Zwei Millionen!
„Gerhard hat sich mit seiner Masche selbst ins Aus geschossen. Es lohnt sich auf keiner der möglichen Ebenen (Erkenntnisgewinn, Unterhaltungswert, Nutzen für die Tango-Community), sich ausführlicher mit seinem Output zu befassen.“
„Es ist immer wieder erstaunlich, dass die einzige Möglichkeit, mit der Sie sich zu verteidigen wissen, das Herumreiten auf Formalitäten ist. Das lässt ahnen, dass Sie argumentativ tatsächlich an der Wand stehen.“ (anonymer Kommentar, 30.5.26)
„Dass Sie das intellektuelle Armutszeugnis einer totalen Kapitulation der offenen Debatte vorziehen, ist ein trauriger Anblick – aus klinischer Sicht jedoch ein absolut folgerichtiges und erwartbares Symptom fortgeschrittener Isolation.“ (Severin Heimbrandt, 29.5.26)
„Gerhard Riedl kann weiterschreiben, wie er will. Das ist sein Recht. Aber ich muss nicht länger der Stichwortgeber dafür sein. Für mich ist diese Auseinandersetzung damit beendet.“
Wenn ich eine Menge Zuschriften und Beschreibungen richtig verstehe, ist mein Blog nun total am Ende. Niemand will mehr mit mir diskutieren. Immerhin hat meine Seite heute die Grenze von 2 Millionen Zugriffen überschritten. Mit fast 42000 Aufrufen (also etwa 1350 täglich) erreichte „Gerhards Tango-Report“ im vergangenen Monat einen neuen Spitzenwert!
Eine Million Zugriffe verzeichnete mein Blog im November 2021, also ziemlich genau 8 Jahre nach Gründung, etwa 4,5 Jahre später nun die 2 Millionen. Das zeigt eindrucksvoll die Zunahme des Interesses.
Ich weiß natürlich, dass man diese Zahlen mit Vorsicht genießen muss und sie keineswegs eine steigende Zustimmung bedeuten. Aber in der Relation zeigen sie doch unmissverständlich einen Trend der Aufmerksamkeit – für die Texte.
Zu den besten Entscheidungen in meinem Leben gehörten Augenblicks-Einfälle – beispielsweise, als ich mich 2009 in einer gesundheitlichen Krise entschloss, ein Tangobuch zu schreiben. Und etwas später Facebook als Werbeplattform zu nutzen.
Welchen Aufstand ich damit anrichtete, habe ich nicht geahnt. Ebenso wenig, als ich Ende 2013 spontan auf die Idee meiner Illustratorin Manuela Bößel einging, mit einem Blog anzufangen. Mit meiner Gattin als Lektorin und ihr waren es mal wieder zwei Frauen, die einem Mann zum Erfolg verhalfen.
Mir schwebten damals genau drei Artikel vor, die ich zum Start veröffentlichte. Wie es weitergehen sollte, ob mir genug einfallen würde? Ich hatte keine Ahnung. Es kam halt eins zum anderen, aber dass es pro Monat mal über 20 Beiträge werden würden, hätte ich damals als Irrsinn abgetan.
Viele, die wie wir Ende des 20. Jahrhunderts mit (einem ganz anderen) Tango angefangen haben, sind inzwischen tot, längst aus der Szene verschwunden oder singen nun das Loblied vom „traditionellen Tango“. Im schlimmsten Fall bekleiden sie in unserem Tanz irgendeine Funktion als Tangolehrende, DJs, Schuh- und Kleiderverkäufer, Veranstalter, Seminar-Anbieter oder Reise-Organisatoren – meist mit dem Konzept, via Tango Geld zu verdienen.
Ich hätte beispielsweise auf meinem Blog mühelos Werbung schalten und damit Einnahmen erzielen können.
Ich glaube, es war unser Glück, dass wir all das nie anstrebten – Karin und ich begreifen uns im Tango nach wie vor als lupenreine Amateure. Wer diesen Tanz wirtschaftlich nutzen will, kollidiert bald mit der Tatsache, dass er zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben bietet. Dann wird man natürlich nervös, wenn es auch noch Gegenwind gibt, und jammert schnell über „Geschäftsschädigung“.
Sorry, in einer liberalen Gesellschaft steht Geldverdienen nicht unter besonderem staatlichem Schutz. Eher schon die Meinungsfreiheit!
Welche Artikel fanden nun in all den Jahren das meiste Interesse?
Mit knapp 1900 Zugriffen war es ein Text aus dem Jahr 2017, der den 3. Platz belegte: „Als man sich im Tango noch bewegte“. Er porträtiert den Tänzer Aoniken Quiroga, der trotz seiner Leibesfülle zusammen mit seiner Partnerin Alejandra Mantiñan hinreißend schnelle Milongas tanzt. Ob das heute noch beeindrucken würde, lasse ich dahingestellt.
https://milongafuehrer.blogspot.com/2017/11/als-man-sich-beim-tango-noch-bewegte.html
Auf Platz 2 (fast 2200 Zugriffe) erstaunlicherweise ein Artikel, der nicht direkt etwas mit Tango zu tun hat: Outdoor-Experte Kai Sackmann, der sich leider inzwischen völlig aus dem Internet zurückgezogen hat, berichtet darin, dass er wegen diverser Erkrankungen zur veganen Lebensweise übergegangen war. Er fand aber in dieser Szene eine derartige Intoleranz, dass er sich hinfort weigerte, als „Veganer“ bezeichnet zu werden.
Über Parallelen zur Tangoszene darf man selber nachdenken!
https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/12/extremisten-unerwunscht.html
Mit über 3100 Zugriffen auf Platz 1 steht schon lange der Text „So ungefähr“ aus dem Jahr 2018, in dem ich die wunderbare Tänzerin Eleonora Kalganova porträtierte. In zwei Videos sieht man sie mit Sebastián Arce und Michael Nadtochi auftreten.
Daraus entspann sich eine längere Debatte mit einer früheren Tangobekannten, die ins konservative Lager gewechselt war – sehr spannend!
https://milongafuehrer.blogspot.com/2018/08/so-ungefahr.html
Was ich interessant finde: Drei lobende Texte stehen an der Spitze – und von denen gibt es viele auf meinem Blog!
Was treibe ich da eigentlich seit vielen Jahren? Mein Hauptkritiker Klaus Wendel meint, es sei mehr als bloße Unterhaltung. Wer über „Fach- und Szenefragen“ öffentlich urteile, beanspruche „Geltung“ für seine Aussagen.
Da muss ich deutlich widersprechen: Wer etwas „beansprucht“, muss sich auf irgendwelche Rechte berufen. Woher sollte ich die nehmen? Was ich anbiete, sind höchstpersönliche Ansichten, welche ich zum Nachdenken bereitstelle. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ohne es zu beabsichtigen bin ich offenbar im deutschsprachigen Raum der einzige Blogger, der das sektenartige Getue mit den hehren „Tangotraditionen“ kritisiert, manchmal sogar veralbert, der im Tango nicht Glaubenssätze, sondern Pointen und Aufklärung sucht. Ja, ich kenne auch kein fremdsprachliches Blog, das diese Linie verfolgt, aber da mag ich mich nicht festlegen – vielleicht veröffentlicht doch jemand auf Feuerland ebenfalls Tango-Satiren…
Dass anscheinend kaum jemand in diesem Bereich bissige Kritik wagt, verleiht meinem Blog ein großes Alleinstellungs-Merkmal. Das dürfte die Ursache für die hohen Zugriffszahlen sein. Vielleicht auch, weil es gut geschrieben ist.
Von wo aus wird mein Blog aufgerufen? Nur 37 Prozent der Zugriffe erfolgen momentan aus Deutschland – unter den anderen Ländern stechen vor allem die USA (28 %) und die Niederlande (20 %) besonders hervor. Kaum Fans habe ich in Argentinien.
Aber gut – vielleicht stehen in solchen Ländern auch nur irgendwelche Server. Man weiß es nicht…
„Pörnbach goes international…“ – wer hätte das gedacht?
Wie wird es mit meinem Blog weitergehen? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, weil ich in den Tag hineinlebe.
Gut, derzeit landet fast jeden Morgen eine kichernde Schreibfee auf dem Fensterbrett meines Arbeitszimmers und wirft mir mit den Worten „Mach das gefälligst“ einen Link auf den Schreibtisch. Ob es so bleiben wird? Ich kenne mich im Reich geflügelter Damen nicht wirklich aus. Vielleicht machen die mal Ferien oder streichen mich aus der Kundenliste.
Bis dahin halte ich mich an die Zehn Gebote des Filmemachens, die der geniale Regisseur Billy Wilder so formuliert hat:
Erstes bis neuntes Gebot: „Du sollst nicht langweilen.“
Zehntes Gebot: „Du sollst das Recht auf die Endfassung haben.“
In Wilders Büro hing ein Schild mit dem Text: „How would Lubitsch have done it?“ Vielleicht sollte ich mir mal die Frage an die Wand hängen: „Wie hätte es Tucholsky gemacht?“
P.S. Hier noch eine wundervolle Geschichte zum Entertainment, wie sie nur Wilder einfallen konnte:
https://www.youtube.com/watch?v=dj2-BZK8o9g


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