Sachlich kritisiert
Es gibt Videos, auf die ich heute noch stolz bin. Eines ist ziemlich genau 9 Jahre alt. Aufgenommen haben wir es nur, weil der Blogger Cassiel damals behauptete,wir könnten zu einem solchen Musikstück nicht korrekt tanzen:
„Mir ist auch rätselhaft, wie man in einer derartig gestalteten ‚Umarmung' eine Führung mit dem Oberkörper vermitteln will. Das geht nach meiner Einschätzung gar nicht. Damit ist ein akzentuiertes Tanzen (inkl. Pausen, Stopps, Synkopen, OffBeats usw.) unmöglich. Ich wage zu behaupten, dass man in einer solchen ‚Umarmung' keinen Tango z.B. von Biagi musikalisch interpretieren kann."
Verlinkt hatte der Experte den Tango „Bélgica“, komponiert 1916 von Enrique Delfino. Das Orchester Rodolfo Biagi brachte ihn 1942 heraus. Mehr EdO geht kaum. Allerdings ein rhythmisch ziemlich verzwickter Titel.
Ich schrieb damals zu unserem Video: „Wir haben nun mal ‚quick and dirty‘ das genannte Stück getanzt – in ganzen zwei Takes, und den zweiten genommen – ungeschnitten und nicht weiter bearbeitet.“
Um meine Tanzpartnerin vor Angriffen zu schützen, hatten wir nur die Beine und Füße gezeigt.
Wer’s noch nicht kennt:
https://www.youtube.com/watch?v=gWMf_1AXvvw
Unser Tanz provozierte bis heute immer wieder gehässige Reaktionen. Klaus Wendel hat nun sein Blog (mal wieder) umstrukturiert, so dass ich zum Video auf eine Besprechung aus seiner Feder stieß:
„Du wolltest sachliche Kritik an deinem Tanz? Bitteschön:
- Musikalisch? Daneben. Nicht absichtlich – sondern weil du’s schlicht nicht hörst.
- Fußtechnik? Nicht vorhanden. Kein klarer Schritt, keine Dynamik, keine Kontrolle.
- Haltung? Wie eine Fahne im Wind.
- Figuren? Versuchter Nachbau ohne innere Struktur, ohne Übergänge, ohne Führung.
- Ausdruck? Nicht einmal unbeholfen charmant, sondern schlicht hilflos.
- Interpretation? Wenn man sie suchen müsste, bräuchte man einen Metalldetektor.“
„Was du da tanzt, wäre nicht einmal als Parodie auf Tango erkenntlich – wäre nicht zufällig Biagi im Hintergrund gelaufen. Und ja, das ist hart. Aber du wolltest doch sachlich, oder?“
„Hör auf, dich selbst als Messlatte für Qualität aufzubauen, während du auf einem Niveau tanzt, das jeden Anfängerworkshop vor Scham erröten lässt.
Du hast keine Ahnung von Improvisation, keine von Technik, keine von musikalischer Phrasierung – aber beanspruchst, über all das zu schreiben, als wärest du Astor Piazzola persönlich.“
https://www.tangocompas.co/riedls-revanche-der-taenzerische-hintern-tritt/ ( Nachtrag 15.6.25)
Aha, „Piazzola“… Nein, bin ich nicht.
In den Kommentaren legt der Meister noch nach:
„Ich will mich gar nicht erst in diese tänzerischen Abgründe bewegen, aber es ist zum verzweifeln, gegen so einen musikalischen Analphabeten zu argumentieren. Erkläre mal einem Blinden einen Blumenstrauß. Riedl ist eben auf Tango-Ebene populistisch und Querdenker. Das ist ja das fatale, wenn Tango-Halbwissen öffentlich wird, und viele Idioten hinterherlaufen.“
Eine nette Einschätzung der Tango-Kundschaft!
Obwohl es mich in den Fingern juckt, werde ich nun nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Jede Leserin, jeder Leser mag Wendels Text nach Gutdünken beurteilen.
Abschließend schrieb der Kollege vor einem Jahr:
„Wenn du auf dieser Klaviatur weiterspielen willst – bitte. Aber wundere dich nicht, wenn das Publikum irgendwann nicht mehr klatscht, sondern den Saal verlässt.“
Nun, Applaus kann man nicht erzwingen. Von meinen vielen Auftritten weiß ich: Wer darauf spekuliert, hat schon verloren. Man kann nicht mehr tun als seine Kunst anzubieten. Das Publikum entscheidet.
Aber den Saal verlässt es wohl nicht. Seit Kurzem sind zu den 2 Millionen Zugriffen schon wieder über 46000 hinzugekommen. Und das obige Video bringt es inzwischen auf fast 2000 Klicks.
Lassen wir es dabei!
P.S. Ich empfehle, den Beitrag bald zu lesen – nicht, dass der besprochene Text wieder verschwindet oder verändert wird…
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