Über den unbedingten Willen
„Der Subtext auf der Bühne ist: Bitte liebt mich.“ (Monika Gruber)
Im Kabarett gibt es, so meine ich, nicht viele Frauen, die wirklich lustig sind. Oder gar Relevantes äußern. Leider hindert dies das Fernsehen nicht, sie immer öfter (wohl wegen des Proporzes) ins Programm zu nehmen. Ich schalte meist nach einer Minute um, da die jungen Damen oft nur diese Zeitspanne benötigen, um auf ein beliebtes Unterleibs-Thema zu kommen. Dies festigt das Klischee, dass es den „Weibern“ immer nur um das Eine gehe…
In früheren Zeiten war das anders: Wehmütig denke ich zurück an Ursula Herking, Lore Lorentz vom Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ oder Ursula Noack von der einstigen „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“.
Aber auch da gilt: Was die männlichen Kollegen heute liefern, geht oft über das Witzeerzählen nicht hinaus. Die Branche boomt – mit den erwartbaren Folgen.
Leuchtende Gegenbeispiele gibt es aktuell nur wenige, beispielsweise die abgründige Lisa Eckart oder die großartige Monika Gruber, die in einem Bauernhof nahe Erding aufwuchs.
https://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Gruber
Um es gleich vorwegzunehmen: Offenbar hat die Corona-Pandemie der zuletzt genannten Kabarettistin einen Schub ins Rechtspopulistische beschert – samt einen Zug zum Verbissenen. Nach ihrem „Rücktritt vom Rücktritt“ von der Bühnen-Aktivität ist es spannend, ob und in welcher Weise sich das in ihren zukünftigen Programmen niederschlagen wird. Mir fällt dabei die Parallele zu Ludwig Thoma ein, der sich ebenfalls in seinen späteren Lebensjahren vom progressiven Autor zum Rechtsausleger wandelte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Thoma
Ich bewundere an Monika Gruber aber weiterhin ihre unglaubliche Bühnenpräsenz und Pointen-Sicherheit. Sie gibt mit Wonne die „Giftnockn“ und veralbert alles, was ihr vor die satirische Flinte kommt – besonders gerne „modernen Zeitgeist“. Sie hat eine riesige Fangemeinde, die große Hallen füllt.
Neulich stieß ich auf ein älteres Video, bei dem die „Gruaberin“ beim Talk Format „Auf dem Roten Stuhl“ zu Gast war. Über eine Passage des Gesprächs musste ich lange nachdenken.
Monika Gruber wuchs in einem bäuerlichen Milieu auf – eine Bühnenkarriere, nach der sie sich sehnte, schien Lichtjahre entfernt. Zudem fehlte es ihr wohl an Selbstvertrauen, sie fühlte sich in ihrer Haut nicht wohl und litt als Jugendliche an Essstörungen. Nach dem Abitur erlernte sie – mehr wegen des Verdienstes denn aus Neigung – den Beruf der Fremdsprachen-Sekretärin und arbeitete bei einer international tätigen Firma. Zunehmend wähnte sie sich dort im „falschen Film“, denn eigentlich wäre sie viel lieber Schauspielerin geworden.
Es ist wohl ihrer Büro-Kollegin und Freundin zu verdanken, dass sie den Schritt Richtung Bühne wagte. Immer wieder hatte diese sie bedrängt, ihr Leben nicht zu verschwenden.
So meldete sich Monika Gruber erst mit 27 an einer privaten Schauspielschule an. Die Einladung zum Vorsprechen erreichte sie erst kurz vor dem Termin, so dass sie „mit leeren Händen“ erschien und offen zugab, nichts vorbereitet zu haben. Sie könne aber einmal darstellen, wie es im Büro ihrer Firma zugehe. Nach kurzer Anlaufzeit merkte sie, dass man im Auditorium lachte – und sie wurde als Schülerin akzeptiert. Schon damals erklärte man ihr, sie sei wohl eigentlich eine Kabarettistin.
Die zweijährige Ausbildung war kein Zuckerschlecken – Gruber musste sie und ihren Lebensunterhalt durch Kellnern verdienen – an mindestens fünf Abenden die Woche. Zudem reagierten ihre Eltern verzweifelt auf den Kurswechsel ins Schauspielfach. Doch die junge Frau biss sich durch alle Schwierigkeiten hindurch:
Bereits während ihrer Ausbildung verdiente sie durch kleinere Auftritte dazu. Und ihr erstes Programm 2004 „Kellnerin Monique: Schmeckt’s ned?“ – basierend auf ihren Berufserfahrungen – war ein großer Erfolg.
https://www.youtube.com/watch?v=le6BVDVztv8
Viele junge Menschen wollten heute Schauspieler, Sänger – oder am besten gleich „Star“ werden. Gruber empfiehlt einerseits, Sehnsüchte und Hoffnungen nicht zu begraben: „An den Gräbern der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, das ungelebte Leben.“
Auf der anderen Seite müsse man aber wissen, wie schwierig dieser Weg sei. Eine Freundin bat sie einmal, mit ihrer Tochter zu reden, die auch Schauspielerin werden wolle. Gruber fragte die junge Dame, wie ernst es ihr sei. Na ja, meinte die, auch Modedesignerin oder Architektur käme in Betracht. Sie erhielt zur Schauspielerei den Rat: „Tu mir den Gefallen und lass es!“
Der Beruf sei hart – und gerade bei Frauen das „Verfallsdatum“ oft bald erreicht. Als Kabarettistin könne man wenigstens „schiach“ sein.
Ich glaube, diese Überlegungen sind auch in unserer „Bonsai-Tangowelt“ nützlich: Ich erlebe es gerade bei Frauen immer wieder, dass sie zunächst höchst fasziniert von unserem Tanz sind, auf den ganzen Schmus von der „glückseligen Umarmung“ hereinfallen. In der Realität hocken sie oft stundenlang unaufgefordert herum oder müssen sich mit grenzwertig begabten Partnern begnügen – nicht selten gar mit Männern, die es weniger auf Schritte denn auf den Schritt abgesehen haben. Die O-Töne von enttäuschten Damen habe ich in vielen Artikeln zitiert.
https://milongafuehrer.blogspot.com/search/label/Frauen%20und%20M%C3%A4nner
Daher sage ich: Tango ist nix für Unentschlossene oder Feiglinge – und schon gar nicht ein Fertigprodukt, das man in einigen Kursen erwerben kann. Man muss schon so verrückt sein, den Tango wirklich in sein Leben zu lassen. Sonst wird das nichts und erzeugt mehr Frust als Vergnügen – gerade bei der momentanen Entwicklung, wo man weniger tanzt als auf dem Parkett herumsteht.
Ich glaube nicht, dass ich mich unter den heutigen Umständen nochmal so tief in den Tango begeben würde – eher zehre ich davon, ihn noch in seiner „wilden“ Form erlebt zu haben. Aber ich will niemanden abhalten – wer weiß schon, wie die Entwicklung weitergehen wird!
Monika Gruber berichtet in diesem Gespräch auch über Enttäuschungen in ihrer Karriere – über Rollen, die sie nicht bekommen hat. Das gilt umso mehr für Kolleginnen, die nicht den Circus Krone oder die Olympiahalle füllen, sondern durch Kleinkunstlokale und Pfarrsäle tingeln.
Weder Kabarett noch Tango sollte man sich mit Konjunktiven nähern – man macht es oder man lässt es.
Ich werde jedenfalls weiter ein Fan dieser großartigen Kabarettistin bleiben. Für mich ist sie das, was man in Bayern mit dem Ehrentitel „Volksschauspielerin“ krönt. Auch wenn ich finde, dass sie inzwischen mehr auf Tempo und Drama drückt als es nötig wäre. Immer noch gefällt mir ihr erstes Programm deshalb so gut, weil es darin Szenen gibt, in denen sie ihre Verletzlichkeit offenbart:
https://www.youtube.com/watch?v=bHu0Ta31q6E
Ich empfehle jedenfalls, sich zumindest die ersten 20 Minuten des Gesprächs anzuhören:
https://www.youtube.com/watch?v=bRU4Za7BZeA
Mit den Worten von Meister Yoda: „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“
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