Kevin Seidel: El Che Nie



Internet-Profil:
„ein Herr, 31 Jahre, 185 cm
aus 11111 Potsdam (Brandenburg, Deutschland)
Lieblingstanz: Klassischer Neo-Tango
höchste abg. Ausbildung: Pflichtschule
Tanz-Niewo "Showtanz" stimmpt nicht. Bin 3-5 Grade darüber einzustufen.Blondinen mit 90-60-90 dürfen sich melden.
Nur mit BILD.“


Ich bin durch sprachliche Qualität nicht leicht zu beeindrucken – umso überzeugender wird so hoffentlich meine Feststellung: In Punkto „deutschsprachige Tangosatire“ kenne ich niemand, der Kevin Seidel auch nur ansatzweise das Wasser reichen könnte mich eingeschlossen. Meine Hommage ist daher längst überfällig.
Sein Stilmittel ist eine völlig abgedrehte Schreibe, welche sich durch lustvolle und bösartige Verstöße gegen jedwede Reglementierung per Orthografie und Syntax auszeichnet. Den satirischen Effekt erzielt er durch abgefeimte (auch politische) Unkorrektheit bei seinen meist sehr kurzen Einwürfen in diversen Internet-Foren.

Da wird ein „Tanzliebhaber“ schnell zum „Tanzslip-Haber“, eine „Kordula“ mutiert zur „Co-Trulla“ (wobei er sich wegen eines Tangofilms alsZieh ne Ast“ betätigt), und die Traditions-Verfechter Melina Sedó und Detlef Engel werden als Melitta Sádo“ und „Dead Leaf Enkel“ verhunzt – mit dem obstruktiven Resümee: „Tja, da Hamm Enkel & Sádo Gans klar kaum was begriffen.“

Fremdwörter werden genussvoll in Grund und Boden buchstabiert:

„Aber Di Sarli isst schwer, Weils da keinen Rüttelmuss gibt.“
„Tja das Aggroment mit Rezeptzöllibatät bringen ebend immer die, wo klauben, das Aale gleich sinnt.“ (Hier geht es um die von Cassiel so geliebte „Reziprozität“, vulgo „Was du nicht willst, dass man dir tu…“)
„Das isst der, wo zwischen drin nur mit seiner Mieze ganz allein auf dem Tanz-Baguette stähen tut.“
Tja, bei uns im französischen Fiertel in Potsdam sagt ma dann immer: Allez nur thé aux rie.“
„Unt wos doch hier so Ächzperten giept, wo Aale Tradi Ohr-Käse-Teer kennen tun…“

Zu Höchstform läuft Verfasser auf, wenn er (wohl eher ungeliebte) spanische Tangobegriffe schreddert:
„Cabeciduro“ oder auch „Calabaza“ (alias cabeceo)
„Encubrimiento“ (Encuentro)
„Kot-igos“ respektive „Kotau-igos“ (Códigos)
"Caimános abrazados“ (caminar abrazado)
Da kann man nur noch sagen: „Fifa la diferencia!!“ (ein „Blatter-Schuss!“)

Man muss bedauern, dass nicht alle Forums-Leser diese geniale Schreibe entsprechend würdigen: „Und da tun mich Läute hier aussem vor Rum beschimpfen ich wehr da nur Sohn anal Alphabet!“

Gigantisch wird es, wenn „El Che Nie“ sich zu näheren fachlichen Erläuterungen herablässt. Dabei vergisst er nie den „Bett Zug zum Tango“:

„Der Sog genannte Korund Schritt isst ebend Unfug. Wichtig ist äher der Abrazo. Weil wähn der Abrazo gut isst, dann kann man Aale Figuren machen. Das geht so: ich pack die Tangomieze in die Armee und drück fest zu. Dann geht die Luft raus undse bekommt Gans weiche Knie und lest siech willenlos führen. Sogar den PB8. Im Kreutz klappense aber Mai Stenz Weck.“

„Grundregeln des Führens:
Gans ein Fach! In 3 Paragraffen:
1) Auffordern
Bei uns in Potsdam guxte Dir sohne Mieze aus, die wo da rumsiezt. Die kommt dann mit. Bei mir jeden Falz.
2) Krundschritt und Tanzrichtung
Und wenn die bei Dier net mitkommt, paxtese und zerrste mit. Dabei lernze schonmal den Grundschritt. Die zieht unt will zurück zum irrem Siez-Platz, egal wie, auch queer über die Piste. Da lerntse gleich dasses garkeine Tanzriechtung gepen tut.
3) Figuren der Profies (Bsp. Boleos)
Die wehrt sich und zappelt und tritt nach Dier. Das sind die Boleos.“

„Also wir in Potsdam brauchen die Ditsches net. Dafür hammern Trick. Ich tu nur eine CD rein. Und damit das ganz abwechselnd rauskommt drück ich dann Schufel. Oder Schofel. Oder so ähnlich. Heisst der Knopf.
Und dann kommt dann die Musik immer anders -Tata- raus. Das nennt dann auch Tanda deshalb.
Aber das will ebend gekonnt sein. Weil ich dann da immer davor stehn muss. Und bei jedem Lied da auf 'Schufel' neu drück.
Aber ich steh da mittem Kopfhörer auf. Das sieht irre cool aus. Hab' ich aus nem Film, wo der coolste Typ auch so Kopfhörer aufhat, während er auf seim Flugzeugträger die Jets startet.
Also Ihr könnt das auch. Müsst nur den 'Schofel'-Knopf drücken. Der is bei mir ebend da links. Bei euch auch?“

Letztlich mimt der geniale Spötter aus Brandenburg immer wieder den selbsternannten „Tango-Profie“, welcher sich für den Allergrößten hält und in Wahrheit dumm ist wie die Nacht. Ein herrliches Beispiel dazu:

„Weil der ist unz ebend ehnlich, der Papst. Alzo unz Tango-Profies.
Alzo z.B. wenn der Papst was verkünden tut, dann müssenz Aale klauben tun, obs nu stimmpt oder nett.
Das is wie im Tangounterriecht wo wenn wier was befählen tun, dann mühsen Aale spuren.z.B. ne fetzige Rückwerts-Sacada machen alz erste Figur im Anfängerkurs. Tja wie beim Papst fallen da die ersten Märthyringerinen blutig um. Jesses. Unt dann hat der Papst so Freunte immer um sich, die wo gerne auch mal Papst sein wollen irgentwann. Genauso wie wier Profies im Tangounterriecht halt so Freunte hamm, die auch Profies werten wollen wie wier. (…)

Wie iech mit mainen Fans im Tango-Unterriecht. Wie der Papst im St.Peter-Dom mit den Kardinälen. (…)
Unt wier Profies mühsen Missionare ausbilden, die wo in die Welt rausgehen unt unzern Tango predigen tun. Das ist die Tangolehrerauspildung. Wennse die bezahlt hamm, gehnse halt alz Bettelmönch, hehe.“

Wie der Autor seinen eigenen Tangounterricht beschreibt, ist so nahe an der Realität, dass es mir kalt den Rücken hinunterläuft:

„Also wenn ich da so anfange zu unterrichten, dann mach ich da gleich am Anfang so ne Figur, die so richtig fetzt. Also so mit ner Volkskada und nem Planeto.
Das kann niemand ausser mir. Und das mach ich 2 mal vor. Und dann sollense das mal fix nachmachen.
Dann lass ich die so ne zeitlang probieren durch rumstolpern.
Das ist so ein Kniff von mir, den ich mir ganz allein ausgedacht hab.
Da kommt niemand so schnell drauf.
Weil erstens mal die Zeit schneller rumgeht, ohne das die was lernen. Da müssense nähmlich nochmal wieder kommen und nochmal bezahlen.
Und zweitens sollense merken, dass Tango halt furchtbar schwierig ist. Und das den kaum jemand kann. Ausser mir eben.
Und dann sindse ganz klein. Und gedemütigt. Das ist prima. Weil, es dann im Unterricht keine Widerworte mehr gibt, wenn ich kommandiere.
Und drittens wollense dann alle wissen, wie ich diese Figur hinbekommen hab.
Deshalb bin ich dann King im Ring. Kuhl!
Dann schnapp ich mir jede von den Lernmiezen einzeln. Und mach mit denen halt die Figur oder sowas ähnliches.
Danach haben alle Miezen Schmacht auf mich. Und bezahlen müssen die dafür auch noch.“

Ja, Kevin, das kann man nur mit Deinen eigenen Worten bestätigen: Du hast „Mahl wieder den Nager aufen Kopf getroffen“!

Eine herzallerliebste Código-Satire zum Schluss:

„Wir Tango-Profies dürfen halt fiel Meer als die Normalos. Z.b. dürfen wir Tango-Profesores und Neo-Tangueros wilde Proleos und Colgates führen, oder rückwertz vorwärtz laufen. Und Wens da Mahl einen Regel-Kasper trifft, dann Mus der sich entschludrigen, Weiler mit einem der Profies zusammengestossen isst, der wo besser tanzen tut als der Kasper. Und der Kasper fühlt sich schludrig und mickerig. Und das ist gut so.“

Das Schönste ist, dass der begnadete Veralberer stets den Überblick behält und sein Tun korrekt einordnet:

„Alzo hier giepz so zwo Sorten von Läuten, wo miet machen.
Die einen machen ebend Reklame miet bunten Versprächungen. Sowaz wie die TangoTranza. Nur ebend onlein. Unz kost nix.
Die anderen Autoren schreipen krawallifizierte Texte üpern Tango. Unt von Dänen bien iech der wiechtickste, gewiesermassen der 'Primus inter Primates'".

Tango und Lachen, eine fast schon vergessene Kombination, und gerade deshalb so wichtig – daher:

Hau noch einen raus, Kevin!

Weitere Infos:
https://de.groups.yahoo.com/neo/groups/tango-de/search/messages?advance=true&am=CONTAINS&at=email:kevinseidel1@&dm=IS_ANY&fs=false&count=10

P.S. Erläuterungen zu einzelnen Wortspielen gerne auf Anfrage per Kommentar!

Kommentare

  1. Hurra, heute Früh hat Kevin mir den Gefallen getan:

    „Wehr-Punk für bekanntes Paar!
    Also die Nicole Now tut nu kommen tun.
    Miet irrem Mann der jetzt Luis Peresoza heisst wo aber vorher Ricardo Klapptier heissen tat oder so und nu Gans anders aussieht.
    Alzo das ist die, wo ihr Kopf eine argentinische Brief-Macke ist.
    Weilse die bähste Tango-Tänzerin ist. Von Gans Düsseldorf.
    Die beiden tun Tango unterrichten im Oktober und besuchen Woll auch Eisenhüttenstadt, wo Sohne Art Bitterfeld von Brandenburg ist.
    Die zwo sinnt aper zum Klück keine Konkurenz für mich, hehe. Weilse ebend in ihrer Show "El Solomillo de mi Tierra" zeigen, was die Argentinier wirklich tanzen tun würden.
    Nähmlich kaum Tango, sondern hauptsächlich machen die da voll Chlor Tänze!!
    Voll praktisch ebend, grad jetzt im Herbst, wo die Läute schnell den Rotz bekommen tun.
    Weil bei dem Tanz da springen die umeinander rum und schwenken dabei die Taschentücher in die Luft, damit der Rotz schneller wieder trocknen tut.
    Das isst der "Shakarira".
    Wer den kann, bei dem sind Aale in trockenen Tüchern!

    Aber richtigen Tango lernt man ebend in Brandenburg doch nur in Potsdam.
    Bei Eurem Freund Kevin, El Che Nie“

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    1. Dieser Post brachte Kevin übrigens den Kriminalisierungsversuch eines pseudonymen Aufpassers ("PortenaE") ein. Zitate:

      „Bitte berücksichten sie bei weiteren Äußerungen auch daß Verleumdung und üble Nachrede Straftatbestände sind, die persönliche Konsequenzen nach sich ziehen können. (…) Außerdem fordere Sie letztmalig auf, alle Ihre Beiträge umgehend zu löschen, die versuchen, das Künstlerpaar herabzusetzen. (…) Die dadurch belegte absichtliche Tücke und besondere Hinterlist in der vermeintlichen orthografischen Schwäche belegt ebenfalls die strafenswerte Absicht, die hier zutage tritt. (…) Aber ausnahmsweise wird Gnade vor Recht gehen, wenn der Autor dieses Schmutzschreibens sich hier in öffentlicher Form entschuldigt und sich von seinen frechen Äusserungen distanziert.“

      Leider wurde nix draus, da sich die anderen Forumsteilnehmer hartnäckig weigerten, den Klageführer ernst zu nehmen!

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