Wendel die Letzte
Nach zirka 100 Artikeln kündigt Klaus Wendel auf seinem Blog nun eine „längere Schreibpause“ an. Schade, dass er schon aufhören will, wenn er nur gute 4 Prozent meiner Veröffentlichungszahl (2283) erreicht hat!
Natürlich endet er nicht, ohne mir zum Abschied noch ordentlich einen mitzugeben. Er wird nicht erwarten, dass ich dazu schweige:
Eigentlich geht es um „Musikalität im Tango – warum Menschen Musik so unterschiedlich hören… oder garnicht hören“. Abgesehen vom Rechtschreibfehler: Na ja, vielleicht, weil es halt ganz verschiedene Wahrnehmungen und Geschmäcker gibt? Wer Musik aber gar nicht hört, dürfte taub sein.
Ich habe nicht mehr mitgezählt, wie oft Klaus Wendel nun schon öffentlich bekundet hat, sich nicht mehr mit mir befassen zu wollen. Das Schlimme ist nicht, dass er es dennoch immer wieder tut, sondern das Gewese, das er zu dem Thema veranstaltet – als eine Art „Rücktritts-Diva", die immer wieder Abschiedsvorstellungen gibt.
Ich halte es für normal, dass Blogger, die über ähnliche Themen schreiben, auf den anderen eingehen, ihre unterschiedlichen Ansichten austauschen. Das könnte durchaus produktiv sein. Nur leider meint Wendel, sich in einer ganz anderen Liga zu bewegen – also darf ich nicht mit ihm spielen.
Seine Angst besteht darin, ich könnte andere überzeugen, die ebenfalls – wie natürlich ich – wenig Ahnung haben. Ich fürchte, das wird sich nicht vermeiden lassen – ebenso, dass Menschen ihr Wahlrecht ausüben dürfen, die von Politik genau nix verstehen. Wendels bevorzugtes Gesellschaftsmodell ist wohl die Aristokratie („Herrschaft der Besten“) – nicht die Demokratie („Herrschaft des Volkes“). Nur die von „hohem Tangoadel“ sollten sich zu diesem Thema äußern – nicht der „Urnenpöbel“ (wie der Kabarettist Georg Schramm ihn einst nannte).
Man kann persönlichen Geschmack aber nicht per „Faktencheck“ aushebeln. Manche schätzen halt Roland Kaiser, andere Fritz Wunderlich. Weil man der musikalischen Emotion nicht mit Doktorarbeiten beikommen kann.
Wendel unterscheidet „Meinungsfreiheit“ von „Faktenfreiheit“: Wissen und Erfahrung ließen sich nicht via persönliche Interpretation beiseiteschieben. Da hat er im Ansatz sicherlich Recht. Also ran an die Fakten:
Wendel ist zirka 7 Jahre jünger als ich (Geburtsjahr 1957) – als ich mit 17 meinen ersten Tanzkurs machte, war er gerade mal Fünftklässler. Wann der Kollege mit dem Tanzen begann, lässt er offen. 1984 jedenfalls lernte er den Tango kennen – da war er Ende Zwanzig. Schon zwei Jahre später begann er damit, diesen Tanz in einer eigenen Schule zu unterrichten.
https://www.tangocompas.co/ueber-klaus-wendel/
Ich finde das mutig.
Der Kollege wirft mir vor, ich würde „spalten“, statt etwas zu klären. Selber hat er sich allerdings in hunderten von Texten bemüht, meine Reputation in Frage zu stellen – oft mit einer Wortwahl, die eher in eine Vorstadtkneipe als in einen Tangokurs passt.
Wendel schreibt: „Ich bemühe mich wenigstens darum, zu verstehen, statt einfach nur draufzuhauen.“ Dann muss ich an den ganzen Texten über mich was missverstanden haben…
Ausgerechnet Wendel verlangt nun einen „Videobeweis“, dass ich zur Musik Piazzollas „wirklich gut“ tanzen könne. Erstens habe ich mehr Tanzvideos mit meiner Person veröffentlicht als der Kollege. Nach der Häme, die sich im Netz darüber ergoss, wollte ich es keiner Partnerin mehr zumuten, sie dummen Sprüchen auszusetzen. Und zweitens: Wendel und Konsorten hätten eh festgestellt, dass ich nicht tanzen könne. Und dazu der Aufwand?
Wendel fand in meinen Texten „nicht eine einzige wirklich sachliche Analyse“. Er hat wohl auch keine gesucht, sonst wäre er öfters fündig geworden.
Den Vorwurf, dass ich mich mit 75 Jahren „nicht im Geringsten weiterbilde“, nehme ich amüsiert, aber gefasst zur Kenntnis. Nicht mal ein „neues Fachbuch“ würde ich herausbringen! Na, dann warten wir mal auf das nun angekündigte Buch des Kollegen, das er allerdings nur für seine Tochter schreibt. Schade – hätte mich sehr interessiert!
Ich lerne bei jedem Tanz dazu – von der Musik und meinen Partnerinnen. Ein Hinweis für den Kollegen: Mit „Partnerinnen“ meine ich diese oft kleineren und zierlicheren Wesen, deren Namen er meist falsch schreibt! Falls er sie überhaupt einer Erwähnung würdig findet.
Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass der Kollege und ich zwei sehr unterschiedliche Blogs betreiben: Er schreibt aus der Position des unangreifbaren Experten, der nur mit seinesgleichen diskutieren möchte und dauerbeleidigt ist, wenn man seine Vorrangstellung nicht anerkennt. Ich dagegen verfasse Texte, die meist zum Lachen anregen sollen. Für Leute, die den Tango und andere hoch wichtige Themen nicht so ernst nehmen wollen. Vielleicht sogar auf pubertären Spaß stehen. Ob ich stets recht habe, kümmert mich wenig.
Kommen wir zur Schlussfrage:
Kann jeder (oder sogar jede) zu jeder Musik tanzen? Dazu hatte ich einmal ein Erlebnis, das mir sehr zu denken gab:
Auf einer Milonga mit erwartet öder Musik tat man auf dem Parkett desgleichen. Da mich nichts auf die Piste zog, beobachtete ich zwei Mädchen (wohl um die 5 oder 6 Jahre), die in einer Ecke munter herumsprangen und einen riesigen Spaß hatten, der wunderbar mit den ausdruckslosen Gesichtern auf der Tanzfläche kontrastierte. Mit großen Bewegungen und vielen Hüpfern lagen sie ziemlich gut in der Musik und agierten öfters paarweise.
Ich machte meine Begleiterinnen auf die jungen Damen aufmerksam: „Wer tanzt hier besser?“ Unsere einhellige Meinung: die Kinder. In der Entwicklung zum Erwachsenwerden scheint dann wohl irgendwas schiefzugehen…
Der restliche Text seines Artikels enthält nichts, was der Autor nicht schon mal geschrieben hätte. Wer es lesen will:
https://www.tangocompas.co/musikalitaet-im-tango-warum-menschen-musik-so-unterschiedlich-hoeren/
Schade, dass der Kollege seine Blogger-Tätigkeit nun vorübergehend einstellen will. Er hat mir oft wertvolles Material für meine Glossen geliefert.
Demnächst feiert Klaus Wendel das 40-jährige Jubiläum seiner Tangoschule mit einer rauschenden Milonga. Ich gratuliere respektvoll!
P.S. Kollege Yokoito hat via KI Besprechungen vieler meiner Artikel veröffentlicht. Wer mal einen halben Nachmittag Zeit hat:
Ich danke beiden Autoren herzlich dafür, dass sie für eine weitere Verbreitung meiner Texte sorgen!
| Nach der Ansicht von Blogtexten |
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind derzeit nur per Mail an mich möglich: mamuta-kg@web.de