Pokémon-Rassismus

Ich gestehe, früher die ZDF-Sendung „Fernsehgarten“ ganz gern gesehen zu haben. Dieses Format gibt es tatsächlich schon seit 1986 – schon eine Leistung! Nicht unschuldig daran ist sicherlich die Moderatorin Andrea Kiewel, welche der Sendung seit dem Jahr 2000 ihren Stempel aufdrückt.

https://de.wikipedia.org/wiki/ZDF-Fernsehgarten 

In den letzten Jahren ist mein Interesse an diesem Format immer weiter zurückgegangen, weil es zunehmend zum „Kindergeburtstag für Erwachse“ wurde und vor allem die auftretenden „Mallorca-Troubadoure“ Kompositionen aus zwei Harmonien plus dämliche Texte boten. Und das, so mein Eindruck, meist via Playback.

Gut, vielleicht wird man im Alter empfindlicher für Gedöns. Aber es gibt kaum Fernseh-Sendungen, die 40 Jahre die nötige Quote erzielen. Das muss man erstmal schaffen!

Schon länger ist mir aufgefallen, dass die Boulevard-Medien immer wieder versuchen, dem „Fernsehgarten“ – speziell der Moderatorin – diverse „Skandale“ anzuhängen. Meist drehen die sich um ihre spontanen Sprüche und Aktionen. Sie sind sicherlich auch dem geschuldet, dass die Sendung als eine der ganz wenigen noch live übertragen wird. Inzwischen ist man ja mehr an Unterhaltungsroboter gewöhnt, die ihre Texte brav von Teleprompter ablesen – und wo man in der Aufzeichnung was rausschneiden kann.

Ganz aktuell der neueste „Skandal“: In ihrer letzten Sendung („90er Dance Party“) ging es unter anderem um Pokémon-Karten. Bei Anblick einer japanischen Ausgabe meinte die Moderatorin „chinesisch“, gefolgt von „Ching Chang Chong“. Dieser Ausruf, so beschreibt es die WELT in einem Artikel, werde als „als abwertende Imitation der Phonologie“ von Mandarin oder Kantonesisch empfunden.

Phonologie… Jessas na!

So beklagte sich der Influencer „Mr. Fujicards“: „Was die Moderatorin dort gesagt hat, zeigt mal wieder, wie tief der Alltagsrassismus in den Medien sitzt. Es ist die Reproduktion von rassistischen Stereotypen, die viele asiatische Menschen tagtäglich erleben.“ Weiter: „Ich meine, in welchem Jahrhundert leben wir, dass das ihre erste Reaktion ist? Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen“.

https://www.welt.de/vermischtes/article6a54c29636e98236c4bc7366/zdf-fernsehgarten-ching-chang-chong-kiewel-entschuldigt-sich-fuer-aeusserung-im-tv.html

https://www.t-online.de/unterhaltung/tv/zdf-fernsehgarten/id_101340880/rassismusvorwuerfe-gegen-kiewel-zdf-reagiert-auf-fernsehgarten-eklat.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

Na, also ich im einundzwanzigsten. Bei ihm tippe ich aufs neunzehnte. Höchstens. Bei dieser Mischung aus Hexenverfolgung und Gartenlaube schwillt mir der Kamm.

Natürlich knickt der Sender brav ein und entschuldigte sich zeitgemäß: „Die spontan getätigte Äußerung war der Live-Situation geschuldet und keinesfalls rassistisch gemeint. Andrea Kiewel bedauert ihre Worte und entschuldigt sich dafür.“

Man könnte natürlich auch ergänzen: Hätte „Mr. Fujicards“ diese Kritik In Peking am dortigen Staatsfernsehen geäußert, könnte er vermutlich inzwischen in einem Arbeitslager Papiertüten falten. Vielleicht auch Pokémon-Karten sortieren.

Das ZDF, so der Sender, stelle sich „gegen jede Form von Rassismus“. Er hätte hinzufügen können, dass er sich ebenfalls zum Grundrecht der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit bekenne.  

Nicht nur in meiner bescheidenen Bloggerwelt kenne ich solche „Diplom-Anstoßnehmer“ zur Genüge. Asexuell und spaßfrei. Mit hohem Slomka-Faktor". Erst kürzlich las ich, ich hätte in einem aktuellen Beitrag „Gewaltfantasien als Witz“ verpackt. Was mir dazu nicht einfällt, ist ja heißt ja".

https://www.tangocompas.co/drei-minuten-wirklichkeit-jahrzehnte-verletztheit/

Skandal! In der gesamten Weltliteratur gibt es ja kaum Gewalttaten oder gar Morde. Nicht mal in Tangotexten…  

Ich halte es für einen schweren Fehler, bei einem solchen Gedöns zurückzuzucken und in den „Entschuldigungs-Modus“ zu flüchten. Dann wird es nämlich nicht besser, sondern noch schlimmer: Man findet immer kleinlichere Anlässe zur „Online-Wichtigmachung“.

Kunst ist nämlich bei uns frei – im Gegensatz zu vielen Ländern auf diesem Planeten. Natürlich ebenso die Kritik vieler „Hobby-Moralisten“. Nur besteht keine Pflicht, sich noch solchem Getue zu richten. Und wenn die dann merken, dass sie mit ihrem Gezeter keine „Volkserhebung“ bewirken, ist das genau die richtige Antwort.

Auch wenn mir vieles an ihrer Sendung nicht gefällt, wünsche ich „Kiwi“, dass sie bei ihrer spontanen und emotionalen Art bleibt. Sprechautomaten und humorlos Zwangsbelehrende kenne ich aus genügend öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen und Politmagazinen.

Mit großem Vergnügen habe ich einige Zitate der Moderatorin aus einer Ausgabe Ende Mai gefunden: Welche Sätze, so ihre Frage, könne man nicht nur im Bett, sondern bei einem großen Familienessen benutzen? Na, zum Beispiel „Mmmh, saftige Schenkel“ und „Wow, ist das scharf“. Oder am besten: „Du stehst erst auf, wenn alle hier fertig sind“.

https://www.focus.de/kultur/kino-tv/andrea-kiewel-zuegellos-nach-3-minuten-wird-s-im-fernsehgarten-schluepfrig_115228e7-4954-481b-a4f4-fff8c21c0d84.html

Ja, gib’s uns, Kiwi!    

Und hier nochmal der aktuelle Skandal in Bildern:


https://www.youtube.com/watch?v=xT_7FJUVbmA 

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Kommentare

  1. Apropos „viel Text“: Auch Sie benötigen erstaunlich viele Worte und Umwege, um Ihr eigenes Beleidigtsein zu verarbeiten.
    Der Satz aus Ihrem letzten Artikel:
    „Warum ich den Saukerl nicht sofort abgestochen habe, lag vor allem daran, dass ich kein Messer mitführte – ein weiterer Beweis für meine Missachtung argentinischer Traditionen.“
    ist also Kunst? Schön, dass Sie uns damit Ihr neues Verständnis von Kunstfreiheit erläutert haben.
    Sie haben allerdings vergessen, auch Ihre Hoheitsrechte über diese Kunstform klarzustellen. Denn nach Ihrem bisherigen Umgang mit Kommentaren liegen diese offenbar ausschließlich bei Ihnen. Ähnliche, teilweise erheblich harmlosere Formulierungen anderer haben Sie bislang keineswegs als Kunst gewürdigt, sondern ausgesprochen unnachsichtig geahndet.
    Verbindliche Grüße
    Klaus Wendel

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    1. Von den insgesamt 6587 Kommentaren auf meinem Blog habe ich 6052 (92%) veröffentlicht. Davon eine dreistellige Zahl aus Ihrer Feder.
      Mehr gibt es zu diesem Quatsch nicht zu sagen.

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