Was soll dieser „Beitrag“ von dir?


„Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.“
(Kurt Tucholsky: „Was darf die Satire?“, 1919)

Komisch, früher hat man Artikel von mir fast immer kapiert (das Tangobuch sowieso, auch, wenn man’s gar nicht gelesen hatte) – und sogleich per Shitstorm hinausposaunt, meine Ansichten seien respektlos, skandalös und völlig abwegig.

Da dies alles nichts fruchtete, ignorieren inzwischen viele offiziell meine Texte (seltsamerweise bei stetig steigenden Zugriffsraten) – und wenn’s gar nicht mehr anders geht, behauptet man, sie nicht zu verstehen.

Das wäre ja nicht schlimm – nur verlangt man von mir, dass ich sie erkläre.

Originalzitat: „Was soll dieser ‚Beitrag‘ von dir?“

Das ist halt das Schlimme, wenn man als Autor noch lebt… da haben es Heine, Tucholsky, Kästner oder Finck leichter! Die kann man nicht mehr fragen.

Soll ich nun zu jedem Artikel eine Interpretation veröffentlichen – möglichst leichtfasslich und mit Links zu den jeweiligen Andeutungen und Wortspielen?

Ich fürchte nur, das würde auch nichts bringen, denn der Mechanismus ist oft der: Ansichten, denen man sich verschließt, verdrängt man – daher erscheinen sie einem unverständlich.

Dass sich Literatur nicht jedem offenbart, hat schon Erich Kästner anschaulich beschrieben:

 
Gerne wird auch die Beschaffung von Quellen verlangt: Wo ich denn was über ein x-beliebiges Thema geschrieben hätte? Sorry, Leute, mein Blog hat eine Suchfunktion – bei weit über 800 eigenen Texten bin ich nicht euer Bibliothekar! Vor allem aber weiß ich ziemlich sicher: Von mir vorgeschlagene Beiträge wären wohl auch wieder nicht recht – und außerdem: Wie ich die denn gemeint hätte?

Klar, wenn ich solche Zumutungen ablehne, werde ich als überheblich beschimpft. Na gut, wenn’s der Wahrheitsfindung dient…

Die Titelfrage zielt natürlich ebenfalls auf meine Motivation: Was macht es für Sie so wichtig, die Diskussion in Ihr Leben bzw. auf Ihren Tangoblog zu holen? Die reine Freude an der Satire an sich kann es aus meiner Sicht nicht sein...“ wurde neulich in einem Kommentar vermutet.

Doch, auch wenn es für manche unvorstellbar erscheint: Sprache ist für mich etwas Wunderbares. Schreiben fühlt sich ebenso schön an wie Tanzen. Aber als Autor oder wenigstens Journalist zu arbeiten, war mir finanziell zu riskant. Also bin ich Gymnasiallehrer geworden (hier bitte die notorischen Oberlehrer-Sprüche einfügen). Damals konnte ich gerade einmal drei oder vier Glossen pro Jahr verfassen (und die Texte meiner Zauberprogramme). Da ich nun viel Freizeit habe, vermag ich meiner Leidenschaft intensiv nachzugehen – und das macht mich sehr glücklich.

Wieso ich also Satiren schreibe? Weil’s mir einen Riesen-Spaß macht – und ich es kann.

Was immer wieder Entsetzen hervorruft: Es kann doch nicht sein, dass man sich öffentlich äußert und der böse Autor einen dann nicht nur ohne Erlaubnis zitiert, sondern frecherweise solche Sätze auch noch ironisch kommentiert?

Doch, darf er – noch dazu ist das ein ganz übliches satirisches Stilmittel, ohne das Kabarettprogramme im Schnitt ein Drittel kürzer wären (ich weiß – für manche eine Wunschvorstellung).

Darf man sich einfach so einmischen, obwohl man hinsichtlich des traditionellen Tango doch ein „Außenstehender“ sei? Ohne gefragt zu sein, ohne jede Genehmigung? Ich könnte nun anmerken, dass ich wohl schon mehr traditionelle" Milongas besucht habe als die meisten Anstoßnehmer. Was soll's glaubt von denen eh keiner... Und immerhin dürfen auf meinem Blog auch Leute kommentieren, die von Satire alles haben außer Ahnung.

Die Erkundigung „Weiterhin möchte ich gerne erfragen, was genau Sie ausdrücken möchten, wenn Sie meine Beiträge hier wiedergeben. Was genau ist Ihre Aussage zu meinen Beiträgen?“ ist keine satirische Erfindung, sondern pure Wirklichkeit.

Was ich da ausdrücken möchte? Na ja, meine Freude am Schrecklichen, was sonst? Aber wer es sagt, ist mir relativ egal. Mir geht es um Inhalte.

Was ich ziemlich perfide finde: Gerne unterstellt man mir erstmal, juristisch Angreifbares zu betreiben. Wenn ich dann anrege, doch einen Anwalt einzuschalten, geht man zum ethisch-moralischen" Lamento über. Ach, lasst bitte das Schwenken des Weihrauchfasses mir ist schon übel genug... 

Im Ernst: Wenn ihr nicht zitiert werden möchtet, dann schreibt euch private Nachrichten. Das könnte natürlich einigen so passen, wenn der kleine Störenfried die Klappe halten müsste, solange erwachsene Menschen sich über so ernste Themen wie die geheiligten Traditionen des Tango unterhalten – damit es in den sozialen Foren dann so aussieht, als gäbe es zu unserem Tanz nur die eine, orthodoxe Lehrmeinung!

Nö, sorry, da wird nix draus.

„Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann“ schreibt Kurt Tucholsky in seinem legendären Artikel, der mit der Feststellung schließt, die Satire dürfe alles.

Was aber erlebt der Satiriker auch noch hundert Jahre später? Eiertänze über die Fragen, ob denn nun Zitate aus dem Zusammenhang gerissen, verkürzt, in falscher Reihenfolge, nicht anonym genug oder mit fehlendem Namen, unerlaubt oder nicht genügend erklärt erscheinen. Plus das Ersuchen, nun aber im Detail und für Blöde" darzutun, was man da überhaupt meine und wolle.

Und natürlich die üblichen ideologischen Überhöhungen: Da geht es dann nicht mehr um einen guten oder schlechten Witz, sondern gleich um „gesellschaftliche Werte auch im Rahmen der Ausübung eines Gesellschaftstanzes“. Humorlosigkeit ist stets die kleine Schwester der Ideologie: Da blödelt man über Bananenmangel und ist gleich ein Agent der Konterrevolution…   

Lachen ist gesund – das hat schon Tucholsky in seinem Artikel erkannt:
„Die echte Satire ist blutreinigend: Und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.“

Daher wäre es höchste Zeit, sogar im Tango die übelnehmende Hälfte des Sofas zu räumen! Dann würden vielleicht auch die Toggenburger verstehen, was ich meine...

Kommentare

  1. Lieber Herr Riedl,

    ich lese Ihre Texte immer wieder gerne, denn sie zeigen so wunderbar, wie so manche Menschen ticken:

    Da schreibt z.B. ein(e) Mr(s). X (um niemanden zu beleidigen, sollen die Wortspenden lieber anonym bleiben): "Mag das nun arrogant klingen? Aber nein, nur völlig bescheuert."

    Oder wenn Y über eine Tänzerin schreibt: "Deutlich über 60, Single, Anfängerin, BMI Richtung 40 …... Von dieser Spezies kriegst du fast immer einen majestätisch nach hinten hängenden Oberkörper. Zudem muss ein aktiver Einsatz der Beinmuskulatur mit selbstständigem Setzen der Schritte nicht befürchtet werden. Stattdessen ist Herumschieben angesagt; die Füße fallen dann meist lasch unter den Körperschwerpunkt. Etwas heftigere Drehungen oder gar rhythmische Spielereien sind aussichtlos - man darf froh sein, wenn sie die Hauptschläge einigermaßen trifft. Außerdem muss ihr irgendein Depp das Kreuz beigebracht haben, welches sie sich bei irgendeiner auswendig gelernten Zahl von Schritten von selber in den Lauf legt. Das erledigt halbwegs sanftes Dahingleiten im Keim - verbunden mit höchster Stolpergefahr."

    Will man wirklich mit so jemanden tanzen, wenn man dann DAS in aller Öffentlichkeit lesen muss? Ich dachte immer, Tanzen sei eine Privatangelegenheit. Was muss in den Köpfen solcher Menschen vorgehen?

    Ich bin froh, dass Sie solche Missstände schonungslos aufdecken. Danke!

    Maximilian Lercher

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    1. Lieber Herr Lercher,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich freue mich immer, wenn sich auch andere mit Satire oder Ironie versuchen – auch wenn es vielleicht im ersten Anlauf noch nicht perfekt gelingt.

      Vorsicht allerdings beim Zitieren! Wenn man die Quelle nicht angibt, kann man erhebliche Probleme bekommen – ich weiß das aus eigener Erfahrung nur zu gut.

      Soweit ich mich dennoch besinne, stammen die Sätze aus zwei verschiedenen Texten von mir.

      Zum ersten: Wenn der angesprochene DJ eh schon vermutete, seine Texte würden arrogant klingen, fand ich es nicht so schlimm, der Kritik eine andere Richtung zu geben. Und: Ich habe nicht ihn als „bescheuert“ bezeichnet, sondern seine Aussagen. Ein feiner Unterschied, den man nicht unterschlagen sollte.

      Beim anderen Zitat hatte ich überhaupt keine spezielle Person im Blick, sondern eher einen Tänzerinnen-Typus. Daher muss sich nun wirklich niemand speziell getroffen fühlen.

      Sie fragen: „Will man wirklich mit so jemanden tanzen, wenn man dann DAS in aller Öffentlichkeit lesen muss?“ Das weiß ich nicht. Fest steht nur: Selber tanze ich mit solchen Damen immer wieder einmal. Sonst könnte ich es nicht so anschaulich beschreiben.

      Ist Tanzen eine „Privatangelegenheit“? Wenn man das im eigenen Wohnzimmer betreibt, sicherlich. Auf öffentlichen Veranstaltungen dagegen nicht, drum nennt man sie ja auch so. Da könnte also immer jemand zuschauen und es nachher in seinem Blog beschreiben.

      Das Leben ist eben nicht nur hart, sondern auch ungerecht. Das lehren uns ja schon die traditionellen Tangotexte.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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    2. Lieber Herr Riedl,

      nie würde ich es wagen, in Ihr Genre 'Satire' einzudringen, in dem Sie ja selbst zugeben, dass Sie darin ein Meister sind: "Wieso ich also Satiren schreibe? Weil’s mir einen Riesen-Spaß macht - und ich es kann." Na, wenn Sie's sagen, wird's auch stimmen.

      Eine Person ist nicht bescheuert, ihre Texte aber schon. Wie geht das denn?

      Und bezüglich "Öffentlichkeit": Da irren Sie gewaltig. Wenn ich mich im öffentlichen Raum aufhalte, bewege oder sonst wie agiere, ist das noch immer meine Privatangelegenheit und darf von niemanden ohne meiner Einwilligung kommentiert fotografiert oder gefilmt werden. Ausgenommen sind jene Personen, die im 'öffentlichen Interesse' stehen (Politiker, Sportler, Künstler und andere Promis - wie Sie z.B.). Das hat sogar Google irgend wann einmal akzeptieren und hinnehmen müssen....

      Schönen Gruß,
      M.L.

      P.S. Tipp: sehen Sie sich mal wirklich gute Kabarettisten und Satiriker an. Nur Nuhr ist zu wenig!

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    3. Lieber Herr Lercher,

      klar kann ich Satire – dieser Satz ist natürlich bewusst überspitzt, was ja typisch für diese Kunstform ist.

      „Eine Person ist nicht bescheuert, ihre Texte aber schon. Wie geht das denn?“
      Erstens Singular: „Text“. Dass der betreffende DJ ständig Blödsinn erzählt, habe ich nicht behauptet. Einen noch wichtigeren Unterschied kriegen Leute wie Sie offenbar nicht auf die Reihe: den zwischen Person und Sache. Für die Aussage, dass jemand nach meiner Meinung dämlich ist, müsste ich ihn und sein Leben schon sehr gut kennen – und dann wäre es dennoch eine Beleidigung.
      Dämliches erzählen tut dagegen jeder von uns mal (ausgenommen Sie wahrscheinlich). Und dann darf man ihm in einer bestimmten Sache schon mal heftig widersprechen.

      Und nein, mit Verlaub, Kommentierung öffentlicher Aussagen ist zulässig, ob Promi oder nicht. Näheres siehe Urheberrechtsgesetz (insbesondere dessen § 51). Sonst könnte man keine wissenschaftlichen Arbeiten schreiben.

      Das „Recht am eigenen Bild“ ist im Kunsturheberrechtsgesetz (v.a. § 22) geregelt. Nur da gibt es die Unterscheidung zwischen „Personen der Zeitgeschichte“ und normalen Leuten. Aber auch die darf man z.B. als Teil einer öffentlichen Veranstaltung in der Menge ablichten. Ansonsten wär bei Letzteren eine Genehmigung notwendig. Daher werden Sie auf meinem Blog keine Bilder von Privatpersonen finden, deren Einverständnis mir nicht vorliegt – auch keine anderen Abbildungen, für die ich keine Nutzungsrechte habe. Verlinken dagegen darf ich Bilder – und bei meinem Blog-Provider auch Videos von YouTube einstellen.

      Ich kann nur immer wieder raten, sich von einem Anwalt für Medienrecht beraten zu lassen. Vieles in diesem Bereich weicht nämlich von den landläufigen Vorstellungen ab.

      Ach ja, und süß, was Sie mir zum Kabarett raten – diese Kunstsparte begleitet mich von Finck über Hüsch und Hildebrandt bis Nuhr nun schon fast 60 Jahre. Demnächst gibt es auf meinem Blog ein Quiz dazu, dann dürfen Sie gerne Ihre Kenntnisse testen.

      Mit besten Grüßen
      Gerhard Riedl

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    4. Lieber Herr Riedl,

      das möchte ich abschließend noch erwähnen:

      Leider liegen Sie schon wieder falsch: Texte sind keine Sache, sondern zum Ausdruck gebrachte Gedanken. Es soll sogar Leute geben, die von sich aus meinen, Texte seien Kunst. Diesen Anspruch erhebe ich für meine Texte nicht, sie haben mit Kunst genau NICHTS zu tun und können daher auch nicht dämlich sein - außer Sie meinen mich persönlich damit.

      Weiters haben Sie mich bzgl. privat ./. öffentlich nicht verstanden. Macht nix - Ihnen etwas zu erklären ist mir zu mühsam und v.a. sinnlos..

      Ihr Satire-Quizchen ist wunderbar: Es zeigt, wie eingeschränkt Ihre Sichtweise ist.

      Liebe Grüße,
      M.L.

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    5. Ach, das würde mich jetzt schon noch interessieren: Welche Satiriker und Kabarettisten hätten Sie denn dabei verwendet?

      Aber jetzt nicht mit irgendwelchen Allgemeinplätzen kneifen - Butter bei die Fische!

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    6. Menschen, die Texte anderer für dämlich und bescheuert halten, muss man nicht antworten. Das entspricht doch genau Ihren Werten, oder?

      Schönen Tag noch!
      M.L.

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    7. Habe ich mir schon gedacht, dass da nichts kommt.
      Übrigens haben Sie den Dialog mit jemandem angefangen, den Sie so einschätzten.
      Ist "Maximilian Lercher" eigentlich Ihr wahrer Name? Mir schwant da inzwischen etwas...

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    8. Herr Riedl, Gedanken sind frei - da will ich Sie überhaupt nicht beeinflussen. Fragen beantworte ich aber nur, wenn's mir Spaß macht. Das müssen doch gerade Sie verstehen.

      Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen,
      Maximilian Lercher (so steht's zumindest in meiner Geburtsurkunde).

      P.S. Bitte nicht mehr weiter fragen - ich beantworte nix.

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    9. Prima.
      Um Ihren Wünschen entgegenzukommen, werde ich Kommentare von Ihnen nicht mehr veröffentlichen.

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