei ist die Kunst der erhabenen Zwecklosigkeit. Bei den nützlichen Dingen versagt sie.“

      Herzliche Grüße
      Gerhard

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  4. Lieber Gerhard und liebe Leute,

    zum Thema Publikumswünsche bin ich auch gespalten. Ich bin ja DJ bei einer kleinen, feinen Milonga, die zwar jede Woche stattfindet, dafür aber recht kurz ist, weil sie erst nach drei Kursen stattfindet. Dort trifft sich ein Stammpublikum (sehr nette Leute), Neugierige, und immer auch Besucher, die bisher kaum oder gar nicht Tango getanzt haben.

    Ich bin zwiegespalten, einerseits geht es mir wie Gerhard, meine Playlist ist mein Kunstwerk, und ich verbringe ziemlich viel Zeit damit, meine wachsende Sammlung von Tangos vorzuhören, zu sortieren, in Tandas zusammenzustellen usw. Andererseits möchte ich meine Leute auch gern glücklich machen, daher frage ich alle immer nach ihrem Musikgeschmack aus, und richte mich auch z.T. danach, auch wenn es manchmal nicht unbedingt mein Geschmack ist. Viele fühlen sich von "Rubato"-Stücken (also solchen mit Temposchwankunge) überfordert, aber ich finde die gerade schön. Es gibt Anfänger, die ängstlich darauf achten, im Takt zu bleiben, es gibt Schnulzenliebhaber, die gerne rauschende Orchster hören, dann gibt es Pop- und Schlagerfreunde, die gern auch mal sogenannte Non-Tandas wollen, die Historiker, die auch gern mal nicht argentinische, sondern russische oder türkische Tangos hören, und schließlich auch die Neo-Fans, die woanders auch gern sogenannten "techno" hören (finde ich gruselig!). Alle kann man nie gleichzeitig glücklich machen, aber ich bemühe mich trotzdem immer mal um jeden.

    Prio sind bei mir aber die aktuellen Orchester und Ensembles, von denen ich viele sehr bewundere.

    Auf Wünsche gehe ich ab und zu mal ein: Immer auf Wünsche nach Geburtstags-Valses, manchmal nach Neotango, auch schon mal nach russischen Tangos. Aber neulich fragte jemand, ob ich nicht mal einen Salsa auflegen könnte, das geht nun nicht. Auch kam mal einer, der noch ganz neu war, und wollte mal sein Smartphone an die Anlage hängen. Der musste sich stattdessen einen Vortrag über Tangos anhören. Auf meine Playlisten habe ich ja schon öfter verwiesen, wer hier ein bisschen herumsucht, findet den Link.

    Noch mal zum Thema Encuentros: Es gibt irgendwo ein absolut gruseliges Video von einem solchen Event (Eckernförde), da sieht man tatsächlich nur Beine und Füße, und es ist wie von Harri Bold beschrieben:"Rechtsdrehung, tippel tippel, Linksdrehung, tippel tippel..." Erinnert mich an Schäfchen, die man sich vorstellt, wenn man nicht einschlafen kann...Niemals werde ich auf ein solches grauenvolles Event gehen. Und fürchterlich ist es auch, wenn man die viele tolle Musik, die es gibt, ausschließt und nur eine ganz kleine Teilmenge von Aufnahmen zulässt.

    Noch ein ganz anderer Aspekt: Der zitierte DJ behauptet in seinem ersten Punkt, dass man "Mit den anderen DJs konkurrieren"würde, wenn man weniger bekannte Titel auflegen würde. Die Begründung für diese Unterstellung würde mich mal interessieren, hat er leider nicht geliefert.

    Liebe Grüße von Annette

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    1. Liebe Annette,

      mir ist ja aus der Veröffentlichung Deiner Playlisten bekannt, wie Du mit Deinen Gästen im Gespräch bleibst und versuchst, ihren jeweiligen Vorlieben gerecht zu werden. Toll! Da habe ich sicher noch Nachholbedarf.

      Karin und mir obliegt natürlich auf unserer privaten Milonga der ganze Sektor der Gästebetreuung, und außerdem wollen wir möglichst viel mit den Besuchern (manchmal auch miteinander!) zu „unserer Musik“ tanzen. Auch das Auflegen mit Original-CDs hält einen mehr an der Anlage als die computergestützte Arbeit. Längere Gespräche über Musikwünsche kriege ich während der Milonga nicht hin.

      Die Musiksegmente, die ich bediene, dürften ziemlich ähnlich sein – von den Gran orquestas der EdO über Tangos aus verschiedenen Ländern bis hin zu neuen Einspielungen traditioneller Stücke. Punktuell auch mal Elektrotango, reine Popmusik aber kommt bei mir kaum auf den Teller. Was ich sehr mag, sind deutsche Tangos aus den 20-er bis 50-er Jahren, meist zu schon vorgerückter Stunde.

      Wenn ich mal auf dem Holzweg bin, sehe ich das daran, dass plötzlich viele Gäste unbedingt noch Kaffee und Kuchen brauchen und dann gesprächshalber in der Küche sitzen. Zu deren Räumung hilft fast immer eine schöne Reihe von Valses.

      Bis demnächst und liebe Grüße
      Gerhard

      P.S. Encuentros scheinen wirklich ganz spezielle Veranstaltungen zu sein. Ums Tanzen, jedenfalls im Sinne einer europäischen Tanztradition, geht es wohl nicht, eher um eine Art Gruppenerlebnis. In Argentinien gibt es übrigens solche Events nicht!

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