Und sie bewegen sich doch!

Schnelle Schritte sind ja aktuell im Tango verpönt – Langsamkeit ist Trumpf, Pausen sind die Ultima Ratio.

Glücklicherweise bietet das Netz inzwischen wunderbare Beispiele des Zeitlupen-Tangos. Im folgenden Video beweist das Tanzpaar beispielhaft den Anspruch, dass dieser Tanz nur aus Gehen besteht. Bewundernswert die legere, natürliche Bewegungsweise ohne jede Absicht, beeindrucken zu wollen. Geht doch!

Das Stück von Peter Sandberg trägt den etwas übertriebenen Titel „Motion“.

Und, heute unabdingbar, sie erzählen eine Geschichte: Nach längerem Umherirren finden sie einander – eine Metapher der modernen Einsamkeit und Entpersönlichung!

In der Videobeschreibung lesen wir: „‘Nie zuvor getanzt, wieder tanzbar doch nicht wiederholbar‘ The moment is the choreography!“ Schöner kann man es nicht sagen: Wer würde bei diesem Anblick an eine Wiederholung denken?

Leider endet das Video, bevor der eigentliche Tanz beginnt. Dennoch können wir uns vorstellen, wie es weitergeht.

  

https://www.youtube.com/watch?v=Yo-chSihlpQ

Bekanntlich wollen Tangopaare nicht beeindrucken. Selten gelingt das besser als in diesem Fall! Dennoch bewegen sie sich – langsam und respektvoll.

Als abschreckendes Gegenbeispiel nun eine ziemlich veraltete Darbietung aus dem so genannten „Standardtanz“. Seltsam wirkt schon die antike Verkleidung, ganz abgesehen vom rasenden Tempo, mit dem das Paar jede Ronda rücksichtslos zerstören würde. Die Ausstrahlung ist künstlich und affektiert. Die Musik aus dem Jahr 1937 passt nicht zum modernen Anspruch des heutigen Tangos. Vor allem aber fehlt es völlig an Schlichtheit – der Tänzer jagt seine Partnerin durch eine rasante Folge komplizierter Figuren, die Umarmung ist viel zu weit und wirkt aufgesetzt.

Sehen und schaudern Sie! 

 

https://www.youtube.com/watch?v=OPcFLEuEL4A

P.S. Den Tanz von John Wood und Anne Lewis habe ich schon einmal besprochen. Ebenso das Stück „September in the Rain“:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2018/10/september-in-rain.html

Kommentare

Hinweis zum Kommentieren:

Bitte geben Sie im Kommentar Ihren vollen (und wahren) Namen an und beziehen Sie sich ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels. Unterlassen Sie herabsetzende persönliche Angriffe, gegen wen auch immer. Beiträge, welche diesen Vorgaben nicht entsprechen, werden – ohne Löschungsvermerk – nicht hochgeladen.
Sie können mir Ihre Anmerkungen gerne auch per Mail schicken: mamuta-kg(at)web.de – ich stelle sie dann für Sie ein.