Debatte, bis der Morgen graut
Die verbissene Diskussion mit dem Autor Tom Tabaczynski findet seit einiger Zeit auf dem Blog von Helge Schütt statt, was seinem (anfangs gegen mich gerichteten) Post die sensationelle Zahl von derzeit 58 Kommentaren verschafft hat – teilweise bis weit nach Mitternacht (mitteleuropäische Zeit) . Außer den Beteiligten hat aber offenbar niemand Lust, sich zu äußern – was ich gut verstehen kann.
Während sich der amerikanische Buchautor mir gegenüber nett und freundlich gab, packt er nun das gröbere Schleifpapier aus. Ich habe einige Äußerungen von ihm übersetzt und zusammengestellt – nicht, weil sie inhaltlich etwas bringen, aber sie machen Spaß:
„Da sich keiner von euch für den Tango Milonguero interessiert, ist euch das offensichtlich nicht bewusst, aber diese ‚Encuentros‘ wurden gerade deshalb ins Leben gerufen, um Leuten wie euch aus dem Weg zu gehen. In ‚Somatic Milonguero‘ habe ich deutlich gemacht – aber natürlich hast du es nicht wirklich gelesen –, dass mir ‚authentische Kultur‘ oder die Meinung der Argentinier völlig egal ist. Die meisten von ihnen sind arrogante Clowns, die jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um Vorträge zu diesem Thema zu halten. Das ist mir völlig egal.“
„Was Wendel angeht, so ist seine sogenannte Rezension reiner Blödsinn. Ich suche nach objektiven und intelligenten Rezensenten, die keinen völligen Unsinn schreiben.“
„Weder du noch Helge seid irgendwelche Experten in Sachen Lernen und Fachwissen. Ich habe auf diesem Gebiet promoviert und mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Was ihr beide da macht, ist nichts anderes, als euch Dinge aus den Fingern zu saugen.“
„Ich verstehe immer noch nicht, was dich dazu qualifiziert, das Tanzen anderer zu beurteilen oder ihnen überhaupt vorzuschreiben, wie sie tanzen sollen. Ich schätze, in deiner eigenen Vorstellung bist du eine Legende.“
„Ihr habt offensichtlich absolut keine Ahnung von der Milonguero-Tango-Kultur.“ (Zu Milongas und Festivals in Europa)
„Das sind gefälschte Lehrer-Milongas, und der ganze Tango ist eine Farce. Der Tango wurde vom Lehrer-Kartell übernommen und in ein Monstrum verwandelt.“
(zu Klaus Wendel) „Es ist ziemlich unhöflich, die Plattform mit deinen endlosen Textwüsten aus freien Gedanken zu überschwemmen, nachdem du angeboten hast, mein Buch zu lesen und zu rezensieren. Du möchtest über deine Ideen sprechen, aber das ist nicht mein Buch, sondern dein Buch. Ich denke also, du solltest diesem Drang nachgeben und das Buch schreiben.“
„Mein Rat an Klaus lautet: Er sollte lieber sein eigenes Buch schreiben, anstatt zu schwadronieren und mein Buch als Plattform für seine eigenen Ideen zu nutzen. Er behauptet, er habe mir vor der Veröffentlichung seiner Rezension einige Fragen gestellt. Nein. Er hat mir einen 5.000-Wort-Aufsatz geschickt, in dem er über mein Buch polemisiert hat. Das sind keine ‚Fragen‘. Das ist Polemik.“
„Da ja niemand deine Blogs liest, musst du dein Buch schreiben, es über Facebook-Anzeigen bewerben und uns alle retten.“
„Du hast wieder angefangen, wild mit den Armen zu fuchteln und 20 verschiedene Argumente in einem einzigen Beitrag anzubringen – eine regelrechte Flut –, denn wenn du dich prägnant ausdrückst, verlierst du. (…) Dein Argument zeigt, dass du keine Ahnung von der Tango-Milonguero-Kultur hast.“
„Das Ausmaß an Dummheit und Unwissenheit ist wirklich deprimierend. Das ist völlig sinnlos.“
„Fälschungen wie Klaus sind auch nicht besser. In einem Atemzug behaupten sie, sie könnten Tango Milonguero unterrichten, und im nächsten Atemzug sagen sie dir, dass die echten Milongueros in Buenos Aires fremdenfeindlich sind, dich lächerlich finden, wenn du ihnen nicht regelmäßig in den Arsch kriechst, und dich so oder so nicht ‚akzeptieren‘ werden.“
„Klaus, gib es doch zu. Du hast mein Buch doch gar nicht gelesen, oder? Du hast es nur nach den Stellen durchforstet, die für das Thema relevant sind, über das du sprechen willst. Das Problem ist, dass du es mit einem Wissenschaftler zu tun hast, der eine Fälschung schon von weitem erkennt.“
„Klaus und seinesgleichen sind das eigentliche Problem."
Quelle: https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/08/kurznotiz-48-tom-tabaczynsky.html#comments
Wir sollten uns stets in Erinnerung rufen: Es geht um einen Gesellschaftstanz, nicht um den russischen Überfall auf die Ukraine!
Unter Männern sind die Argumentationsmuster begrenzt: Im Kern geht es stets darum, dem Gegner zu attestieren, dass er von der Sache keine Ahnung hat. Ob der nun einen Doktor hat oder einen braucht.
Nach meinen Erfahrungen hat es wenig Sinn, mit Ideologen zu diskutieren. Die haben sich die Welt längst so aufgemalt, wie sie es brauchen – oder nicht mehr verhindern können.
Was ich halt nicht verstehe: Wenn Klaus Wendel wirklich Lust hatte, das angebotene (englischsprachige!) Buch zu lesen und zu rezensieren: Hätte er es doch einfach gemacht und seinen Text veröffentlicht! Und wenn es ein Verriss geworden wäre, hätte es halt ein wenig Gezeter übern großen Teich gegeben.
So what?
Aber nein – stattdessen will halt jeder Recht haben. Geht aber nicht.
P.S. Ganz aktuell hat Kollege Wendel nun doch noch seine Rezension veröffentlicht. 19 Minuten Lesezeit… o nein!
https://www.tangocompas.co/buchrezension-somatic-milonguero-von-tom-tabaczynski/
Na gut – das lässt auf weitere 100 Kommentare hoffen…
Stay tuned!
Update 27.8.26: Tom Tabaczynski hat nun alle seine Kommentare auf Helges Blog gelöscht. Tja...
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Klaus Wendel schreibt, im Nachhinein müsse er mir „fast dankbar“ sein. Leider bin ich dann doch wieder an fast allem schuld.
AntwortenLöschenNur, sorry, ein „Kuckucksei“ habe ich niemand ins Nest gelegt. Das hat Kollege Wendel schon in mehreren Durchgängen selber gelegt und ausgebrütet.
Wenn mir jemand eine Rezension seines Buches anbietet, habe ich genau zwei Möglichkeiten: Ich schreibe eine oder lasse es. Aber ich fange über das Ob und Wie keine endlose Diskussion an. Und wenn dem Autor meine Besprechung nicht passt – na und? Das Risiko muss jeder eingehen, der ein Buch veröffentlicht. Und immerhin hat man Tabaczynski nicht die Verbrennung seines Werks in Aussicht gestellt.
Stattdessen Rumgetue in einer beachtlichen Anzahl von Artikeln. Und dann doch noch eine Rezension. Aber Eiertanz passt nicht zum Tango.
Quelle: https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/08/kurznotiz-48-tom-tabaczynsky.html#comments (26.8.)