Wenn die Schüler vortanzen

 

„Nachdem ich das hier noch einmal sorgfältig und sachlich aufgeschrieben habe, brauche ich diese Auseinandersetzung nicht mehr.“

https://www.tangocompas.co/wp-content/uploads/2026/05/Gerhard-Riedl-und-die-Debatte-als-Buehne-02.05.2026.pdf (S. 27)

Kollege Wendel schreibt immer wieder wunderbare Schlüsse mit Fortsetzung. Sein Abrechnungs-PDF zu meiner Person hat er bereits bis Seite 33 mit einem „Nachtrag“ und „Analysen“ um 6 Seiten verlängert. Weitere Ergänzungen sind zu befürchten.

Derzeit weicht er auf das Blog von Helge Schütt aus, um ein Thema zu bearbeiten, das ihn offenbar besonders fuchst: Meine unverschämte Idee, Tangolehrende könnten doch mal zeigen, wie ihre Schülerinnen und Schüler tanzen, statt in einer Unzahl von YouTube-Videos ständig nur vorzuführen, dass sie es selber können. Ganze vier längere Kommentare ist ihm die Sache bislang wert.

https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/05/kurznotiz-44-nachrichten-aus-einem.html

Stein des Anstoßes war wohl mein Artikel „Was man an den Früchten erkennt“.

https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/05/was-man-den-fruchten-erkennt.html

Mir gehe, so der Vorwurf, auch in dieser Frage das „Fingerspitzengefühl“ völlig ab. Nicht alle Lernenden würden es schätzen, sich den Blicken eines „anonymen Internet-Publikums“ auszusetzen. Wendel spricht von „großmäuligen Forderungen“ und einem „Blogger-Tribunal“.

Natürlich muss man Menschen, deren Abbild im Internet veröffentlicht werden soll, grundsätzlich vorher fragen. Das habe ich nie anders gesehen. Im Gegensatz zum Kollegen poste ich selber nicht mal Fotomontagen von Gegnern.

Die Unterrichtenden müssten ja ihre Teilnehmer nicht vortanzen lassen. Nein, interessant wären Szenen aus dem Unterricht, welche die Interaktionen von Lehrern und Schülern zeigen. 

Jedenfalls liege zwischen uns beiden, so die Behauptung, ein „Marianengraben“. Da darf ich schon fragen, wer da die Konflikte vertieft.

 „Nach dieser Logik müssten Tangolehrer also mit ihren Schülern bei Riedl vortanzen, damit er höchstpersönlich entscheidet, ob ihre Arbeit etwas taugt. Der selbsternannte Verwalter des wahren Tangos verteilt Anerkennung.“

Leute, es geht doch nicht um mich! Ich werde in diesem Leben mit Sicherheit keine Tangostunden mehr nehmen. Wer sich aber für Kurse bei einem bestimmten Lehrerpaar interessiert, könnte es interessant finden, ob der Unterricht erfolgreich ist. An der Tanzweise der Kursleiterinnen und Leiter sieht man das kaum. Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass die eigenen Fähigkeiten im Tango wenig darüber aussagen, ob man sie anderen vermitteln kann.

Tangoschulen sollen  die Hosen runterlassen"? O nein, bitte nicht  schon beim Durchschnittsalter der Beteiligten eine schreckliche Vorstellung! 

Aber natürlich muss niemand bei mir „vortanzen“ – so ein Unsinn! Ich will Neulinge nur davor bewahren, sinnlos Geld auszugeben, ohne dass sie im Tango weiterkommen – nicht selten sogar Dinge lernen, die sie anschließend mühsam wieder vergessen sollten. Dass ich nach Häme-Material" suche, ist eine bösartige Unterstellung. 

Niemand bestreitet wohl, dass Pablo Verón ein großartiger Tänzer ist. Jochen Lüders, im Tango nicht ganz unerfahren, hat einmal seine Enttäuschung beschrieben, als er Unterricht bei ihm buchte: „Das Ausmaß an didaktisch-methodischer Unfähigkeit war atemberaubend, die Workshops waren eine einzige Zumutung.“

https://jochenlueders.de/?p=17055

Ich kenne das auch aus meinem früheren Beruf: Ein wissenschaftliches Einser-Staatsexamen ist keine Garantie dafür, im Unterrichtsalltag zu bestehen. Es gibt jedoch Kollegen, die riesigen Erfolg haben, weil sie geborene Entertainer sind. Aber das ist ja eine Fähigkeit, der Herr Wendel generell misstraut. Aber ich kann ihn beruhigen: Die ist nicht erlernbar – man hat sie oder hat sie nicht!

Vielleicht möchten aber Tangolernende gar nicht bildlich aufgenommen werden? Man müsste es probieren. Ich habe wiederholt erlebt, dass auf Milongas darauf aufmerksam gemacht wurde, es werde fotografiert oder gefilmt. Wer es nicht wolle, solle den Veranstalter informieren. Widerspruch habe ich nie erlebt. Auf vielen Videos sieht man haufenweise Tanzpaare auf dem Parkett.

Ich fürchte, der Unterschied ist nur: Da weiß man halt nicht, in welcher Tangoschule die einzelnen Leute gelernt haben. Daher bin ich mir sicher: Die Abneigung, Lernende zu zeigen, geht von den Lehrenden aus.

Alles, was missverstanden werden kann, wird ausgenützt: Wenn ich empfehle, mit einem erfahrenen Partner zu üben, war das nicht als bestimmtes Zahlwort gemeint. Es dürfen also auch mehrere sein – umso besser!

Jedenfalls bin ich kein „selbsternannter Verwalter des wahren Tangos“. Diese Pose überlasse ich gerne anderen.

Aber ich kann ja gar nicht recht haben: Er habe das nun ein für alle Mal plausibel gekontert" . Diskussion im Wendel-Stil...

Ich mache jedenfalls in der Tangoszene immer mehr die Erfahrung, dass man alle unangenehmen Fakten verschweigt, vertuscht und in die Ecke kehrt. Wer peinliche Tatsachen anspricht, wird persönlich heruntergemacht. Notfalls schreibt der Anwalt.  

Ich halte mich da an den genialen Curt Goetz, der in seiner geistreichen Filmkomödie „Hokuspokus“ vor Gericht den Verteidiger seiner eigenen Ehefrau spielt. In seinem Plädoyer sagt er mit Blick auf den Staatsanwalt:

„Wie sagte der Alte Dessauer vor der Schlacht? ‚Lieber Gott, mir brauchste nich zu helfen – aber dann hilf dem Hundsfott da drüben ooch nich!“

Den Film könnte man sich sogar kostenlos ansehen:

 

https://www.youtube.com/watch?v=5a999Ht3AOY

Kommentare

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