Vom Meister des Nachworts
Ich darf wohl in aller Bescheidenheit behaupten, in all den Jahren zum „Klaus Wendel-Experten“ avanciert zu sein. Kein Wunder, der Kollege kommentiert wahrlich alles, was ich veröffentliche. Neuerdings ließ er sogar meine Zahlen nachrechnen – leider nur von der KI, die dann knapp danebenlag.
Immerhin kann ich so mit Gewissheit behaupten: Es gibt wohl kaum jemanden, der sich im Gesamtwerk des Kollegen so gut auskennt wie ich. Das muss aber nicht viel heißen!
Der Meister liebt es nämlich, auf seinem Blog ständig umzuräumen: Selbst längere Texte sind plötzlich nicht mehr auffindbar, tauchen aber teilweise – oft nach Jahren – wieder irgendwo auf. Am Schluss eines Artikels sollte man immer wieder nachsehen, ob dort inzwischen nicht doch noch was kommt: Irgendeine Ergänzung, ein Update oder gar ein „Nachwort“. Wer da auf dem Laufenden bleiben will, muss sich anstrengen, up to date zu bleiben.
Man kennt das von Freunden, die man sich nicht aussuchen kann – also Verwandten: Gewisse Jubiläen verschaffen denen ja ein Publikum, das nicht davonlaufen kann. Zu oft gehaltvoller Nahrung liefern sie dann kalorienarme Geschichten, die eigentlich keinen Schluss haben. Immer dann, wenn man hofft, die schreckliche Mär sei nun an ihrem Ende angelangt, kommt eine Wendung in der Preislage von „und dazu muss man ja noch wissen…“.
Muss man das? Natürlich nicht – aber gerade deshalb genießen es solche Onkel und Tanten, ein wehrloses Publikum in rhetorischer Geiselhaft zu halten.
Wichtig sind die Schlüsse vor dem Schluss:
„Kündige den Schluss an, und dann beginne deine Rede von vorn und rede noch eine halbe Stunde. Dies kann man mehrere Male wiederholen.“ (Kurt Tucholsky: „Ratschläge für einen schlechten Redner“, 1930)
Die ungeschönte Wahrheit ist halt: Wenn man noch „Nachworte“ und andere Ergänzungen braucht, hat man sich häufig vorher zu wenig Gedanken gemacht, was man in einem Text unterbringen möchte. Schon gar nicht überzeugt es, wenn man das Nachgediesel nur veranstaltet, um dem werten Konkurrenten noch einen mitzugeben. Man schreibt ja eigentlich für viele Leserinnen und Leser, nicht nur für einen bestimmten. Der beste Anfang einer Rede, so rät uns Tucholsy, besteht aus dem Satz: „Ich komme zum Schluss“.
Was hat uns Meister Wendel heute noch dringend mitzuteilen? Nach längerer Suche in seinem Blog-Irrgarten bin ich fündig geworden: Folgen wir der Spur: „Mit Nachwort – siehe unten“, dann bis zu „Ach, Herr Riedl“. Spannend wird es ab „Aber gut, dass Sie die AfD ansprechen, Herr Riedl“. Ist das nun neu oder habe ich es bislang schlicht nicht gefunden?
Meine Schreibe erinnere ihn an die der AfD. Und ich sei ein „scheinheiliger Heuchler".
Die Argumentation ist leider so wirr, dass ich bitten möchte, sich selber ein Bild zu machen. Irgendwie scheint sie auf den Satz hinauszulaufen: „Man widerlegt nicht den Inhalt. Man verpasst dem Gegenüber ein Etikett.“
Na, da kann ich ja froh sein, dass meine Gegner ganz anders gestrickt sind…
Sehen wir es einmal ohne den üblichen Blogger-Zoff: Die AfD ist eine Partei, die derzeit bei Umfragen im Bund auf gut 27 Prozent kommt, in den ostdeutschen Ländern erreicht sie teilweise über 40 Prozent. Sind das alles Irre, die ihr Kreuz bei dieser Partei machen würden? Oder könnte es eventuell sein, dass sie Probleme offen anspricht, welche die „etablierten“ Parteien lange Zeit ignoriert, wegdiskutiert, denen sie ausgewichen sind?
Schamhaft muss ich gestehen, dass ich auch in meiner Bonsai-Tangowelt versuche, hinter die Kulissen der Eiapopeia-Ideologie zu blicken. Die linksgrüne Koalition ist daran gescheitert, dass sie versucht hat, die Menschen zu ihrem umweltpolitischen Glück zu zwingen. Wärmepumpe und Elektroauto heißen im Tango Cabeceo und Ronda – viel gepriesen und erfolgreich, wenn man die Schwierigkeiten weglässt. Und die jetzige Regierung versucht, Probleme mit Geld zuzuschütten. All das wird nicht funktionieren.
In einem Film über die Weimarer Republik kam einmal ein alter Sozialdemokrat zu Wort, der berichtete, keine der damaligen Parteien habe über einen so glänzenden Redner wie Adolf Hitler verfügt. Noch stellt die AfD Herrn Höcke nicht in den Mittelpunkt – das kann aber noch kommen.
Ich möchte daher an die Kraft des Wortes erinnern. Wenn er einen guten Tag hat, gelingen Klaus Wendel inzwischen passable Artikel. Sie würden jedoch besser wirken, wenn der Kollege seinen Kramladen übersichtlicher hinbekäme.
Aber nein – ich weiß schon: Er mag keine Ratschläge. Vor allem nicht von mir. Er ist ja Tangolehrer.
Aber vielleicht hört er auf Kurt Tucholsky:
„Kümmere dich nicht darum, ob die Wellen, die von dir ins Publikum laufen, auch zurückkommen – das sind Kinkerlitzchen. Sprich unbekümmert um Wirkung, um die Leute, um die Luft im Saale – immer sprich, mein Guter. Gott wird es dir lohnen.“
Und schon die Bibel lehrt uns: Im Anfang war das Nachwort!
Quelle: https://www.tangocompas.co/wenn-man-sich-selbst-zum-sieger-erklaert/
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