Zwischen Lehramt und Witzfigur

„Man studiert Lehramt, und am Ende ist man Komiker. Also habe ich mir gedacht: wenn schon Witzfigur, dann richtig!“ (Dieter Nuhr)

https://www.focus.de/familie/schule/schulpraxis/die-waren-alle-mal-pauker-starschmiede-lehramt_id_2143076.html

Was tun, wenn man aktuell nichts Neues gegen eine unliebsame Person findet? Richtig: Man gräbt in seinen alten Texten. Ich kenne das vom eigenen Bloggen.

Der Kabarettist Dieter Nuhr verfügt über ein abgeschlossenes Hochschulstudium – in der deutschen Comedy-Szene nicht selbstverständlich. 1988 schloss er die Fächer Kunst und Geschichte mit dem ersten Staatsexamen ab. Mit dem Referendariat hat er aber nie begonnen.

Nuhr war schon im Schultheater aktiv und trat ab 1986, also noch als Student, vor allem mit Frank Küster als Kabarett-Duo auf, ab 1994 begannen seine Soloprogramme. Es zeigten sich bald erste Erfolge, was wohl der Hauptgrund für Nuhr war, seine Lehrer-Karriere nicht weiter zu verfolgen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Nuhr

Nuhr hat allerdings damals ein Schulpraktikum absolviert. Eine Episode daraus vertraute er bereits 2008 dem Focus an. Ich kenne sie auch von Interviews, die er im Lauf der Jahre gab:

Der Kabarettist hielt seine erste Stunde: sehr viele Mädchen um die 20, er 24. Die jungen Damen aus der letzten Bank hatten sich zu dem Anlass in die ersten Reihen begeben: „Alle in weißen Blüschen, geöffnet bis zum Bauchnabel, grinsend und gut entwickelt."

Das erinnert mich an eine Aussage von Harald Schmidt: Die „schärfsten Luder“ habe man in katholischen Mädchenschulen gefunden.

Und ich Depp habe mein Abitur an einem reinen Jungen-Gymnasium gemacht. Schön blöd!

Dieter Nuhr sah ja ebenfalls nicht schlecht aus, was ihm den Spitznamen „George Clooney des deutschen Kabaretts“ einbrachte. Auch heute ginge er als Tango-Witwentröster" glatt durch.

Zur Situation sagte er damals: „In diesem Moment wusste ich: Dieser Beruf wird dir einmal strafrechtliche Probleme bereiten. Es war meine letzte Unterrichtsstunde.“

Skandal: Sexismus!

Eine mir unbekannte Andrea Zschocher schreibt dazu auf „Watson“, sie fände das „nicht witzig“. Nun kennen wir ihre Probleme.

Ja, die „rehbraunen Augen“… gut, dass Nuhr keine politische Karriere vorhatte!

Die Autorin weiter: „Und was Nuhr aus der Unterrichtsstunde mitnimmt, ist kein pädagogischer Impuls, keine Reflexion über Verantwortung, sondern der Gedanke, dass die Anwesenheit von Mädchen ihn zum potenziellen Straftäter machen könnte.“

Auf zur Mistgabel-Verteilung fürs Haberfeldtreiben!

Auch Carina Bukenberger vom „Promiflash“ befindet:

„Besonders seine Schilderung, dass ihm die eigene, offenbar unkontrollierbare Lüsternheit beim Anblick der Schülerinnen im Klassenzimmer wohl einmal ‚strafrechtliche Probleme bereiten‘ könnte, bringt die Social-Media-Nutzer reihenweise auf die Barrikaden.“

Selbst dort, wo gar keine sind. 

https://www.watson.de/leben/analyse/345833284-was-dieter-nuhr-2008-ueber-schuelerinnen-schrieb-sagt-alles-ueber-ihn

https://www.promiflash.de/news/2026/07/04/dieter-nuhr-kassiert-shitstorm-fuer-schuelerinnen-statement.html

https://www.focus.de/familie/schule/schulpraxis/die-waren-alle-mal-pauker-starschmiede-lehramt_id_2143076.html

Die Methode ist stets dieselbe: Wenn man lange genug sucht, findet man in jeder Biografie angreifbare Punkte – vielleicht hat man sich in einer Affäre dämlich benommen, einen Menschen schwer enttäuscht, im entscheidenden Moment nicht unterstützt, ist auf blöde Vorurteile reingefallen oder hat mal das falsche Knie angefasst. Das interpretiert man dann so negativ wie möglich. Selber hat man ja stets ein untadeliges Leben geführt…

So trat der britische Verteidigungsminister Michael Fallon 2017 zurück, als bekannt wurde, er habe 2002(!) bei einem Parteitag einer Journalistin ans Knie gefasst. Disgusting!

https://taz.de/Zurueckgetretener-britischer-Minister/!5457636/

Also auf zur Suche nach dem Splitter im Auge des Nächsten – auf dass unsere Gesellschaft gesunde! 

Und selber? Immerhin habe ich die Sache mit dem Lehramt durchgezogen. Heute hätte ich es auch mal mit Kabarett versucht.

Bei allen Schwächen und Fehlern nie gereizt haben mich aber weibliche Wesen, die noch nicht wussten, wer sie sind. Weder im Unterricht noch später im Tango. Das musste mir sogar einer meiner Hauptkritiker bestätigen:

„Bevor Riedl sich selbst zum moralischen Oberaufseher der Tangoszene erklärte, unterrichtete er Biologie. Fachlich solide, sagen manche – menschlich eher selektiv. Schon im Klassenzimmer sortierte er: Wer sich anpasste, bekam Zustimmung. Wer Fragen stellte, stieß auf Widerstand. Pädagogik als Machtdisziplin – ohne das Echo echter Beziehung.“

https://tangoblogblog.wordpress.com/2025/04/21/noch-ein-gastbeitrag-von-christian-beyreuther-der-noch-grosere-riedl-tango-fuhrer/

Immerhin haben sich die armen Mädelchen also eher vor mir gefürchtet…

Dieter Nuhr sagte damals im „Focus“:

„Ich habe die Entscheidung, nicht Lehrer zu werden, nie bereut, bin aber trotzdem froh, studiert zu haben. An der Uni habe ich Denken gelernt. Das ist auch für Komiker keine schlechte Grundlage.“

Für andere auch nicht.

Illustration: www.tangofish.de
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Kommentare

  1. Klaus Wendel hat in Windeseile einen Text zu meinem Artikel veröffentlicht. Ich mag nicht näher darauf eingehen – es lohnt nicht. Wer es lesen will:
    https://www.tangocompas.co/der-paedagoge-als-entlastungszeuge/
    Ich finde aber unsere Arbeitsteilung prima: Ich schreibe, und er liefert die Gründe, warum es nötig ist.

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