Das Wort zum Samstag

Jugendlich wird es heute Abend in München: Man lädt ein zum „Tango unter 35“!

Was die Veranstaltung nun so besonders geeignet für junge Menschen macht, wird leider nicht verraten – lediglich, dass man kommen solle, um diesen „magischen Tanz“ zu erlernen.

 Oder bezieht sich diese Zahl auf den Eintrittspreis oder gar auf die erwartete Gäste-Menge?

Nein: Die KI-gestützte Grafik zeigt uns ausschließlich junge Paare. Dass die Tango tanzen, erkennt man schon daran, dass alle den gleichen Schritt machen.

Wird dann auch „junge Musik“ angeboten? Leider wird dazu, wie bei Tangowerbung üblich, kein Wort verloren.

Quelle:

https://www.facebook.com/martha.giorgi/posts/pfbid02ENnGGtkgwQD3mB8hSeaRZQfnBWxwbWrQZVcEgGGT4yDxNQmQaXJh9N8PUhPWVP1Jl

Weitere Nachforschungen führen dann doch noch zu einer genaueren Vorstellung:

„Viele junge Menschen haben bisher wenig oder gar keinen Kontakt mit dem argentinischen Tango. In den ersten Stunden fällt es manchmal schwer, Anschluss zu finden, besonders wenn die meisten Teilnehmenden einer älteren Generation angehören. Dabei hat Tango so viel zu bieten: Musik, Bewegung, Kreativität, Begegnung und jede Menge Spaß. (…)“

Immerhin kostet die Stunde nur 10 €.

https://www.tangomuenchen.de/de/kurseundworkshops/kurs-details/event/event/show/tangokurs-in-muenchen-fuer-unter-35-jaehrige-20-08-2026.html

In einem weiteren Werbetext lesen wir:

„TANGO IST NICHT ALT. NUR ZEITLOS. FÜR JUNGE KÖRPER UND OFFENE KÖPFE.“

Na gut – wenn der Kopf offen ist, muss es ja nicht unbedingt auch der Geist sein. Wird man den jungen Leuten dann auch gleich mit den ganzen Tanzregeln und Benimm-Vorschriften kommen, welche den Tango bekanntlich so locker und zeitlos machen? Und mit den Orchester-Hits von 1940?

„Tauche in die faszinierende Welt des Tangos ein – wer weiß, was du dabei für dich entdecken wirst!“

https://www.tangoconnection-munich.com/tango-u35

Nun – wer weiß das schon? Ich jedenfalls nicht. Aber ich gehöre ja nicht zur Zielgruppe dieser Werbung.

Ich finde, die Gründe, warum jüngere Menschen den Tango meiden, liegen doch auf der Hand. Aber man will sie halt nicht sehen.

Auf der Seite des Vereins „ProTango“ heißt es im Rückblick auf einen „TangoThemenTisch“:

„Es geht nicht nur um günstigere Eintrittspreise oder mehr Werbung. Entscheidend ist oft das Gefühl, gesehen, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Junge Menschen kommen nicht einfach in eine bestehende Milonga-Struktur hinein und ‚passen sich an‘. (…) Der erste Besuch einer Milonga prägt oft nachhaltig: Fühlt man sich angesprochen? Wird man eingebunden? Gibt es Menschen, die erklären, einladen, Orientierung geben? Oder entsteht der Eindruck, in eine geschlossene Welt einzutreten, deren Regeln man erst kennen muss, bevor man dazugehören darf?“

https://protango.de/tango-im-wandel-rueckblick-auf-den-zweiten-tangothementisch/

Gut, da ist man schon etwas näher an der Realität!

Und schon Sokrates (470-399 v.Chr.) wusste:

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

https://bildungswissenschaftler.de/5000-jahre-kritik-an-jugendlichen-eine-sichere-konstante-in-der-gesellschaft-und-arbeitswelt/

Auch im Tango besteht also noch Hoffnung!

So lasst denn die Jungen tanzen:

https://www.youtube.com/watch?v=ww3r4uVsGQY 

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Kommentare

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