Wider den Tango-Ungeist
Der Tangoveranstalter Christian Beyreuther rät immer wieder dazu, meine Artikel zu ignorieren. Allein gestern hat er auf Klaus Wendels Blog drei längere Kommentare zu meiner Person eingestellt.
In seinem (vorläufig) letzten Beitrag rechnet er wieder einmal scharf mit mir ab:
Ich bin ihm aber dankbar, dass er mir darin „Meinungsfreiheit“ zugesteht. Immerhin!
Allerdings liefere ich „keine belegbare Praxis, keine realen Beispiele“.
Klar, die 73 Wohnzimmer-Milongas, die wir durchgeführt haben, gelten nicht, ebenso wenig wohl die etwa zwei Jahre unserer Pfaffenhofener Tangoveranstaltungen.
https://milongafuehrer.blogspot.com/2022/10/das-wars-dann.html
Da fehle die „überprüfbare Qualität“. Na ja, wie will man etwas überprüfen, wenn man sich an den Terminen kein einziges Mal sehen lässt? Klar, wir waren Herrn Beyreuther wohl nicht „wichtig“ genug. Vielleicht fehlte auch die Chance, um die Schönen und Bedeutenden zu scharwenzeln.
Beyreuther ist ein Meister der mutigen Behauptungen: Ich würde anderen „dauerhaft Kompetenz absprechen“. Natürlich tue ich das nicht. Ich wehre mich nur dagegen, wenn „Kompetenz“ dazu verwendet wird, andere so beeindrucken zu wollen, dass deren Ansicht nichts mehr zählt. Daher kneife ich bei der Anbetung irgendwelcher „Tangogötter“. Damit handelt man sich in keiner Sekte Sympathien ein.
Dass ich versuche, Piazzolla „intellektuell zu verstehen“, ist pure Erfindung. Ganz im Gegenteil setze ich beim Tanzen auf Intuition. Aber wer Tango durch Nachdenken lernen will, soll es gerne probieren!
Wenn ich zu Piazzolla tanzen möchte, so der Autor, solle ich das selbstverständlich tun. Gut, eine reale Gefahr besteht auf den üblichen Milongas nicht – man müsste diese Musik ja erstmal auflegen.
Ebenso habe ich nie eine „eigene Überlegenheit“ beansprucht – im Gegensatz zu anderen. Ich liefere Beiträge zu Diskussionen, die ich für relevant halte. Denen kann man zustimmen, sie ablehnen oder ignorieren. Leserinnen und Leser sind keine Befehlsempfänger.
Andere dumme Klischees sind die Behauptungen, ich wisse, „wie Tango ohne Unterricht besser gelernt wird“ oder wie Musik „richtig“ zu tanzen sei. Ich habe meinen eigenen Tanzstil, den man auf vielen Milongas beobachten kann. Sogar in einigen Videos. Aber das alles gilt offenbar nicht: Niemand habe mich je zu Piazzolla überzeugend tanzen gesehen. Na, da hat Beyreuther wohl intensive Recherchen durchgeführt!
Ich habe nun wahrlich nicht vor, mich öfters mit Stammtisch-Parolen wie „Leberkässemmel statt Anspruch“ abzugeben. Die mag jeder Lesende selber beurteilen – und Beyreuther liefert da wahrlich genug Schenkelklopfer fürs Bierzelt.
Allerdings lasse ich ihm die letzten zwei Zeilen seines Kommentars nicht durchgehen:
„Und was man von dem großen Riedl Tango Führer halten soll, bleibt jedem überlassen. Ich empfehle die Lektüre wärmstens zum Anzünden des Kachelofens. Und im Hintergrund darf gerne Piazzolla Musik knistern.“
Nicht zum ersten Mal verwendet Beyreuther ein solches Bild. In einem anderen Artikel wurde er noch deutlicher. Unter dem Titel „Literatur für den Kamin“ schrieb er zu einer „sinnvollen Verwendung“ meines Tangobuchs:
„Ab in den Holzofen. Denn wenn es dort leise knistert, darf ruhig Musik laufen – nur bitte kein Piazzolla.“
Ich weiß nicht, wie naiv man sein muss, dabei nicht an den 10. Mai 1933 zu denken, als nationalsozialistische Studierende unter Ablassen von „Feuersprüchen“ die Bücher missliebiger Autoren wie Erich Kästner, Heinrich Mann, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky und Erich Maria Remarque abfackelten.
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland
Jüdische Tänzerinnen und Tänzer werden solche Anspielungen wohl nicht amüsant finden. Und das ausgerechnet am internationalen Holocaust-Gedenktag...
Wenn man schon unfähig ist, Geist zu bekämpfen, dann wenigstens das Gedruckte. Diese Idee ist universell.
Heinrich Heine schrieb 1820 in seiner Tragödie „Almansor“:
„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Der Dichter bezog sich dabei auf die Verbrennung des Korans durch christliche Spanier. So universell sind diese Ideen!
Nun sind sie also auch im Tango angekommen.
Quelle: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-1-teil/#comments (20:37)
https://www.youtube.com/watch?v=ue7ho2Ml3E8

In einem neuen Kommentar regt sich Klaus Wendel fürchterlich über meinen obigen Artikel auf. Na gut, nichts Neues.
AntwortenLöschenEr behauptet, ich würde mich in eine Reihe mit den großen Literaten der damaligen Zeit stellen. Davon findet sich in meinem Text kein Wort. Ich frage mich aber schon, ob der Aufruf zu einer Bücherverbrennung nur dann schlimm ist, wenn er große Autoren betrifft.
Ich sage nur: Angesichts der jüngeren deutschen Geschichte sollte man nicht mit dem Verbrennen von Büchern spielen. Man kann ein Buch ablehnen. Wer aber anregt, es anzuzünden, hat aus der Vergangenheit nichts gelernt.
Genau das ist die Entgleisung – nicht mein Artikel.
Bezug: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-1-teil/#comments
Christian Beyreuther hat nun per Kommentar versucht, sich zu rechtfertigen: Nicht jedes Anfeuern eines Ofens mittels Papier stelle eine Annäherung an nationalsozialistische Verbrechen dar.
LöschenDa hat er zweifellos recht.
Problematisch wird es aber, wenn man das Verbrennen eines Buches mit einer Kritik am Inhalt verbindet. Und das hat Beyreuther mehrfach getan. So schreibt er in einem Beitrag:
„Sein Buch – ‚Der große Milongaführer‘ – wird auf Amazon für ’n Appel und ’n Ei verramscht. Mit Tango hat es so viel zu tun wie ein Plattenspieler mit WLAN. Inhaltlich einfallslos, sprachlich kraftlos, dünn wie ein Tangoschuh aus Pappe. Wer glaubt, darüber etwas lernen zu können, wird enttäuscht.“
Sein Vorschlag: „Ab in den Holzofen“.
https://tangoblogblog.wordpress.com/2025/04/14/gastbeitrag-von-christian-beyreuther-der-grose-riedl-tango-fuhrer/
Ich empfehle, sich seine Pamphlete einmal als Ganzes anzutun. Dann sollte klarwerden, dass es ihm nicht wirklich um das Buch geht (das er vermutlich nicht einmal gelesen hat), sondern darum, den Autor herabzusetzen, weil man in seinen Veröffentlichungen eine „Gefahr“ sieht. Und das war genau das Motiv der Nazis, wenn sie politische Gegner verächtlich machten.
Verständlich, dass meine werten Gegner sich nun um „Rettungsaktionen“ bemühen. Doch diese unsäglichen Formulierungen kann man rhetorisch nicht mehr einfangen.
Man könnte sich höchstens entschuldigen – nicht bei mir, sondern bei der jüdischen Bevölkerung.
Doch das ist wohl nicht zu befürchten.
Christian Beyreuther war es heute zwei Kommentare wert, seinen Aufruf zur Bücherverbrennung wieder einzufangen. Klar, er beruft sich auf Satire. Prinzipiell hat er da natürlich Recht.
LöschenEs ist halt stets die Frage, wie weit man dabei geht. Beyreuther bevorzugt immer wieder verbale Kraftmeierei. Doch die Wirkung der Satire bemisst sich nicht an ihrer Lautstärke, sondern am Geschick, klug zu formulieren. Man muss nicht alles schreiben, was man sich denkt.
Ich attestiere dem Kollegen keine Nazi-Ideologie. Er ist halt ein Autor, dem immer wieder die Emotionen durchgehen und der Argumente mit dem Holzhammer einsetzt.
Dann muss man halt damit rechnen, dass einem mal Sprüche auf die Füße fallen. Mit dem Risiko und dessen Folgen muss er leben.
Quelle: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-1-teil/#comments (12:54)
Was ich bei Klaus Wendel schon lange kenne: Je weniger gute Argumente er hat, desto gröber wird er. Nun hat er mir (wieder mal) einen eigenen Artikel gewidmet – ein weiterer Schritt, mich zur Zentralfigur im deutschen Tango zu machen…
Löschenhttps://www.tangocompas.co/wenn-aus-einer-ofenmetapher-ploetzlich-die-buecherverbrennung-wird/
Ich habe längere Zeit geschwiegen, als Christian Beyreuther gleich auf zwei Blogs einen Hetzartikel nach dem anderen gegen mich veröffentlicht hat – mit teilweise unsäglichen Formulierungen.
Ich habe es ihm durchgehen lassen, als er schon einmal angeregt hat, mein Tangobuch zu verbrennen. Beim zweiten Mal habe ich ihn nun darin erinnert, dass er eine Metapher verwendet, die in Deutschland einen ganz üblen Beigeschmack hat.
Auf meinem Blog (und bei „Amazon“) habe ich selber eine Reihe von Buchkritiken veröffentlicht – manchmal freundlich, mal eher kritisch. Ganz schlechte Wertungen habe ich vermieden – schließlich weiß ich, welche Arbeit in der Herausgabe eines Buches steckt. Diesen Respekt zeigt Beyreuther nicht mal ansatzweise.
Was „Instrumentalisieren“ betrifft, ist Beyreuther unübertroffen: Alles in meiner Vita – ob Beruf oder Hobbys – diente ihm dazu, mich schlecht zu machen. Was er bedient, ist keine Kritik, keine Satire, sondern nackter Hass.
Gut, muss man als Autor wohl ertragen. Beim Vorschlag, ein Buch zu verbrennen, weil einem der Verfasser nicht passt, ist für mich Schluss. Und auch, wenn er das nicht wollte, weckt es Erinnerungen an Deutschlands finsterste Zeiten. Davon kommt er nicht herunter.
Erwartungsgemäß geht Klaus Wendel nun bei mir zu medizinischen und psychiatrischen Diagnosen über: Amnesie, Alzheimer, nicht bei klarem Verstand.
Löschenhttps://www.tangocompas.co/wenn-aus-einer-ofenmetapher-ploetzlich-die-buecherverbrennung-wird/
„Beim politischen Missbrauch der Psychiatrie werden die medizinischen Mittel der Psychiatrie (z. B. Diagnostik, Therapie, Zwangseinweisung) genutzt, um Individuen aus politischen Gründen aus der Öffentlichkeit zu entfernen, in Misskredit zu bringen oder ihnen grundlegende Menschenrechte vorzuenthalten.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Missbrauch_der_Psychiatrie