Wenn‘s mit den Blogs zu Ende geht

Einst war das Bloggen im Tango durchaus eine kleine Welt – heute ist davon nur noch wenig übriggeblieben. So jedenfalls die Meinung von Klaus Wendel in seinem neuen Artikel „Wenn ein weiterer Tango-Blog verstummt“.  

Welcher das sein könnte, ergibt sich aus dem Untertitel: „die Frage, ob es irgendwann auch für mich reicht“.

Na klar, irgendwann reicht’s für jeden.

Früher, so der Autor, sei es weit munterer hergegangen: Man kündigte nicht nur Termine an, sondern diskutierte über alles und jedes. Davon sei nicht mehr viel übrig. Tatsächlich? Ich finde, derzeit geht es ziemlich munter zu!

Im Wesentlichen zählt Wendel neben seinem Blog noch die von Helge Schütt und Yokoito auf. Meiner, den er als „Echokammer“ umschreibt, scheint nicht zu gelten. Da werde ja nur das wiederholt und verdreht, was er selber veröffentliche.

Den Effekt, den Deibel lieber nicht beim Namen zu nennen, sondern nur als „Gottseibeiuns“ zu bezeichnen, kennen wir auch von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, der noch Ende 1967 die DDR lieber als „Phänomen“ umschrieb.  

https://www.spiegel.de/politik/nadel-am-revers-a-d3fbf6c8-0002-0001-0000-000045861209

1959 noch löste Hans Joachim Kulenkampff einen Eklat aus, als er im Fernsehen die DDR als DDR bezeichnete. Mindestens hätte er „so genannte DDR“ sagen müssen! Ein CDU-Bundestagsabgeordneter nannte das „eine leichtfertige und gefährliche Entgleisung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Man forderte eine strenge Untersuchung. Na ja, „Kuli“ hats überstanden.

https://www.spiegel.de/kultur/kuli-aufstand-von-telemann-a-97e33e14-0002-0001-0000-000042623007

Jedenfalls, so der Autor, habe das klassische Blog an Bedeutung verloren. Und irgendwann sei halt zu einem Thema wie Tango sehr viel gesagt.

In der Folge nennt Wendel dann doch noch meinen Namen: „Den Tango Report von Gerhard Riedl werde ich künftig nicht mehr zu den für mich ernst zu nehmenden Tangoblogs zählen.“

Huch – hat er das je getan? Ich bin verwirrt…

Das habe nichts damit zu tun, dass auf meiner Seite „andere Auffassungen“ vertreten würden als auf seiner. Nein, da kennen wir ja seine Toleranz!

Aber ich würde halt nur immer wieder dieselben Themen erörtern.

Na gut – selbst wenn das so wäre: Auch die katholische Kirche ventiliert seit 2000 Jahren dieselben Themen – mit beachtlichem Erfolg! Auf vielen Milongas spielt man jahrein, jahraus dieselben historischen Aufnahmen – mit ebenfalls großem Zulauf. Und Kollege Wendel warnt seit Jahren mit ähnlichen Worten vor den verheerenden Folgen meiner Publikationen. Nach meinem Eindruck durchaus erfolgreich für ihn. Für mich auch.

Nur ich soll mir ständig was Neues einfallen lassen? Echt jetzt?

Na, immerhin habe ich heute ein paar neue Zahlen. Ich habe für mein Blog einmal die Zugriffe im Juli (also Stichtag 1.8.) zusammengestellt:

2014: 2226

2015: 5693

2016: 7446

2017: 10846

2018: 14660

2019: 13459

2020: 15041

2021: 11540

2022: 19542

2023: 13520

2024: 17117

2025: 23404

2026: 30384

Deutlich ist der „Corona-Einbruch“ zu erkennen – und die geradezu sensationelle Steigerung in diesem Jahr. Insgesamt steht mein Blog momentan bei 2,14 Millionen Zugriffen.

Aber klar, vielleicht sind es ja alles nur Suchmaschinen-Artefakte…

Ist die Zeit des Bloggens vielleicht einfach vorbei, wie Kollege Wendel fragt? Ich kann das überhaupt nicht finden – weder für seine Seite noch für meine. Eher kommt es darauf an, ob jemand interessante Themen findet und sie auch wirklich umfassend darstellt. „Kurznotizen“ reichen da nicht.

Bei Wendels Fazit sehen wir betroffen alle Fragen offen: „Wenn mir etwas Neues zum Tango einfällt, werde ich es wahrscheinlich weiterhin schreiben. Wenn nicht, dann eben nicht.“

Logisch! Dann wissen wir ja Bescheid…

Bei mir wird es jedenfalls spannend, ob die neuerlich gegen mich angedrohten juristischen Schritte in die Tat umgesetzt werden. Falls das geschieht, mache ich mir über neue Themen keine Sorgen. Die Abmahn-Stasi wird mich aus meiner „Schreib-Flaute“ erretten!

Ansonsten: keine Ahnung. Reicht ja, wenn Wendel eine hat:

„Und während die letzten Tangoblogs langsam verstummen, sitzt vermutlich irgendwo noch ein 92-jähriger Gerhard Riedl an seinem viertausendsten Beitrag: ‚Und Piazzolla ist doch tanzbar!‘ Die Platte läuft schließlich weiter.“

Genau: „Und sie bewegt sich doch!“ Mit solchen Einsichten hatten schon Astronomen große Erfolge.

Und irgendwann wird man zugestehen müssen, dass Piazzollas Musik eine Milonga durchaus attraktiv machen kann. Und die Erde um die Sonne kreist.

Bis dahin biete ich den Blick durchs Fernrohr an. Wer nicht gucken will, verpasst was!

Mit den Blogs wird es aber sicher nicht zu Ende gehen. Höchstens mit irgendwelchen Bloggern.

P.S. Heute ausnahmsweise kein Encuentro-Video, sondern eins über Leute, die anderen modernen Entwicklungen misstrauen:  

https://www.youtube.com/watch?v=kxE1ONQT1T4

Kommentare

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