Musik, Musik, Musik!
Welche Rolle spielt eigentlich die Musik im heutigen Tango? Nun gut, wenn wir früher einen Ball besuchten, wurde sie uns auch nicht viel näher beschrieben. Immerhin kündigte man manchmal ein „Tanzmusik-Ensemble“ sowie eine „Beat Band“ an – sprich: Einige ältere Herren in Glitzerjacken plus ein paar Langhaarige mit Gitarren sowie Schlagzeug.
Aber im Tango verüben wir doch diesen einzigartigen Improvisationstanz, bei dem wir uns manchmal sogar die Partnerinnen nach dem Orchester aussuchen! Da müsste die Musik doch besonders wichtig sein!
Ich habe daher die Facebook-Seite „Tango München“ nach aktuellen Milonga-Angeboten durchgesehen: Was und wie viel wird darin zur gebotenen Musik gesagt? Eine aktuelle Auswahl:
· „Wunderbare Musik“ wird uns am 14.6. erfreuen. Ende der Durchsage!
· Ebenfalls für den 14.6. wird immerhin Live-Musik plus Sängerin angekündigt. In welche Richtung die Titel gehen, erfahren wir aber nicht. Immerhin scheint der DJ aus Buenos Aires zu stammen.
· Ebenfalls am 14.6. lesen wir von einer DJane, dass sie „ganz tolle Musik“ auflege. Zudem wird eine „lange Sommerpause“ in Aussicht gestellt.
· Am 12.6. hatten wir Gelegenheit, „eine energiegeladene Extravaganza“ des DJ zu erleben. Mehr erfahren wir aber über den „Dresscode: luftig, locker und leicht“. Wer nicht hören will, muss sehen.
· „The best tango music“ durften wir am 13.6. kennenlernen. Und „heartfelt abrazos“. Das muss reichen!
· „Schöne Musik“ gab es am 12.6. Zudem wurde „gute Stimmung“ prophezeit.
· Wer „Glücksgefühl“ suchte, fand am 12.6. immerhin einen gleichnamigen DJ. Näheres zur Musik fehlt.
· „Wunderbare Musiker“ werden für den 20.6. versprochen. Was sie spielen, leider nicht.
· Für den 9.6. wurde lediglich ein DJ mit spanischen Namen angekündigt. Das muss nach der Practica reichen, „um direkt weiterzutanzen“!
· Am 12.6. werde uns, so lasen wir, eine DJane „mit ihrer Musik erfreuen“. Mit welcher auch immer.
· Für den 16.6. erfuhren wir zwar viel über die Location, ein „architektonisches Gesamtkunstwerk, Mix aus denkmalgeschützter und moderner Architektur, plus Kunst am Bau“. Über die Musik aber leider nix!
· Auf „wunderbare, abwechslungsreiche Tandas“ dürfen wir am 11.6. hoffen. Welche auch immer…
· Auch am 14.6. gibt es „wunderbare Musik“. Und Kuchen.
· Quelle: https://www.facebook.com/groups/13265391185
Fassen wir also zusammen: Die Musik spielt in der heutigen Szene kaum eine Rolle. Hauptsache, sie klingt, je nach Sekten-Zugehörigkeit, mumpfig-historisch oder nach allem außer Tango.
Und Tanzen gehört halt gewohnheitsmäßig dazu. Real geht es eher um das Umarmungs-Wohlgefühl.
Das war mal anders, wie eine mitreißende Musiknummer von Peter Kreuder beweist: „Ich brauche keine Millionen“. Tänzerisch nagelte sie 1939 die unverwüstliche Marika Rökk auf die Bretter – beste „UFA-EdO“ halt! Natürlich können wir uns über den Revue-Kitsch und das Hupfdohlen-Ballett amüsieren – aber technisch und emotional wurde damals getanzt, dass der Rauch aufging!
https://de.wikipedia.org/wiki/Hallo_Janine
Sehen und staunen Sie:
https://www.youtube.com/watch?v=G54J4Imb2ss&list=RDG54J4Imb2ss&start_radio=1


Vorschläge wären konstruktiver.
AntwortenLöschenWas ist in einer kurzen Facebook-Werbung überhaupt machbar: „Heute überwiegend rhythmische Tandas der späten dreißiger Jahre mit gelegentlichen lyrischen Einschüben aus der Troilo-Phase vor Fiorentino, ergänzt durch zwei Vals-Blöcke mit mittlerer Dichte und eine eher federnde Milonga-Auswahl“, ein Piazzolla "Oblivion"? Das wäre zwar genauer, aber als Einladung vermutlich ziemlich untauglich. Und wenn man stattdessen schreibt: „rhythmisch, abwechslungsreich und gut tanzbar“, ist man wieder bei der nächsten Werbefloskel.
Wieder mal ein Wutartikel ins Blaue hinein – einfach mal Frust loswerden und am Ende ein Video aus "besseren" Zeiten: 1939, aber in Deutschland.
Wutartikel? Nein, ich habe mich über die angebotenen Floskeln sehr amüsiert.
LöschenVorschläge kann man auf meinem Blog nachlesen, wo ich eine riesige Zahl von Playlisten veröffentlicht habe. Beispielsweise hier: https://milongafuehrer.blogspot.com/search/label/Playlists
Viele DJs haben doch eine eigene Website, oder könnten die des Veranstalters nutzen.
Ob die Kundschaft es lesen würde, weiß ich nicht. Wie ich beschrieben habe, ist vielen Gästen die Musik eh egal.