Mariposita


Meine Neugier darauf, was uns denn die Tangosänger auf Spanisch mitteilen wollen, ist nach wie vor groß.

Dies gilt vor allem bei Stücken, die mich faszinieren und sofort auf die Tanzfläche locken. Ganz weit oben steht da für mich „Mariposita“, ein Tango von Anselmo Aieta (Musik) und Francisco García Jiménez aus dem Jahr 1941.

Meinen Recherchen zufolge hat es das Stück in bald 80 Jahren noch zu keiner deutschen Übersetzung gebracht – also habe ich dies, angelehnt an eine englische Version, unternommen:  

Mariposita

Un bandoneón
con su resuello tristón.
La noche en el cristal
de la copa y del bar
y del tiempo que pasó...
Mi corazón
con su borracha emoción.
Y en otra voz, la voz
de la historia vulgar,
dice mi vulgar dolor...

Mariposita,
muchachita de mi barrio,
te busco por el centro,
te busco y no te encuentro,
siguiendo este calvario
con la cruz del mismo error.
Te busco porque acaso nos
iríamos del brazo...
Vos te equivocaste con tu arrullo
de sedas palpitantes,
y yo con mi barullo
de sueños delirantes,
en un mundo engañador.
¡Volvamos a lo de antes!
¡Dame el brazo y vámonos!

Ni vos ni yo
sabemos cuál se perdió.
Ni dónde el bien, ni el mal,
tuvo un día final
y otro día comenzó...
Yo bebo más
porque esta noche vendrás.
Mi corazón te ve;
pero habrá que beber mucho...
¡pero mucho más!...

Mariposita...

Kleiner Schmetterling

Ein Bandoneon
mit seinem traurigen Atem.
Die Nacht im Kristall
des Glases und der Bar,
und von der Zeit, die vergangen ist ...
Mein Herz
mit seiner betrunkenen Emotion.
Und mit einer anderen Stimme, der Stimme
der gewöhnlichen Geschichte,
so sagt mein vulgärer Schmerz...

Kleiner Schmetterling,
kleines Mädchen aus meiner Nachbarschaft,
ich suche dich in der Stadt,
ich suche dich und ich kann dich nicht finden,
nach dieser Tortur
mit der Bürde des gleichen Fehlers.
Ich suche dich, denn vielleicht
würden wir Arm in Arm gehen...

Du hast dich geirrt
Mit deinem Schwärmen
von flatternder Seide,
und ich mit meinem Geplapper
von wahnsinnigen Träumen,
in einer betrügerischen Welt.
Kehren wir zurück ins Gestern!
Gib mir den Arm und lass uns gehen!

Weder du noch ich
wissen, was verloren gegangen ist.
Noch wo das Gute oder Böse
seinen letzten Tag hatte,
und ein anderer Tag begann...
Ich trinke mehr,
denn heute Abend wirst du kommen.
Mein Herz sieht dich;
aber ich muss viel trinken...
aber noch viel mehr!

Kleiner Schmetterling...

Dieses Stück dreht sich um das hauptsächliche Tangothema: die Suche nach der verlorenen Liebe. Mir gefallen die verwendeten Bilder sehr – und auch die Doppelbödigkeit der Aussagen: Wird der Protagonist sein Mädchen von einst nicht wirklich wiederfinden, sondern nur im alkoholbedingten Delirium – oder trinkt er sich vor dem realen Treffen nur Mut an?

Auf jeden Fall zeigen im folgenden Lieblingsvideo von mir der Sänger Ariel Ardit und seine Musiker, mit welchen Finessen moderne Ensembles die alten Kracher interpretieren können. Mich jedenfalls reizt diese Version wie keine andere dazu, aufs Parkett zu eilen:



Obwohl ich damit sicherlich Widerspruch ernten werde: Ich kenne viele Sängerinnen, die heute Tangomusik wunderbar umsetzen können – bei ihren männlichen Kollegen komme ich da eher ins Grübeln.

Ariel Ardit ist eine rühmliche Ausnahme. Und mit Carlos Gardel hat er manches gemeinsam – auch die Tatsache, dass beide auf den heutigen Milongas völlig ignoriert werden... Gardel allerdings konnte den Titel nicht mehr einspielen zu dem Zeitpunkt war er schon 6 Jahre tot. 

Quellen:
https://letrasdetango.wordpress.com/2012/05/12/mariposita/ 

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