Ein Gast im Kabarett


Die Debatten um Dieter Nuhr haben mir gezeigt: Die künstlerische Beurteilung eines Kabarettisten hängt häufig nicht von der ästhetischen Qualität seines Schaffens ab, sondern von den Inhalten, die er zur Zielscheibe seines Spotts macht.

Einfacher gesagt: Greift er etwas an, das der Zuschauer ebenfalls furchtbar findet, findet man ihn toll – verspottet er hingegen Dinge, die dem Publikum heilig sind, ist er nur ein „plumper Possenreißer“, der „fade Witze“ oder Schlimmeres macht. Ob er gekonnt oder darstellerisch und sprachlich unbeholfen agiert, ist völlig wumpe.

Das ist aber noch der weniger schlimme Teil der Wahrheit: Auch Räumlichkeiten, Sitzplatz, Getränke, Blasenfüllung, Alkoholpegel und sexuelle Optionen können einen Kabarett-Gast maßgeblich in seinem Urteil beeinflussen.

Die Münchner  Lach- und Schießgesellschaft bot in ihrem Programm von 1965 dazu ein hinreißendes Gedicht, das von Jürgen Scheller staubtrocken serviert wurde.

Warnung: Das folgende YouTube-Video zeigt lediglich das Bild der legendären Besetzung mit Hans-Jürgen Diedrich, Jürgen Scheller, Klaus Havenstein, Ursula Noak und Dieter Hildebrandt. Zum Kapieren der Gags wäre ein fast 4-minütiges konzentriertes Zuhören erforderlich, was dem Publikum damals, wie man an den Lachern hört, noch möglich war:



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