Gut gebloggt ist halb gewonnen

Dimidium facti, qui coepit habet." (Horaz, 65 - 8 v. Chr.) 

Frisch gewagt habe ich es damals wirklich: Als ich Ende 2013 mit meinem Tangoblog begann, holte ich mir für diese Betätigung überhaupt keine Ratschläge. Ebenso wenig hatte ich einen Plan – außer zu unserem Tanz das zu schreiben, was mir gerade einfiel. Und ja: Auch die erste Neufassung meines Tangobuches noch bekannter zu machen.

Ich habe mir nun, nach über 12 Jahren, eine Menge Seiten angeschaut, die Neulingen erklären, worauf es beim Bloggen ankommt. Bei manchen bin ich froh, sie nicht schon damals gelesen zu haben. Vor allem wird viel zu sehr darauf abgestellt, wie man mit damit Geld verdienen kann. Glücklicherweise stand das bei mir auch am Anfang nicht im Vordergrund – und seit vielen Jahren gar nicht mehr.

Halbwegs vernünftige Tipps fand ich auf der folgenden Seite, auf die ich mich fallweise beziehen werde:

https://www.dfjv.de/leistungen/publikationen/magazin/die-zehn-besten-tipps-fuers-bloggen

Ich habe damals einfach drauflos geschrieben – und hatte das Glück, dass es ankam.

Nie gefragt habe ich mich, was meine Leserinnen und Leser attraktiv finden könnten. Egozentrik? Nun, ein Thema muss in erster Linie mich interessieren, mir Freude machen. Nur so hat diese die Chance, auf die Lesenden überzuspringen. Ein knackiges Wortspiel, ein guter Gag bewirken viel mehr als fünfzig Zeilen Tatsachen-Aufsagen. Der obige Ratgeber spricht von „Auflockern“. Na eben!

Das Handwerk muss allerdings stimmen. Ohne ein erotisches Verhältnis zu gutem Deutsch geht es nicht. Verstöße gegen Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Syntax sowie stilistische Schwächen wie Wortwiederholungen oder Bandwurmsätze sind einfach nur peinlich. Man schreibt ja öffentlich. Manches erledigen heute Computerprogramme. Für den großen Rest empfiehlt sich ein spracherfahrener Mensch, der das Lektorat übernimmt. Ich rate zu einer Frau.

Im zitierten Ratgeber von Christof Herrmann heißt es: „Viele verlieren die Lust, weiterzulesen, wenn im ersten Absatz gleich Fehler auftauchen.“

Der „lange Atem“: Laut Autor werden 99 Prozent aller Blogs nach ein oder zwei Jahren wieder eingestellt. Schade um die vertane Zeit!

Alle ein, zwei Wochen ein neuer Artikel – so die Empfehlung. Ich halte das für die Obergrenze und rate eher: alle paar Tage! Wer öfters nachschaut, aber nichts Neues findet, verliert schnell das Interesse.

Die Bedeutung des Titels wird chronisch unterschätzt. Wenn ich zusammengestopselte Überschriften von zwei Zeilen lese – möglichst noch mit einem Untertitel, der mit „oder“ beginnt, könnte ich weinend unters Sofa kriechen. Kurz und knackig ist stets besser als lang und umständlich.

Ich habe mal selber durchgezählt. Die letzten 50 Titel meines Blogs sind im Schnitt 3,4 Wörter lang.

Gut sind Überschriften, die geistreich formuliert sind und nicht gleich alles verraten, sondern neugierig auf den Inhalt machen. Muss nicht sein, aber wenn es sich anbot, habe ich stets zugegriffen.

Die ersten ein, zwei Sätze entscheiden darüber, ob man einen Text weiterliest oder nicht. Also müssen die sitzen! Ich verwende häufig das Zitat eines bekannten Menschen, das automatisch Aufmerksamkeit erregt. (Heute habe ich mich beim römischen Dichter Horaz bedient.)

Darauf folgt der zweitwichtigste Absatz des Artikels. Der wichtigste, man ahnt es, ist der letzte. Ich versuche meist, mit dessen Hilfe einen Lacher zu erzeugen. Das steigert die Zufriedenheit des Kunden – oder die Empörung von Leuten, die fest entschlossen sind, meinen Text furchtbar zu finden.

Die erfolgreichsten Titel, so lese ich im Ratgeber, seien solche, die einen Nutzwert versprächen. Na, da habe ich nichts falsch gemacht mit Rubriken wie „Was Ihnen Ihr Tangolehrer nicht erzählt“… ein Thema, für das ich immer wieder von der Konkurrenz getadelt wurde!

In „Tipp 7“ heißt es: „Vernetze dich mit anderen Blogs und Seiten.“ Klar, wir schreiben ja nicht im luftleeren Raum. Daher beziehe ich mich oft auf andere Veröffentlichungen. Auch das wurde mir schon massiv vorgeworfen. Ist aber sinnvoll und bringt Leser!

Brauche ich einen Newsletter? Schlecht wäre es wohl nicht, aber ich habe mich nie damit beschäftigt. Ich glaube, in der kleinen Tangoszene spricht es sich genügend herum, wer wo schreibt. Zudem bewerbe ich meine Artikel stets auf Facebook. Apropos: Der wichtigste Begriff eines Satzes sollte am Schluss stehen!

Eine sehr wichtige Aussage des Ratgebers: „Worauf ich achte, wenn ich selbst einen Blog lese: Auf jeden Fall ist mir wichtig, dass eine persönliche Komponente dabei ist, eine wirkliche Person ihre Erfahrungen mit einbringt.“

Nun lautet ja der Standard-Vorwurf gewisser Gegner, ich würde meine Person zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Ich kann nur jedem Blogger raten, diese Kritik zu vergessen! Die Kundschaft will nämlich keine allgemeinen Abhandlungen lesen, sondern persönliche Erfahrungen und Standpunkte! Der Autor muss greifbar sein statt irgendwo im Nirwana zu schweben.

Nicht ganz so einfach zu befolgen ist dieser Ratschlag: „Wenn ich meine Leser halten möchte, muss ich auf E-Mails und Kommentare antworten.“

Grundsätzlich hat der Autor völlig recht: Ein Gedankenaustausch ist wichtig. Nur: Gilt das auch für jeden Schwachsinn, den irgendwelche Nörgler hinterlassen? Da droht der „Broken Windows-Effekt“: Dummes Zeug zieht Dummschwätzer an. Leute, die Ernsthafteres zu bieten hätten, meiden dann die Kommentarspalten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie

Ich fürchte, da lange Zeit mehr zugelassen zu haben als meinem Blog guttat. Ich kann nur jedem und jeder raten, sehr genau zu unterscheiden zwischen inhaltlicher Kritik und Radau. Und lassen Sie sich vom Standard-Vorwurf der „Zensur“ nicht beeindrucken! Niemand hat ein Anrecht, auf fremden Seiten veröffentlicht zu werden. Schon gar nicht, wenn es ihm um persönliche Angriffe geht. Und Leute, die Ihnen in herzlicher Abneigung verbunden sind, werden Sie eh nicht überzeugen.

Mein wichtigster Tipp: Meiden Sie den Mainstream! Es bringt nichts, das nachzuplappern, was die meisten eh glauben! In der Regel kann man das auf zahlreichen anderen Seiten nachlesen – manchmal viel besser. So werden Sie wenig Beachtung finden!

Vermutlich hätte ich mit meinem Blog nie begonnen, wenn ich damals mit den Veränderungen im Tango zufrieden gewesen wäre. Dann betet man halt die herrschende Doktrin runter und verschwindet in der Masse.

So aber konnte ich provokante Ansichten verkünden, die ziemlich gegen den Trend liefen. Klar, das bringt Aufmerksamkeit. Aber Vorsicht: Das Publikum kann sehr gut zwischen einer ehrlichen Überzeugung und taktischen Schachzügen unterscheiden!

Fazit: Natürlich muss mir niemand die Tipps glauben. Man möge dann nur einmal überlegen, was den Münsteraner „Tatort“ derartig beliebt macht. Es sind nicht die besonders tollen, spannenden Kriminalfälle, sondern das „Cat and Dog“-Verhältnis zwischen den Agierenden – vornehmlich Professor Boerne und Frank Thiel.

Hier ein Dialog aus „Ruhe sanft“ (Thema: Gothic-Szene):

Nadeshda: „Wie heißen noch mal die Leute, die immer schwarz rumlaufen?
Boerne: „Neger. Äh, ich wollte sagen, Mitbürger afro-amerikanischer …also Thiel, wie nennt man die denn jetzt eigentlich korrekterweise?”

Thiel: „Nadeshda, nu fragen sie doch mal bei den Grünen nach, die kümmern sich doch um solche Dinge, Dosenpfand und ...”

P.S. Und wer noch nicht genug hat:

https://www.youtube.com/watch?v=IFFdCk2tiMU

Kommentare

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