Loriot und der Spaß

Gestern stieß ich per Zufall auf ein hoch interessantes und amüsantes Video, in dem kein Geringerer als Hellmuth Karasek 1993 ein Gespräch mit dem legendären Loriot (Vicco von Bülow) führt. Ich kann die gut 50 Minuten wirklich wärmstens empfehlen – schon, da die beiden ein für heutige Verhältnisse absolut gepflegtes Deutsch sprechen.

Sollte man zur absoluten Minderheit gehören, welche mit diesem Namen nichts verbindet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Loriot

Sehr aufschlussreich fand ich eine Passage, die nach etwa 20 Minuten beginnt: Loriot hatte ausgeführt, dass es ihm stets schrecklich peinlich gewesen sei, sich vor anderen zu produzieren. Im Studio dagegen habe das funktioniert, da es ja kein Publikum gab, sondern nur die Techniker da gewesen seien.

Aber Humoristen brauchten doch als Feedback das Gelächter der Zuseher? Da müsse man sich, so die Antwort, auf sich selber verlassen. Loriot rät allen jungen Leuten, die Ähnliches wie er vorhätten, „einfach das zu machen, was ihnen Spaß macht“. Dann sollte der Funke auch überspringen. Na ja – und wenn nicht, hätten die sich wohl eher überlegt, was den Zuschauern gefalle. Nein, man müsse sich selber dabei wohlfühlen – und wenn es nicht ankomme, gebe es ja noch andere Berufe.

Jedenfalls solle man nicht einen „nebulösen Geschmack“ eines „nebulösen Publikums“ nachlaufen.

Sein Glück sei gewesen, dass seine damalige Sendung „Cartoon“ von der Dokumentations-Abteilung des Südwestfunks produziert wurde, wo er „Narrenfreiheit“ hatte. Dort war man froh, mal nicht die üblichen trockenen Stoffe aufbereiten zu müssen. In der Sektion Unterhaltung dagegen sei die Gefahr von Belehrungen groß gewesen:  Fachleute hätten ihm erklärt, wie Unterhaltung auszusehen habe.

In seinen Anfängen eckte Loriot mit seinen Zeichnungen durchaus an: Seine ersten Karikaturen im Stern" führten zu heftigen Leser-Protesten, woraufhin ihn der Chefredakteur Henri Nannen 1953 rausschmiss: „Ich will den Kerl nie wieder im Stern sehen!“ Die meisten Verlage lehnten seine Werke ab. Beides sollte sich bald ändern!

Obwohl mir der himmelweite Unterschied zwischen dem berühmten Humoristen und mir bewusst ist, musste ich bei dessen Erklärungen doch etwas schmunzeln: In den letzten Monaten war ich in heftige Debatten verstrickt, ob denn Spaß wirklich das entscheidende Fundament des Tango, vielleicht des Tanzens überhaupt sei. Gewisse Fachleute konnte ich nicht überzeugen – das Publikum vielleicht eher…

Und klar, mir wurde von Experten rauf und runter erzählt, wie Tango zu sein habe. Mehr noch: In den vielen Jahren Bloggen bekam ich haufenweise Ratschläge, wie ich zu schreiben hätte, um Erfolg zu erzielen. Ich erhielt ellenlange Mängel-Listen zu meiner Arbeit. Glücklicherweise habe ich das alles ignoriert und stets das gemacht, woran ich selber Spaß hatte.

Die neueste Verheißung lautete ja, durch die erschwerten Kommentar-Möglichkeit werde mein Blog leiden. Stattdessen dürfte der Dezember mit einer rekordverdächtigen Zugriffsrate enden!

Tja…

Daher verspreche ich: Auf meinem Blog wird weiterhin genau das stehen, was mir selber Freude macht. Wie es anderen geht, ist nicht mein Problem!

Was mir noch gefällt: Loriot kann ein abgeschlossenes Kunststudium vorweisen. Als Texter, Moderator, Regisseur und Schauspieler ist er Autodidakt! Nochmal tja...  

Nun aber zum Video!

Meine dringende Empfehlung: 50 Minuten, die sich wirklich lohnen!


https://www.youtube.com/watch?v=T5yP748xixQ

Kommentare sind wie immer per Mail an mamuta-kg@web.de möglich!

P.S. Preisfrage: Wovon leitet sich der Künstlername „Loriot“ ab? Die Lösung gibt es hier in zirka einer Woche!

Kommentare

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