Tangoplaudereien aus dem DJ-Nähkästchen



Hin und wieder sorgte ich auf Milongas für die Beschallung – wenn man mich danach fragte. Mein Umfeld wusste, dass diese Option besteht, aber mir ist war genauso recht, einfach „nur“ tanzen zu können.

Auf einschlägigen Blogs im Internet übertrifft man sich derzeit in den Anforderungen, welche an einen Tango-DJ zu stellen wären: Mit einem Wochenend-Workshop sei es nicht getan – dieser Job erfordere eine längere Ausbildung bei den gerade angesagten Gurus (vierstellige Gebühren eingeschlossen), technische Fitness auf dem Level eines Toningenieurs (möglichst mit entsprechendem Equipment einschließlich Schallpegelmessgerät) sowie natürlich ein profundes Lexikonwissen zur Musik der „Epoca de Oro“ plus Beachtung geheiligter argentinischer Traditionen bei der Zusammenstellung der Tandas. Also, uff erstmal…

Als wir im April 2007 unsere monatliche Milonga aus der Taufe hoben, passten meine CDs noch locker in einen handelsüblichen Koffer, ich wollte schlicht die Musik spielen, welche mir gefiel, und an der Tonanlage der Tanzschule drehte ich so lange herum, bis mir der Sound annehmbar erschien – kurzum, ich legte auf, wie ich mich auch dem Tangotanz näherte: learning by doing. Nachdem wir nun die Aufmerksamkeit mitlesender „Experten“ durch deren Ohnmachtsanfälle eh verloren haben, sei noch im Vertrauen hinzugefügt: Viele der Gäste kamen immer wieder (im Schnitt etwa 35 pro Abend) – und tanzten bis weit nach Mitternacht.

Freilich mussten wir uns schon am Eröffnungsabend die Frage stellen lassen, ob wir „keine richtige Tangomusik“ hätten, man könne sonst notfalls noch „die eigene CD aus dem Auto holen“. Einmal und nie wieder anreisende profunde Kenner des Fachs belehrten uns über den sachgerechten Einsatz von Tandas und Cortinas sowie hinsichtlich der Tatsache, dass wir von den „anerkannten und gültigen Milongas Gäste abzögen“ – na, so was aber auch! Auf einem Auswärtseinsatz bei einem für seine Emotionalität berüchtigten deutschen Volksstamm wurde man mit dem Wunsch nach „Salontango“  vorstellig (nachdem ich anderthalb Stunden die EdO-Orchester rauf und runter gespielt hatte und sodann einen Ausflug in die Moderne riskierte). Meine steten Ankündigungen, ich legte Tangomusik „von Villoldo bis Otros Aires“ auf, werden von solchen Beschwerdeführern natürlich ignoriert. (Vielleicht hält man diese Namen für argentinische Städte?) Ebenfalls legendär die Frage: „Kannst du bitte das eine Lied auflegen, wie war denn gleich der Titel – ich sing’s dir mal vor!“

Doch die Gästefraktion des Neotango hält sich in Punkto Sachkunde und Toleranz ebenso zurück: „Spielst du auch mal was Modernes?“, wurde ich einmal gefragt, als gerade ein Stück von „Las Sombras“ (Baujahr 2012) lief – und als ich es daraufhin – damit es nun jeder merke – mit  einem Elektrotango richtig krachen ließ, stellte uns ein Besucher die lautstarke Frage, warum ich „so einen aggressiven Scheiß“ auflege (wohlgemerkt: auf einer Neo-Milonga…). Einer Dame in den Siebzigern war an diesem Abend bereits nach fünf Minuten die Lautstärke zu hoch: „Da kann man sich ja gar nicht unterhalten.“ So viel zum Begriff „Unterhaltungsbranche“…

Doch insgesamt blieben solch offen kritische Äußerungen die Ausnahme – hinter den Kulissen freilich warnten Tangolehrer von eigenen Gnaden schon einmal ihre Schüler vor unserer „schwierigen und problematischen Musik“. Viel mehr leide ich jedoch an der Tatsache, dass der durchschnittliche Milongabesucher vom Frontman hinter der Anlage einen Totalservice erwartet - egal, ob es um Zugluft respektive schwüle Atmosphäre, benötigte Sicherheitsnadeln, Zigaretten, Feuerzeug, Abstumpfungspuder, verlorene Geldbeutel, Tangotratsch oder Tanzaufforderungen geht. Einmal sollte ich gar während einer Milonga auf den Kronleuchter klettern und zwecks Dimmung des Lichts jede zweite Kerze herausschrauben. Na klar - der DJ hat ja gerade nichts zu tun und freut sich sicherlich über eine kleine Abwechslung auf hohem Niveau!

Dem entspricht die im Internet gelegentlich zu lesende Auffassung, die Person an den Reglern habe sich – fernab vom eigenen Geschmack – als Dienstleister zu verstehen, welcher eine der gerade vorherrschenden Ideologie entsprechende Musikauswahl darzubieten habe. Dies ist für mich ebenso absurd, als wollte man Interpreten vorschreiben, welche Stücke sie bei einem Auftritt wählen müssen (wenn es sich nicht gerade um Friedhofs-Organisten handelt – hier gar kein schlechter Vergleich…). Die musikalische Gestaltung eines Abends ist eine Kunst – und somit eine Aufgabe, die sich vom individuellen Verständnis des Ausführenden ableitet. Wenn mir ein Dirigent nicht zusagt, gehe ich halt nicht mehr in seine Konzerte! Und ich muss weder ein Schalldruck- bzw. Frequenzgangexperte sein noch mir meine eigene Verstärkerendstufe zusammenlöten können – oder ist ein Violinspieler auch stets ein Geigenbauer?

Ich bin heute fest davon überzeugt, dass ich in meiner Anfangszeit als DJ zu viele Kompromisse machte: Nur um Gäste mit zwanghaft-verkopfter Einstellung und daher geringen tänzerischen Fähigkeiten nicht zu verschrecken, griff ich zwischendurch zu weniger ambitionierten (man kann auch sagen: langweiligeren) Titeln, um diese Kundschaft nicht zu verscheuchen. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn wir auf solche Besucher verzichtet und stattdessen unsere „Fans“ noch stärker überzeugt hätten. Offenbar versuchen selbsternannte „Tangopäpste“ immer wieder, gerade Anfänger an der Tonanlage hinsichtlich des „richtigen“ Tangos „einzunorden“ – ich kann nur jeden ermutigen, weniger auf billigen Rat denn auf eigenen Geschmack und Stil zu vertrauen: So wirkt man authentisch, statt als „Lackmuspapier-DJ“ stets nur den gefühlten Trend anzuzeigen. (Immerhin fällt mir gerade bei solchen überzeugungsfreien Auflegern in letzter Zeit auf, dass sie wieder ein abwechslungsreicheres Programm bieten: Zufall oder Hoffnungsschimmer?)

Daher möchte ich auch bei diesem Thema nicht den „Regelaufsteller“ geben, sondern lediglich meine persönliche Arbeitsweise andeuten:

  • Da ich (offenbar im Gegensatz zu vielen Kollegen) drei- bis viermal in der Woche zu den unterschiedlichsten Milongas fahre, vermeide ich es, Stücke auszuwählen, die ich fast ebenso oft in sieben Tagen höre – egal, aus welcher Sparte sie stammen. (In meiner Zivildienstzeit hörte ich von meiner Chefin, es sei ein Indiz für geistige Behinderung, wenn Kinder monatelang klaglos täglich die gleiche Sorte Wurstbrot äßen…)
  • Ich verliere mich nicht in tontechnischen Grübeleien, sondern überprüfe vor und während der Veranstaltung durch häufige Kontrollgänge (oder eigenes Tanzen) Lautstärke und Klang. Dies ist oft auch bei Titeln auf ein und derselben CD erforderlich, die erstaunlich unterschiedlich abgemischt sein können. (Zur Beruhigung meiner Nerven befindet sich übrigens im Auto stets meine eigene Tonanlage!)
  • Die Musik kommt bei mir altertümlicherweise immer noch von CDs. Das liegt zum einen daran, dass eine fundierte Beschäftigung mit der digitalen Tonverwaltung meine Lebenserwartung deutlich überstiege – andererseits macht mir der Saft, welcher da gemeinhin aus dem „Apple“ tropft, oft einen ziemlich dünnen und blechernen Eindruck. Liegt das an den „komprimierten Dateien“, welche dann „Valensina-Tangos“ liefern: Klingen wie frisch gepresst (oder gerippt)? Doch bevor nun Computerexperten in Schnappatmung verfallen: Meine Inkompetenz habe ich ja bereits bekannt – und sicherlich ist gerade eure digitale Lösung das Nonplusultra. Wie schön! Nur bitte nicht vergessen: Entscheidend bleibt das Format des DJ und nicht das seiner Musikdateien…
  • Selbstverständlich erstelle ich mir für jede Milonga eine neue Titelliste, an die ich mich aber nicht immer halte. Mein Blick bleibt vorwiegend auf dem Parkett: Welcher Anteil der Besucher tanzt gerade, wollen die jetzt noch eine Milonga oder lieber was Ruhigeres? Passt der Übergang zum nächsten geplanten Stück wirklich? Insofern würde es mich wahnsinnig machen, wenn ich zeitgleich per Kopfhörer noch weiteres Gedudel auf die Ohren bekäme. Einen ganz originellen Grund für die Benutzung dieses Requisits habe ich neulich von einem Kollegen vernommen: Er könne oft dem Titel auf seiner Liste nicht mehr die entsprechende Musik zuordnen. Das passiert mir kaum einmal – und wenn: Jedenfalls muss es ein tolles Stück sein, sonst hätte ich es doch nicht ausgewählt! Highlight war für mich ein DJ, welcher zehn Minuten lang nicht merkte, dass die Lautstärke viel zu niedrig war. Warum wohl? Richtig, die Ohrenschützer!
  • Cortinas brauche ich persönlich überhaupt nicht, schon da mich als Tänzer das tangoferne Dazwischengeplemper regelmäßig aus der Stimmung reißt. Weiterhin will ich den Gästen nicht vorschreiben, dass sie nunmehr gefälligst einen Tanz beenden und anderweitig auffordern sollen. Brauchen die mich als Kindermädchen? Und soweit ich in Tandastruktur auflege, traue ich den Besuchern die Fähigkeit zu, einen Wechsel des Musikstils selber zu erkennen – und wenn nicht, was wäre daran so schlimm? Zudem ist es eine hohe Kunst, die Art der Beschallung kontinuierlich zu verändern, statt den Tänzern mundgerechte Dreierhäppchen zu servieren. Auf jeden Fall beurteile ich eher die Qualität der Musikzusammenstellung als deren Schema.
  • Meine Auswahl der Stücke gründet sich darauf, dass ich jeder Epoche des Tangos etwas abgewinnen kann – ob es nun eine fröhlich-hopsende Canyengue von Villoldo, eine Schnulze von Gardel, ein atemberaubendes Arrangement von Troilo, Gänsehautmusik von Piazzolla oder ein poppiger Elektrotango ist. Diese Vielfalt versuche ich an einem Abend abzubilden – in der Hoffnung, dass man auch mal auf dem Klo das Hemd wechseln oder seine Lieblingstanguera zutexten kann, wenn gerade nicht die eigene Wunschmusik läuft. Allerdings sollte es schon weitestgehend Tango sein: Das Argument, man könne doch Tangoschritte auf nahezu alles machen, überzeugt mich nicht. Und schließlich: Seit auf den Tangoabenden keine Messerkämpfe mehr ausgetragen werden (was ich nicht in jedem Fall für einen Fortschritt halte), ist das Lästern über den DJ doch ein wesentliches Kulturgut des Weltkulturerbes Tango…

Fazit: Betrachten Sie die Person hinter den Boxen als Künstler, der Ihnen seine Sicht auf den Tango beschreiben will. Geben Sie ihm zumindest einen Abend lang die Chance dazu – seien Sie nett zu ihm, aber stören Sie ihn nicht: Er will doch nur spielen…

         

Kommentare

  1. Hallo Leute!
    Das Hin und Her auf Cassiels Blog wurde offenbar von diesem kraft seiner "Autorität" beendet. Er hat "befunden" es sei genug geschrieben worden. So was kenn ich bei uns nicht. Aber abgesehen davon: kommt Ihr neben dem Meckern auch zum Tanzen?

    tango.ar@2014 – Fragen an die “Community”
    Posted on August 8, 2014 by geotraunkirchen
    Wenn Tango Argentino der Tanz der Improvisation ist, warum muß sich dann die eine Hälfte der Tanzenden von meist -wie im wirklichen Leben- nur sehr eingeschränkt fähigen, geeigneten, phantasievollen Männern führen, vorführen, herumführen….lassen?

    Sind wir nicht -nach meiner Zeitrechnung- im dritten Jahrtausend und ist nicht das Konzept der freien Schritte fähig, die Improvisation von beiden Seiten, und das gleichzeitig, möglich zu machen?

    Dann wirds erst richtig lustig und kommunikativ: wenn beide Seiten gleichzeitig vorschlagen, annehmen, ablehnen, erfinden, noch einen drauf setzen…..

    Dazu müssen sie beide die Möglichkeiten, das Vokabular der Schritte kennen und improvisierend auf alle entstehenden Situationen eingehen können! Nicht nur die Männer (Führende?????) und sondern auch die Frauen (Folgende?????)

    Dazu müssen sie selbstbewußt und mit Freude am “Erschaffen” und ohne Angst vor “Fehlern” sein, aus denen übrigens gemeinsam JEDES MAL spontan etwas Gelungenes erschaffen werden kann (wie in der Jazz-Improvisation).

    Das Konzept “Führen und Folgen” hat nie funktioniert, wenn beide Improvisieren können, wollen, es im 3. Jahrtausend auch gerne möchten.

    Wenn Frauen oder männliche “Folgende” nicht auf ein paar “Verzierungen” reduziert sein wollen -und diese dürfen sie dann ohnehin fast gar nicht ausführen, weil “hohe Ganchos” usw. verpönt sind- dann ist der Tango Argentino offenbar nie das, was vorgegaukelt wird: ein Tanz der Improvisation.

    Wenn beide improvisieren und im Bruchteil des Augenblickes reagieren können, weil sie genug “Wortschatz” an Schritten kennen, dann entsteht das höchste Tango-Tanzvergnügen (Meine Erfahrung).

    Und das jedenfalls auch zu Musik, die wirkliche tänzerische, rhytmische und melodiöse Anreize bietet. Sicher nicht bei musealen Aufnahmen mit alten Orchestern, die bereits auf den babylonischen Keilschrifttafeln ausgekratzt und in den ägyptischen Papyrusrollen aus den Playlists gestrichen waren.

    Es ist mir nicht verborgen geblieben, daß es Führende gibt, die das gar nicht anders können und wollen und Folgende, die das auch so wollen und genießen.

    Aber es ist Zeit für die Erneuerung der Philosophie für das einzige Paartanzkonzept, welches Improvisation möglich macht und zwar für BEIDE (gleichzeitig) und für die Anpassung an die modernen Erkenntnisse der Tanzwissenschaften.

    Wie soll das funktionieren: Der Mann “erfindet” für sich einen Schritt, bringt ihn in seine Beine (wenn er gut ist, im Takt, in der Musik), gleichzeitig überlegt er sich, was die Frau dazu tanzen könnte (?warum überlegt sie das nicht selbst?) dann teilt er ihr das mit “Führung” (Mark, Hände, Oberkörper oder sonst einem Körperteil) mit, sie versteht ihn (hoffentlich richtig) gibt das Kommando über das vermeintlich Verstandene an ihre Beine weiter und kommt im Takt, in der Musik ZU SPÄT? oder irre ich mich da nach 15 Jahren Tango?

    Videos in Zeitlupe lassen das genau erkennen.

    Oder er ist eine gespaltene Persönlichkeit und tanzt selbst im Takt, in der Musik und teilt seiner “Folgenden”, wie ein Dirigent seinem Orchester, rechtzeitig im Voraus die Einsätze mit. Diese Barrenboims und Karajans hab ich noch nie getroffen.

    Das ist der Grund, warum Dirigenten selten selber ein Instrument spielen, wenn sie dirigieren (Es gibt begabte Ausnahmen wie eben Barrenboim und Johann Strauss, nicht Franz Josef (!)).

    Tanzen ins dritte Jahrtausend: viele Frauen steigen begeistert ein, wenn plötzlich auch im Paartanzen der Freiraum und die Selbstbestimmung möglich werden, die sie im Leben längst gewohnt sind.

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    1. Blogbeitrag von Karin Law Robinson-Riedl:

      Das klingt mir ganz so, als ob es da jemand leid ist, Selbstverständlichkeiten zu diskutieren!

      Genau: Tango argentino ist ein Improvisationstanz, freilich mit „standardisierten“ Grundelementen – aber diese bitte nicht verwechseln mit den berühmten „Schritten“ und „Figuren“, die in ADTV-Tanzschulen gelehrt und von Turniertänzern in genau definierter Perfektion dargeboten und bewertet werden.
      Aber nicht einmal dabei gilt ein unumschränktes Führen des Mannes und blindes Folgen der Frau. Tänzerin und Tänzer sind vielmehr – und das unterscheidet sie von Tanguera und Tanguero – völlig aufeinander abgestimmt, haben die „passenden“ Schrittfolgen sozusagen spiegelbildlich erlernt und oft lange hart trainiert. So entsteht im Turniertanz die perfekte und bewundernswerte Harmonie. Aber auch hier befinden sich ja mehrere Paare gleichzeitig auf dem Parkett – was würde geschehen, wenn alle nur rücksichtslos ihre eingelernten Figuren durchtanzten? Selbst in diesem streng reglementierten Geschehen muss flexibel reagiert werden, und das gelingt nur, wenn die Tänzer mental und physisch darauf eingestellt sind.

      (Faschings-)Bälle und ähnliche Tanzereignisse erfreuen sich in unserer Gesellschaft großer Beliebtheit. Hier findet der Partnerwechsel, wenn überhaupt, eher im Bekanntenkreis statt. Meist bietet die Musik die Standardrhythmen, vom Foxtrott über den Walzer bis zum Chachacha, in mehr oder weniger differenzierter Ausführung durch die agierende Band – unter Berücksichtigung der oft seit der Tanzschulzeit mehr oder weniger brach liegenden tänzerischen Fähigkeiten der Festgäste!
      Selbst dabei aber gibt es schon sehr unterschiedliche Tanzerlebnisse, vom Dahinhatschen bis zum schwungvollen Gleiten übers Parkett oder die Diele…

      Im Unterschied zu Turnieren oder Tanzveranstaltungen „für jedermann“ ist es beim Tango argentino (noch) nicht unüblich, dass unter Umständen wildfremde Menschen aufeinander treffen. Sie haben oft ganz unterschiedliche tänzerische Voraussetzungen und Erfahrungen: Welche Grundelemente des Tango kennen sie? Wie lange tanzen sie überhaupt? Wie groß ist die jeweilige Beherrschung ihres eigenen Körpers? Das alles erfahren sie voneinander erst beim Tanzen selbst, möglichst nonverbal, durch die Körpersprache. Was für ein Wagnis für den in der Regel so sehr auf Sicherheit bedachten Europäer! Tänzerische Höhenflüge sind ebenso möglich wie tiefe Enttäuschungen, was halt die „Wundertüte“ Tango bereit ist, auszuschütten. Erstere, wenn die Übereinstimmung optimal ist, Letztere, wenn der „Funke“ nicht überspringen will. Ganz klar: Beide müssen das Ihre dafür tun, um das „Wunder“ möglich zu machen. Wenn wir uns in unserer zivilisierten Welt noch einen Rest Abenteuerlust bewahrt haben, dann gibt es schlechtere Alternativen, diese auszuleben, als beim Tango argentino, wo für die berühmten drei Minuten zwei Menschen gemeinsam Musik aufs Parkett malen!

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