Dein Código geschehe
In einem neuen Beitrag (dem ersten seit Januar dieses Jahres) hat sich Blogger-Kollege Helge Schütt nun eines Themas garantierter Relevanz angenommen: Gerhard Riedl.
Warum er so selten etwas auf seinem Blog veröffentliche? Weil ihm einfach die „Fantasie“ fehle, sich „jeden Tag solchen Unsinn auszudenken“ wie ich es regelmäßig schaffe.
Er nennt das „Nachrichten aus einem Paralleluniversum“.
Nun, muss er ja nicht. Er könnte ja auch etwas Sinnvolles schreiben. Aber auch das scheint schwierig zu sein.
Schon öfters hat der Kollege mir seine Region als zukunftsweisend im Tango empfohlen. Und natürlich tanzten dort die Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern. Schließlich begegne er den Lehrkräften regelmäßig auf den lokalen Milongas.
https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/05/kurznotiz-44-nachrichten-aus-einem.html
Na prima – ich freue mich ja über jede gute Nachricht aus der Tango-Avantgarde! Eine Seite habe ich mir nun etwas genauer angesehen:
„Abrazar la Vida - Umarme das Leben!“ titelt man dort. Na ja, „abrazar“ („umarmen“) ist der Infinitiv, nicht der Imperativ – aber nicht alle können hierzulande Spanisch.
Gleich darunter finden wir die oft gelesene Losung des argentinischen Tangostars Carlos Gavito: „Gib nie eine Umarmung auf für einen Schritt!" Sprich: kuscheln statt bewegen.
Und klar: Tango ohne Gesetze ist keiner. Daher finden wir im „Grundgesetz des Tango“ gleich 20 Paragrafen.
Gleich im § 1 lesen wir: „Die Achse der Dame ist unantastbar!“ Na gut, ich kenne da noch ein paar Stellen – aber wir wollen nicht kleinlich sein.
„Führung heißt, im Körper der Folgenden den Wunsch zu erzeugen, die Bewegung zu machen, die der Führende sich vorstellt“ heißt es im § 3. Na eben: Man muss in der Frau halt den Wunsch erzeugen, so zu handeln wie der Mann es sich einbildet! Was sonst?
„Führende sind also immer auch die Folgenden der eigenen Führung!“ Klar: Wem soll der Mann folgen außer sich selbst?
„§ 12 - Tanze, was Du hörst!“ Das beschreibt trefflich die Tragik, der ich mich seit vielen Jahren ausgesetzt fühle: Ich muss zu dem langweiligen Kram tanzen, der leider landauf, landab meist hörbar ist…
§ 14: „Es gibt eine konkrete ‚(N)etikette‘ für Milongas zu Gebräuchen, dem Verhalten und den ‚Benimmregeln‘! - Überall im Internet zu finden. - Für Jeden Tänzer eine wichtige Holschuld." Ich fürchte, diese Schuld hole ich mir regelmäßig ab. Okay, gehöre ich halt zu den „desinteressierten Störenfrieden“.
„Wer sich nicht in Kursen oder ‚Stunden‘ immer wieder ‚Fit‘ hält, wird wieder ‚schlechter‘ – so der § 19. Merke: Wie man sich fit hält, bestimmen die Tangolehrer. Wozu haben wir sie denn sonst?
https://tango-weinheim.de/pages/intro_0/das-grundgesetz-des-tangos.php
Zum Gebot gehört in jeder Religion das Gebet. Daher hat man noch die Tango-Version das Vaterunser auf Lager:
„Tango unser
der Du bist rund um die Welt
Geheiligt sei Dein Abrazo
Deine Tanda komme
Dein Código geschehe (…)
Unser tägliches Cabeceo gib uns heute (…)
und führe uns nicht aus
der Ronda
sondern erlöse uns von den Dränglern
und Drückern und Schiebern…“
https://tango-weinheim.de/pages/intro_0/das-tangounser.php
Eine Tangofreundin fragt mich öfter, wie ich es mit solchem Stoff seelisch aushalte. Ich antworte meist, das sei langjährige Gewöhnung. Tango ist, was hart macht.
Allerdings mag ich am Rhein und Neckar nicht grasen, auch wenn ein altes Volkslied dieses Paralleluniversum empfiehlt.
Ich habe eine Version gewählt, welche an die Dynamik oft gehörter Tangoklänge erinnert:
https://www.youtube.com/watch?v=g1IH21rjUME
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