Gene Kelly - La Cumparsita



Gene Kelly (1912-1996) ist für mich neben Fred Astaire (1899-1987) der beste Bühnentänzer, der je im Film aufgetreten ist. Während Astaire in Punkto Eleganz unvergleichlich bleibt, ist Kellys Markenzeichen der kraftvoll-athletische Stil.
  
Die Tanzszene stammt aus dem Filmmusical „Anchors aweigh“ (deutscher Titel: „Urlaub in Hollywood“), produziert 1945, in den Hauptrollen Gene Kelly, Frank Sinatra und Kathryn Grayson.
Dass Kelly hier mit Steptechnik einen Tango interpretiert, zeigt, wie zeitabhängig die Auffassung vom Tangotanz ist und bleibt. Um das Ganze noch etwas „spanischer“ erscheinen zu lassen, wurde übrigens im Mittelteil „Espana cani“ (der berühmte Paso doble von Pascual Marquino Narro) eingefügt.

Nach Betrachtung der Filmsequenz gehen uns die Bekenntnisse, wie „unvergleichlich“ die heutige Tanzweise des Tango argentino ist, hoffentlich etwas schwerer über die Lippen. Was Tänzer wie Astaire und Kelly hinbekommen haben, ist Champions League – und nicht Kreisklasse.

Etwaige Zweifel, dass Tanz ein Balzritual darstellt, sind nach Kellys aufwändigem Verfahren, an die Frau zu kommen, hoffentlich endgültig ausgeräumt. Und das mit einem Cabeceo über fünfzig Meter! Schön, dass uns die Schlusssequenz zeigt: Das Ganze war natürlich ein Traum… 




Kommentare

  1. Lieber Gerhard

    Einmal ganze von der negativen Seite, die sich aber ständig nachweisen läßt.

    Meine Frau ist Lehrerein für Orientalischen Tanz bei der Unesco, meine Tochter hat Bühnentanz auf der Laban-University in London studiert. Was soll Mann und Frau davon halten, wenn diese beiden ausgewiesenen Tänzerinnen von Männer in Grapsch- und Contergan-Stellung informiert werden: "Das hab ich aber jetzt nicht geführt!"

    Was ist das für ein Biotop, fern von jeden objektiven Tanz-Grundlagen, mit den Regeln eines strengstens geschützen Reservates? Für FÜHRENDE Männer, die ständig in den gleichen Kreuz- und Vorwärts-Rückwärts-Schritten dahin hatschen? Ohne irgendeinen Bezug zur Musik. Oder sie spielen Musik, bei welcher der monotone Takt gar keine Akzente erfordert?

    Mit Musik, bei der als Kriterium gilt, daß heute lebende Musikerinnen gar nicht in ihre Tasten und Saiten greifen dürfen, weil sie ohnehin das Niveau der Kratz-Platten nicht erreichen könnten?

    Ich bewundere Deine ständigen Bemühungen und sehe mich in allen Ausführungen ziemlich der selben Meinung. Deine hartnäckige Mühe in der Analyse der Umstände sehe ich mit Bewunderung. Ich bin inzwischen dazu über gegangen, die Tanzmethode "Tango Argentino" überall und zu allen möglichen Musiken zu verwenden, nur nicht auf Milongas. Überall anders bin ich von diesen urkomischen, geriatrischen und männlich unselbständigen Verhaltensweisen unbelastet und kann einfach kreativen Paartanz fern von festgelegten Schritten und mit unglaublich kreativen Möglichkeiten tanzen.

    Dafür bin ich dem "Tango" dankbar, die Begleitumstände hab ich schon fast vergessen.

    Grüße vom Traunsee
    Peter

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    1. Lieber Peter,

      ich kann das gut nachfühlen! Gestern war ich in München auf einer "angesagten" Milonga - die Waschzettel mit den Codigos lagen auf den Tischen aus... Na gut, neuer Stoff für eine Satire!

      Ich bin da einfach stur - das könnt den Herrschaften so passen, mir den Tango zu verleiden! Aber es gibt hier im Umfeld durchaus positive Beispiele, manchmal wird die Musik sogar wieder vielfältiger - und außerdem bist Du ja nach wie vor herzlich eingeladen, nach Pörnbach zu kommen.

      Herzliche Grüße
      Gerhard

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    2. kerstin gaertner19. August 2015 um 02:19

      Hallo Gerhard, denke, dass ich sonntag auf der gleichen Milonga war. Codigos hingen aber aus, am Eingang. Und haben sich die Tanzenden daran gehalten? Fliegende Absätze, unmotivierte Rückwärtsschritte der Herren allerorts. Zwei , drei Andeutungen einer Caminata, mit - plötzlichen Stops für klammernden Verziehrungen ohne Achse.. Je mehr von diesen Showtanzimitaten umso "meisterlicher". Die anderen bleiben stehen? Das ist nur Bewunderung ob der gymnastischen Leistung!. Ob es in der Musik passt? Nebensache, lästige. Böswillig verallgemeinert war es ein Trauespiel.
      Musik aber nicht schlecht.
      Gruss Kerstin

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    3. Hallo Kerstin,

      ist schon richtig, die Liste mit den 20 (!) Regeln hing sogar aus. Irgendwann wird jeder Gast deren Kenntnisnahme noch per Unterschrift bestätigen müssen – da bin ich mir sicher.

      Könnte vielleicht gar nicht schaden, denn offenbar kennen sich da auch Traditionalisten zu wenig aus: Die von Dir beklagten plötzlichen Stopps mit Hemmung des Tanzflusses z.B. waren dort gar nicht verboten. Auch eine Verpflichtung, zur Musik zu tanzen, finde ich nicht in diesen Regeln (als Folge wäre wohl das Parkett so leer, dass sich die anderen Códigos erübrigen würden). Du kannst mir ja gerne einmal eine Lösung zu meinem "Kleinen Código-Quiz“ einsenden (aber nicht vom besagten Zettel spicken, gell?).

      Wenn man die in dieser Stadt nicht eben hohen Tanzkünste bedenkt, ging es meinem Eindruck nach auf dem Parkett doch recht manierlich zu. Irgendwelche groben Rempler oder gar Unfälle habe ich nicht beobachtet. Ja, ich weiß schon – die Störung des Seelenfriedens…

      Traditionelle Tänzer vergleichen diese Regeln gerne mit der Straßenverkehrsordnung. Doch selbst wenn sich alle Autofahrer an diese halten würden (von der menschlichen Natur her eher unwahrscheinlich): Behinderungen (Staus!) oder riskante Situationen würde es weiterhin geben, so lange man das Auto als individuelles Fortbewegungsmittel sieht. Man kann die Fahrzeuge natürlich auch im Miniaturformat auf ein Kinderkarussell montieren, dann geht’s immer schön gleichmäßig im Kreis herum (Ronda!). Ich fürchte nur, dieses Vorhaben würde bei den Autofahrern Zustimmungsraten im Promillebereich ernten…

      Tanzen bedeutet für mich Freude an der individuellen Bewegung zur Musik – selbstverständlich mit Rücksichtnahme auf die anderen Paare. Zwischen beiden Zielen muss man stets im Einzelfall abwägen. Manchmal habe ich den Eindruck, den konservativen Herrschaften geht es um beides eher nicht, sondern vor allem darum, dass Regeln eingehalten werden - so wie manchen Rentnern, die, mit einem Kissen aufs Fensterbrett gestützt, Falschparker aufschreiben, statt sich mal ehrenamtlich als Verkehrslotse an einer Ampel auf dem Schulweg zur Verfügung zu stellen.

      Beste Grüße
      Gerhard

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    4. Um wieder zum Thema zu kommen:
      Peter Ripota hat mir dankenswerterweise einen Link zu einer weiteren, sehr lustigen Tangotanzszene mit Gene Kelly geschickt:
      https://www.facebook.com/peter.ripota

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    5. Liebe Leute

      Warum Tanzen wir nicht dort, wo genügend Platz ist?

      Ritualisierte und minimalisierte, gar nicht creative Vorstufen von Tanz gibt es übrigens auch woanders, nicht nur auf den „traditionellen“ Milongas. Kein Mensch weiß, was da dran „traditionell“ ist, außer, daß völlig von der Creativität und Neuerschaffung und von aktueller lebendiger Interpretation abgeschnittene Musik abgespielt wird (Deshalb müssen sie auch so tanzen, sonst passt das ja nicht zusammen).
      Es gibt zum Beispiel den durchritualisierten "Volkstanz" (den ich manchmal in unserer Volksmusikgruppe ein bißchen betreibe, mach Spaß, für eine Viertelstunde) oder Trooping the Colour für die Queen.

      Aber Tango ist angeblich Improvisation, hat was mit Creativität zu tun und Crativität wiederum mit möglichst vielen "Möglichkeiten". GESCHÜRT von abwechslungsreicher Musik im Wechselspiel der im Bruchteil der Sekunde, bis hin zu gleichzeitig wechselnden "Bewegungsangebote(n)" der beiden Tanzenden an den jeweils anderen (Ist ein halb-wissenschaftlicher Versuch zu sagen, DASS NICHT (NUR) DER MANN FÜHRT, daß niemand FÜHRERn muß (hat sich schon vor 80 Jahren herausgestellt und davor auch schon ein paar mal, zB.: in den Iden des März).

      Ein Tanz mit dem "Anbieten" und "Annehmen" von Movements oder was ganz anderes daraus zu machen oder gar nicht etwas ganz bestimmtes von der oder dem Anderen zu erwarten, sondern mit Freude annehmen, daß der/die PartnerIn eine ganz andere creative und unerwartete „Antwort“ oder "Gegeneinladung" gefunden hat, vielleicht eine, die ich noch nie erlebt habe, das ist jedenfalls für mich Tango Argentino.

      Und nicht: „Das hab ich aber jetzt nicht geführt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

      Und das funktioniert sehr gut. Voraussetzung ist, daß die Damen auch mindestens so viele Möglichkeiten kennen, wie die derzeit FÜHRENDEN. Gottseidank ist das nicht schwer, bei dem minimalen Repertoir an Movements bei den Männern.

      Also laßt uns gemeinsam die anatomisch möglichen vielen vielen Bewegungsformen erforschen und erfinden, die zwei Körper unter dem Gesichtspunkt der Optik und der sehr weit gesteckten Rahmenbedingungen des Tango Argentino zur Auswahl haben.

      Was dann aber beim Tanzen herauskommt braucht Platz, viel Platz.

      Nur die Rondas, die aus dem Altersheim in die Öffentlichkeit verlegt werden, mit der Musik aus den Geburtsjahren der Tanzenden, kommen mit 1m² pro Tanzpaar aus. Übrigens gibt’s die Codigos in jedem Altenheim nachzulesen. Sie sind dort notwendig, weil sonst die BewohnerInnen allzu creativ werden, in allen LebensLAGEN.

      Übrigens werden die Codigos dort unter Ausfsicht der SCHWESTERN und seit neuestem der BRÜDER (der AltenpflegerInnen) kompromisslos beaufsichtigt und umgesetzt.

      Damit schließt sich der Kreis zu den „traditionellen“ Milongas. Wahrscheinlich sind dort die Codigos zum Tanzen notwendig (keine Boleos, keine Ganchos, in Reih und Glied) um zu verdecken, daß die dortigen TänzerInnen das ohnehin gar nicht können oder körperlich nicht mehr dazu in der Lage sind, eigene Bahnen zu ziehen und eigene Wege zu gehen. Jetzt muß ich meinen Text beenden, sonst gleite ich in Hinweise ab, die nur im persönlichen Gespräch vorgebracht werden sollten….aber jedenfalls hängen sie mit dem wohl bedauerlicherweise eines Tages, aber nicht beim Tango Argentino, notwendigen und vom Blogautor schon erwähnten Rollator zusammen.

      Da fällt mir ein, warum könnte Mann/Frau nicht mit Tango eines Tanges hinübertanzen, vor dem Rollatorzeitalter……oder doch Boleos und Ganchos bis ins höchste Alter, um genau das herbei zu führen……seltsame Gedanken, ich weiß.

      Liebe Grüße vom Traunsee
      Peter

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    6. Lieber Peter,

      das mit dem Platz ist ein interessanter Gedanke; er erklärt zumindest teilweise den „Herdeneffekt“ im Tango: Man rennt auf Milongas, weil alle hinrennen, oft bis zur totalen Überfüllung. Steht eine Veranstaltung im Ruf, dass dort „nichts los“ ist, wird sie gemieden – dabei hätte man doch allen Raum der Welt, um sich so richtig auszutoben! Der Nachteil wäre aber: Die tänzerischen Unterschiede würden sehr deutlich.

      So gesehen ist die „traditionelle Milonga“ (die es in dieser Form wohl noch nicht lange gibt) ein perfektes Marketing-Konzept, eine Versicherungsgarantie gegen Überforderung: simple Musik, einfache Schritte, kaum Unterschiede zwischen den Tanzenden, Regeln zur Eliminierung des Individualismus – wie ein Hundertmeterlauf mit der Vereinbarung „Wir warten vor der Ziellinie, bis alle da sind“. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen!

      Ansonsten: Ich glaub, Du brauchst noch lang keinen Rollator – und wenn, dann hättst sicher das Turbo-Modell mit Hupe und Weißwandreifen…

      Liebe Grüße
      Gerhard

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