Per Aspera ad Astra

 

Vor etwa drei Wochen beschloss ich nun doch, mich persönlich mit dem zu befassen, was man hierzulande „Impfchaos“ oder „Impfdesaster“ nennt: Ich meldete mich digital auf der Website der bayerischen Impfzentren an: https://impfzentren.bayern/citizen/

Ich war schon einmal positiv überrascht, da ich viele Medienberichte über unzugängliche Webseiten oder ständig besetzte Fernsprechanschlüsse kannte. Aber nein: Meine Registrierung gestaltete sich einfacher als die bei unserem Tiefkühlkost-Lieferanten. Per E-Mail konnte man sie bestätigen – fertig! Alternativ hätte es auch eine Telefonnummer gegeben.

Abschließende Information: Ich würde benachrichtigt, sobald man mir einen Impftermin anbieten könne. Okay, eine solche Botschaft erwartete ich – da im „jugendlichen“ Alter von grade mal Siebzig – frühestens nach Ostern.

Aber nein – am Sonntag vor einer Woche bimmelte mein Handy: Ich könne nun einen Termin buchen! Das Angebot: vier Tage später. Mist, das ging nicht, da ich eine Woche davor erst meine FSME-Auffrischung erhalten hatte (vulgo: „Zeckenimpfung“ – braucht man als Blogger unbedingt). Mein Entschluss: Am 22.3. war diese Immunisierung zwei Wochen her – die geltende Karenzzeit, in der man keine weitere Impfung erhalten durfte, war dann genau eingehalten!

Am vergangenen Freitag meldete ich mich nochmal an – ja verflixt, ich hätte schon am folgenden Samstag kommen dürfen. Was, arbeiten die auch am Wochenende? Toll, aber ebenfalls noch zu früh!

Am vergangenen Sonntag dann der dritte Versuch: bitte sehr, gleich am nächsten Tag um 14.30 Uhr! Der Impfstoff? Na klar, Astra Zeneca. Übrigens: Hätte ich mich am Donnerstag zuvor impfen lassen (mein Hausarzt hätte da kein Problem gesehen), wäre es Biontec oder Moderna gewesen. Im Pfaffenhofener Impfzentrum, so erfuhr ich aus der Zeitung, habe man – trotz der vorübergehenden Sperre für das britisch-schwedische Vakzin – keine Anmeldung stornieren müssen, da man einfach auf die vorhandenen Reserven mit den anderen Impfstoffen zurückgriff. Ich war beeindruckt!

Gestern landete ich etwa fünf Minuten vor dem Termin beim Impfzentrum unseres Landkreises. Kleine Kritik: Die Wegweiser waren recht dezent angebracht – aha, also per Fußmarsch einmal ums riesige Gebäude herum…

Vergeblich suchte ich nach der ellenlangen Schlange vor dem Eingang. Grade mal ein älteres Ehepaar war vor mir dran. Ein freundlicher Feuerwehrmann fragte nach dem Namen: Alles klar, bitte in den zweiten Stock! Aus Imagegründen nahm ich die Treppe.

Am Eingang erstmal Fieber messen, Händedesinfektion, drei Minuten später der Papierkram. Ein netter junger Mann fragte nach dem Impfpass und einem persönlichen Auskunftsbogen, den man schon zu Hause ausfüllen und ausdrucken konnte. Unterschrieben hatte ich bereits. Dann noch ein weiteres Autogramm für ein Aufklärungsblatt über den Astra Zeneca-Impfstoff.

Nach meinem Personalausweis fragte übrigens keiner. Ich hätte also auch ganz jemand anders sein können. Aber ich wusste ja, dass ich es wirklich war!

Zu den schriftlichen Unterlagen erhielt man dann noch eine Nummer: Bitte einen Raum weiter und dann warten, bis diese auf dem Bildschirm flimmerte und man so wusste, ob der „Arzt 1“ oder „Arzt 2“ auf einen wartete.

Nach fünf Minuten war ich dran: „Fühlen Sie sich gesund?“ und „Wann war Ihre letzte Impfung?“ Nach Blick in den Impfpass: „Na, das haben Sie sich ja genau ausgerechnet.“ „Ja klar, ich wollte so bald wie möglich drankommen.“ „Sind Sie mit Astra Zeneca einverstanden?“ Ja doch… 

Dann bitte den Oberarm freimachen… links oder rechts? Um exakt 14.43 Uhr versenkte eine freundliche junge Dame die Nadel. Pflaster gab es auch, leider anders als beim Hausarzt nicht mit Blumen oder Käfern drauf. Dass ich Privatpatient bin, interessierte wieder keinen... „Prima – hier der Impfpass – und nebenan der Ruheraum. Bitte dort eine Viertelstunde warten und dann mit der Nummer auschecken!“

Punkt 15.00 Uhr trat ich aus dem Gebäude, wo meine Frau schon mit dem Auto wartete. Die Chose hatte also eine halbe Stunde gedauert. Wegen ihres jugendlicheren Alters ist Karin bislang noch nicht dran, aber ich kann ihr dann alles ganz genau erklären!

Übrigens mussten wir zum Impfzentrum zirka 12 Kilometer fahren. Der Hausarzt wäre dreimal so weit entfernt gewesen. 

Ich weiß, dass dieser Text wenig gelesen werden wird, da er viel zu positiv ausfällt. Mir macht er aber besondere Freude, weil Medien ja fast ausschließlich über Dinge berichten, die schiefgehen. Dass die gleichen Sachen gewöhnlich tausendmal so oft bestens klappen, meldet keiner.

Ich kann daher nur sagen: Die Corona-Impfung habe ich als bestens organisiert erlebt. Und zumindest bei den Helfern im Landkreis Pfaffenhofen („Wo liegt das überhaupt?“) bedanke ich mich ganz herzlich für ihr professionelles und dennoch unbürokratisches Agieren sowie die nette Art im Umgang mit den „Kunden“. Kompliment!

Allerdings ist mir schon klar, warum ich mich nicht bereits Anfang Januar gemeldet habe. Erstens bin ich noch nicht über 80, und zweitens kenne ich das von anderen Festivitäten: Wer nach dem Erklingen des Aufrufs „Das Büfett ist eröffnet“ gleich losrennt, darf länger warten, da die Adipösen in dem Fall erstaunlich spurtstark sind. Also warte ich lieber eine Viertelstunde: Wird schon noch was übrig bleiben!

Ach ja, die Nebenwirkungen: Leider habe ich bislang noch keine Verbindung zu Bill Gates – anders als mein Tangofreund Peter Ripota, den ich deshalb schon ein wenig beneide. Nicht mal Fieber hat bis jetzt eingesetzt – ich fühle mich nur ein wenig abgeschlagen, und der rechte Arm signalisiert mir deutlich, dass er einen Stich abbekommen hat. Daher ist heute Chillen angesagt. 

Es hätte mich mehr beunruhigt, gar nichts zu verspüren. Das hätte ja eventuell bedeutet, dass mein Immunsystem kaum reagiert. Nein, es macht seine Arbeit, so wie ich das von anderen Impfungen kenne.

Sollte sich doch noch etwas Ernsthaftes ergeben, werde ich es natürlich hier ergänzen. Und selbstverständlich der Stuttgarter Querdenker-Zentrale melden. Versprochen!

Update 29.3.: Also, die Impfung war durchaus „wirksam". Zirka drei Tage lang hatte ich wenig Kraft, dafür zeitweise leichtes Fieber. Und der Oberarm fühlte sich heiß und schmerzhaft an. Aber inzwischen ist alles wieder gut!   

P.S. „Per Aspera ad Astra“ („Über raue Wege zu den Sternen“) geht übrigens zurück auf die Tragödie „Hercules furens“ („Der wildgewordene Herkules“) von Lucius Annaeus Seneca. Dort heißt es: „Non est ad astra mollis e terris via“, deutsch „Es ist kein weicher (= bequemer) Weg von der Erde zu den Sternen“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Per_aspera_ad_astra

Wie wahr, und – Achtung: Hammer-Wortspiel – es gilt nicht nur für „Astra Seneca“!


Kommentare

  1. Ich gratuliere Ihnen, Herr Riedl!

    Endlich ein Beitrag, der (fast) ohne Zitate auskommt. Nahezu jedes Wort stammt aus Ihrer Feder. Darum ist er auch so langweilig.

    Fazit: Sie MÜSSEN andere zitieren und - meist rechtschreibkorrigiert - an den Pranger stellen, denn sonst würde hier niemand mehr lesen. Aber das wissen Sie ja selbst.

    Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß beim Kopieren von Texten.

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    1. Na ja, immerhin lesen sogar Leute wie Sie diesen Artikel. Da bin ich durchaus zufrieden.

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    2. Riedl: "Ich werde mir daher erlauben, eventuelle weitere Abmerkungen von Ihnen auf diesem Blog ausnahmslos zu löschen."
      (Nicht rechtschreibkorrigiert.)

      Wieder nix.

      P.S. Kopieren ist lustig :-)

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    3. Ach, beschweren Sie sich jetzt darüber, nicht gelöscht zu werden?

      Zur Info: Wenn sich jemand mit horrendem Blödsinn selber um Kopf und Kragen schreibt, mache ich gern mal eine Ausnahme.

      Daher wünsche ich weiterhin viel Spaß beim akribischen Lesen von Artikeln, welche Sie selber als langweilig empfinden.

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