Tango im Saustall
Meine Tanzpartnerin Manuela liebt es, skurrile Geschichten zu erzählen. Deren besonderer Reiz ist es, meist wahr zu sein, aber oft unglaublich zu klingen. An der irritierten Reaktion der Zuhörer haben wir beide viel Spaß.
Neulich folgten wir der Einladung von Freunden, die über ein großes Haus mit Platz zum Tanzen verfügen. Auch die anderen Gäste kamen aus der Tangoszene.
Ich weiß nicht mehr genau, wie man auf das Thema kam, da ich auch altersbedingt manche Gespräche ausblende. Wahrscheinlich ging es um Milongas an irgendwelchen illustren Orten.
Manuela merkte an, sie hätte schon an ziemlich verrückten Plätzen getanzt. Sogar in einem Saustall. Unsichere Blicke – eine Besucherin fragte dann: „War das ein ehemaliger Schweinestall?“ Manuelas Antwort: „Nein, die Tiere wohnten dort noch.“
Ich kannte die Geschichte: In der Firma, wo meine Freundin längere Zeit arbeitete, hatte es sich unter den Kolleginnen herumgesprochen, dass sie Tango tanzt, was große Neugier hervorrief. In der Folge organisierte Manuela etliche „Schnupperkurse“. Einer davon fand auf einem Bauernhof statt – eine der Damen war im Nebenberuf Landwirtin. Man traf sich zu Kaffee und Kuchen in einer Scheune, die teilweise als Schweinestall genutzt wurde. Ohne Sekt und Lachshäppchen.
Die Tiere sahen neugierig der Übungsstunde zu.
Ich weiß nicht, ob die Gäste meiner Freundin die Geschichte glaubten – jedenfalls wechselte man bald das Thema.
Gestern ließ ich mir von Manuela das Ganze nochmal im Detail erzählen: Die Gastgeberin berichtete ihr damals, normalerweise seien die Tiere um diese Tageszeit ziemlich unruhig, weil sie auf das Futter warteten. An diesem Nachmittag hätten sie aber völlig entspannt der Musik gelauscht.
Natürlich hatte Manuela Piazzolla aufgelegt.
Damit dürfte zumindest die Behauptung widerlegt sein, Tango nuevo möge kein Schwein!
Original-Foto: www.tangofish.de |



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