Trigger-Warnung?
Neologismen breiten sich immer mehr in unserer Sprache aus. Ein besonders schönes Beispiel ist das Wort „triggern“ (als Substantiv: „Trigger“).
Ursprünglich kommt das Wort aus der Medizin und Psychologie: Ein Reiz, der eine meist unerwünschte Reaktion auslöst. Beispielsweise kann man dann traumatische Erlebnisse erneut durchmachen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Trigger_(Medizin)
Klar: Nach einem schweren Autounfall sollte man sich keine Sendungen über solche Ereignisse ansehen. Das Erlebte könnte einen erneut belasten. Daher wird im Vorspann solcher Berichte meist eine „Trigger-Warnung“ ausgesprochen. Heutzutage benötigt das Publikum offenbar solche Hinweise. Kann man ja unmöglich selber draufkommen...
Mein Dauerkritiker Wolfgang Balzer („Yokoito“) verbreitet nun schon länger die Mär, ich wolle Kunden meines Blogs zu Reaktionen „triggern“, um wieder Stoff für neue Artikel zu haben:
„Bitte, lieber Klaus, lass Dich doch triggern und reagiere irgendwie, damit ich wieder Futter für mein Blog kriege“
„Gerhard denkt immer noch, seine Masche mit dem Stöckchen-Hinhalten funktioniert.“
„Aber immerhin, es ist ihm gelungen, zwei externe Kommentare zu triggern. Happy Day.“
„… zweifellos in der Hoffnung, dass irgendwer reagiert und sich daraus weiteres Material stricken lässt.“
„er erwartet, wenn er irgendwo draufdrückt, muss es eine Reaktion geben, und ist beleidigt, wenn das nicht passiert.“
Ich gebe ja zu: Vor Jahren gab es mal eine Zeit, in der ich neugierig auf Kommentare zu meinen Artikeln war – in der Hoffnung, dass es zu einer inhaltlichen Diskussion käme. Das ist längst vorbei. Schon lange kriege ich vor allem Sprüche, die intellektuell erbärmlich sind und wenig mit meinen Texten zu tun haben. Daher habe ich vor zwei Monaten die direkte Kommentarmöglichkeit geschlossen – Zuschriften sind nun nur noch per Mail an mich möglich. Die sind dann weniger, aber meist gehaltvoller. Dabei wird es bleiben!
Und in welche seelischen Krisen würde ich – falls die Behauptung des „Triggerns“ denn stimmt – Lesende stürzen?
Das kommt halt heraus, wenn man Neologismen ohne Gehirnbeteiligung übernimmt!
Bin ich darauf aus, wütende Reaktionen gegen meine Artikel zu provozieren, um so wieder neuen Stoff zum Schreiben zu haben?
Schon deshalb nicht, weil bestimmte Vorwürfe gegen mich sich papageienartig wiederholten. Klaus Wendel beispielsweise bestätigte mir ein ums andere Mal, ich würde mir mit meinen Texten „selber ins Knie schießen“. Oder attestierte mir mit der Originalität einer hängen gebliebenen Schallplatte den „Dunning-Kruger-Effekt“. Und zahlreiche Epigonen plapperten das nach. Ebenso die Behauptung, ich würde Tango „nur von YouTube kennen“.
Die Gefahr ist, dass manche solchen Quatsch glauben, wenn man ihn nur oft genug wiederholt. Welches Interesse sollte ich also daran haben, solche Konditionierungen zu etablieren, indem ich Deppen zu Kommentaren provoziere?
Ein anderer inflationärer Vorwurf lautet, es gehe in meinen Texten eigentlich immer nur um mich:
„Überraschung: nach ein paar Zeilen Einleitung gehts mal wieder um…einmal dürfen wir raten…?“
„Dieser Text blickt – welch Überraschung – nicht auf das Jahr zurück, sondern auf Gerhards Wirken in diesem Jahr.“
„…die übliche Clickbait-Masche: irgendein beliebiges Thema aus den Nachrichten, und dann der Schwenk in die Ich-Abteilung“
Führe ich Themen immer wieder auf mich, auf meine persönlichen Erlebnisse und Eindrücke, zurück?
Ja, klar – und das ist ein absolutes Erfolgskonzept!
Wenn ich mich richtig erinnere, schildert Erich Kästner in der Einleitung seines Klassikers „Emil und die Detektive“ eine Unterhaltung des Autors mit dem Kellner seines Stammlokals: Der ist von Kästners Idee, einen Südsee-Roman zu schreiben, wenig begeistert. Kinder seien vor allem interessiert an dem, was ihm in seiner nächsten Umgebung passiere. Wenn er daheim erzähle, wie er einen besoffenen Gast „rausgefenstert“ habe, lauschten seine Kleinen, als ob es im Keller donnere.
Zu diesem Thema fand ich vor einiger Zeit ein aufschlussreiches Video:
https://www.youtube.com/watch?v=YYyBd0Ndfko
Die Quintessenz: Wenn ihr Journalisten in die Flucht treiben wollt, kommt ihnen mit allgemeinen Darlegungen, Statistiken und Diagrammen! Den Kram können sie sich nämlich, falls überhaupt nötig, im Büro zusammengoogeln! Worauf dieser Berufsstand steht, sind persönliche Eindrücke und Erlebnisse. Besonders, wenn sie originell, witzig oder abgedreht sind. Dann freuen sie sich über „O-Töne“!
Journalisten haben ein gutes Gespür dafür, was die Leserzahlen erhöht. Damit verdienen sie nämlich ihr Geld!
Daher werde ich auch weiter aus dieser individuellen Perspektive schreiben und überlasse den werten Kollegen gerne die allgemeinen Abhandlungen. Bei denen ist eine Trigger-Warnung unnötig. Höchstens die vor dem drohenden Einschlafen!
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