Tim Reinholds Ärger mit der Satire
Vor einiger Zeit lernte ich via Facebook den Autor Tim Reinhold kennen. Er ist gelernter Verkäufer sowie Gesundheits- und Krankenpfleger, arbeitet als Dozent im Gesundheitswesen, hat Bücher herausgebracht und betreibt einen Shop für Merchandise-Artikel. Genaueres kann man hier nachlesen:
https://www.timreinhold.de/biof1709942
Reinhold fiel mir auf, weil er unglaublich witzige Artikel verfasst – viele davon kann man auf Facebook genießen, wo er über 125000 Follower hat:
https://www.facebook.com/TimReinholdBlog
Seinen Schreibstil möchte ich als „Katastrophen-Satire“ bezeichnen. Die Geschichten, oft aus dem beruflichen oder familiären Bereich, sind meist derb, überzeichnet und beweisen galligen Humor, ein Vergnügen am Schrecklichen. Nicht alle überzeugen mich, in seiner Wortwahl verletzt er genüsslich Grenzen, was mir manchmal zu weit geht – vor allem aber ist er eins: unfassbar komisch. Der Vielschreiber bewegt sich häufig in derselben Thematik; manche seiner Gags und Wendungen werden dadurch vorhersehbar.
Mein Rat ist: Einfach selber lesen – wer darüber nicht wenigstens manchmal herzlich lachen kann, sollte ihm nicht die Schuld geben.
https://www.facebook.com/TimReinholdBlog
Auf Facebook hat Reinhold eine Menge Fans, die er als „Lesewesen“ anspricht.
Aktuell hat er ein Problem, das er so beschreibt:
In Deutschland scheine heute Satire nur zu funktionieren, wenn man vorab erkläre, „was Comedy, Humor und Zuspitzung eigentlich bedeuten“. Er sehe keinen Sinn mehr darin, wenn man bei jedem Text erst erklären müsse, wie etwas gemeint sei.
„Texte werden gemeldet, es hagelt Beleidigungen, das E-Mail-Postfach wird zugespamt, und es gab sogar Versuche der Diffamierung bei Betrieben, mit denen ich kooperiere. Das geht inzwischen über reine Kritik hinaus und nimmt eine finanzielle und berufliche Dimension an.“
Es liefe wohl darauf hinaus, dass er sich auf seine Bücher und Live-Auftritte zurückziehen werde (falls die künftig noch stattfänden).
Nach meinen eigenen Erfahrungen kann ich das gut verstehen. Wobei ich aber anfüge: Es hat überhaupt keinen Zweck, solchen „Kritikern“ erklären zu wollen, worin Satire besteht, welche Aussage ein Text wirklich hat. Das interessiert die nämlich kein bisschen!
Ihnen passen die Texte halt nicht – vielleicht, weil sie sich selber getroffen fühlen. Oder weil sie neidisch auf Reinholds Reichweite sind, sie auch gern bekannter wären. Auf jeden Fall aber sind sie felsenfest davon überzeugt, ihr Missfallen der ganzen Welt in anderthalb Sätzen mitteilen zu müssen. Je gröber, desto besser!
Ich weiß, diese Situation ist nicht einfach. Rückzug aber erscheint mir keine gute Lösung. Damit würde man dieser Strategie ja zum Erfolg verhelfen, bestätigen, dass Wegmobben funktioniert.
Soziale Medien bieten meist die Möglichkeit von Sperren an. Davon würde ich großzügig Gebrauch machen – dass solche Vollidioten das dann „Zensur“ nennen, muss man aushalten. Oder solch geistigen Müll zitieren und veralbern – das wird von den Urhebern auch nicht gern gesehen.
Wenn ich im Internet etwas lese, das mir nicht gefällt, reagiere ich in 99 Prozent der Fälle überhaupt nicht. Bei der Fülle würde nicht einmal die Anstellung eines Dutzends Coautoren helfen. Und wenn, dann veröffentliche ich eine längere Besprechung, in der ich meinen Standpunkt ausführlich darstelle und erkläre.
Unsere Diskussionskultur leidet unter Zeitgenossen, die meinen, der eine oder andere gepfefferte Spruch würde Probleme lösen. Tut er natürlich nicht, sondern beweist nur das erbärmliche geistige Niveau verbaler Grobmotoriker.
Ich hoffe daher, Tim Reinhold überlegt es sich noch mit dem Rückzug. Man darf dem Ungeist nicht das Feld räumen. Ausnahmsweise werde ich einen Link auf diesen Artikel in der entsprechenden Facebook-Diskussion hinterlassen. Der Autor beherrscht, was einen guten Zeitkritiker ausmacht: Schleuder und Harfe.
Vielleicht habe ich ihm auf diesem Weg einige neue Leserinnen und Leser verschafft!
P.S. Ganz aktuell meldet der Autor, es werde nun doch weitergehen (siehe seine Facebook-Seite). Na eben! Man übersieht leider angesichts weniger Lärmerzeuger oft die Mehrheit der stillen, aber zustimmenden Beobachter.
Quelle:
Und ja – Reinhold singt auch noch:
https://www.youtube.com/watch?v=WFytcIdKvYA&list=RDWFytcIdKvYA&start_radio=1

Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind derzeit nur per Mail an mich möglich: mamuta-kg@web.de