Was haben wir gedacht?

Ich habe in meinem langen Leben Zeiten erlebt, wo wir ganz süchtig danach waren, zu lachen. Ob nun über Harald Schmidt, Otto Waalkes, Insterburg & Co oder Dieter Hildebrandt. Ein sehr weites Feld.

Die deutsche Unterhaltungsindustrie lieferte uns dazu jede Menge Material – von Feingeistigem bis Schwachsinn. Und ja – unsere Einstellung dazu haben wir damals noch ohne öffentlich-rechtliche Belehrung hingekriegt. Ich freute mich, dass die verspießerten 50er Jahre überwunden schienen. Wie sich nun herausstellt: nur vorübergehend.

Uns das Lachen auszutreiben haben sich aktuell die Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider vorgenommen. Mit öffentlichen Fördermitteln, koproduziert vom ZDF, in Spielfilm-Qualität. Es scheint heute im Staatsinteresse zu liegen, der Bürgerschaft steuer- und gebührenpflichtig die Laune zu verderben. Das wird unsere Gesellschaft sicherlich voranbringen!

„Was haben wir gelacht“ ist der Titel eines abendfüllenden Werks, das gestern in den Kinos startete. Protagonistinnen sind fünf Damen, eher aus der Bezirksliga der Fernsehunterhaltung: Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster.

Als Zielscheibe dienen einstige männliche Stars der deutschen Fernsehunterhaltung wie Thomas Gottschalk, Harald Schmidt, Stefan Raab, Rudi Carrell, Harald Juhnke, Mike Krüger, Ingo Appelt, Didi Hallervorden, Wim Thoelke.

Der Trailer zeigt, wo es langzugehen hat:

 

https://www.youtube.com/watch?v=rfAPe6fERqE

Dunja Hayali erklärt uns in der ZDF-Haupt-Nachrichtensendung: Die 1990er Jahre seien eine Zeit gewesen, in der es nicht um die „Sichtbarkeit von Frauen“, sondern um deren „Sexualisierung“ ging. Sie seien „Angrabsch-Objekte“ gewesen. Mit viel Erfolg, auch im ZDF.

https://www.youtube.com/watch?v=-ExEtW9VIhM (ab 0.40)

BR 24-Kultur formuliert es so: „Lachen ist befreiend und gesund, aber es gibt Einschränkungen: Nämlich bei der Frage, worüber oder besser gesagt, über wen gelacht wird. Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet jetzt das deutsche Unterhaltungsfernsehen – vor allem das der 90er Jahre. Gelacht wurde damals viel, allerdings hauptsächlich über Minderheiten und ganz besonders über Frauen.“

Na ja – manchmal schon auch über Männer wie Helmut Kohl, dessen körperliche Eigenheiten („Birne“) Dutzende von Komikern und Kabarettisten ernährte.

Fürs Lachen gibt es also nun Einschränkungen. Fürwahr ein „schockierender Blick auf die jüngste Vergangenheit“!

Als „weibliche Zuschauerin“ schwanke man „zwischen Fassungslosigkeit, Weinkrampf und Wut.“

https://www.br.de/nachrichten/kultur/was-haben-wir-gelacht-doku-ueber-die-fernsehkultur-der-90er,VPQSicz

Schön, dass uns die deutschen Belehrungs-Medien nicht nur ansagen, was wir zu denken, sondern sogar zu fühlen haben. Zumindest die Frauen. Männer kommen da gar nicht mehr vor.

https://web.de/magazine/unterhaltung/stars/maren-kroymann-betatscht-preis-tv-auftritte-42513446

https://www.br.de/nachrichten/kultur/was-haben-wir-gelacht-doku-ueber-die-fernsehkultur-der-90er,VPQSicz

Ein wenig in Vergessenheit gerät, dass für die öffentlich-rechtlichen Anstalten Stars wie Kulenkampff, Carrell und Gottschalk viele Jahre die Quoten-Bringer waren. Stattdessen trampelt man nun auf ihrem Andenken herum. Gut, sie können sich nicht mehr wehren, weil sie inzwischen tot oder schwer krank sind. Aber nach zwei Jahren Drehzeit musste das Aufklärungs-Epos nun in die Kinos.

Was haben wir damals wirklich gedacht?

Ich finde, diese Betrachtungsart weist nur einen winzigen Fehler auf: Wenn bei „Wetten, dass?“ der Moderator leicht geschürzten, herumstöckelnden weiblichen Berühmtheiten auf die Pelle rückte und sie anbalzte, war das für die meisten Zuschauer Teil der Show und nicht des wahren Lebens. Von dort kannten wir nämlich genügend ernstzunehmende Frauen-Persönlichkeiten, die sich nicht halb so dämlich aufführten wie diese männlichen und weiblichen Stars.

Auch im Tango schaffen es viele Männer, zwischen Illusion und Wirklichkeit zu unterscheiden, Und wer nicht, muss es lernen. Die Betrachtung von Aufklärungsfilmen der Gender-Ideologie wird noch weniger zur Entkrampfung führen als einst die „Oswald Kolle“-Streifen. Oder die Tango-Códigos.

Keine Frau wurde gezwungen, sich in den Medien als dümmliche Sexpuppe zu vermarkten. Millionen von ihnen gingen einer anständigen Arbeit nach und wären froh gewesen, hätten sie den gleichen Lohn erhalten wie ihre männlichen Kollegen.

Als Blogger habe ich reichlich Erfahrung mit der Reaktion auf irgendwelchen „Sittenverfall“: Je humorloser und verkniffener sie sich gestaltet, desto attraktiver wird das Objekt der Verteufelung. Die katholische Sexualmoral konnte sich weder durchsetzen noch die zahlreichen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche verhindern – ganz im Gegenteil!

Als Biologe schüttelt mich das Grauen, wenn ich von der „Sexualisierung“ von Frauen höre. Sexualität ist und war in der menschlichen Evolution bei beiden Geschlechtern (und vermutlich der meisten 67 anderen Varianten) eine entscheidende Triebfeder, weil der Mensch sich nicht durch Ableger fortpflanzt. Daran wird auch der nun angesagte Neo-Viktorianismus nichts ändern.

Schlimmer noch: Man macht Frauen lächerlich, wenn es so scheint, als hätten sie zu ihrer Emanzipation solche verbohrten Sittenwächterinnen nötig. Früher machte man mit Sex Quote, heute mit dessen Verteufelung. Das Muster ist gleich.

Was unsere Gesellschaft braucht, sind selbstbewusste, leistungsstarke Frauen – und von denen gibt es glücklicherweise eine Menge. Nicht weiterbringen wird uns das Binnen-I und sonstiger Gender-Schmus. All das wird keinen einzigen Frauenhaus-Platz mehr bewirken, sondern auch berechtigte Forderungen ins Lächerliche ziehen.

Das Verhältnis der Geschlechter ist ambivalent und wird es bleiben. Marlene Dietrich drückte es so aus:

Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ändern und wenn sie ihn dann geändert haben, mögen sie ihn nicht mehr.

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