Die werten Aufpasser

Auch nach zehn Jahren intensiver Nutzung von Facebook kann man noch Neues erleben: Heute Vormittag erhielt ich die Nachricht, ein Link zum Blogartikel vom 10.1.23 sei gesperrt worden. Der (nicht nähere erläuterte) Grund: Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook.

Vielleicht lag es ja an Titel und Untertitel:

„Meine Charts aus dem Dummdeutschen – meine Sprachmüll-Hits“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2023/01/meine-charts-aus-dem-dummdeutschen.html

Da ich nicht vorhabe, mit einem Facebook-Kontrolleur, der vielleicht irgendwo im Ausland sitzt, auf Englisch über die Eigenheiten deutscher Satire zu debattieren, habe ich die Sperre akzeptiert. Darüber hinaus löschte ich die Links zum Text auf allen meinen FB-Accounts – und auch die zum Artikel vom 12.1.23, der vielleicht ähnliches Missfallen erregen könnte:

„Die Hits des Tango-Sprachmülls“

Ich habe den Titel jetzt verändert:

„Die Hits der Tango-Sprache“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2023/01/die-hits-des-tango-sprachmulls.html

Ich habe mir nun die Regelungen der Gemeinschaftsstandards näher angesehen. Da sie aus ellenlangen Aufzählungen bestehen, hier nur die vier Grundsätze (von mir aus dem Englischen übersetzt):

„AUTHENTIZITÄT

Wir möchten sicherstellen, dass die Inhalte, die Nutzer auf Facebook sehen, authentisch sind. Wir glauben, dass Authentizität eine bessere Umgebung zum Teilen schafft. Deshalb möchten wir nicht, dass Menschen Facebook nutzen, um falsch darzustellen, wer sie sind oder was sie tun.

SICHERHEIT

Wir setzen uns dafür ein, Facebook zu einem sicheren Ort zu machen. Wir entfernen Inhalte, die zu einer Gefahr für die physische Sicherheit von Personen beitragen könnten. Inhalte, die Menschen bedrohen, haben das Potenzial, andere einzuschüchtern, auszugrenzen oder zum Schweigen zu bringen und sind auf Facebook nicht erlaubt.

PRIVATHEIT

Wir verpflichten uns zum Schutz der persönlichen Privatsphäre und Informationen. Privatsphäre gibt den Menschen die Freiheit, sie selbst zu sein, zu entscheiden, wie und wann sie etwas auf Facebook teilen möchten und sich leichter zu vernetzen.

WÜRDE

Wir glauben, dass alle Menschen gleich an Würde und Rechten sind. Wir erwarten, dass die Menschen die Würde anderer respektieren und andere nicht belästigen oder erniedrigen.“

https://transparency.fb.com/de-de/policies/community-standards/?source=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fcommunitystandards%2F

Tja, mit Menschen, die „falsch darstellen, wer sie sind“, habe ich als Blogger und vor allem auf Facebook täglich zu tun. Selber poste ich stets mit wahrem Namen – oft geradezu eine Ausnahme! Und auch mit „Einschüchterung und Ausgrenzung“ hatte ich in all den Jahren meine Erfahrungen – ebenso mit Angriffen auf meine Würde. Schön, dass sich Facebook so intensiv darum kümmert…

Natürlich habe ich mir den inkriminierten Artikel noch einmal genau angesehen: Ja, manche Floskeln sind einfach nur dämlich – ich weiß nicht, wie ich das anders hätte ausdrücken können. Fest steht aber: Ich habe in dem Text weder die Würde einzelner Menschen noch von ethnischen, religiösen, geschlechtlichen oder sonstigen Gruppen herabgesetzt. Wenn man sich mal den Tonfall anhört, mit dem der verlinkte Kabarettist Georg Schramm dieses Thema behandelt, bin ich wahrlich ein satirischer Waisenknabe!

Den Begriff „Dummdeutsch“ haben übrigens namhafte Autoren sogar in Buchtiteln verwendet!

https://de.wikipedia.org/wiki/Dummdeutsch

Klar: Im Einzelfall habe ich Menschen, welche mir immer wieder zusetzten, auf meinen Accounts gesperrt. Eine Meldung „vorschriftswidriger“ Inhalte an Facebook hat es von meiner Seite nie gegeben. Ich hätte mich als Denunziant gefühlt. Das scheinen andere nicht so eng zu sehen.

Nach meinen Kenntnissen erfolgen solche Sperren regelmäßig dann, wenn ein Nutzer einen Beitrag an Facebook meldet. Ob es in meinem Fall so war, kann ich natürlich nicht beweisen. Ich sehe aber Indizien, welche dies nahelegen:

Gestern stiegen die Zugriffe auf mein Blog von normalerweise gut 500 pro Tag auf sagenhafte 2194 – den mit Abstand höchsten Wert seit Bestehen des Blogs. Ich ahnte schon, dass es da irgendwo heftig rumorte. Das Resultat erlebte ich heute.

Es hat in der Vergangenheit schon viele Versuche gegeben, mein Blog in ein schlechtes Licht zu rücken – ob man mir nun mangelndes Fachwissen, Beleidigungen oder Verletzungen der Privatsphäre nachsagte. Nun also wohl ein weiterer Versuch, meinen Veröffentlichungen das Wasser abzugraben!

Kennzeichnend für eine bestimmte Spezies von „Aufpassern“ ist es, dass sie niemals auf die wesentlichen Inhalte meiner Artikel eingehen. Stattdessen werden die Texte mit dem Finger an der Zeile auf „Fehler“ untersucht – und dabei ist keine Randaspekt zu unwichtig.

So wurde heute Nacht zu meinem Artikel „Lustiges aus dem Salzkammergut“ bestritten, dass Salzburg in diese Region gehöre. (Glücklicherweise hatte ich das vorher recherchiert und habe daher ein reines Gewissen.) Dass es in dem Text um etwas völlig anderes ging, war wohl uninteressant.

https://milongafuehrer.blogspot.com/2023/01/lustiges-aus-dem-salzkammergut.html

Und gerade eben meinte ein mir wohlbekannter Kritiker eine Debatte zum Begriff „zeitgenössische Musiker“ wiederbeleben zu sollen – allerdings vom Inhalt meines Beitrags weit entfernt.

Ebenso beschwerte sich neulich ein Schreiber, dass er Kommentare in unserer privaten Facebook-Gruppe nicht lesen könne. Dass er selber dieses Medium gar nicht nutzt, empfand er nicht als Widerspruch.

Ich bin diesen „Blogwarten“ sogar ein Stück weit dankbar: Leute, die jeden Pipifax bemängeln, erziehen zu einer immer genaueren Arbeitsweise. Nur eines werden diese Zeitgenossen natürlich nie schaffen: Mich von weiteren Publikationen abzubringen. Im Gegenteil: Sie erziehen mich zu einer Hartnäckigkeit, ohne die ich die bisher über neun Jahre dieser Tätigkeit nicht durchgestanden hätte!

Wie wird es weitergehen? Wird man nun Facebook-Sperren zum Mittel der Wahl gegen mein Blog machen? In dem Fall würde ich mich natürlich heftig wehren müssen, notfalls mit anwaltlichem Beistand. Dabei würde ich selbstverständlich auch versuchen, die Identität der Beschwerdeführer zu ermitteln. Und keine Angst: Als Pensionist habe ich sehr viel Zeit…

Meinen treuen Leserinnen und Lesern rate ich, in Zukunft nicht mehr automatisch davon auszugehen, dass meine neuen Beiträge via Facebook-Link zu finden sind. Möglicherweise wurden sie dort gesperrt. Der sicherste Weg ist, immer mal wieder auf mein Blog zu sehen.

Über die eventuell weiteren Entwicklungen werde ich hier berichten. Stay tuned!

Illustration: www.tangofish.de

Kommentare

  1. Meines Wissens werden Sperren zunächst automatisch erstellt (ohne menschliches zutun), wenn genug Menschen einen Beitrag / Nutzer melden. Erst ein Widerspruch führt zu einer Überprüfung durch einen Menschen.
    Und meines Wisssens wird die Überprüfung deutscher Inhalte durch die Facebook Deutschland GmbH (Hamburg?) vorgenommen:
    https://www.apfelpage.de/hilfe/facebook-deutschland-kontakt-support-mail-telefonnummer/
    Mit weiteren Kontaktmöglichkeiten:
    https://www.facebook.com/legal/terms

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    1. Vielen Dank für die Hinweise!
      Ich meine auch, dass ein Post nur gesperrt wird, wenn es "Meldungen" gibt.
      Momentan habe ich aber noch keine Lust, mit den Leuten von Facebook über "Satire" zu diskutieren. Das ist halt vorwiegend Ansichtssache, da habe ich ja diverse Erfahrungen...
      Schauen wir mal, ob da nochmal was kommt. Wenn das zur Methode wird, werde ich mich wehren. Und da kann ich dann sehr hartnäckig werden!

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