Die Lehrer können es!

Es wird offenbar immer mehr üblich, dass Tangolehrer am Ende einer Unterrichtseinheit eine „Kurs-Zusammenfassung“ („Class Demo“) vortanzen. Na ja, warum nicht?

Die wöchentliche Milonga in unserer heimischen Tangoszene schließt meist an eine Kursstunde an, die ein argentinischer Meister gibt.

Da wir häufig ziemlich pünktlich erscheinen, kriegen wir öfters noch die letzten Minuten des Unterrichts mit. In der Regel bestehen sie in einer „Kurs-Zusammenfassung“, die der Maestro zusammen mit der örtlichen Vereins-Chefin gibt. Zu dem Zweck zücken fast alle ihr Smartphone, um die Schrittfolge zu filmen. (Ob auch andere, eher übergreifende Themen behandelt werden, ist mir nicht bekannt.)

Vor einiger Zeit unterbrach der Lehrer seine Demo alsbald und verbot einem Gast das Filmen. Wieso? Die Besucherin hatte offenbar den Kurs nicht gebucht, sondern war halt, wie wir auch, zur nachfolgenden Milonga erschienen.

Klar – wer nicht bezahlt hat, darf auch den Mehrwert nicht abgreifen. Seit ich das weiß, gucke ich bei diesen Anlässen stets deutlich zur Seite – nicht, dass ich in Verdacht gerate, mir was zu merken…

Bei den zahlenden Teilnehmenden ist das Filmen dagegen ausdrücklich erwünscht – als Merkhilfe fürs häusliche Üben. Mir liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor, ob dies wirklich geschieht.

Anders geht da der bekannte Tangolehrer Rafael Busch vor, der in Berlin eine Schule mit dem etwas waghalsigen Namen „Tangotanzen macht schön“ betreibt: Fast jeden Tag veröffentlicht er eine „Class Demo“ auf Facebook – umrundet von Schülerinnen und Schülern mit vorgehaltenem Smartphone.

Ich habe einmal drei Beispiele herausgesucht – die restlichen paar hundert kann man auf seinem Facebook-Account bewundern:  

https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=1499265814503403

https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=25628097366848110

https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=894273116821796

Gut – bestimmt ein nützliches Angebot für alle, die den Kurs besucht haben. Und Rafael Busch und Susanne Opitz sind sicherlich gute Tangolehrer, die in ihrer Schule eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen beschäftigen:

https://tangotanzenmachtschoen.de/

Die Bewertungen der Schule im Netz fallen geradezu hymnisch aus. Auch auf meinem Blog habe ich den beiden bereits Artikel gewidmet:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2025/06/die-etwas-anderen-lehrer.html

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/05/tango-essen-liebe-auf.html

https://milongafuehrer.blogspot.com/2022/05/walzer-aus-dem-stand.html

Ob solche Kurs-Zusammenfassungen wirklich nur die behandelten Inhalte wiedergeben, kann man von außen natürlich nicht nachprüfen. Sicherlich dienen sie auch der Aussage: „Schaut, das lernt man alles bei uns“. Klar, auch Werbung darf sein.

Wenn ich noch Tangounterricht nehmen wollte, würden mich solche Videos allein nicht von einem Lehrinstitut überzeugen. Klar, man sieht, welch tolle Sachen man in den Kursen behandelt – mit welchem Erfolg, ist jedoch nicht einzuschätzen. Dazu müsste man sehen, ob und wie es die Schülerinnen und Schüler beherrschen. Obwohl ich immer wieder intensiv nach solchen Belegen suche, werde ich kaum fündig.

Bleibt die Haupt-Botschaft solcher Vorführungen: Die Lehrer können es.

Wie beruhigend!

Für die Facebook-Verweigerer doch noch ein Tanzvideo der beiden – ich habe mir einen meiner Lieblingstitel herausgesucht: „Todo es amor“ (Musik: Leo Lipesker, Text: Alejandro Romay).

Wenn ich vorher noch eine Bitte äußern dürfte: Vielleicht könnte man aufhören, mich bei jedem zweiten Showtanz mit einem ellenlangen, nach Schulspiel Sekundarstufe II" aussehenden Intro zu quälen! Ja, ich weiß: Man soll ja heute bei einer Tanzshow eine Geschichte erzählen…

Dazu eine meiner Lieblingsgeschichten. Einen Hollywood-Textautor plagen oft nachts wilde Träume mit aufregenden Plots. Doch kurz nach dem Aufwachen ist alles weg! Daher legt er sich vor dem Schlafengehen einen Notizblock parat, um diese Ideen sofort aufzuschreiben.

Am nächsten Morgen liest er: „Boy meets girl.“

https://www.youtube.com/watch?v=nw875roYQuM

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