Ein Wort zum Montag

Auch ein schlechter Ruf verpflichtet. Wer wüsste das besser als wir Tangotänzerinnen und Tänzer?

Ich bin auf einen älteren Artikel der BILD-Zeitung gestoßen, der das gemeine Volk über die Tango-Weltmeisterschaften in Buenos Aires informiert. Titel: „Die Magie des getanzten Sex“.

Es gehe bei diesem Tanz um „Leidenschaft, Verlangen, Zorn, den ewigen Kampf der Geschlechter“ – die Frauen mit strengem Knoten, blutroten Lippen und den Netzstrümpfen unterm hochgeschlitzten Kleid, die Männer mit gegeltem Haar, gelackten Schuhen und strengem Blick.“

So wie wir es halt von unserer Lieblingsmilonga gewohnt sind…

Der Zeitungsjournalist weiß um die Hintergründe: „So soll der ursprüngliche Tango-Tanz eine Auseinandersetzung zwischen Zuhälter und Hure symbolisiert haben.“

Die Einwanderer „warfen sich den Huren an die Brust“ oder „wurden selbst zum Zuhälter“. Gut, wenn man stets eine Alternative hat!

https://www.bild.de/lifestyle/2013/lateinamerikanische-taenze/tango-wm-i fün-buenos-aires-magie-des-getanzten-sex-31975328.bild.html

Ein wenig wissenschaftlicher wird es in einem Beitrag der WELT. Immerhin aber verspricht uns der Mehr Sex und weniger Stress durch Tango-Tanz“. Bereits das Titelfoto zeigt uns die Kraft der männlichen Führung.

Messungen der Hormonkonzentration im Speichel von Tanzpaaren belegten, dass beide Geschlechter (ein älterer Artikel) auf dem Parkett „deutlich mehr Sexualhormone“ produzierten, wobei gleichzeitig „Stresshormone abgebaut“ würden. Das jedenfalls fand die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia in ihrer Doktorarbeit an der Frankfurter Universität heraus.

Die Reduktion des Stresshormons Cortisol sei vor allem auf die gehörte Musik zurückzuführen – was mich bei den üblichen Tango-Playlists nicht wundert. Kontakt und Bewegung mit dem Partner führten zu einem Anstieg des Testosteron-Spiegels.

Schließlich setzten Paartherapeuten das gemeinsame Tango-Tanzen ein, um verfahrene Beziehungen zu retten. Ob das auch für größere Veranstaltungen mit sichtbaren Alternativen gilt, wird nicht gesagt.

Auch der zitierte Kulturbeauftragte von Buenos Aires meint, das Gefühl beim Tango sei „Leidenschaft“. Er muss es ja wissen.

https://www.welt.de/wissenschaft/article4707047/Weltkulturerbe-Mehr-Sex-und-weniger-Stress-durch-Tango-Tanz.html

Wenn ich an die mir bekannten Milongas denke, habe ich nur eine Erklärung: Irgendwas muss auf dem Transport von über 11000 Kilometern vom Tango-Mekka nach Oberbayern verloren gegangen sein!

Dass auch ein langsamer Foxtrott erotisierend wirken kann, bewies schon 1937 Zarah Leander in dem Film „Zu neuen Ufern“ mit einem Song von Eduard Künneke, der für seine Zeit überraschend deutlich wird:

„Man nennt mich Miss Vane, die berühmte, bekannte, yes Sir
(Yes Sir)
Die nicht sehr beliebte bei Onkel und Tante, no Sir
(No Sir)
Man fürchtet, ich könnt die behüteten Neffen
Im Spielsalon oder im Himmelbett treffen
Ich könnt Sie verführen mit tausenden Listen
Zu etwas, das sie vielleicht doch noch nicht wüssten, yes Sir
(Yes Sir)
Yes Sir (yes Sir)
So bin ich am ganzen Leibe ich
So bin ich und so bleibe ich, yes Sir!“

https://www.songtexte.com/songtext/zarah-leander/yes-sir-5bc3a394.html

Wozu brauchts da noch einen Tango?

https://www.br-klassik.de/programm/sendungen-a-z/mittagsmusik/mittagsmusik-mit-sahne-yes-sir-100.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Zu_neuen_Ufern


https://www.youtube.com/watch?v=mBk0QauAbHw

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