Don’t feed the trolls?



In dem Forum www.tanzmitmir.net verfolgt mich seit Anfang Oktober ein Troll der besonderen Art. Besser gesagt: Ich habe ihn mir zugezogen (oder ins Profil getreten).

Ein nach eigenen Angaben studierter, zirka 44-jähriger Herr aus Erkrath (NRW) sucht unter dem Pseudonym „NocheroSoy“ dort eine Tanzpartnerin – und nach dem bisherigen Verlauf wage ich die Prognose: Er wird sie nicht dauerhaft finden.

Mein „Verbrechen“ bestand wohl darin, auf dieser Internetplattform einen meiner Blogbeiträge ("Tango: Standard oder Stand-Art?") erwähnt zu haben. Umgehend platzte jener Herr in eine sachliche Diskussion mit anderen Teilnehmern und rüpelte mich unter der Überschrift Qualitätsproblem bei Bloggern“ gleich einmal an: Da ich wohl die nach seinem Geschmack falschen Videos verlinkt hatte, attestierte er mir „haarsträubende Aussagen“ und gab an, welche Software ich zur Überwindung von GEMA-Sperren bei YouTube im provinziellen Pörnbach einzusetzen hätte. Weitere Belehrungen folgten, unter anderem zum „Balett“.

Ich gebe ja zu, meine Antwort war leicht ironisch: Ich wisse nicht viel vom Ballett, mir sei allerdings die richtige Schreibweise bekannt. Dies war der Auslöser für eine Lehrerschelte unglaublichen Ausmaßes, welche in Formulierengen wie nach Gutsherrenart - Verzeihung: Oberlehrerart“ oder  Gymnasialoberstudienratknappdanebensogarnochwichtigernämlichalsoberstudiendirektorküssdiehandundhabedieehre“ ausartete. Zudem würde ich in meinem Blog einen BILD-Zeitungsstil pflegen, da mir Inhalte unwichtig seien. Meine Entgegnung, schon einmal für die SZ geschrieben zu haben, mündete in ein inquisitorisches Verhör nach Auflagenzahlen etc.

In diesem Verlauf etablierte sich beim Schreiber offenbar eine Gehirn-Endlosschleife, und in ständig sich wiederholenden solchen stellte er mich als jemanden hin, welcher egozentrisch sei und in pathologischer Verirrung „nur gelesen“ werden wolle. Einige Zitate hierzu:

Ich habe schon verstanden: Hauptsache: Du wirst gelesen.“
„Denn das Allerwichtigste bleibt weiterhin: Hauptsache Du wirst gelesen ...“
„Damit beispielsweise Postzusteller und Prospekteverteiler dezent darauf hingewiesen werden, dass Du gelesen wirst...“
"Ich werde gelesen. Also bin ich. Ich. ICH. ICH! ICH!! ICH!!! ICH!!!! ...."
„Da ist ein Mensch, der getrieben wird, sich stets in den Mittelpunkt zu stellen, um sich seiner Existenz immer wieder zu versichern.“
„Später am Abend hört man wieder Gebrüll im Dorf: ‚Ich habe einen neuen Blogeintrag. Ich. Ich! ICH!! ICH!!!!....‘"

Auch die nette Drohung, durch eine ihm bekannte Fachkraft für Informationstechnologie per externem Computerprogramm meine Zugriffsstatistiken zu manipulieren, war ihm nicht zu schäbig – ebenso wenig die Behauptung, ich würde andere Forumsteilnehmer mit „Raubkopien“ versorgen wollen.

Als Krönung startete er heute unter dem Titel Wie ein Tango-Blogeintrag entsteht“ einen eigenen Thread, den er mit einer absurden Geschichte über einen wahnsinnigen Blogger einleitet, welcher sogar noch Prospekteverteiler und Postboten würgt, um den Ruhm seiner Internetseite zu verbreiten. Selbstredend läuft es auf den Dreh hinaus, des Gegners behandlungsbedürftige Psyche bloßzustellen: Die Idee, den Übergeschnappten mit einer Anzeige wegen Ruhestörung zur Raison zu bringen wurde verworfen, da er in seinem bedauernswerten Zustand offenkundig nicht schuldfähig sein kann.“

Ich mag nicht weiter zitieren – mir ist übel genug. Wer fürchtet, ich könnte schon wieder einmal „aus dem Zusammenhang reißen“, darf die vollständige Soße gerne auslöffeln:

Ich bin nun seit Jahren solche Anwürfe gewöhnt (wohlgemerkt von anonymen gegen namentlich bekannte Personen). Letztlich sind es immer wieder die gleichen Zutaten: Man wird sofort persönlich, unterstellt dem anderen Arroganz, Geltungssucht und Überheblichkeit, rückt seine Psyche ins Pathologische, droht mit digitalen Manipulationen und zieht die uralte „Oberlehrer-Masche“ ab, wenn der Dialogpartner mal so dreist ist zu glauben, er wisse etwas besser.

Da Letzteres nicht nur mich, sondern auch meine Lehrerkollegen betrifft: Vielleicht lesen solche gefühlt schulgeschädigten Gegner einmal Bücher wie das der bislang jüngsten Nobelpreisträgerin: „Ich bin Malala“. Möglicherweise begreifen sie dann, dass sie hierzulande ihre Restbildung einem freiheitlichen (und kostenlosen) Bildungssystem verdanken, das in vielen Ländern (und schon gar für Frauen) nicht selbstverständlich ist – und überlegen sich dann noch einmal den Gehalt ihres dämlichen Geschwätzes.

Die Strategie ist stets die gleiche: Von Inhalten ablenken, weil man auf diesem Terrain eine Auseinandersetzung scheut (gerne auch noch mit der Unterstellung, dass es dem Gegner nicht darum  ginge).

Habe ich Revanchegelüste? Ach, inzwischen kaum noch. Wie immer stelle ich halt die ärgsten Sprüche auf meine Plattformen, das mag man in dieser Szene gar nicht! Und zudem: Eine solche „Diskussionskultur“ legt man ja beim Übergang in die analoge Welt nicht ab. Bedauernswert ist da eher das persönliche Umfeld solcher Menschen, das wohl Einiges auszuhalten hat.  

Don't feed the trollsfüttere die Deppen nicht auch noch an: Diesen Rat hört man immer wieder, und er hat sicher auch seinen Sinn. Was mich persönlich daran stört, ist die Passivität: Stillhalten, bis der andere gnädigst geruht, sich ausgetobt zu haben?

Ich halte es daher eher mit dem Kabarettisten Michael Mittermeier, welcher zurzeit wegen seines Engagements für Flüchtlinge massenhaft Hass-Mails erhält. Seine Reaktion:  
„Er lese die beleidigenden E-Mails aber dennoch: ‚Weil, wenn du auf eine Bühne gehst und das Wort erhebst, da muss ich wissen, was gesagt wird.‘ Erst wenn er 400 dumpfe und rassistische Parolen in seiner Post gelesen habe, könne er ‚ganz reinen Herzens‘ auf die Bühne gehen und sagen: ‚So, jetzt gibt's auf die Fresse zurück.‘“

Und: Ich bin sehr glücklich, dass ich auf meinem Blog nur Kommentare mit Klarnamen zulasse. Auf das Charakterdefizit, bestimmte Dinge nur anonym äußern zu wollen, kann man sich in solchen Zusammenhängen nämlich fest verlassen.

Kommentare

  1. Heute hat der Gute noch einen draufgesetzt:
    http://www.tanzmitmir.net/tanzpartner-boerse/viewtopic.php?t=17084

    Na gut, mittelmäßige Satire, brav, brav…

    Psychologisch gesehen ist das wohl eine Projektion: Wie würde er sich selbst auf einer Milonga verhalten, wenn er Blogs und Bücher schreiben würde?

    Ich zitiere mich hier mal: „Das ist das Tolle an der Psychoanalyse: Man plappert auf der Couch über andere und merkt gar nicht, dass man sich selber beschreibt…“

    AntwortenLöschen
  2. An dem Ort, an dem ich mich gerade befinde, sieht man oft Plakate mit der Botschaft "Stop Hate Crime". Womit ich nicht sagen will, daß ich Herrn Nachtwächter in die gleiche Liga stecken will - mir scheint aber, die Schwingung ist ähnlich.

    Ich hatte ja schon mal geschrieben, daß besagtes Forum nicht ganz mein Ding ist. Aber hat denn Herr Nachtwächter auch irgendeine positive Botschaft, wenn er gerade nicht mit "Haten" beschäftigt ist?

    Beim Googeln nach NocheroySoy bin ich jedenfalls "nur" auf diverse Video- und Musik-Referenzen gestoßen.

    Viele Grüße

    Yokoito

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da fragst mich zuviel! Aber das Phänomen, sich mangels eigener Botschaften an andere dranzuhängen, ist ja nicht neu.

      Löschen
  3. Hab jetzt erst den oben genannten Post von Mr. N gelesen...Ebola de Oro...da muss man erst mal drauf kommen. Not bad.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Allerdings! Habe den Gag zur persönlichen Verwendung beschlagnahmt. Sowas is nix für Amateure...

      Löschen
  4. Kurzzeitig meldete sich auf dem obigen Forum noch „ElPuntazo“, nach eigenen Angaben somit „eine Wucht“, in Poing bei München wohnend sowie im Tango auf „Showtanzniveau“ agierend. In Windeseile zog er das Pflichtprogramm „eifersüchtiger Gockel“ ab:

    „Mit deinem Milongaführer hast du die Münchner oft genug genervt, gerade weil du die Dinge verdreht dargestellt hast.“
    „Einige meinten Zitat: Ich war mit ihm öfters auf Milongas. Damals war noch alles anders. Heute spinnt er einfach.“
    „Ich habe anfangs auch gedacht, wow der muss!!! - tanzen können. Weit gefehlt.“
    „Immer mit offenen Mund tanzen - sieht auch etwas befremdlich aus...“
    „schreib so wie du möchtest, ich habe mich schon lange an dein Niveau angepasst“

    Als ich ihn schließlich darauf hinwies, er könne - neben anderen orthografischen Schwächen - nicht mal meinen Namen richtig schreiben, verließ er gestern mit Getöse das Forum:

    „Lege doch mal deinen Duden weg und lerne Tango, damit du endlich mal mitreden kannst....
    Melde dich wenn du es mit der Mittelstufe aufnehmen kannst... Und bitte mit geschlossenem Mund“

    Na, hoffentlich kommt jetzt nicht eine „Diva-Nummer“ mit 13 Abschiedstourneen…

    AntwortenLöschen

Kommentar posten

Bitte geben Sie im Kommentar Ihren vollen (und wahren) Namen an und beziehen Sie sich ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels. Unterlassen Sie herabsetzende persönliche Angriffe, gegen wen auch immer. Beiträge, welche diesen Vorgaben nicht entsprechen, werden – ohne Löschungsvermerk – nicht hochgeladen.
Sie können mir Ihre Anmerkungen gerne auch per Mail schicken: mamuta-kg(at)web.de – ich stelle sie dann für Sie ein.

Hinweis zum Kommentieren:

Bitte geben Sie im Kommentar Ihren vollen (und wahren) Namen an und beziehen Sie sich ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels. Unterlassen Sie herabsetzende persönliche Angriffe, gegen wen auch immer. Beiträge, welche diesen Vorgaben nicht entsprechen, werden – ohne Löschungsvermerk – nicht hochgeladen.
Sie können mir Ihre Anmerkungen gerne auch per Mail schicken: mamuta-kg(at)web.de – ich stelle sie dann für Sie ein.